The Games: Winter Edition (C 64)

C 64 (Apple II, MS-DOS, [Atari ST, Amiga, Spectrum])
35 Mark (Kassette), 49 bis 79 Mark (Diskette)
Grafik 64 ★
Sound & Musik 62 ★
Happy-Wertung 62 ★

Wie einst in Calgary: »The Games: Winter Edition« bringt das Flair der Olympischen Winterspiele auf den Computer-Monitor.

Der sechste Sproß der »Games«-Sportspielreihe von Epyx ist da: Wandelte man mit »World Games« und »California Games« zuletzt auf eher exotischen Pfaden, stehen bei »The Games: Winter Edition« wieder klassische olympische Sportarten im Mittelpunkt. Die sieben Disziplinen sind Rennrodeln, Slalom, Ski-Abfahrt, Eiskunstlauf, Skispringen, Langlauf und Eisschnelllauf. Einige dieser Sportarten waren bereits beim Vorgänger-Programm »Winter Games« vertreten. Bei Winter Edition wurden sie natürlich völlig neu programmiert und sind grafisch und spielerisch eigenständig.

Wie es bei den »Games«-Spielen schon Tradition ist, können auch hier bis zu acht Spieler mitmachen. Ob man nur einige bestimmte oder alle Disziplinen spielen will, kann man sich aussuchen. Die besten Leistungen in jeder Sportart werden bei der Disketten-Version gespeichert.

Rennrodeln (»Luge«) ist die Auftakt-Disziplin. Vor dem Start kann man eine von vier Strecken wählen. Bei der rasanten Fahrt durch den Eiskanal müssen Sie auf die Anzeigen im unteren Bildschirmviertel achten: Scheppert der Schlitten an den Rand der Bahn, verliert er an Tempo. Durch Links-/Rechts-Steuern greift man ins Geschehen ein und versucht, das Gefährt möglichst schnell ans Ziel zu bringen. Wer sich vorher auswendig merken kann, wann welche Kurve kommt, hat gute Chancen auf die Bestzeit.

Auch beim Ski-Langlauf hat man zu Beginn die Wahl zwischen mehreren Strecken, die, hier unterschiedlich lang sind. Zwei Spieler treten gleichzeitig an. Durch Links-/Rechts-Bewegungen des Joysticks gewinnt die Spielfigur an Tempo. Bei Steigungen kann man durch zusätzliches Feuerknopf-Drücken noch einen Zahn zulegen. Hier kommt es nicht auf möglichst schnelles Joystick-Rütteln, sondern auf langsamere, gleichmäßige Bewegungen an.

Die Kür der Damen steht beim Eiskunstlauf auf dem Programm. Bevor es aufs Eis geht, bestimmen Sie die Choreographie und die dazu passende Musik. Ein gutes Gedächtnis ist auch hier hilfreich, denn man muß sich bei der Kür möglichst genau an die Vorgaben halten, die man in der Choreographie-Phase festlegte. Der Pfeil in der Zeit-Anzeige hilft dabei ein bißchen: leuchtet er zum Beispiel grün, wird es höchste Zeit, die nächste Kunstfigur auszuführen. Die Wertungen der Computer-Jury richten sich sowohl nach technischer als auch künstlerischer Qualität Ihrer Kür.

Beim Skispringen gibt es zwei wesentliche Phasen: zunächst sieht man aus der Perspektive des Springers, wie er todesmutig die Schanze herunterdonnert. Nach erfolgreichem Absprung per rechtzeitigen Feuerknopfdruck sieht man den Springer durch die Luft segeln. Durch entsprechende Joystick-Steuerung lehnt sich die Spielfigur vor und zurück, hebt und senkt sogar die Arme. Befindet sie sich in einem 45-Grad-Winkel zur Erde, sollte man den Feuerknopfgedrückthalten, um die Landung einzuleiten. Die Wertung setzt sich aus Haltungspunkten und der erreichten Weite zusammen.

Beim Slalom treten gleich zwei Skifahrer gleichzeitig an. Bevor es los geht, wählt man eine von vier Strecken aus, die unterschiedlich lang und unterschiedlich dicht mit Slalomstangen versehen sind. Die Steuerung ist denkbar einfach: abwechselnd muß man über oder unter einer Stange vorbeifahren. Wer mit Risiko dicht an den Stangen vorbeifährt, verliert bei diesen Manövern weniger Geschwindigkeit. Aber Vorsicht: ein Einfädler, und dem Spieler geht's wie Wasi beim Super-G in Calgary. Ein Sturz beendet jäh alle Medaillen-Hoffnungen.

Timing und rhythmische Links-/Rechts-Schlenker mit dem Joystick sind beim Eisschnellauf gefragt. Auch hier darf man wählen, wie lang die Rennstrecke sein soll. Auf einer Übersicht sieht man die beiden Spielfiguren — es dürfen wieder zwei gleichzeitig ran — als Punkte über die Bahn ziehen. In der Mitte des Bildschirms werden die Bewegungen der Athleten in imposanter Größe gezeigt. Das ist auch bitter nötig, denn auf diese Bewegungsabläufe muß man seine Joystick-Manöver abstimmen, sonst haut es den eigenen Läufer aufs Eis.

Die abschließende Disziplin ist die Ski-Abfahrt. Mit einem mörderischen Tempo donnern die Abfahrts-Asse talwärts. Die Strecke bekommt man in 3D-Grafik gezeigt. Wer nicht stürzen will, sollte alle Tore passieren. Wenn Sie um Ihr Leben bangen, können Sie bremsen (Joystick nach hinten). Wahre Computer-Zurbriggens ziehen den Joystick aber nach vorne, um noch mehr Tempo zu erreichen.

»The Games: Winter Edition« wird von Eröffnungs- und Schlußfeiern abgerundet, die grafisch aber nur mittelprächtig sind. Überhaupt ist der Glanz der alten »Games«-Tage in dieser Hinsicht ziemlich verlorengegangen. Grafiker und Programmierer, die noch bei Winter Games mitwirkten, haben inzwischen Epyx verlassen. Den Disziplinen sieht man das an: während der Eiskunstlauf gewohnt hohes Niveau erreicht, machen Slalom und Ski-Langlauf einen bescheidenen Eindruck.

Auch in spielerischer Hinsicht gibt es einiges zu bemängeln. Der Langlauf ist langweilig und auch das Eiskunstlaufen reizt zum Gähnen. Den größten Unterhaltungswert haben noch die beiden alpinen Ski-Disziplinen. Insgesamt ist »The Games: Winter Edition« das bislang schwächste Programm der »Games«-Reihe. Fans dieses Genres werden ihm sicher einen gewissen Unterhaltungswert abgewinnen können, aber die Vorgänger machen einfach mehr Spaß. Vielleicht wird das offizielle Programm zur Sommer-Olympiade in Seoul ja besser: »The Games: Summer Edition« ist bereits angekündigt.


Heinrich Lenhardt



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