Wer spuckt die größten Töne?


Für den folgenden Vergleichstest standen vier Programme zur Verfügung: „Music Studio“ von Activision, „Minstrel“ von Kuma, „Musix 32“ (CCD) und „Music Box“ (XLEnt-Software). Beginnen wir mit dem Activision-Music-Studio.

Das Programm läuft auf jedem Rechner der ST-Serie; allerdings muß ein Farbmonitor vorhanden sein. Auf der Diskette befindet sich das Programm sowie einige Beispielstücke. Programm und Anleitung sind in Englisch, Sprachkenntnisse sind also unbedingt erforderlich.

Die Anleitung ist vorbildlich: ein 78 Seiten dickes Heft, nur etwas kleiner als Taschenbuchformat. Es ist die gleiche Anleitung, die auch der Amiga-Version beiliegt; allerdings werden die voneinander abweichenden Funktionen auch in getrennten Kapiteln behandelt. Bis auf die Klangeinstellungszeit sind die Versionen nur in Details verschieden.

Nach dem Laden des Programms befinden wir uns auf der Hauptseite. Sie besteht aus einem großen zweizeiligen Notensystem in der Mitte sowie Menü-und Anzeigeleisten am oberen und unteren Rand. Die Menüleisten bestehen zum größten Teil aus Symbolen, aus denen beim Anklicken eine Menüleiste herauskommt, die beim Loslassen des Mausknopfes wieder verschwindet. Nur in der obersten Zeile befinden sich rechts und links außen zwei 'normale’ Menütitel, die aber ebenfalls wie die über den Bildschirm verteilten Symbolleisten funktionieren. Auch die Dialogboxen sind ähnlich ungewohnt ’Amigalike’ gestylt. Man gewöhnt sich aber schnell an die neue Bedienungsweise.

Grundsätzlich besteht eine Komposition im Music-Studio aus maximal 16 monophonen Stimmen. Jeder Stimme ist ein Klangpreset zugeordnet. Diese Klangpresets sind in der Menüauswahl durch Farben gekennzeichnet. Sollen die Noten vom eingebauten Lautsprecher des ST ausgegeben werden, dürfen nicht mehr als drei Noten gleichzeitig benutzt werden. Man kann jedoch jeder Stimme einen Midi-Kanal zuordnen und so alle order nur übrzählige Stimmen über Midi ausgeben. Auf dem Notensytem werden die Stimmen in ihren Farben angezeigt, man kann also genau sehen, wie die einzelnen Noten klingen.

Beim Abspielen hat man die Wahl: Man kann das Notenbild auf einem bestimmten Ausschnitt stehen oder die Noten mitlaufen lassen. Bei schnelleren Tempi oder kleinen Noten werten kann man dann allerdings oft nicht mehr mitlesen. Ärgerlich beim Abspielen ist, daß man immer am Anfang des Stückes beginnen muß; das Abhören einzelner Takte mitten im Stück ist nicht möglich.

Statt der vorgegebenen Klangfarben können auch eigene Presets definiert werden. Dies geschieht in einer Dialogbox, in der den drei Tongeneratoren eine frei definierbare Hüllkurve, Rauschen und die Oktavlage zugeordnet werden kann. Dabei kann jede der drei Stimmen eine eigene Hüllkurve erhalten. Die so entstandenen Presets können mit Namen versehen und abgespeichert werden.

Die Eingabe von Noten ist recht einfach: Man wählt in dem Noten- oder Pausenlängenmenü die Länge der einzusetzenden Note (oder Pause) und bewegt den Cursor, der dabei die Form (und Farbe) des ausgewählten Zeichens angenommen hat, an die gewünschte Spalte im Liniensystem. Dabei muß man allerdings selbst auf korrekte Abstände achten, denn die Takteinteilung wird nicht automatisch vorgenommen. Als Maß für die (zeitliche) Länge einer Bildschirmspalte wird dabei die kürzeste Note der Spalte genommen. Schreibt man eine Linie in Vierteln und will danach einen 16tel-Lauf unterlegen, muß man dies bereits bei der Eingabe berücksichtigen und nach jeder Viertel Platz für die drei weiteren 16tel in der anderen Stimme lassen. Aber auch daran gewöhnt man sich recht schnell. Ärgerlicher ist, daß man einmal eingegebene Noten nicht einzeln korrigieren oder löschen kann.

