Messebericht Micro-Computer '86


Vom 29.1. —2.2.1986 fand in Frankfurt die zweite „Micro-Computer“-Ausstellung statt. Der Erfolg des Vorjahres ließ große Erwartungen aufkommen. Unter dem Motto „kommen, sehen, testen, verstehen“ konnte man die Angebote von über 160 Ausstellern auf ca. 10000 Quadratmetern Ausstellungsfläche betrachten. Die Messe, die in Zusammenarbeit mit dem Micro-computermagazin CHIP und der Messe Frankfurt veranstaltet wurde, hatte einiges zu bieten. Es gab Schwerpunkte im Gesundheitswesen, Handwerk, Industrie, Bildung und Handel. Außerdem wurden Sonderschaus für „Computer und Musik“, sowie die Computer- und Software des Jahres 1985 angeboten. Im Jugend-Zentrum konnte Jung und Alt nach Herzenslust Computer verschiedener Hersteller „ausprobieren“. Die Programme, die dort zu sehen waren, waren größtenteils Spiele oder Demonstrationsprogramme.


Die Firma ATARI war bei dieser Messe in zwei Hallen vertreten. Einmal am Stand des „Computer des Jahres ’85“ und noch einmal im „Workshop“ Jugend-Zentrum. Nicht viel Neues gab es in Sachen Software für den ATARI ST zu sehen. Außer ein paar neuen gutgelungenen Farbdemos, wie z. B. ein dreidimensionales simuliertes Schachspiel, gab es für berufliche Anwendung nur ein interessantes Softwarepaket. Von der Firma KRAY-ELEC-TRONIC aus Göttingen wurde ein komplettes Abrechnungssystem für Arzte vorgestellt. Das System beinhaltet neben der notwendigen Software, einen ATARI 260 ST, ein Laufwerk SF 314, den Monitor SM 124, eine 20 Megabyte Festplatte, einen OKI Drucker Microline 192 und ein Modem zur Datenfernübertragung. Das Ganze wird mit einer Holzkonsole für 9900,- DM zzgl. MwSt. geliefert. Das Programm, welches in „C“ geschrieben ist nutzt die Möglichkeiten des GEMs. Wie uns am Stand gesagt wurde, wird das System den speziellen Erwartungen der Kunden angepaßt.


Am Stand „Software des Jahres ’85“ konnten wir von einem Vertreter des amerikanischen Software-Entwicklers BORLAND erfahren, daß eine neue TURBO PASCAL Version speziell für die 68 000er Generation entwickelt wird. Diese Version wird dann voraussichtlich Turbo Pascal 4.0 heißen und auch für die ATARI ST Serie erhältlich sein. Das Programm soll noch in der ersten Hälfte 1986 erscheinen.

Das Computer Center Königstein (KFC) zeigte als einziger Anbieter den ATARI ST in einem neuen Gewand. Dieses ähnelt einem PC-Gehäuse (siehe Bild) und besteht aus Stahlblech und bietet Platz für zwei Floppy-Laufwerke und den „Kabelsalat“ des ST. Das Gehäuse wird von der Firma CSF GmbH aus Bielefeld hergestellt. Am gleichen Stand konnte man dem Farbdrucker Okimate 20 von OKI-DATA beim Drucken einer farbigen Bildschirmhardcopy des ST Zusehen. Die benötigte Treibersoftware für den ATARI ST wird beim Kauf als Sonderleistung mitgeliefert.

Weitere Software oder Hardware speziell für den ATARI ST war nicht vorhanden. Man hat bei dieser Messe die Nähe der Cebit in Hannover insofern gespürt, daß die meisten Firmen mit Vorbereitungen für diese Messe beschäftigt waren, und daher gar nicht, oder sehr bescheiden in Frankfurt vertreten waren.

In einem Gespräch mit ATARI konnten wir folgende Neuigkeiten erfahren. Die schon seit langem erwartete Festplatte wird vorerst als 5 1/4-Zoll Laufwerk mit formatiert 20 MByte nur in ganz geringen Stückzahlen ab Anfang März ausgeliefert. Der endgültige Preis stand noch nicht fest. Mittlerweile gibt es wieder eine neue TOS-Version auf Diskette, die mit der künftigen ROM-Version identisch sein soll. Zumindest hat sie eine Länge von knapp 192 KByte. Diese neue Version soll aber weitgehend mit der derzeitigen Version (197744 Bytes) identisch sein, da nur der Text verkürzt wurde. Die ROMs werden in Amerika und England bereits ausgeliefert, bei uns wird es noch ca. vier Wochen dauern. Das TOS im ROM wurde so konzipiert, daß nach jedem Einschalten bzw. Reset zuerst ein Diskettenlaufwerk angesprochen wird, um festzustellen, ob dort ein bootfähiges Betriebssystem vorhanden ist. Ist dies der Fall, so wird es geladen und gestartet. Das hat den Vorteil, daß auch weiterhin andere Betriebssysteme verwendet, sowie Änderungen vorgenommen werden können. Erfreulicherweise soll es zur Hannover-Messe eine ganz neue Basic-Version geben. Diese soll zum jetzigen ST-Basic voll kompatibel sein und zusätzlich noch über einige Befehle mehr verfügen. Ferner soll dieses Basic eine wesentlich größere Genauigkeit und eine höhere Ablaufgeschwindigkeit haben und das, obwohl die Länge des Programms nur noch ca. 80 KByte betragen soll. Nach dem Erscheinen dieses Basics, wird es automatisch beim Kauf eines neuen Rechners mitausgeliefert. Den Besitzern des „alten“ ST-Basics soll der Erwerb gegen eine Selbstkostengebühr ermöglicht werden. Man darf gespannt sein!


Die Frage, ob ein PC-ähnliches Gehäuse für die ST-Rechner geplant sei, wurde uns verneint. Es bestehe aber für die Zukunft die Möglichkeit eines kompatiblen Nachfolgemodells, das den Nachfolgeprozessor 68 020, einen echten 32 Bit-Prozessor, enthalten soll. Dieser neue Rechner wird eine Kapazität von mindestens zwei MByte RAM und eventuell ein UNIX-Betriebssytem erhalten. Ob dieser in einem PC-Gehäuse oder als Zusatzplatine zum jetzigen ST erscheint, steht noch in den Sternen. Im letzteren Fall würde der ST nur noch als Terminal dienen. Das wohlbekannte Betriebs-sytem MS-DOS (IBM und Kompatible käme wegen Geschwindigkeitsverlusten nur als Hardwarezusatz in Frage. Die Unterstützung in Sachen CP/M bschränkt sich bei ATARI weiterhin nur auf den kostenlosen CP/M-Emu-lator. Beschaffung weiterer Software bleibt den Anwendern überlassen.

Das von ATARI vertriebene ST Manager: Text wird derzeit überarbeitet, so daß die bekannten Mängel behoben werden, wie zum Beispiel das Anzeigen einer Directory aus dem Programm heraus, was zur Zeit ja noch nicht möglich ist. Diese verbesserte Version soll dann gegen Einsendung des Originals direkt bei der Firma SM in München eingetauscht werden. Nähere Einzelheiten, wie zum Beispiel Ergänzungen zum Handbuch und Liefertermin, waren noch nicht bekannt.

Im großen Ganzen war die Micro ’86 weniger besucht, als im letzten Jahr. Dies lag nicht zuletzt daran, daß die eigentlichen Neuheiten wohl erst auf der Cebit in Hannover vom 12.3.-19.3. präsentiert werden.



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