Dr. Satari

Safari, Dr. [Sa: tari] Etymologie: Synthese aus Satire und dem Namen eines amerikanischen Computerkonzerns. Assoziationen mit dem hornbewehrten Untier ähnlichen Wortstamms und dem Kummerkasten eines deutschen Jugendmagazins sind nicht völlig unbeabsichtigt.
Sie zählen auch zu jenen Millionen Staubgeborener, die sich mit einem Deus ex machina, einem Eletronengehirn, oder, wie der neudeutsche FrevIer mit täglich wechselnder Aussprache stottert, mit einem Personalcomputer gesegent sehen? Sie zählten bisher zu jener Handvoll Sterblicher, die in friedlicher Koexistenz mit dem stromverschlingenden Hausgenossen ihr Dasein fristeten, ja womöglich sogar mit ihm rundum zufrieden waren und sich der irrigen Hoffnung hingaben, nichts könne ihre wohlwollende Meinung über dieses Wunderwerk modernster Mikrotechnik erschüttern?
Dann ist Dr. Satari, die neue Kolumne im ATARImagazin, wie geschaffen für Sie. Jeden Monat öffnet Ihnen ab jetzt Dr. Satari die Augen für ein Manko jenes Konglomerats billigster Taiwan-Transistörchen, das Sie bisher Computer nannten, für die Machenschaften und Intrigen, Schicksale und Existenzen, die sich hinter diesem unscheinbaren angelsächsischen Begriff verbergen.
Beginnen wir mit einer jener fundamentalen Fragen, die sich ein Computerbesitzer in spe stellen muß:

Sohn, warum brauche ich einen Computer?

Jahrelang hatte mein Erzeuger den Weg seines Sprößlings durch die Irrungen und Wirrungen einer typischen Computerkarriere verfolgt. Mit süffisantem Lächeln nahm der den Sohn, der damals gerade zwölf Lenze zählte, auf dessen inständiges Bitten hin mit zum VHSKurs Hardware und Programmierung eines 8-Bit-Rechners. Zunächst mit einem peinlichschwitzenden Grinsen, zunehmend jedoch mit vaterstolzgeschwellter Brust konstatierte er, daß sein Ableger der anwesenden Altherrenriege zeigte, was der Systemtakt geschlagen hat. Mit wohlwollender Miene steuerte der Senior nun ab und an sein Scherflein zu der proportional zum Alter wachsenden Anlage des Juniors bei und verfolgte baß erstaunt dessen digitale Fortschritte.

Schließlich, inzwischen im Wechsel der Jahre ergraut, schien den alten Herrn nun doch noch die Lust gepackt zu haben. "Sohn!" so eröffnete er mir neulich in einer stillen Stunde. "Ich brauche einen Computer." "Fein, Paps!" antwortete ich ihm. "Dann mußt du dir einen kaufen." Mit dem gequälten Blick des Unverstandenen verlieh er nun jenem Leid Ausdruck, das schon geraume Zeit sein großes Familienvaterherz zu bedrängen schien: "Aber Sohn, warum brauche ich einen Computer?"

Hier wurde ich nun freilich mit einer Frage konfrontiert, die seit Konrad Zuse unbeantwortet geblieben ist. Es galt, wie so oft, den dumpf-männlichen Technowahn gegen spröde Kosten/Nutzen-Rechnungen zu verteidigen. (Feministinnen mögen mir jene Polarisierung verzeihen; in einer der nächsten Dr. Satari-Folgen werde ich darlegen, warum Frauen mit Computern nichts anfangen können;) Fieberhaft begann ich also, alle Varianten durchzuspielen, die einen Computerkauf rechtfertigen könnten, und versuchte, für meinen Vater eine Nische in den klassischen Käufergruppen zu entdecken:

a) Das Computer-Kid
Da mein Vater weder minderjährig ist noch zu jenen gehört, die Faust II für das Update eines Karate-Games halten, schied pubertäre Ballerlust als Kaufgrund aus.

