Ultimate Virus Killer

"Was will man heutzutage noch mit einem Viruskiller für ATARI-Platformen", werden sich viele von Ihnen fragen. Das tat ich auch, bis vor kurzem 730 MB meiner Daten gemeinerweise zerstört wurden. So machte ich mich auf die Suche nach einem modernen und zuverlässigen Virenkiller und fand ...

UVK 6.4

Aktueller Viruskiller für Atari ST/STE/TT/Falcon & Kompatible

UVK Version 6.4? Nein, die Versionsnummer 6.4 ist wirklich nicht übertrieben, sondern im Laufe der Zeit hart erkämpft worden, denn UVK existiert schon seit 1988 und hat sich immer nur in Zehntelschritten bezüglich der Versionsnummer erhöht.

Nun, Virenkiller machen wirklich nur Sinn, wenn sie immer auf dem neuesten Stand sind und auch dauernd aktualisiert werden. Bei UVK ist dies gewährleistet. Es existiert schon seit 1988 als kommerzielles Programm. Damals hieß es noch VDU (Virus Destruction Utility) und war zuvor in der Version 1.0 und 2.0 frei verfügbar. Es stellte eine Art Soforthilfetool dar und sollte erst einmal die schlimmsten damals existierenden Viren abhalten. Jedoch mit dem wachsenden Arbeitsaufwand wurde es mit Auslieferung der Version 3.0 kommerziell.

Mit der Version 4.0 erhielt es den jetzigen Namen: UVK (Ultimate Virus Killer).

Vorkenntnisse

Viele Virenkiller bieten die Möglichkeit an, Programme als unverseucht in eine Bibliothek aufzunehmen. Um zu einem späteren Zeitpunkt durch Vergleiche festzustellen, ob sich etwas geändert hat. Zwei Nachteile hat dieses Konzept:

1) Einige Programme speichern die Konfiguration nicht in einem Infofile ab, sondern im Programm. Prompt schlagen solche Virenkiller Alarm. Obwohl unter Umständen gar kein Virusbefall vorliegt und somit lediglich falscher Alarm geschlagen wird.

Bei UVK jedoch wird eine Wahrscheinlichkeit aus mehreren Faktoren errechnet, so daß er Viren im Speicher bisher immer zuverlässig lokalisieren und bekämpfen konnte.

2) Woher weiß der Anwender, ob ein Programm bereits verseucht ist oder nicht ? Im Prinzip gar nicht! Auch Originaldisketten können schon mal verseucht sein. Somit scheidet dieses Kriterium aus. Wichtig ist, daß der Viruskiller einen Algorithmus hat, der zuverlässig, anhand mehrerer Kriterien bestimmt, ob Programme verseucht sind oder nicht und gegebenenfalls den Virus dann sauber entfernt.
UVK kann sogar Linkviren erkennen und total deaktivieren. Manche Programme können zwar den Befall konstatieren, aber insbesondere bei Linkviren sind diese oft hilflos. Zwar schmecken sich auch andere mit dieser Fähigkeit, Linkviren wirkungsvoll zu bekämpfen, aber UVK analysiert den ausführbaren Teil des Linkvirus und kann genau sagen, was es bewirkt. Außerdem entseucht es bestehende Programme zuverlässig.
Datenverluste werden somit bei regelmäßiger Anwendung, wirkungsvoll vermieden.

Es macht insbesondere erst dann Sinn Originaldateien zurückzukopieren, wenn der Linkvirus vom Programm vollständig entfernt wurde, auch im Speicher und auf der Platte deaktiviert ist und auch alle Bootsektorviren entschärft wurden. Eine weitere kluge Option ist es, den Harddiskrootsektor zu speichern, um diesen bei Bedarf zurückzuspielen.
Den Rootsektor zurückzukopieren ist nämlich deutlich schneller, als ein Backup einzuspielen. Denn er ändert sich nicht, es sei denn, man hat den Harddiskoptimierer (Defragmentierer) angewendet.
Ein weiteres Bonbon ist: UVK kann Bootsektoren nicht nur von Bootsektorviren befreien, sondern auch Spielebootsektoren reparieren. Dies ist interessant, falls man ein Spiel spielt und der Bootsektor geht kaputt. Manchmal gehen Backups und auch Originaldisketten kaputt und dann steht man da mit ein paar Originaldisks und Handbüchern. Sicher man kann die Disk einschicken und erhält oft einen neuen Satz Disketten. Dies dauert aber seine Zeit. UVK bietet die Option den gewünschten Bootsektor auszuwählen und erneut auf der Disk zu installieren. Dann funktioniert meist alles wieder einwandfrei und man hat eine Menge Zeit und Ärger gespart.

