Food Master: Diät mit dem ST

"Food-Master" schaut auf die Kalorien und bewertet jeden Krümel

Jetzt kontrolliert mir der Computer sogar noch die Butter auf dem Brot..." Wer gern den Mantel des Nichtwissens über sein tägliches Mahl decken möchte, dem sei hiermit in aller Form davon abgeraten, "Food-Master" zu kaufen. Es handelt sich dabei, wie der Name schon vermuten lässt, um ein neues Ernährungsprogramm für den Atari ST. Der "Futtermeister" arbeitet nur im hochauflösenden Modus auf dem Monochrommonitor und benötigt mindestens den gesamten freien Speicher eines 260/520 ST, läuft also auf diesen Geräten nur ohne Accessories.

Bei Software dieser Art ist die Qualität der mitgelieferten Anleitung oft fast ebenso wichtig wie das Programm selbst. Die Anleitung von "Food-Master" gliedert sich in zwei Teile. Den ersten bildet eine kleine, 15seitige Ernährungsfibel, in der Grundbegriffe wie Kalorien, die verschiedenen Zucker, Fette und Vitamine erklärt sind. Auch werden die Möglichkeiten der Nahrungszubereitung (Kochen, Dünsten) und ihre Auswirkungen auf Vitamine und Nährstoffe kurz angesprochen. Darüber hinaus findet der staunende Leser eine Auflistung von verschiedenen Berufsgruppen mit spezifischem Kalorienbedarf. Diese sollte man aber nicht zu ernst nehmen, da hier nur grob unterschieden wird. Den niedrigsten Kalorienbedarf hat hiernach der Buchhalter oder Beamte mit 2400 kcal, den größten dagegen der Handmäher während der Ernte mit 5100 kcal. Sicherlich sind diese Werte eher dazu gedacht, dem Neuling, für den kcal kein Begriff ist, eine ungefähre Vorstellung zu verschaffen.

Der zweite Teil der Anleitung beschäftigt sich dann mit der Bedienung des Programms. Da "Food-Master" vollständig in GEM eingebunden ist, benötigt man diesen Teil an sich nur gelegentlich zum Nachschlagen unklarer Begriffe.

Das Programm bietet eine Fülle von Möglichkeiten, die auch den gehobenen Ansprüchen etwa einer Diätküche genügen würden. Eine 771 Lebensmittel umfassende Nahrungsmittelliste bietet den Grundstock, aus dem man Menüs erstellen kann. Diese Liste ist natürlich frei erweiterbar. Was die hinzuzufügenden Lebensmittel angeht, so müssen allerdings die Werte für Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate, Wasser, Ballaststoffe, Natrium, Kalium, Calcium, Phosphor, Magnesium, Eisen, Fluor und die verschiedenen Vitamine bekannt sein. Solche Angaben findet man meist nicht auf der Verpackung, doch gibt es hierfür einschlägige Fachliteratur.

Allerdings sollte man beachten, dass die guten Apfelsinen aus Spanien eventuell ganz andere Werte haben als marokkanische Früchte. Solche Ungenauigkeiten lassen sich allerdings nur im klinischen Bereich korrigieren, wo ständig Lebensmittel gleicher Qualität verwendet werden, die vorher einer genauesten Analyse unterzogen wurden. Um mit dem Programm den individuellen Ernährungsansprüchen gerecht zu werden, kann man neben der Grundeinstellung des Verhältnisses von Eiweiß zu Fett und zu Kohlenhydraten, die als Maß dienen, auch andere Werte eingeben. Leistungssportler oder kranke Menschen - ich denke hier besonders an Diabetiker -benötigen individuelle und eventuell der Medikation entsprechende Angaben. Diese Grundwerte werden im Programm dann als Hohlbalken dargestellt, die je nach Zusammensetzung des Menüs ausgefüllt bzw. überzeichnet sind.

Machen wir doch einmal die Probe aufs Exempel. Was gab es denn heute abend Gutes? Da war erst einmal die Cola, ein halber Liter (ca. 500 g) mindestens. Der Balken mit dem Kohlenhydrat-Level ist nun zu 1/3 überzeichnet. Als nächstes gab es Wurst. Wir geben WURST ein, worauf uns das Programm die Wahl zwischen 27 (!) verschiedenen Wurstsorten lässt. Auch die in unserem Fall verkonsumierte Bockwurst finden wir. 150 g davon; nun steigt der Fettbalken bedenklich an. Zum guten Schluß noch 200 g Pommes frites eingetippt (goldgelb, leicht gesalzen und gut geschüttelt). Die Fettsäule steigt ins Unermessliche, während Kohlenhydrate und Eiweiß unter den Sollwerten bleiben. Bei der Komplettanalyse findet man nun fein säuberlich die Werte für Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate und Wasser in Gramm und Prozent aufgeführt. Außer den Werten für die Gesamtmasse wird eine weite Auflistung für die Trockenmasse (Masse ohne Wasser) angezeigt. Der zweite Teil der Analyse listet säuberlich die genauen Werte für Mineralstoffe und Vitamine auf das Milligramm genau auf.

Nun ja, was gut schmeckt, muss nicht unbedingt gesund sein. Fast-Food-Liebhaber wie ich können bei Benutzung von "Food-Master" durchaus den einen oder anderen Schock bekommen. .

Als besonderes Bonbon bietet das Programm noch ein integriertes Vitamin- und Mineralstofflexikon. Sehr informativ. Vielleicht erfährt man auf diese Weise endlich einmal, was es mit den im neuen "Hyper-Müsli" laut Werbung kiloweise enthaltenen "hochwertigen" Vitaminen E und F auf sich hat und was nicht.

Unser Fazit zu diesem Programm : Sehr empfehlenswert für Menschen, die aus gesundheitlichen oder sonstigen Gründen streng Diät halten müssen. Auch für Krankenhäuser oder Diätküchen wäre die Frage, ob die Diätpläne nicht in Zukunft mit Hilfe des ST ermittelt werden sollten, zumindest eine Überlegung wert. Der Preis für "Food-Master" beträgt 79.- DM.


Ulrich Schmitz



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