Die Fileselektorbox: Eine kleine Box mit viel Inhalt

Da wir sehr viele Anfänger unter unseren Lesern haben, möchten wir unter anderem mit diesem Artikel dazu beitragen, den Umgang mit dem Rechner zu erleichtern. Doch auch denjenigen, die schon länger mit ihrem ST leben, ist vielleicht noch nicht alles über die kleinen Kniffe des Betriebssystems bekannt. Viele Handgriffe sind nötig, um den ATARI ST komfortabel benutzen zu können. Ein sehr oft auftauchendes Objekt im Umgang mit diesem Rechner ist die DATEIAUSWAHLBOX, die hier näher beleuchtet werden soll, um einen einfacheren Einstieg in die Welt des ST's zu ermöglichen...

1 Die Fileselektorbox

Sitzt man zum ersten Mal vor dem Atari ST, so hält man sicherlich das Einführungsheft, das ATARI mitliefert, in der Hand, und läßt sich in die Geheimnisse des DESKTOPS einweihen. Startet man dann das erste Programm, bei vielen wird es zum Beispiel eine Textverarbeitung sein, in der als erstes eine Datei ausgewählt werden muß, so verlassen einen die liebgewonnenen Fenster, die es ermöglichen auf dem Desktop Programme und Dateien anzuwählen. Anstatt dessen findet man sich fast immer vis-ä-vis einer Box, die zwar einem Desktopfenster ähnelt, aber doch von ihm verschieden ist. Diese Box (groß und breit auf diesen Seiten zu finden) nennt sich auf neudeutsch FILESELEKTORBOX oder auch DATEIAUSWAHLBOX. Mit jener Box wollen wir uns nun beschäftigen.

Die Fileselektorbox besteht aus mehreren Teilen: Zum einen die oberste editierbare Zeile, die Index-Zeile, über der das Wort "INDEX” steht. Hierbei bedeutet Editieren, das Einfügen von Buchstaben über die Tastatur durch den Benutzer. Zum anderen findet sich eine kleinere editierbare Zeile, über der AUSWAHL:’ steht. Desweite-ren befindet sich in der Filesektorbox eine kleine Box, in der ein Ausschnitt des angewählten Disketteninhaltes zu finden ist mit den zugehörigen Pfeilen, der WILDCARD, der CLOSEBOX und dem SCHIEBER (diese drei Begriffe werden unten näher erläutert). Außerdem enthält sie zwei anwählbare Tasten, in denen’OK' und ABBRUCH’ stehet.

Zunächst ein Wort zum Eingeben von Buchstaben in die beiden editierbaren Felder:

Erscheint die Fileselektorbox auf dem Bildschirm, so befindet sich ein großer, dünner, senkrechter Strich im rechten Edit-Feld, der Cursor. Wenn Sie nun ein Zeichen eingeben, so erscheint der Buchstabe in diesem Feld und der Cursor rückt eins nach rechts. Wollen Sie in das obere Edit-Feld, so drücken Sie die Cursor-Hoch-Taste der Cursor befindet sich dann im oberen großen Edit-Feld. Zum kleinen Feld gelangen Sie dann wieder mit der Cursor-Runter-Taste. Wollen Sie das ganze Feld löschen, so brauchen Sie dazu nicht jeden Buchstaben mit BACKSPACE (rechts oben) zu löschen, sondern es reicht, wenn Sie die ESC-Taste (links oben) drücken und der gesamte Text in der Zeile verschwindet.

Das INDEX-Feld:

In diesem Feld steht der sogenannte Pfadname einer Datei. Nun, was ist ein PFAD? Wie ein normaler Pfad gibt er den Weg zu einem Ziel an, das in unserem Fall die Datei ist. Wie Sie sicherlich wissen, kann man in solch modernen Rechnern wie dem ST die Diskette in Ordner unterteilen. Nun kann allerdings in einem Ordner wieder ein Ordner sein. (Zur Verdeutlichung schauen Sie sich bitte Bild 1 an). Diese Aufteilung von Disketten sollte man sich von Anfang an angewöhnen, auch wenn ein Ordner auf der Diskette ein Kilobyte verbraucht. Ein Gesamtpfad besteht also aus der Diskettenstationskennung (A,B,C,D etc.), der Ordnerverschachtelung und dem anschließenden Namen. Der Name besteht übrigens wieder aus zwei Teilen, dem eigentlichen Namen, der acht Buchstaben sein darf, und dem Extender (Erweiterung), der eine Länge von bis zu drei Buchstaben hat. Diesen Exten-der sollte man der Übersicht wegen nur zum Bezeichnen des Dateityps benutzen. Dabei haben sich schon einige Bezeichnungen ergeben, die häufig benutzt werden : .C (Quellcode der Programmiersprache C), .PAS (PASCAL), .BAS (BASIC) , .DOC ( englischer Text), DOK (deutscher TEXT), .PRG (Programm, das unter GEM läuft) usw..

WILDCARDS

Anstatt des Namens steht nun im Indexfeld an letzter Stelle eine sogenannte WILDCARD oder einjoker. Dies ist ein Platzhalter für eine Anzahl von Dateien und dient dazu eine Auswahl von Dateien anzuzeigen.

