Spieletest: Antiriad (C64)
  Grafik  91 ★
  Sound & Musik  85 ★
  Happy-Wertung  81 ★
C 64 (Schneider, Spectrum, Apple II, TRS-80 CoCO, MS-DOS, MSX)
Geschicklichkeitsspiel
39 DM (Kassette),
49 DM (Diskette)
Tolle Grafik- und Sound-Effekte

Im Jahre 2083 spitzt sich eine politische Krise auf der Erde gefährlich zu: Die Regierung des Süd-Sektors fordert den Nord-Sektor auf, sofort die Entwicklung eines Kampfanzugs namens »Anti-Rad« einzustellen. Im Norden ist man da natürlich ganz anderer Meinung und verkündet, daß der Süden ebenfalls an einem solchen Projekt arbeite. Die Verhandlungen am grünen Tisch bringen keine Einigung und der Atom-Krieg bricht aus.

Die Erde wird nahezu völlig verwüstet. Nur wenige Menschen überlebten den schrecklichen Krieg. Friedlich führen sie ein einfaches Leben, doch eines Tages werden sie von Außerirdischen überfallen und versklavt. Die Invasoren zwingen die Menschen, Bodenschätze abzubauen.

In dieser verzweifelten Situation weihen die Mitglieder des Ältestenrats den jungen Krieger Tal in ein Geheimnis ein. Ein Anti-Rad-Kampfanzug hat den Atomkrieg überstanden. Wenn Tal ihn findet und vollständig aktiviert, hat er eine Chance, den Reaktor der Außerirdischen in die Luft zu sprengen und so die Menschheit aus der Skalverei zu befreien.

Auf einem verwitterten Dokument ist eine Skizze des legendären Anzugs. Zwischen den Buchstaben R und A hat das Papier einen Riß, der wie ein I aussieht. Aus dem Anti-Rad-Anzug wurde so »Antiriad«, was zugleich auch der Titel eines neuen Computerspiels ist. Die pompöse Hintergrundstory liegt dem Programm in Form eines 16seitigen Comics bei, den Dan Malone gezeichnet hat.

Antiriad ist ein Action-Adventure, in dem Sie den Helden Tal steuern. Sie müssen zunächst einmal den AntiriadAnzug finden, können aber damit nicht gleich den Reaktor zerlegen. Insgesamt fünf Einzelteile vom Schwerkraft Verdränger bis zum Teilchen-Negator müssen erst noch aufgesammelt und eingesetzt werden.

Natürlich wimmelt es in fast allen Bildern nur so von den obligatorischen Bösewichtern, deren Berührung an Tals Lebenskräften zehren. Durch das Werfen von Steinen kann er sich zur Wehr setzen. Wenn Tal im Besitz des Anzugs ist, kann er nicht nur fliegen, sondern auch eine ausgesprochen wirksame Laser-Kanone einsetzen. Auf dem Weg zum Reaktor trifft er auf Verteidigungs-Anlagen der Außerirdischen. Auch die steigende Radioaktivität muß beachtet werden.

Spielerisch bietet Antiriad keine berauschenden Besonderheiten, aber neben der ausgeklügelten Handlung bestechen die optischen und akustischen Effekte. Die Animation ist schlichtweg superb. Vor allem Tal ist hervorragend anzusehen: Beim Laufen wehen sogar die langen Haare im Wind. Die Hintergrundgrafiken sind nicht minder gut gelungen. In vielen Räumen wurden die Farben sehr geschickt kombiniert. Solche Grafik-Pracht schlägt natürlich auf den Speicherplatz: Antiriad hat »nur« um die 100 Bilder, ist aber schön schwierig und nur mit viel Geduld und Geschick komplett zu lösen.

Die sehr gut komponierte Titelmusik ist nicht der einzige Sound-Genuß. Allein die Effekt-Orgie beim Aktivieren des Anzugs ist fast schon das Geld wert:

Nachdem er ein paar hundert Jahre in der Ecke herumstand, ist der Antiriad Anzug natürlich ein wenig eingerostet. Also knattert und rattert er erst ein wenig mühsam, bis er schließlich anspringt. Prompt wird im unteren Bildschirm-Drittel der Portable Computer aktiviert, der sich mit einem energischen Heulen einsatzbereit meldet.

Die komplette Anleitung mit Comic sowie alle Texte auf dem Bildschirm wurden hervorragend ins Deutsche übersetzt. An diesem Service können sich alle Softwarehäuser ein Vorbild nehmen, die Anleitungen recht stümperhaft, unvollständig oder rein gar nicht übersetzen.

Wer sich nicht daran stört, daß Antiriad keine wesentlichen neuen Spiel-Elemente bietet, wird von dem Programm begeistert sein. Für Action-Adventure-Fans läßt das Spiel kaum Wünsche offen. Wer Lust auf einen kniffligen GeschicklichkeitsTest hat und mal wieder ein paar starke Spezialeffekte erleben will, ist bei Antiriad an der richtigen Adresse.

Heinrich Lenhardt

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