Internationale Musikmesse 1995 in Frankfurt

Ein kleiner Rundgang

Computer werden schon seit lange auch dazu benutzt, Musik zu machen Der Atari ST bot sich durch die eingebaute MIDI-Schnittstelle zur Ansteuerung der diversen MIDI-Geräte gerade zu an. Ihm war dadurch im Musikbereich ein großer Erfolg beschert. Heut muss man auf der Suche nach TOS-Rechnern auf der Musikmesse fast aufgeben. Apple-Rechner und PCs haben die ehemalige Spitzenstellung von Atari übernommen. Im professionellen Studiobereich ist der Mac die erste Wahl, der durch die hohe Verbreitung in Amerika auch mit der passenden und verlässlichen Zusatzhardware aufwerten kann. Hier hat sich als De-Facto-Standard für Harddiskrecording das System PROTOOLS der Firma DIGIDESIGN durchgesetzt.

Im PC-Bereich gibt es zwar leistungsfähige Rechner, für die sich solch ein Standard aber noch nicht herausgebildet hat.

Die meiste Soft- und Hardware zielt dann auch erstmal auf den gehobenen Heimmusiker, bei dem zumeist ein PC steht, der nun weiter genutzt werden soll. Hier ausgenommen sei vielleicht das Soundscape HD-Recording-System, welches auch den professionellen Anwender ansprechen will.

TOS-Rechner sind nur noch auf zwei Ständen gesichtet worden, zum einen bei C-LAB (vielen sicher noch bekannt als ehemalige Vertriebsfirma für den Notator/Creator) auf dem STEINBERG-Stand und bei SOUNDPOOL, die sich bisher durch Interfaces für den Falcon hervorgetan haben. Beide Firmen bieten einen für den Musikbereich optimierten Atari Falcon an, wobei hier C-LAB ein Stück weiter gegangen ist. C-LAB hat weltweit als einzige Firma von Atari die Rechte für die Herstellung und Modifikation der Falcon-Platinen sowie die Berechtigung, das TOS zu modifizieren, erhalten. Die Modifikationen am TOS sollen sich nach eigenen Aussagen zunächst nur auf Bugfixes beschränken. Allerdings möchte C-LAB das TOS des Falcon Mk2 nicht dahingehend ändern, dass er inkompatibel zum bestehenden Softwareangebot würde. In dem angebotenen C-LAB Falcon Mk2, wie er heißt, wurde die Audiosektion umfangreich überarbeitet, was sich nicht nur auf die Anpassung auf Linepegel- Signale beschränkte, sondern auch den Austausch mit hochwertigeren Bauteilen beinhaltet. So wurde der Original-DAC durch ein selektiertes Modell von Crystal ersetzt. Samplefrequenzen von 44,1 und 48 kHz sind jetzt ohne Zusatzhardware möglich. Desweiteren wird der Mk2 serienmäßig mit 14 MB RAM ausgeliefert und hat eine interne(!) 500 MB-SCSI2-Festplatte.

Für die nahe Zukunft sind als serienmäßige Ausstattung eine größere Festplatte und ein digitales Audiointerface geplant, ohne dass sich am derzeitigen Preis des Gerätes von 4950 DMetwas ändern wird. Optional soll es eine Ausstattung mit einem zweiten DSP geben sowie eine Variante im Rackformat.