Zwar gibt es die Möglichkeit, Blöcke auszuschneiden und zu verschieben oder zu kopieren, nur löschen kann man sie nicht, jedenfalls nicht auf der Flauptseite des Programms. Nützlich ist hingegen eine Funktion, mit der man alle Notenwerte eines Stückes halbieren oder verdoppeln kann. Die vorhandene Transponierfunktion ist ziemlich unbrauchbar, weil sie lediglich die Noten nach oben oder unten verschiebt, ohne die Halbtonschritte zu beachten. Wirklich transponieren kann man mit Hilfe des Tonartwechsels; hierbei wird die Musik verschoben und die Vorzeichen werden verändert. Die zur Verfügung stehenden musikalischen Symbole (Notenwerte bis zur 32tel-Triole, Akzente, Bindebögen, Wiederholungszeichen) sind völlig ausreichend. Auch die zur Auswahl stehenden Taktarten dürften dem normalen Anwender ausreichen. Komfortabel ist die Möglichkeit, die Tonhöhen statt mit der Maus über ein Midi-Keyboard einzugeben. Überhaupt sind die Midi-Möglichkeiten des Programms gelungen. Außer der Möglichkeit, jeder Stimme einen Kanal zuzuordnen, kann auch noch jeweils ein Preset (des angeschlossenen Instruments) und der Oktavbereich, in dem die fünf Oktaven des Notensystems ausgegeben werden, angewählt werden. Auf der Diskette sind einige Demostücke für die Verwendung mit einem CZ-101 Synthesizer von Casio enthalten, die diese Möglichkeit eindrucksvoll belegen.

Schließlich bietet das Programm noch eine 'Musical Paintbox’, die eine Art vereinfachter Notation verwendet, um auch Nicht-Notationskundigen die Benutzung zu ermöglichen. Dabei werden die Noten durch rechteckige Klötzchen von verschiedener Breite ersetzt, die den entsprechenden Ton darstellen. Hier ist es auch möglich, Noten zu löschen, dafür stehen die komplexeren Funktionen wie Kopieren nicht zur Verfügung. Die beiden Darstellungen lassen sich einfach mit der rechten Maustaste umschalten.

Schließlich gibt es Kommandos zum Ausdrucken der eingegebenen Musik sowie die Möglichkeit, bis zu drei Textstrophen unter den Noten mitzudrucken. Außerdem existiert ein 'Track’-Feature, mit dem man bis zu vier unabhängige Stimmblöcke separat editieren und abhören kann.

Bewertung:
Das Music-Studio ist ein optisch ansprechend gestaltetes Programm. Ls besitzt alle wesentlichen Features und ist nach kurzer Eingewöhnungszeit relativ leicht zu bedienen. Die Möglichkeiten des Soundchips werden ausgiebig genutzt, nur Eckhard Kruses Musik-Editor (siehe letztes Heft) bietet mehr Klangmöglichkeiten. Die Midi-Möglichkeiten sind vorbildlich für ein derartiges Programm. Mit den kleinen Mängeln des Programms läßt sich leben - schließlich ist es ja, trotz anderslautender Werbung, kein professionelles Kompositions- oder Notendruckwerkzeug.

G. Knupe GmbH DM 119,-
Postfach 354 4600 Dortmund

K-Minstrel

Jetzt ist das Editierprogramm von Kuma an der Reihe: 'Minstrel' läuft auf allen Rechnern der ST-Serie, sowohl mit dem monochromen als auch mit dem Farbmonitor. Es ist vollständig in GEM eingebunden. Programm und Anleitung sind in deutscher Sprache. Außer dem Programm finden sich auf der Diskette noch einige Beispielstücke.

Nach dem Laden erscheint am oberen Bildschirmrand eine Menüleiste, in der Mitte ein Notensystem, am unteren Bildrand eine Leiste mit verschiedenen Anzeigen und Schaltern.

