Buchbesprechungen

Die Renaissance von Assembler

Was bewegt einen Programmierer dazu, sich von allein das Leben schwer zu machen und in Assembler zu programmieren? Welche obskure und subliminale Gedanken motivieren solche Programmierer in das interne, organisierte Chaos zu treten? Haben wir es hier mit einer neuen Gattung von Computer-Masochisten zu tun? Nein, das ist wohl nicht der Fall. Für das alles gibt es einen triftigen Grund. Um das Maximum an Geschwindigkeit und das Optimum aus einem Rechner herauszuholen, gibt es nichts anderes, als tief in das System einzusteigen, um das Innere dieses Monstrums zu manipulieren. Und da hilft eben nur Maschinensprache.

Vielleicht hat sich gerade deswegen die Anzahl der Bücher, die sich mit diesem Thema beschäftigen, und zwar speziell mit dem 68000er Prozessor von Motoroma, dupliziert (wenn Sie unseren Messebericht gelesen haben, werden Sie feststellen, daß sich auch die Anzahl der Assembler für den ST vermehrt hat). Verschiedene Verlage bieten in unterschiedlicher Qualität und Umfang Bücher über den Umgang mit diesem Prozessor an.

Wir haben schon ein paar dieser Bücher getestet. Zu unseren damaligen Tests gehörte zum Beispiel der Doppelband von Hilf und Nausch, der beim TewiVerlag erschienen ist und den man mittlerweile schon als Klassiker bezeichnen kann. Auch Assembler-Bücher, die für den ATARI ST maßgeschnitten sind, wie das ATARI ST Assembler-Buch des Markt & Technik-Verlags wurden von uns besprochen.Diesmal werden wir uns mit einem Buch beschäftigen, das zweifelsohne für den Anfänger als auch für den Fortgeschrittenen von Interesse sein dürfte.

Dr.Dobb's Toolbook of 68000 Programming Verschiedene Autoren Dr.Dobb's Toolbook of 68000 Programming Prentice-Hall Press Verlag, New York 64 DM. ISBN 0-13-216557-0

Wenn man von Dr.Dobb's Journal redet, redet man über eine Institution, die jahrelang Maßstäbe in der Entwicklung der Computer-Zeitschriften gesetzt hat. Nicht mehr so neu ist die Artikel-Sammlung, die unter dem Titel "Dr. Dobb's Toolbox of 68000" von Prentice Hall Press (in Deutschland unter dem Copyright des M & T-Verlags) herausgegeben wurde; sie ist aber keineswegs veraltet.

Da das Buch eigentlich "eine Sammlung verschiedener Artikel ist, ist es nicht verwunderlich, daß sich der Anfang mit der Entstehung und Philosophie des 68000 beschäftigt. Es könnte immerhin sein, daß sich unter der breiten Leserschar auch der ein oder andere Anfänger befindet. Die übliche Erklärung über Adressierungsarten sowie die typischen elektrischen Merkmale des Prozessors kann sich der Insider (wenn er möchte) sparen. Der zweite Teil ist für den Fortgeschrittenen von großem Interesse. Nicht nur daß die kompletten und lauffähigen Programme abgebildet sind, sondern auch die Programmiertechnik, die in all diesen Beispielen gezeigt wird, ist exemplarisch. Die fertigen Programme reichen in diesem Buch von einem Minimale-BASIC-Interpreter bis zu einem rudimentären Multitasking-Kernel für den 68000. Neben diesen und anderen großen Programmbeispielen wird gezeigt, wie man Assemblercode optimiert, um eine größere Geschwindigkeit zu erreichen. Obwohl dieses Buch nicht für den ATARI ST geschrieben wurde und nur in englischer Sprache zu erhalten ist, ist es ohne Zweifel für einen engagierten Assemblerprogrammierer unentbehrlich. (MM)

Kompaktführer LaTeX

Reinhard Wonneberger Kompaktführer LaTeX, Bonn 1987 Addison-Wesley Verlag 141 Seiten 26.8 DM ISBN 3-925118-46-2

Das Satzsystem TeX und seine Erweiterung LaTeX, die es auch in Implementierungen für den ATARI ST gibt, werden ohne Handbücher geliefert. Die Standardwerke "The TeX-Book" von Donald E. Knuth und "LaTeX" von Leslie Lamport müssen einzeln erworben werden. Benutzer ohne Englischkenntnisse werden damit allerdings nicht schlauer, da es keine deutschsprachigen Übersetzungen gibt.

Der "Kompaktführer LaTeX" ist eine Kurzanleitung für LaTeX in Deutsch. Sie will alle LaTeX-Aspekte abdecken und eine Hilfe für die ersten Gehversuche, aber auch bei komplizierteren Problemen sein.

Der Hauptteil stellt nach einer kurzen Einleitung die Anweisungen von LaTeX vor. Dabei hält sich der Autor sehr eng an das englischsprachige Original, kürzt die Informationen aber auf das Wesentliche. Jeweils ein Absatz stellt das Konzept einer Anweisung vor und präsentiert dann die entsprechenden Kommandos und Parameter. Die kurzen Beispiele demonstrieren nur die Anwendung und lassen ab und zu einige Fragen offen.

Die Kapitel behandeln die Konventionen für den Eingabetext, die verschiedenen LaTeX-Umgebungen für Textblöcke, den Formelsatz sowie natürlich die Stil-Optionen. Mit den Kapiteln über die Erweiterungen SliTeX und BibTeX wird die LaTeX-Beschreibung komplettiert.

Im Anhang ist ein Anweisungskatalog enthalten, der alle LaTeX-Anweisungen nochmals tabellarisch aufführt und quasi eine etwas erweiterte "Reference-Card" des Originalbuchs ist. Der Symbolkatalog stellt alle Sonderzeichen gesammelt vor und im Formatkatalog wird graphisch der Aufbau einer LaTeX-Seite mit allen Parametern dargestellt. Wie es sich für TeX-Bücher gehört, schließt ein ausführliches Register das Buch ab. Sprachlich wirken einige Anleihen aus dem Original etwas gequält. Da ist von "Dauerkästen", "Bedarfstrennstrichen" und einem "automatisierten Literaturverzeichnis" die Rede - alles Dinge, die sich besser benennen ließen. Vielleicht sollten auch Unterkapitel auf einer neuen Seite anfangen, das würde beim Nachschlagen helfen.

Wem die Originalliteratur aufgrund des Sprachproblems verschlossen ist, findet im "Kompaktführer LaTeX" alles, was zum Arbeiten mit LaTeX notwendig ist. Der TeXniker hat ein handliches Nachschlagewerk zur Verfügung, das nur den halben Preis des Originals kostet.
Robert Tolksdorf



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