Praxis

Der Viruskiller läuft ab 512 KB mit ROM TOS 1.0 oder höher und wird auf einer DD-Disk ausgeliefert. Eine gedruckte Anleitung existiert nicht, dafür aber eine ausführliche Anleitung als ASCII-Datei. Es kommt auch glänzend mit MiNT/MultiTOS zurecht. Außerdem läuft es auch tadellos mit Minix XFS Partitionen und zeigt beim Scanneu von Harddiskpartitionen alle gescannten Dateien an. Leider fehlt eine Option, alle Partitionen zu testen.
Die Erkennung aller installierten Partitionen funktioniert hingegen einwandfrei. Die Installation von UVK ist denkbar einfach.
Entweder man betreibt UVK als Programm, dann kann es sowohl von der Diskette als auch von der Festplatte gestartet werden, oder man installiert es als Accessory, so daß es jederzeit verfügbar ist.

Das Programm

In UVK gibt zwei wichtige Menüs:
Der Systemcheck (siehe Abbildung) und das Virencheck-Hauptmenü. In diesem Hauptmenü kann man: Bootsektoren und Linkviren bekämpfen und außerdem defekte Bootsektoren von Spielen reparieren. Zudem gibt es ausführliche Onlinehilfen, die bei der Bedienung des Programmes weiterhelfen.

Das Programm ist sehr gut! Der einzige Kritikpunkt ist: Es lassen sich nicht alle Festplattenpartitionen automatisch prüfen, sondern man muß diese einzeln mit oder der Maus auswählen. Sonst ist es, aufgrund der hohen Aktualität und des guten Services des Autors, sehr zu empfehlen. Vom einfachen Uralt-ST bis zum High End Atari läuft es überall, wenn mindestens 512 KB & ROM TOS zur Verfügung stehen.

"Ultimate Virus Killer Handbuch"

Endlich erscheint es!
In den letzten Jahren hat der Autor des Viruskillers UVK auch ein Buch verfaßt. Es richtet sich an alle, die sich für das Virenproblem interessieren. So enthält es z.B. alle Abwehrmaßnahmen, die bisher bekannt sind. Außerdem bietet diese Lektüre einen historischen Überblick über Viren auf Atari, MS-DOS, Apple und anderen Rechnern. Die Viren werden nach verschiedenen Virusstämmen, ganz wie beim biologischen Vorbild, klassifiziert und in ihrer Gefährlichkeit eingestuft. Alle Symptome, die Viren auf Atari Rechnern betreffen, werden erläutert.
Es sind 250 informative Seiten geballtes Viren Knowhow vom Experten. Was man vielleicht erwähnen sollte, ist die Tatsache, das dieses Buch englischsprachig verfaßt worden ist, so daß es einige Grundkenntnisse in dieser Sprache voraussetzt. Sollten diese vorhanden sein, so kann der 250-seitige Schinken nur empfohlen werden, da sich der Inhaltliche Teil (von allgemeinen Erklärungen abgesehen) ausschließlich mit Viren auf dem ATARI befaßt.

Fazit

UVK ist ein sehr empfehlenswertes Programm, da es in seinen Grundzügen quasi mit der Erscheinung des ATARI ST entwickelt worden ist. Dieses knappe Jahrzehnt an Erfahrungen schlägt sich sowohl auf die Vielseitigkeit und Kompatibilität als auch auf den Bedienungskomfort nieder. Schließlich erlebt man es nicht gerade häufig, daß aktuelle Programme auch noch auf den aller ältesten STs laufen.
Filipe P. Martins



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