b) Der eifrige Streber
Er erzählt seinen Eltern, daß man mit dem Computer doch so viel für die Schule lernen könne. Die etwas angejahrtere Spielart dieses Typs führt berufliche Vorteile an, die sich aus der Beschäftigung mit jenem neuen Medium ergäben. Leider hat mein Vater nicht die Absicht, sich in seinem Alter noch um berufliche Vorteile zu kümmern.

c) Der seriöse Geschäftsmann
Er kauft sich den Computer offiziell, um damit einiges zu verwalten (was, wird sein ewiges Geheimnis bleiben) und um seiner Sekretärin die Arbeit zu erleichtern, inoffiziell jedoch, um damit zu protzen ("80 Megabyte und Multisync!") und die Langeweile mit "PacMan" zu überbrücken. Leider ist mein Vater kein Geschäftsmann.

d) Der Digitalmasochist
Tatsächlich scheint es User zu geben, die sich ihr teures Spielzeug nur zugelegt haben, um damit ihre tief schlummernden Triebe zu befriedigen. Man unterscheidet hier den Hardwareund den Software-Masochisten.

Der H-Masochist erzeugt heimlich mit Wasser oder Lötkolben schwer zu entdeckende Kurzschlüsse im System, nur um den unweigerlich folgenden Ärger mit dem Kundendienst voll auskosten zu können. Der SMasochist hingegen kreiert unbewußt komplizierteste Bugs in seinen Programmen und verbringt lange, qualvolle Wochenenden mit der Fehlersuche. Eine besondere Spielart des S-Masochisten ist der Abtipp-Masochist. Er gelangt nur zu voller Befriedigung, wenn er fremde Fehler suchen kann. Leider ist mein Vater kein Masochist.
Alle Beweggründe, warum nun unbedingt ein Computer ins Haus muß, lassen sich erfahrungsgemäß auf diese vier Typen zurückführen.

Ich grübelte, zunehmend hoffnungslos, über einem neuen Kaufargument, das mir bislang entgangen war, und verwünschte die Tatsache, daß im Zeitalter der Expertensysteme noch niemand auf die Idee gekommen war, eine Software zu entwickeln, die dem Kaufwilligen stichhaltige Argumente für sein Begehr liefert.

Schließlich gab ich entnervt auf und gestand achselzuckend: "Vater, du brauchst keinen Computer." "Ach so!" sagte mein Vater kleinlaut. Gestern hat er sich einen Mega-ST gekauft.
Sollten Sie nicht zu den besonderen Vertretern der Spezies Mensch gehören, die ihren Tag damit beginnen, zärtlich Tastaturhülle und Schutzdiskette des lieben Kleinen zu entfernen, um ihn beglückt einzuschalten, sondern eher zu jenen Zeitgenossen, die, von Käfern und Viren befallen, von Errors und Abstürzen entnervt, von Firmen über den Löffel balbiert, von Servicediensten in die Wüste geschickt, gerade (je nach Temperament) zum Vorschlaghammer greifen oder die Entlötpumpe spannen wollen, dann ist Dr. Satari auch für Sie der prädestinierte Ansprechpartner.

Gern ist er als erster Briefkastenonkel in Sachen digitaler Beziehungskisten bereit, Ihnen mit Rat und Tat, mit Hammer und Stemmeisen zur Seite zu stehen und Ihren Brief zum Ergötzen unserer Leser zu veröffentlichen. Sie werden sehen, daß Sie in Ihrer Ohnmacht nicht allein dastehen. Bannen Sie also all Ihr Leid auf ein Stück Endlospapier (wenn Ihr Drucker tatsächlich noch funktionieren sollte) und schicken Sie es (das Papier) an:

Verlag Werner Rätz
Dr. Satari
Postfach 1640
7518 Bretten



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