Bureaucracy
 Grafik  0 ★
 Sound & Musik  0 ★
 Happy-Wertung  87 ★
MS-DOS (Atari ST, Schneider, Spectrum, Amiga, C64, Archimedes, Joyce, Apple II, Atari XL/XE, Macintosh)
Adventure

In diesem Infocom-Adventure haben Sie mit Bürokraten und Formularen sowie anderen verrückten Mitmenschen zu kämpfen.

Es war einmal, vor nicht allzu langer Zeit, ein Mann, der innerhalb Londons umziehen wollte. Er benachrichtigte jedermann über seine neue Adresse, auch seine Bank; ja er ging sogar selbst dorthin und füllte persönlich ein entsprechendes Formular aus. Er hatte vor, danach glücklich bis ans Ende seiner Tage in der neuen Wohnung zu leben.

Doch nur wenige Tage später mußte er feststellen, daß seine Bank seine Kreditkarte für ungültig erklärt hatte. Eine neue Kreditkarte war rechtzeitig an ihn geschickt worden - aber an die alte Adresse.

Mehrere Wochen lang versuchte der Mann vergeblich, seine neue Adresse bei der Bank durchzusetzen. Er sprach mit vielen Bankangestellten, füllte viele weitere Formulare aus, beantragte eine zweite Kreditkarte, aber nichts von alledem half.

Der Mann, der tatsächlich mehrere Wochen lang ohne einen Penny leben mußte, ist Douglas Adams, Autor der berühmten »Hitchhiker's Guide to the Galaxy«-Serie (die er schon zu einem Adventure verwandelt hatte). Nach knapp zwei Jahren hat Douglas seine Wut über diese Episode ausgelassen und ein witziges Adventure daraus gemacht. Übrigens: Douglas bekam auch ein Entschuldigungsschreiben vom Bankdirektor. Man sandte es natürlich an seine alte Adresse.

Bei »Bureaucracy« ist die Ausgangslage ähnlich verzweifelt. Sie haben einen neuen Job, eine neue Wohnung und ähnliche Probleme mit Ihrer Bank. Heute nachmittag sollen Sie nach Paris fliegen, um an einem Lehrgang teilzunehmen und auch etwas auszuspannen. Doch das wichtigste, das Flugticket, Geld sowie Ihre neue Kreditkarte sind bei Ihrer alten Adresse gelandet. Und da der neue Besitzer Ihres ehemaligen Hauses etwas wütend auf Sie ist (Sie hätten ihm doch nicht die Sache mit den Termiten und Küchenschaben verschweigen sollen), hat er Ihre wichtige Post einfach nicht angenommen, so daß sich diese jetzt irgendwo auf unserem Globus befinden könnte.

Gleich zu Beginn des Spiels erwartet Sie eine unangenehme Überraschung. Trotz eingelegter Original-Diskette erscheint auf dem Bildschirm eine Beschwerde, daß dies wohl eine Raubkopie sei. Aber das ist ja alles nicht so schlimm, denn wenn man ein Formular zum Antrag einer vorläufigen Nutzungslizenz ausfüllt, erlaubt Ihnen das Programm weiterzuspielen. Das Formular erscheint prompt auf dem Bildschirm und will nicht nur Namen und Adresse, sondern auch die Namen der letzten Freundinnen/Freunde, die am meisten gehaßte Farbe sowie den vorletzten Arbeitgeber wissen. Natürlich merkt sich Bureaucracy, was Sie da eingeben, und verwendet diese Daten im weiteren Verlauf des Spiels.

Diese Episode ist nur der Anfang einer Odyssee durch den Dschungel der Bürokratie, die allerdings auch durch den Dschungel einiger afrikanischer Kleinstaaten führt. Neben einer Vielzahl von Beamten treffen Sie auch noch den einen oder anderen Verrückten aus Ihrer neuen Nachbarschaft. Sie streifen durch Fast-Food-Restaurants, Reisebüros, Llama-Farmen, Flughafen, die Häuser Ihrer Nachbarn und sogar durch einige Banken, um endlich an Ihr verdientes Geld zu kommen.

Auf dem Bildschirm rechts oben, wo man sonst immer Punkte und Spielzüge sieht, wird Ihr aktueller Blutdruck angezeigt. Immer, wenn Sie etwas falsch machen, steigt der Blutdruck, ansonsten fällt er langsam. Wenn Ihr Blutdruck einen gewissen Wert übersteigt, spielt Ihr Kreislauf nicht mehr mit - endlich mal ein Adventure mit natürlicher Todesursache!

Bureaucracy ist ein selbst für Infocom-Verhältnisse ungewöhnliches Adventure. Die immer wieder auftauchenden Formulare, die Punkte-Zählung mit dem Blutdruck, die zahlreichen Gags und Anspielungen auf unser tägliches Leben und allerlei Konsumgüter (wie das Buch »Hitchhiker's Guide ...«), all dies macht Bureaucracy zu einem Adventure-Erlebnis, das man so schnell sicher nicht vergißt.

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