Die eingegebene Musik kann auf vier, acht, zwölf oder sechzehn Kanäle verteilt werden; auch hier wird wieder die Midi-Schnittstelle verwendet. Die sechzehn Stimmen sind ebenfalls mono-phon. Offensichtlich erfolgt die Zuordnung der Stimmen zu den Midikanälen über die Stimmennummer; die Einstellung irgendwelcher Midi-Parameter ist nicht vorgesehen.

Das Programm bietet keinen Klangeditor, es gibt jedoch die Möglichkeit, eine Hüllkurve für jeden der drei Tongeneratoren einzustellen. Außerdem kann jede Note als 'Legato' definiert werden, damit auf die 'Attack’-Phase zu Beginn der Hüllkurve verzichtet wird, so daß die Note an die vorherige gebundener anschließt. Leider kann man die Klangeinstellungen nicht unabhängig von der Musik abspeichern oder, wie beim Music-Studio, während des Stückes Klangfarben wechseln. Angesichts der nicht gerade überwältigenden Klangpalette des Atari-Soundchips läßt sich dies aber leicht verschmerzen.

Die Eingabe von Noten funktioniert ähnlich wie beim Music-Studio: Man wählt aus dem unterhalb der Notenlinien gelegenen Schalterfeld das gewünschte Zeichen aus und plaziert es. Das Korrigieren oder Löschen von Fehleingaben ist äußerst einfach. Bei der Eingabe gilt allerdings ebenfalls, daß der Takt nicht vom Programm überwacht wird; das Einfügen von eventuell notwendigem Freiraum ist jedoch einfacher als bei dem Acitivion-Programm. Überhaupt finde ich die Editierfunktionen etwas übersichtlicher in der Anwendung. Besonders gelungen ist die Möglichkeit, jeder einzelnen Note sowohl ein Crescendo oder Decrescendo sowie ein Accelerando oder Ritardando zuzuordnen. Diese Option funktioniert sehr gut und ermöglicht lebendig klingende Stücke, besonders dann, wenn man von der Möglichkeit der Midi-Ausgabe Gebrauch macht.

'Minstrel' bietet alle wichtigen musikalischen Zeichen inklusive Triolen. Der kleinste darstellbare Notenwert ist die 32tel-Note. Die Musik wird in Seiten eingeteilt, eine Seite ist wie ein Notenblatt. Man kann sich durch die Notenblätter hindurchblättern, man kann auf jedem Blatt eien neue Tonart verwenden oder jeweils ein Blatt aus-drucken. Die Druckqualität entspricht einer Bildschirm-Hardcopy, der Druck wird auf die gleiche Weise (Alternate-Help) abgebrochen. Ein Stück kann bei Benutzung von vier Stimmen aus maximal 200 Seiten bestehen, bei sechzehn Stimmen bleiben noch 50 Seiten. Wieviele Takte auf eine Seite passen, hängt natürlich von den Notenwerten ab, 16tel brauchen eben mehr Platz als ganze Noten. Kuma gibt als Speicherkapazität ungefähr 3200 Noten im vierkanaligen Modus an.

Zur Nachbearbeitung kann das ganze Stück oder Teile davon transponiert oder seine Tonart gewechselt werden. Kopieren, Einfügen und Löschen ist mit geringem Aufwand möglich. Auch das Mischen von ganzen Stücken wird unterstützt; an jeder beliebigen Stelle eines Stückes kann ein anderes geladen und eingefügt werden. Man kann auch Ausschnitte des Stückes getrennt abspeichern.

Bewertung:
Kuma Minstrel ist optisch weniger spektakulär, bietet aber annähernd die gleichen Features wie das Activision-Music-Studio und ist nach meiner Ansicht etwas leichter zu bedienen. Das Music-Studio bietet mehr im Bereich der klanglichen Gestaltung und der Midi-Möglichkeiten, die lebendigere kann man, wegen der sehr guten Lautstärke- und Geschwindigkeitssteuerung, mit 'Minstrel’ erzeugen.

G. Knupe GmbH DM 98,50
Postfach 54 4600 Dortmund

Musix32

Nun zum einzigen deutschen Produkt, dem Programm mit dem merkwürdigen Namen ’Musix32’, das von Tommy-Software stammt und von CCD vertrieben wird.

