Interview mit TEAM-Computer: Was macht der ATARI-Markt?

TEAM-Computer gehört heute zu den größten ATARI-Stores in Deutschland. Mit Herrn Kremer, Mitbegründer von TEAM, unterhielten wir uns über den ATARI- Markt und dessen Zukunft.

Herr Kremer, es ist doch schon ein wenig mutig, genau dann auf die ATARIKundschaft zu setzen, wenn andere Händler langsam aber sicher auf andere Schienen umsteigen. Wie kam es im Jahre 1992 zu der Gründung von "TEAM"?

Kr.: Sie wollen die TEAM inside Hintergrundstory? OK, dann erzähle ich etwas ausführlicher, wie sich damals alles entwickelt hat, denn in diesem Hintergrund steckt vieles der heutigen Firmenphilosophie: Während meines Studiums in Aachen (1983) knüpfte ich über meinen ersten Computer, damals ein Apple 2 Plus Nachbau, erste Kontakte zu Harald Paul. Mit einem weiteren Kommilitonen, Harald Denker, suchten wir gemeinsam Wege, einer kleinen Firma aus meinem Bekanntenkreis, ein vernünftiges Branchenkonzept zu erarbeiten. Damals kosteten Branchenlösungen inklusive Computersystem rund 250.000 DM. Durch die Hilfe von Harald & Harry gelang es uns, eine Branchensoftware zu entwickeln, die wirklich alle Spezialfälle der besagten Firma abdeckte und die bis heute konkurrenzlos schnell und sicher auf mehreren Mega STs läuft. 1986 forderte mich mein Cousin auf, einmal zu überlegen ob, man nicht ein Sonnenstudio durch einen Computer steuern könnte. Harald & Harry konnten natürlich auch das! So entstand unter dem "RTOS / Pearl"-Betriebssystem eine Schalt- und Verwaltungssoftware, die sogar durch Sonnenstudiobesitzer und deren Angestellte ohne Einarbeitungszeit beherrscht werden kann. Im Zuge dieser Entwicklung nahm ich dann Kontakt mit der Firma "JK" auf, der größte Sonnenbankhersteller der BRD. Die Technikabteilung im Hause "JK" war von der Lösung begeistert. So fragte ich damals bei dem ATARI Händler in Köln (Büromaschinen Braun) an, ob ich vielleicht zu Unterhändlerkonditionen an ATARI Computer kommen könnte. "JK" wollte das System Bundesweit einführen. Da wir keine Konditionen eingeräumt bekamen, wandte ich mich an ATARI Deutschland und bekam zunächst eine Absage. Man machte aber bei ATARI den Fehler, mir den für mich zuständigen Vertriebsleiter zu nennen. Den traft ich per Zufall auf der ersten ATARI-Messe in Düsseldorf. Er witterte das "Riesengeschäft" und so erhielt ich auf Umwegen und zu besonderen Bedingungen 1986 einen ATARI-Händlervertrag. Diese Bedingungen lauteten: "Klaus Kremer Computer Hard& Software, darf keine Werbung mit ATARI-Computern machen und wird nicht im ATARI Händlerverzeichnis geführt". Nach zähen Verhandlungen platzte dann der Deal mit "JK". Man wollte das Sonnenstudioprogramm inkl. Computer für 3.500,00 DM verkaufen. (Der Einkaufspreis eines Mega ST mit einer Megafile 30, Monitor + Drucker lag damals aber bei ca. 3.000,00 DM, so dass jeder der Entwickler ca. 5,00 DM am Programm verdient hätte (zumal noch weitere Zusatzhardware nötig gewesen wäre). Die Zeichen standen trotzdem nicht schlecht, da durch einen Fehler bei ATARI meine Adresse plötzlich doch im Händlerverzeichnis auftauchte und die Firma "Ergodent" für Ihre Zahnarztsysteme noch einen vernünftigen Partner suchte. Der Andrang der Endkunden erhöhte sich, weil der genannte Kölner Händler offensichtlich auch nicht mehr den nötigen Biß im ATARI Markt zeigte. Folgerichtig mußte ein Ladenlokal her, um den Andrang bewältigen zu können. Als Partner bot sich natürlich der langjährige Freund Harald Paul an. Dazu gesellte sich ein TT Kunde mit einer sehr pfiffigen Idee: Thomas Lüthy hatte eine PC Vermietung unter dem Namen Rent-a-Computer erfunden. Weil auch er den Andrang seiner Kunden nicht mehr alleine bewältigen konnte, lag es nahe, sich zu verbunden und ein gemeinsames TEAM zu gründen. Unser Firmenname scheint daher nur allzu logisch. Glücklicherweise wurde das Ladenlokal einer ehemaligen Wäscherei im Süden Kölns frei. Ein paar Stemmeinheiten, neue Fenster und schon startete man im November 1992 beflügelt von einer Menge TEAM Geist. Dieser manifestierte sich 1993 erstmals in Form eines Aufklebers und ist seither Markenzeichen für das TEAM.

Red.: Ohne Sie nach den genauen Umsatzzahlen fragen zu wollen: Wie läuft denn das Geschäft heute?

Kr.: Genaue Umsatzzahlen würden sicher nur verwirren, da Umsatz ja nicht gleich Gewinn ist, aber Spaß beiseite: Unser Unternehmen scheint die gesetzten Ziele erreichen zu können. Sie wissen ja, dass wir im letzten Jahr noch eine Filiale in Gelsenkirchen errichtet haben. Dies geschah nicht aus Geldüberfluß, sondern um den ATARI Kunden des bis dahin wohl umsatzstärksten Händlers weiterhin Unterstützung und Service zu bieten. Unser Filialleiter Fred de Vries hat sich im "Kohlenpott" schon jahrelang einen Namen gemacht sein "Know how" ergänzt unser TEAM ideal. Um die Frage konkret zu beantworten: Wir sind zufrieden und können allem Anschein nach auch für die Zukunft unseren vollen Support für alle Kunden garantieren.