Dazu werden die Zeichen ’’ und ’?’ benutzt. Das Fragezeichen steht als Platzhalter für ein Zeichen, während das Asterisk (’’) eine ganze Zeichenkette ersetzt. Zur Verdeutlichung schauen wir uns ein paar Beispiele an:

D?CK.PRG:
zeigt alle Dateien an, die die angegebenen Buchstaben enthalten, wobei der zweite Buchstabe beliebig ist. Zum Beispiel DICK.PRG, DUCK.PRG,DRCK.PRG usw.

BIT.DOC:

Es werden alle Dateien aufgelistet, die mit BU beginnen und den Extender DOC besitzen. Zum Beispiel BUCH.DOC, BULK.DOC ,BUECHER.DOC etc.

BU.:
Es werden alle Dateien aufgelistet, die mit BU beginnen. Der Extender wird hier außer acht gelassen, da auch in ihm eine Wildcard vorhanden ist.

*.DO? : Alle Dateien (der eigentliche Name ist wegen des Asteriks unwichtig) die im Extender ein DO stehen haben, werden angezeigt. Beispiel: Alle Textdateien englisch (DOC) wie auch deutsche (DOK) sind zu finden.

Um ein wenig mit dieser Dialogbox herumzuspielen, haben wir für C, PASCAL und BASIC kleine Programme beigelegt, um eine Dateiauswahlbox auf den Bildschirm zu bringen. Bitte geben Sie eins dieser Programme ein und starten es Sie können auch ein beliebiges Programm zur Hand nehmen, von dem Sie wissen, daß diese Dateiauswahlbox in ihm vorhanden ist.

Der Umgang mit der Fileselektorbox

Wenn Sie nun die Box auf dem Bildschirm haben, legen Sie in das Laufwerk eine Diskette ein.

Am besten zum jetzigen Herumspielen ist eine Diskette mit ein paar Ordnern und vielen Dateien geeignet. Bei den abgedruckten Programmen befindet sich im Indexfeld folgender Eintrag: ’A:.’, wobei sich der SuchErsatz des Namens im grau unterlegten Feld über den Dateinamen wiederfindet. ’A:.’ bedeutet, daß alle Dateien eingeblendet werden, die sich in Laufwerk. A befinden. Das Feld unter AUSWAHL ist leer. Bitte klicken Sie nun eines der angezeigten Felder an. Dieser Dateiname wird in das Auswahlfeld übernommen. Sie brauchen ihn also nicht unbedingt mit der Tastatur einzugeben, was auch in der Praxis selten geschieht. Bewegen Sie bitte jetzt den Cursor in das obere Feld und tauschen Sie den Such-Index mit einem Extender auf ihrer Diskette vorkommt, zum Beispiel ’.PRG’. Noch werden die Dateien nicht wie gewünscht angezeigt. Sie müssen erst mit der Maus in das Feld klicken, in dem sich die Dateinamen befinden. Nun sehen sie nur noch die Dateien, die diesem Such-Index entsprechen, wobei es natürlich sein kann, daß keine Dateien mehr angezeigt werden. Wollen Sie wieder den Such-Index ’.’, so klicken Sie bitte die graue Leiste über den Dateinamen an, in der auch der Suchindex vorhanden ist. Dies können Sie sich zunutze machen, indem Sie zum Beispiel B:’ ,’C:’ etc. im Index- Feld eingeben und dann das grau unterlegte Feld anklicken, denn dann wird automatisch ’.’ angehängt. Möchten Sie aber den Such-Index ’A:.’, so geht dies sehr einfach: löschen Sie das Indexfeld, in dem Sie den Cursor in ihm positionieren und die Taste ESC drücken (siehe oben) .Jetzt klicken Sie die grau unterlegte Such-Index-Leiste an und das Such-Index-Feld wird auto- matisch mit ’A:.*’ aufgefüllt!

2 Ordnerstruktur

Achtung: Wenn Sie die Diskette wechseln und den Index nicht geändert haben, was der Normalfall ist, so müssen Sie zum Laden des neuen Disketteninhaltes das graue Feld anklicken. Sie brauchen keine Angst zu haben, daß dann Ihr Index (z.B. .PAS ) verloren geht, er bleibt erhalten und wird nicht in ’.’ umgewandelt.

Wollen Sie einen Ordner öffnen, so klicken Sie diesen einfach an, dann finden sich im Dateinamenfeld nur noch die Dateien des Ordners, der Suchindex ist erhalten geblieben, und im Pfad ist der Name des Ordners eingefügt worden. Wollen Sie diesen Ordner wieder schließen, wählen Sie die CLOSEBOX (Schließbox siehe großes Bild) an, und Sie befinden sich wieder ein Stufe über diesem Ordner und der Ordnername ist aus dem Pfad entfernt worden.

