Interceptor (Amiga)

Selten gab es für ein Amiga-Progranun so viele Vorschuß-Lorbeeren wie für die Flugsimulation »Interceptor«. Hält das Spiel, was die Gerüchte versprechen?

Airforce One, das Flugzeug des amerikanischen Präsidenten, ist von Terroristen angegriffen worden. Leicht beschädigt kann es in wenigen Minuten auf dem Flughafen von San Francisco landen — wenn die Jets der Terroristen rechtzeitig ausgeschaltet werden. Sie stürzen sofort in Ihren Kampfjet und starten von einem Flugzeugträger nahe der kalifornischen Küste. Ihr Bordcomputer hat die beiden feindlichen Jets bald erfaßt, eine heiße Luftschlacht beginnt. Das Schicksal der Präsidenten hängt alleine von Ihnen ab...

Im neuen Flugsimulations-Programm »Interceptor« steuern Sie wahlweise eine F-18 Hörnet oder eine F-16 Falcon. Beide Flugzeuge sind schnell, wendig und (natürlich) bewaffnet: Zwei verschiedene Raketen-Typen und eine Maschinengewehr-ähnliche Kanone sind stets an Bord.


Ein kleines, übersichtliches Cockpit mit allen notwendigen Instrumenten und viel freier Sicht ist das Herz des Interceptors

Der Einsatzort des Interceptors ist die »Bay Area«, das Gebiet rund um San Francisco in Kalifornien. Vor der Küste ist ein Flugzeugträger verankert, der in einigen Missionen als Flughafen dient. Drei weitere Flughäfen befinden sich an Land. Natürlich fehlt neben einigen Gebäuden in San Francisco auch die Golden Gate Bridge nicht.

Sonst ist das Fluggelände aber nur spärlich mit Objekten belegt, oft sieht man nur grünen Untergrund und blauen Himmel.

Wer den Interceptor startet, muß erst ein Trainingsprogramm absolvieren, bevor er die erste Mission fliegen darf. Leider übt man in diesem Teil weder Start noch Landung; das kurze Handbuch enthält auch nur wenige Tips für Anfänger.

Gerade bei der Landung wird man sich anfangs sehr schwer tun.

Hat man diese Hürde genommen, steht die erste Mission an. Ein unidentifiziertes Flugobjekt ist in Ihren Luftraum eingedrungen. Sie sollen es aufspüren, nahe heranfliegen und identifizieren, danach wieder sicher landen. In weiteren Missionen geht es hauptsächlich darum, Flugzeuge abzuwehren oder zu eskortieren. Rettungsaktionen durchzuführen oder mit geübtem Pilotenauge Dinge finden, die auf dem Radar nicht erscheinen. Sie dürfen eine Mission allerdings erst anwählen, wenn Sie alle vorherigen erfolgreich beendet haben. Damit Sie sich nach dem Laden des Programms nicht immer durch alle Missionen kämpfen müssen, können Sie Ihren Piloten-Lebenslauf auch auf Diskette speichern und später wieder laden. In der Piloten-Statistik wird außerdem vermerkt. wie oft man abgeschossen wurde, wie viele Raketen man bisher abgefeuert hat und wie oft diese ihr Ziel fanden.

Die 3D-Grafik von Interceptor kam uns ganz subjektiv etwas schneller als die Amiga-Version von »Jet« vor. Außerdem werfen Gebäude und Flugzeuge korrekte Schatten in allen Fluglagen. Trotzdem: Auf 16-Bit-Computern haben wir schon wesentlich schnellere 3D-Grafik gesehen (Beispiel: »Carrier Command«) und auch die einzelnen Objekte und Gebäude sehen etwas ungeschliffen aus. Die Geschwindigkeit ist für ein gutes Fluggefühl jedoch ausreichend.


Der Blick von außen offenbart so manchen Flugfelder; gerade der Flugzeug-Schatten ist bei Start und Landung sehr hilfreich.

Ein bei Simulationen immer leicht vernachlässigter Punkt ist der Sound. Hier räumt Interceptor ordentlich ab. Wer den Amiga an seine Stereo-Anlage anschließt und sich zwischen die Lautsprecher setzt, hat akustisch das Gefühl, in einem echten Flugzeug zu sein. Vom Überschall-Knall über das surrende Fahrwerk bis zum Quietschen der Reifen bei der Landung bietet Interceptor digitalisierten Stereo-Sound, von dem man nicht genug bekommt. Am besten klingt es übrigens, wenn man einen Amiga mit 1 MByte RAM besitzt. Dann kann man sich auch eine sehr effektvoll komponierte Titelmusik anhören.

Äußerst positiv bewerten wir bei Interceptor das Fehlen eines Disketten-Kopierschutzes. Sie können sich beliebig viele Sicherheitskopien anlegen. Als Sicherung gegen Raubkopien muß vor dem Start einer Mission eine Codenummer von einer Codescheibe abgelesen und eingegeben werden.

Wer sich für Simulationen interessiert und Interceptor nur kurze Zeit gespielt hat, läßt sich schnell in den Bann dieses Programms schlagen. Dank der guten Steuerung (Joystick und Tastatur) und den Grafik- und Sound-Effekten kommt eine tolle Atmosphäre auf, die vergessen läßt, daß es sich hier nur um Luftkampf in mehreren Variationen handelt. Etwas mehr spielerische Abwechslung (Bodenziele, Kunstflug-Bewertungen oder größeres Fluggelände) würde Interceptor an die Spitze der Jet-Simulationen setzen. Trotzdem wird man mit Interceptor viele Runden fliegen, bevor das Programm seine Anziehungs-Kraft verliert. (bs)

Happy-Empfehlung:

Flugsimulation mit heißen Luftschlachten und Super-Stereo-Sound. Auf Dauer wenig spielerische Abwechslung.

Erste Hilfe:

Am schwierigsten ist das Landen; hier hilft auch das Handbuch nicht viel weiter. Deswegen beim Üben am besten das Flugzeug von außen betrachten: Der Schatten hilft ungemein beim Abschätzen der Höhe. Vergessen Sie nicht, das Fahrwerk auszufahren (ein oft gemachter Fehler).



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