Red.: Von vielen Händlern hört man, dass der PC- und Apple-Teil den größten Umsatz der jeweiligen Ladenlokale ausmacht. Trifft dies auch auf TEAM-Computer zu, oder soll man den Gerüchten Glauben schenken, dass Sie auch heute noch voll und ganz auf ATARI setzen?

Kr.: Natürlich setzen wir nach wie vor aus Überzeugung auf Produkte aus dem ATARI-Bereich, gleichzeitig wächst aber auch die PC-Schiene. Zu Apple-Produkten habe ich aus marktstrategischen Überlegungen nicht so viel Vertrauen. Der Umsatz gliedert sich bei uns gleichmäßig auf alle Schienen, sie wissen, wir produzieren auch Software!

Red.: Als wir uns vor einigen Wochen auf einer Messe unterhielten, sagten Sie, dass Ihre ATARI-Falcon-Verkaufszahlen monatlich in guter zweistelliger Höhe lägen. Ist dieser Rechner noch immer die Dream-Machine der ATARI-Fans?

Kr.: Ich glaube, viele Computerbenutzer sollten sich über Ihre Anwendungen ernsthafte Gedanken machen und prüfen, wozu sie einen Computer benötigen. Der Falcon ist nach wie vor eine "Allround-Maschine" mit einem vernünftigen Preis-Leistungsniveau. Speziell für Musikanwendungen ist er wohl die Nr.1, auch wenn das viele andere gerne anders sähen. Faktum ist, dass der Falcon bis in den professionellen Musikbereich den Ansprüchen genügt. Daher hat er auch in Zukunft seinen Platz. Für kreative Anwender ist er durch die Softwarevielfalt auch in anderen Bereichen eine vernünftige Alternative.

Red.: Uns ist bei einigen Händler-Besuchen aufgefallen, dass fast nirgendwo ein Falcon mit entsprechender Demo-Software läuft, um den potentiellen Käufern die Fähigkeiten dieser Maschine zu zeigen. Sehe ich das richtig, dass die Verkäufer häufig den "Kopf in den Sand stecken" und darauf warten, dass der Anwender ungesehen einen Falcon kauft?

Kr.: Leider haben wir aufgrund der Situation der vorigen Schilderung keine Zeit mal zu schauen, wie andere Händler ihre Produkte präsentieren oder demonstrieren. Klar ist jedoch, dass der ATARI Bereich sehr Beratungsintensiv ist, und das Fachgespräche in diesem Bereich mitunter Stunden dauern können, da der "gemeine" Atari Fan sehr wißbegierig ist. Für Händler ist das natürlich sehr kostenintensiv, da auch unsere Mitarbeiter viel Zeit investieren müssen. Hinzu kommt, dass wir Händler seit Jahren mit einem Dreifachwortwitz zu kämpfen haben: "ATARI Firmenpolitik". Für TEAM Computer gilt, dass wir für unsere, ich sage jetzt ganz bewußt TOS Kunden, auch für die Zukunft einiges auf Lager haben (nicht nur Hardware und Ersatzteile, sowie Schnäppchen von anderen Händlern aufgekauft), so dass niemand gezwungen sein wird, auf seine geliebte Software zu verzichten. Mehr darf ich zur Zeit nicht verraten, warten Sie noch ca. zwei Monate ab...

Red.: Wenden wir uns wieder den schönen Seiten des ATARI-Marktes zu: Vor einigen Monaten stellten Sie "NEON", das professionelle Raytracing-Programm für den Falcon 030 vor (siehe Inside 3/95). Es erregte viel Aufsehen bei unserer Leserschaft. Nun soll es bald auch die ATARI TT-Variante geben. Sind Sie persönlich zufrieden mit dem Zuspruch und den Verkaufszahlen?

Kr.: Es gibt die TT-Version ab sofort! Mit der Resonanz in der Fachwelt war ich persönlich sehr zufrieden, die Tests sprechen für sich. Die Verkaufszahlen sind erwartungsgemäß, jedoch muß ich sagen, dass die Franzosen offenbar noch kreativer sind als unsere Landsleute, denn in Verkaufszahlen führt Frankreich noch deutlich!!

Red.: Wir haben munkeln gehört, dass "NEON" im Ausland schon bei Fernsehanstalten und in anderen professionellen Anwendungsgebieten eingesetzt wird. Können Sie uns dazu näheres sagen?

Kr.: Die Registration besagt, dass ein gewisser "Canal+" einen Falcon nebst NeoN gekauft hat. Weiterhin liest man in der Liste der Anwender einen klangvollen Namen: "Walt Disney Studio France". Wir hoffen Ihnen bei Zeiten mitteilen zu können, was die besagten Profis mit NeoN herstellen.

Red.: Kann man außerdem erfahren, weiche konkreten Änderungen es in den Folgeversionen von "NEON" geben wird?

Kr.: Wir betrachten das NeoN Programmpaket als rundum fertig und zufriedenstellend und arbeiten fieberhaft an unseren Dienstleistungsangeboten rund um NeoN. Das NeoN-TEAM bastelt zur Zeit eifrig an einer neuen Version, allerdings für einen anderen Zielmarkt. Bevor das Projekt nicht abgeschlossen ist, gibt es dazu leider keinen weiteren Kommentar.

Red.: Wir bedanken uns für das Gespräch.



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