Das Programm läuft auf jedem ST und benötigt den monochromen Monitor.

Musix32 ist auf einer Diskette zusammen mit einigen Beispielstücken. Außerdem findet man noch zwei Ordner mit Beispielprogrammen. Wozu dies?

Musix bietet über die Erstellung von Musik hinaus noch einiges mehr. Es ist nämlich möglich, fertiggestellte Musikstücke in einem speziellen Format abzuspeichern und sie dann im Hintergrund zu selbstgeschriebenen Programmen (z. B. Spielen) ablaufen zu lassen. Dazu dient der XBIOS-Befehl Do_Sound, der jedoch ein sehr kompliziertes Eingabe-Format erwartet. Die Umsetzung Ihrer Musik in dieses Format übernimmt Musix32. In den Beispielprogrammen wird die Einbindung in Pascal- und C-Programme demonstriert, im Handbuch wird darüberhinaus noch die Benutzung von GfA-Basic aus erläutert. Mit Musix ist es wirklich mühelos, selbstgeschriebene Programme mit Musik zu versehen.

Was kann der Musix32 Editor?

Nach dem Laden des Programmes fragt eine kleine Dialogbox zuerst einmal nach der Sprache, in der die Bedienung erfolgen soll; Englisch und Deutsch stehen zur Auswahl. Danach erscheint der Bedienungsbildschirm, der bei Musix32 aus einer einzigen Bildschirmseite besteht.

Die Menüleiste ist bei Musix32 durch eine Symbolleiste mit den zur Verfügung stehenden musikalischen Symbolen ersetzt. Fährt man mit der Maus auf eines der Symbole, nimmt der Cursor dessen Form und Funktion an. Wählt man also zum Beispiel eine Viertelnote, so erhält der Cursor die Form des Viertelnotensymbols und dient zum Einsetzen von Viertelnoten in das Notensystem.

Das Notensystem füllt den größten Teil des Bildschirms. Die Eingabe der Noten erfolgt hier taktorientiert und stimmenweise, das heißt, der Editor weist jeder Note selbständig die richtige Bildschirmposition zu und setzt auch Taktstriche selbst (bei den bisher betrachteten Programmen waren die Taktstriche ohne Funktion und dienten nur der Gliederung für den Betrachter). Die Taktart ist frei wählbar in Schritten von 16tel Noten, so daß auch komplizierte Takte darstellbar sind (z. B. 9/16).

Am unteren Bildrand befinden sich drei Reihen von Funktionstasten, die nur mit piktogrammartigen Bildern versehen sind. Eine Help-Funktion, dargestellt durch ein Fragezeichen, erklärt die einzelnen Funktionen ausreichend. Die meisten dieser Funktionssymbole erklären sich freilich selbst.

Zuerst zu den musikalischen Möglichkeiten des Programms: Es können dreistimmige Musikstücke eingegeben werden. Dafür stehen die geraden Notenwerte bis zur 32tel Note sowie die punktierten Werte zur Verfügung. Bindebögen, dynamische Zeichen oder Triolen sind leider nicht vorgesehen. Auch die Midi-Schnittstelle wird nicht unterstützt. Die Ausgangstonhöhe für das eingestrichene a läßt sich kontinuierlich stimmen.

Im Bereich Klangformung ist lediglich für die erste Stimme eine feste Hüllkurve vorgesehen, die nur an- oder abgeschaltet werden kann.

Ansonsten gibt es keine Möglichkeit, den Klang der Tongeneratoren zu beeinflussen.

Sowohl Midi- als auch Hüllkurvenfunktion sind für einen Update, der Anfang 1987 erscheinen soll, eingeplant.

Die bereits erwähnte Bilderleiste am unteren Bildrand stellt komfortable Editierfunktionen zur Verfügung. Dazu zählen Tasten, die es ermöglichen, noten- oder seitenweise durch den Notentext zu scrollen und an Anfang oder Ende des Textes zu springen. Das Tempo der Wiedergabe kann in neun Stufen geregelt werden; Piktogramme dafür sind Hase und Igel. Trotz so hübscher Piktogramme wäre eine Angabe des Tempos in der üblichen Art wünschenswert.

