Spiele Leserbriefe

Komplikationen mit Compilationen

Spiele-Sammlungen (neuhochdeutsch »Compilations« genannt) haben sich in den Hitparaden etabliert. Auf ihnen findet man mehrere ältere Programme zum Preis von einem. Früher waren vier Spiele pro Compilation Standard, heute bekommt man oft fünf, sechs oder gar zehn Titel zum Preis von einem geboten.

Bislang klappte das Geschäft mit den Spiele-Sammlungen ganz gut, weil auf ihnen in der Regel nur Programme enthalten waren, die mindestens ein Jahr auf dem Buckel hatten. Jetzt fangen einige Softwarefirmen aber an. sich ins eigene Fleisch zu schneiden. Erstmals werden hochkarätige Vollpreis-Titel bereits nach zwei, drei Monaten auf Compilations verheizt. Wer sich zum Beispiel »IK +«von System 3 kaufte, wird sich acht Wochen später gründlich geärgert haben. da dieser Titel bereits zu diesem Zeitpunkt auf einer Spiele-Sammlung landete. Ähnliches gilt für »Super Sprint«. »Zynaps« und »Basil«, die ebenfalls in Windeseile vercompiliert wurden.

Wer sich kurz vorher ein Einzelspiel zum vollen Preis gekauft hatte, ärgert sich bei dieser Ausbeutungstaktik natürlich gewaltig. Käufer von Spiele-Sammlungen dürfen sich freuen, denn sie bekommen immer aktuellere Titel angeboten. Lange können sich die Softwarehäuser dieses schnelle Ausschlachten aber nicht mehr leisten, denn immer mehr Käufer werden sich keine einzelnen Spiele mehr leisten, sondern gleich auf die Sammlung warten. Ich hielte eine solche Entwicklung für schlecht, denn die Softwarefirmen sind auf den Verkauf von einzelnen Vollpreis-Programmen angewiesen. Aufwendige Spiele brauchen ihre Zeit (und damit auch Geld), um programmiert werden zu können. Wenn sich eines Tages nur noch Billig-Spiele und Sammlungen verkaufen lassen. brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn das Niveau von neuen Computerspielen in den Keller rumpelt.

Meinungen zu diesem Thema sind wie immer erbeten. Unsere Leserbrief-Adresse lautet: Markt & Technik Verlag AG Redaktion Happy-Computer Hans-Pinsel-Str. 2 8013 Haar bei München Euer

Heinrich Lenhardt

Kalt erwischt

Manchmal könnte ich die Happy-Computer fast aufessen, so gut gefällt sie mir, und ich lese jede Seite genauestens durch. Aber in Ausgabe 3/88 hätte ich die Seite TJ unverdaulich finden können. Als ich gesehen habe, wie ihr das Spiel »Winter Olympiad 88« bewertet habt, glaubte ich beinahe, ich hätte die falsche Zeitschrift gekauft! Ich besitze das Spiel selbst (für den Amiga). Eure Bewertung (Grafik: 27) finde ich ein bißchen untertrieben. Meine Bewertung wäre:

Grafik: 45; Sound und Musik: 61.

(Ren Franzen, Sohren 1)

Die ruppigen Winter Olympiad 88-Wertungen galten für die C 64-Version. Die Amiga- und ST-Umsetzungen sind in der Tat besser, kommen aber meiner Meinung nach auch nicht an »Winter Games« heran. (hl)

Mit dem Buggy in der Kurve

Vor einiger Zeit las ich in der Happy-Computer von einem neuen Rennspiel namens »Buggy Boy«, das ich mir dann auch kaufte. Zunächst war ich von dem Spiel sehr beeindruckt, doch dann stellte ich fest, daß man in den Kurven nicht lenken muß. Ich meine, daß das auch Nachteile hat. Wenn man später mal ein richtiges Auto lenken muß, kann man doch nicht den Lenker in der Kurve loslassen und sagen »Es passiert schon nichts!«.

Durch diesen Aspekt würde sich für mich die Gesamtwertung um die Hälfte verringern, denn dadurch vereinfacht sich das Spiel, aber es gewinnt keinesfalls an Spielwitz.

