Gewinner des GFA-Wettbewerbs

»Für mich kommt nur eine Ente in Frage«

»Wenn ich mir ein Auto gekauft hätte, nur eine Ente.« Die Ente hat der Gewinner unseres Programmierwettbewerbs, Rainer Paape, jetzt, eine ganz besondere Ente, eine » GFA Ente«.

Unser großer Programmierwettbewerb für Anwendungsprogramme unter GFA-Basic startete in Happy-Computer 11/87. Der erste Preis war eine »Ente«. Eine eträchtliche Zahl Einsendungen ging ein. Nach dem Einseneschluß trat die Jury zusammen. Gebildet aus Mitgliedern nserer Redaktion, der Redakion unserer Schwesterzeitschrift 68000er ST Magazin sowie vier Vertretern der GFA-Systemtechnik, darunter auch »Mr. GFA-Basic« Frank Ostrowski.

Spannende Stunden vergingen, bis sich das Gewinnerprogramm immer mehr herauskristallisierte: »Das Chemical Construction Set« von Rainer Paape (31) aus Lüneburg begeisterte alle Jury-Mitglieder durch seine gute Optik, die durchdachte Benutzeroberfläche und die fehlerfreie Funktion. Auf den ersten Moment erscheint ein Chemical Construction Set als ein etwas ußergewöhnliches Programm, das bei diesem Wettbewerb den ersten Preis, ein Auto, gewinnt, weil es doch eine sehr spezielle Anwendung ist.

»Jetzt hab ich endlich einen Grund, den Führerschein zu machen«, ruft Rainer Paape begeistert, er fuhr bisher immer mit seinem Rad zur Uni. (»Bremen ist die ideale Fahrradstadt. Und mit dem Rad kommt man hier genauso schnell vorwärts wie mit dem Auto«.)

Bei der Abholung in Düsseldorf, bei der GFA Systemtechnik, begleiteten Paape seine Freundin und ein Kollege. Als sie die Ente gemeinsam in Augenschein nehmen, strahlen Rainer Paape und seine Freudin. Jetzt fehlt nur noch der Führerschein. »Die erste Theorie-Stunde habe ich schon hinter mir«. Daß sie alle seit der Benachrichtigung des tollen Gewinns richtige Enten-Fans geworden sind, zeigt sich bei der Fahrt zum gemeinsamen Mittagessen: Paape und seine Freundin kennen die Daten der Ente bereits: »Na, gute drei Stunden brauchen wir schon. Sie läuft ja maximal 110 Stundenkilometer.« Natürlich wurde auf der Fahrt nach Bremen auch über das Programm philosophiert.

Wer sich näher mit diesem Programm beschäftigt, erkennt schnell die gut umgesetzte Idee. Jeder, der Chemie lehrt oder lernt, kennt die Problematik der dreidimensionalen Darstellung einer komplexen Molekülverbindung. Da gibt es bunte Gummikugeln, die mit Stäbchen zusammengesteckt werden, oder Lehrbücher mit speziellen Plastikbrillen, die eine 3D-Darstellung vorgaukeln.

Den unterschiedlichen Arten der Darstellung ist ein guter Grafikcomputer wie der Atari ST bei weitem überlegen. Er bietet durch ein gutes Programm viele der gewünschten Darstellungsarten, kann eine große Menge von chemischen Verbindungen speichern und ist dadurch äußerst flexibel einsetzbar:

»Die Geometrie einer Molekülverbindung darzustellen ist ein wichtiges und kompliziertes Thema, das auch viele Tierversuche ersetzt«. Ausschlaggebend für die Entwicklung seines Programms war die Teilnahme an einem Kolloquium. Dabei beschrieb der Referent ganz nebenbei auch ein Programm für den Amiga zum »Molekular-Modelling«. Und was der Amiga kann, das muß man mit dem ST auch machen können, dachte sich Rainer Paape.

Seinen ersten Kontakt hatte Rainer Paape mit einem Großrechner, einem IRIS-80. Man speiste die Programme über Lochkarten ein. »Heute habe ich noch ungefähr 25000 bis-30000 zu Hause. Man weiß nie, für was man sie nochmal braucht.« Programmiert wurde der IRIS in Fortran, später in PL/1. Schnell packte Paape das Computerfieber und er legte sich einen C 64 mit Datasette zu. Ein alter Schwarzweiß-Fernsehapparat diente als Bildschirm: »Kontrast rauf, Helligkeit runter. Da lobe ich mir den monochromen Monitor des ST.« Bald nach der Markteinführung legte er sich einen 520 ST+ zu.

Sein Kollege, ein Doktor der Chemie, ist von dem Programm ebenso beeindruckt wie von den Computerkenntnissen seines Freundes: »Früher war Rainer immer der Spinner, weil er einen Computer hatte. Heute bin ich es, weil ich keinen habe. So ändern sich die Zeiten.«

Horst Brandl/kl



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