Sicherlich ist es einleuchtend, daß bei einer großen Anzahl von Dateien nicht alle in die sem kleinen Fenster Platz haben können, so daß Sie nur immer einen (kleinen) Ausschnitt sehen. Um diese Berei che umzuschalten und um weiterzublättern, sind die Pfeile und der Schieber vorgesehen. Wenn Sie nun eine Diskette haben, auf der mehr als neun Dateien sind, erkennen Sie zwischen den beiden Pfeilen eine Box, die grau unterlegt und zum Teil weiß ist. Nun müssen Sie sich vorstellen, daß der Bereich zwischen den beiden Pfeilen den gesamten Bereich der Diskette symbolisi-siert, wobei Sie aber nur den Teil sehen, der weiß ist. Am besten kann man sich dies verdeutlichen, wenn man sich vorstellt, daß der weiße Bereich ein Fenster ist, das man über dem Disketteninhalt (in der Fachsprache auch Directory genannt) schiebt. Sehen Sie nur einen weißen und keinen grauen Teil, so bedeutet das, daß der gesamte Disketteninhalt angezeigt wird, sehen Sie nur eine sehr kleine Box, so sind die angezeigten Dateinamen nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Gesamtinhalt der Diskette. Wollen Sie nur eine Datei weiter nach unten blättern, so betätigen Sie bitte den nach un ten zeigenden Pfeil, der andere Pfeil blättert entsprechend nach oben. Bei einer großen Anzahl von Dateien wäre das aber zu langwierig, weshalb es eine schnellere Methode gibt, vorwärtszukommen: Klicken Sie den weißen Bereich zwischen den beiden Pfeilen an, und lassen Sie die Maustaste gedrückt. Wenn Sie nun die Maus nach oben oder unten schieben, verschieben Sie den weißen Bereich (oder auch Ausschnitt) mit. Schieben Sie ihn dann an die gewünschte Stelle und lassen Sie die Maustaste los Sie sehen jetzt den entsprechenden Ausschnitt des Disketteninhaltes.

Soweit, so gut: Sie wissen, wie man den entsprechenden Di rectory-Ausschnitt in der Box zu sehen bekommt. Wie oben erwähnt, wählt man den Namen, den man möchte, dadurch aus, daß man ihn selektiert und daraufhin erscheint er dann im Dateinamenfeld. Danach muß man noch die Taste OK anklicken, wenn man diese Datei wirklich anwählen wollte. Sollte man aber zum Beispiel irrtümlich diese Fileselektorbox angewählt haben, so drücken Sie ABBRUCH. Das Programm, in dem Sie sich befinden, wertet dann diese Ausgangstaste entsprechend aus. Wenn Sie die Taste RETURN drücken, entspricht das übrigens dem Anwählen der Taste OK !! Wem das Selektieren des Namens und dann Anklicken der Taste OK noch zu viel Auf wand bedeutet und zu langsam ist, dem kann geholfen werden. Es geht noch schneller: Den gleichen Effekt erzielen Sie, in dem Sie über dem gewünschten Dateinamen zweimal schnell klicken (Doppelklick).

Wir hoffen Ihnen mit dieser Einführung ein wenig über ihre Arbeitsschwierigkeiten hinweggeholfen oder vielleicht ein paar Tips gegeben zu haben. Vielleicht klingt das obige etwas verwirrend, aber wenn Sie es einmal ausprobieren, werden Sie es sicherlich auch bald so gut beherrschen, wie manche Computerfreaks, die in hoher Geschwindigkeit mit der Maus über den Bildschirm huschen... (SH)

Do
    Fileselect "c:\#.bas". "beispiel.bas",A$
    If A$='"' Then
        Alert 1, "ABBRUCH gedrückt !!!”,l,"weiter|Ende",A
    Else
        Print A$
    Endif
    Exit If A=2
Loop

Listing 1: In GFA Basic

#include <gemdefs.h>

char fpath[64], fname[64];
int key;

main()
{
    appl_init()

    strcpy(fpath, "A:\#.#");
    strcpy(fname, "BEISPIEL.PRG ");
    fsel_input(fpath,fname,&key);
    if(key == 1)    /* OK-Taste gedrückt */
    {
        printf("Ok gedrückt: Index: %s\n    Name: %s\n",fpath,fname);
    }
    else    /* Abbruch gedrückt */
    {
        printf("Abbruch gedrückt: Index: %s\nName: %s\n",fpath,fname):
    }
    gemdos(7);  /* Auf Tastendruck warten */
    appl_exit():
}

Listing 2: In C

10 MOUSEON 
20 Pfad$="A:\*.*"
30 FILESELECT (Pfad$,Datei_Name$.Ok)
40 IF Ok
50  THEN PRINT "Datei angewählt”
60  ELSE PRINT "Abbruch gedrückt"
78 ENDIF

Listing 3: In Omikron Basic

program file_select;

const   {$i gemconst.pas)
type    {$i gemtype.pas}

VAR pfad, name: string:

{$i gemsubs.pas)

Begin
    if init_gem>=0 then begin
        pfad:='A:\*.*';
        name:='';
        if get_in_file(Pfad.Name) then
            writeln ('OK gedrückt'):
        else
            writeln ('Abbruch gedrückt'):
        exit_gem;
    end;
end.

Listing 4: In Pascal



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