Die Einstellung von Takt und der gerade zu editierenden Stimme ist hier ebenso zu finden wie die bereits erwähnte Stimmfunktion. Außerdem sind Ausschneide- und Kopierfunktionen und alle File-Operationen enthalten.

Bei den Disketten-Funktionen ist es möglich, Stücke aneinanderzuhängen oder zu mischen. Das Abspeichern in dem für die XBIOS-Soundfunktion notwendigen Format vervollständigt diese Funktionen.

Die bereits erwähnte ’Help’-Funktion ersetzt das Handbuch fast vollständig. Überhaupt ist die Arbeit mit Musix32 sehr angenehm. Wenn es doch nur noch einige musikalische Funktionen mehr gäbe! Zuletzt sei noch die Druck-Option erwähnt, die auch einige Layout-Funktionen (16tel pro Zeile, Zeilen pro Seite, Zeilenabstand usw.) beinhaltet.

Bewertung:
Von den bisher betrachteten Programmen gefällt mir Musix32 von der Bedienung her am besten. Mit dem Programm lassen sich Stücke schnell und mühelos erstellen. Leider haben die anderen beiden Programme in ihren Möglichkeiten Musix32 einiges voraus; besonders die dynamischen und agogischen Möglichkeiten von Minstrel stünden Musix3 gut zu Gesicht. Dagegen steht allerdings die mühelose Möglichkeit, Musik für eigene Anwenderprogramme zu kreieren. In den mitgelieferten Beispielen wird deutlich, wie einfach die Musikeinbindung mit Musix wird.

Tommy Software DM 89,-
Mainzer Landstr. 147 6000 Frankfurt 1

CCD
Schöne Aussicht 41 6229 Walluf

Music-Box

Der letzte Kandidat: Die ’Music-Box’ von XLEnt Software. Sie ist in einer Farb- und einer Monochrom-Version erhältlich. Die Farbversion läuft in der mittleren Auflösung. Das Programm erfordert die Rom-Version des TOS.

Die Musik-Box ist zwar mausgesteuert, weicht in ihrer Bedienung aber erheblich von gewöhnlichen GEM-Programmen ab. So werden zum Beispiel t die Disk-Routinen mit Hilfe einer Dialogbox angezeigt, aber tatsächlich angewählt werden sie mit den Funktionstasten. Auch die File-Selector-Box wird nicht benutzt. Man kann sich zwar ein Inhaltsverzeichnis der Diskette anzeigen lassen, muß dann aber den Namen des zu ladenden Musikstückes eintippen. Wenn man schon Dialogboxen verwendet und nicht die normalen GEM-Funktionen verwenden will, warum kann man dann nicht wenigstens die File-Selector-Box, die nun wirklich Programmierer und Anwender gleichviel Mühe spart, verwenden?

Schon dieses Beispiel zeigt, daß der Hauptmangel des XLEnt-Programmes die Bedienung ist. Zwar bietet das Programm einige Funktionen, aber es ist so umständlich und langsam in der Bedienungsoberfläche, daß man schnell die Lust verliert, längere musikalische Werke zu schaffen.

Doch nun zum Konzept der Music-Box: Sie erlaubt die Verwendung von maximal acht monophonen Stimmen, die aus maximal 264 Takten oder 1024 Noten pro Stimme bestehen dürfen. Die Stimmen sind in Zweiergruppen zu Kanälen zusammengefaßt. Jeder Kanal kann eine eigene Klangeinstellung besitzen. Die Kanäle können auch über Midi ausgegeben werden. Die ST-internen Tongeneratoren sind fest den Stimmen 1,3 und 5 zugeordnet. Sie können über ein Midi-Keyboard auch direkt angesprochen werden.

Das Programm besteht aus der Editor-Seite und der Player-Seite. Auf der Player-Seite kann man lediglich das Abspielen unterbrechen oder wiederaufnehmen, die Editor-Seite dient zur Eingabe der Noten.

Die musikalischen Möglichkeiten entsprechen etwa denen des Activision-Programms. Bis auf den Bindebogen stehen die gleichen musikalischen Symbole zur Verfügung (Notenwerte bis zur 32tel). Triolen existieren nur als Viertel- und Achteltriolen.