Bei dem Falcon von SOUNDPOOL handelt es sich um einen Originalfalcon in einem 2 HE Rackgehäuse, bei dem leider Aussparungen für das FA8 aus gleichem Hause, welches acht Einzelausgänge zur Verfügung stellt, nicht vorgesehen sind. Wer die Einzelausgänge benutzen möchte, muss also wieder auf externe Verkabelung zurückgreifen. Der Anwender kann sich die Ausstattung des Geräts selbst konfigurieren, z.B. mit der neuen M04 MIDI-Port-Eweiterung oder dem bekannten S/PDIF-Digitalinterface. Auf eine Modifikation der Audiosektion wurde verzichtet, da es mit diesem Interface möglich ist, die hochwertigeren Wandler eines DAT-Recorders zu nutzen. Lediglich die Ein- und Ausgänge der internen Wandler wurden mit 6,3mm Stereoklinken ausgestattet. Der gepufferte ROM-Port befindet sich auf der Frontseite, was zwar für Software-Keys günstig ist, aber das Anbringen von Erweiterungen wie dem Unitor oder Midex erschwert. Intern ist eine große IDE-Platte eingebaut, die laut SOUNDPOOL schneller sei, als eine vergleichbare SCSI-Platte. Für 4998 DMist ein Komplettpaket mit 4 MB RAM, 850 MB HD, 14" Super VGA Farbmonitor, dem M04 und dem S/PDIF- Interface, einem Gehäuse für die Falcon-Tastatur, der Audiotracker- und der DataDAT DAT-Streamer-Software erhältlich.

SOUNDPOOL ist auch neben STEINBERG eine derjenigen Firmen, die Musiksoftware speziell für den Falcon anbietet. Da wäre z.B. der oben erwähnte AUDIOTRACKER, ein 8-Spti HD-Recording-Programm, die DataDat DAT- Streamersoftware, mit der Backups von HDs über das S/PDIF-Interface auf jeden DAT-Recorder gemacht werden können sowie eine Frequenzanalyse-Software. Neu ist der ZERO-X Sampleeditor, der umfangreiche und schnelle Werkzeuge zur Editierung und Konvertierung diverser Sampleformate zur Verfügung stellt (u.a. WAV, AVR etc.) und mit Samplern via MIDI und SCSI kommuniziert. Die Falconversion arbeitet mit DSP-Unterstützung und ist dementsprechend um einiges schneller. Dieses Programm ist nach eigener Erfahrung sehr empfehlenswert. Von STEINBERG gibt es das bekannte CUBASE Audio Falcon mit bis zu 16 (komprimierten) Spuren und ab Herbst den Sampleeditor AVALON in der Version 3.0, ebenfalls mit DSP-Unterstützung.

Fazit

Der Falcon ist für den Heimanwender und Profi immer noch die preisgünstigste und einfachste Möglichkeit, semi-professionelles Harddiskrecording zu betreiben. Die Entscheidung für die eine oder andere Variante ist nun jedem selbst überlassen. Der C-LAB Falcon Mk2 ist als Standalone-Gerät konzipiert, welches nicht auf externe Interfaces angewiesen ist, um gutklingende Ergebnisse zu erzielen (Cubase Audio ist vorinstalliert, aber nicht im Preis enthalten). Abzüge gibt es nur für das verwendete Originalgehäuse, dessen Tastatur bekannterweise nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Der Möglichkeit, einen Towerumbau machen zu lassen, stellt sich der Mk2 auch nicht entgegen. Die von SOUNDPOOL angebotenen Interfaces und Programme lassen sich natürlich auch mit dem Mk2 benutzen. Die SOUNDPOOL AUDIO WORKSTATION (so der Name) verlässt sich auf Zusatzhardware zur Erzielung professioneller Ergebnisse, die aber im Preis enthalten und im Gehäuse integriert ist. Der Kritikpunkt der Tastatur besteht hier zwar ebenfalls, es ist aber möglich, ein TT-Keyboard anzuschließen, eine PC-Tastatur wäre aber sicherlich noch besser. Die Marktchancen der beiden Geräte lassen sich aufgrund des Rufes von Atari unter Computeranwendern schlecht abschätzen. Erfreulich ist jedoch auf jeden Fall, dass eine längerfristige Weiterentwicklung des Falcon und somit auch der dazugehörenden Spezialprogramme dadurch gesichert ist, dass die Fa. C-LAB die Rechte an der Modifizierung und somit auch Optimierung der Hard- und Software erworben hat.


Malte Krug



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