(Frank Otto, Leuscheid)

Hmm, das ist ein ganz neuer Aspekt Buggy Boy gefährdet die Verkehrssicherheit! Aber ich glaube kaum, daß jemand dieses Programm als Fahr-Simulator nutzt, um dann den Buggy-Boy-Stil auf freier Autobahn einzusetzen. Außerdem kann man da lange nach den bunten Fähnchen suchen. Aber mal im Ernst: Unserer Meinung nach ist die Steuerung in der Form in Ordnung, denn sonst könnte man in Kurven nur schlecht um Hindernisse lenken. (hl)

Einfach ist anders

In Ausgabe 4/88 von Happy-Computer beschwerten sich Dirk Braunstein und Christoph Schmidt über die Programmierer, die keine Amiga-Spiele schreiben.

Da ich von mir behaupte, meinen ST gut zu kennen, kann ich den beiden sagen, warum er bevorzugt wird. Das liegt nicht etwa an der schlechteren Grafik oder dem nicht so guten Sound, sondern ganz einfach daran, daß ein ST viel einfacher zu programmieren ist.

Die Behauptung, es sei eine Schande für Softwarefirmen und Programmierer, einen Computer nicht auszunutzen, aber genügend Spiele für ihn zu veröffentlichen, halte ich für eine glatte Frechheit. Außerdem wird der Leserbrief auch nichts daran ändern, daß der ST zwar keine so schöne Grafik hat, aber trotzdem besser programmierbar ist.

Damit jetzt keiner denkt, ich ergreife zu sehr Partei für den ST: Ich nenne sowohl einen ST als auch einen Amiga mein eigen, von »Computer-Rassismus« kann also keine Rede sein.

(Marco Spinner, Offenburg)

Rache für Roten Oktober

Ich wundere mich doch sehr darüber, was Frank Pohlmann über das Spiel »Jagd auf Roter Oktober« in Happy-Computer 4/88 schreibt. Was ist daran imperialistisch, wenn der Kapitän eines sowjetischen U-Bootes in den Westen flüchten will? Weiß Herr Pohlmann überhaupt, was Imperialismus ist? Würde er ein Lexikon zur Hand nehmen. Fände er die Definition: »Imperialismus ist die Ausbreitung eines Machtbereiches eines Staates durch Eroberung und Besitzergreifung«. Für mich ist dieses Spiel bei weitem nicht imperialistisch. Würde Herr Pohlmann lieber ein Spiel sehen, in dem Genossen aus dem Paradies der Werktätigen den dekadenten Westen befreien?

(David Rutschmann, CH-Winterthur)

Vor mir liegt die April-Ausgabe der Happy und ich habe beschlossen. Eurem Aufruf zu folgen und meinen Senf zum Leserbrief von Frank Pohlmann (»Aggressiv und imperialistisch«) zu geben.

Eines vorweg: Meine Meinung stimmt mit der von Frank Pohlmann in etwa überein. Mir hängt diese Rambo-Retter-der-westlichen-Welt-vor-dem-ach-so-bösen-Rußland-Masche nicht nur zum Hals heraus; ich finde, daß derart banale Hintergrundgeschichten einfach diskriminierend und gemein sind.

Wie wär’s denn, wenn auf einmal der ganze Softwaremarkt mit Spielen russischer Programm-Autoren überschwemmt würde, in denen es darum geht, Rußland vor den Amis zu beschützen und diese auch fleißig zu bekämpfen?

Aber nicht nur »Jagd auf Roter Oktober« ist ein Produkt von Einfallslosigkeit. »Platoon« oder »Strike Fleet« haben die gleichen Qualitäten auf zu weisen, wobei man aber nichts gegen ein gutes Action-Spiel sagen kann. Wie Heinrich Lenhardt schon sagte: Man sollte allgemein den Inhalt von Computerspielen nicht zu ernst nehmen. (Name und Anschrift sind der Redaktion bekannt)

Über Geschmack kann man bekanntlich streiten. Wir halten es allerdings für geschmacklos, in Spielen Menschen abzuschießen. Für genauso geschmacklos halten wir Spiele, die Vorurteile verstärken und Haß zwischen den Völkern schüren. (jg)



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