Auf der Editor-Seite sieht man im oberen Teil des Bildschirms ein Notensystem, links unten eine Box mit Schaltern und rechts unten einen Ausschnitt aus einer Klaviatur. Die Eingabe von Noten ist einfach: Gewünschte Länge, Stimme und Oktavlage im Schalterfeld anwählen und dann auf der Klaviatur die gewünschte Töne eingeben. Pausen können selbstverständlich auch dargestellt werden. In einer Stimme dürfen nicht mehr als vierundzwanzig Noten eingegeben werden. Für jeden Takt kann man ein eigenes Taktmaß sowie eine eigene Geschwindigkeitseinstellung eingeben. Bei Benutzung von Midi-Instrumenten kann auch für jeden Takt pro Kanal (also für jeweils zwei Stimmen) das angewählte Klangpreset umgeschaltet werden.

Zum weiteren Editieren stehen Kopier- und Löschfunktionen zur Verfügung, die jeweils ganze Takte betreffen. Außerdem können einzelne Stimmen gelöscht werden.

Veränderungen am Klang der eingebauten Tongeneratoren sind nicht möglich.

Auf der Music-Box-Diskette befindet sich zusätzlich ein Druckprogramm, das außer dem Notendruck eine Überlagerung von Notenbild und einer Grafik, zum Beispiel von Degas, ermöglicht. Außerdem ist es möglich, Text in verschiedenen Fonts und Schriftgrößen zu unterlegen. Mit dem Druckprogramm lassen sich recht ansprechende Ergebnisse erzielen. Es werden Epson-, NEC- und Star-Gemini-Matrixdrucker unterstützt.

Bewertung:
Die Bedienung der XLEnt Music Box gefällt mir überhaupt nicht. Die Programmierer von XLEnt scheinen durch schwer bedienbare Programme einen

besonderen Ruf erwerben zu wollen! Ich möchte nur an ein Textlayout-Programm aus dem gleichen Hause erinnern. Von ihren Möglichkeiten her unterscheidet sich die Music-Box nicht sonderlich von den Konkurrenten. Allerdings macht sie doch viel weniger Spaß. Schließlich hat die Music-Box auch am meisten Einschränkungen: Vierundzwanzig Noten pro Takt ist nicht gerade üppig. Außerdem läßt die Übersicht der Notendarstellung sehr zu wünschen übrig - es ist immer nur ein Takt auf dem Bildschirm zu sehen. Gut ist an der Music-Box eigentlich nur das Druckprogramm.

Softline DM 149,-
Schwarzwaldstr. 8a 7602 Oberkirch

Zusammenfassung:

Wer ein Musikprogramm sucht, das weniger für die Anwendung im professionellen Produktionsbereich gedacht ist, sondern dazu, Spaß mit Musik zu haben, der sollte sich ’Music Studio’, 'Minstrel’ und ’Musix32’ genauer anschauen. Jedes Produkt hat seine spezifischen Qualitäten, und für jedes wird sich eine besondere Anwendung finden lassen. Für Programmierer ist Musix32 besonders interessant, denn die 'Vertonung’ von Eigenprogrammen ist damit kein Problem. Wer es gerne besonders bunt hat und auf die guten Midi-Möglichkeiten Wert legt, sollt emit dem Music Studio liebäugeln. Schließlich gefielen mir die musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten von Minstrel am besten, doch Minstrel ist vom Design her am wenigsten spektakulär. Druckmöglichkeiten bieten alle getesteten Programme in vergleichbarer Qualität, wobei die Music Box am vielseitigsten ist. Wirklich professionelle Notendruckfeatures darf man von solchen Programmen natürlich nicht erwarten. Nicht umsonst war der Notensatz in der Geschichte schon immer ein besonderer Luxus. Zum Schluß sei noch etwas Eigenwerbung erlaubt: Das Siegerprogramm unseres Musikwettbewerbs (siehe Dezember-Ausgabe), das jetzt beim Heim-Verlag erhältlich ist, bietet in mancher Hinsicht mehr als jedes der getesteten Programme. Wer auf besondere musikalische Vielseitigkeit Wert legt, sollte sich auch mit diesem Programm einmal beschäftigen.
Christian Schormann



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