Datenschlucker: Streamer im Test

Festplatten sind momentan eine echte Modeerscheinung; viele haben schon eine, fast jeder redet davon. Kein Wunder, daß auch Bedarf an Backup-Medien für die ach so empfindlichen Platten entsteht. Bisher behalf man sich, indem man den Platteninhalt regelmäßig auf Disketten kopierte. Programme für diesen Zweck gibt es einige; in der ST-Computer konnten Sie auch schon manchen Test lesen. Nun er werden wir ST-Hacker endlich in den Hochadel der Computeranwender aufgenommen: Die Streamer kommen. In diesem Falle zwei Exemplare von der Firma Rhothron.

Für PCs sind Streamer schon lange eine Selbstverständlichkeit; nicht so beim ST. Ich gehe daher davon aus. daß nur die wenigsten von Ihnen schon mit Streamern zu tun hatten. Darum wird hier nicht nur getestet, sondern auch die nötige Theorie vermittelt. Wohlan:

Was ist ein Streamer?

Kurz und scherzlos: Ein Streamer ist ein Bandlaufwerk mit sehr hoher Kapazität, mit dem man Sicherheitskopien von anderen Medien auf Bandcassetten speichert. Die meisten Streamer-Laufwerke für PCs und ähnliche Rechner lehnen sich an den QIC-36-Standard (Quarter-Inch Compatibility) an [2]; "Quarter Inch" einfach deshalb, weil die verwendeten Bänder ein viertel Zoll breit sind. QIC ist mittlerweile ein Industriestandard wie der SCSI-Bus oder das PC-AT-Steckkarten-format. Streamer mit gewöhnlichen Cas-settenrecordern zu vergleichen, mag zwar manchem Puristen und Techniker frevelhaft erscheinen, ist aber recht instruktiv. Stellen Sie sich also vorerst unter einem Streamer einen Recorder mit sehr hoher Speicherkapazität vor.

Streamer & die Dire Straits

Unterschiede gibt es natürlich schon zwischen Streamern und Recordern. Bei den Cassetten wird ein anderes Bandmaterial verwendet, um den besonderen Anforderungen gerecht zu werden. Die Bandführung ist komplizierter, und insgesamt sind Standard-Streamer-Cassetten auch um einiges größer als Musik-Cassetten. Schließlich ist das Band bei Musik-Cassetten auch nur knapp 0.4 cm breit, während es bei den QIC-Bändern normalerweise knapp 0.6 cm (eben 1/4 Zoll) sind.

Rhothron verwendet bei den Streamern, die ich testen konnte, allerdings wiederum andere Cassetten. die tatsächlich wie normale Musik-Cassetten aussehen (siehe auch Bild 1). Auf den zweiten Blick findet man doch noch Unterschiede, nämlich den Schreibschutzschieber (langsam aussprechen und auf der Zunge zergehen lassen) und eine asymmetrisch an der oberen Kante liegende Kerbe, die diese Bänder markiert und verhindert, daß die Cassetten verkehrt herum eingelegt werden. Streamer-Cassetten kann man nicht im Laufwerk umdrehen, wie Sie das etwa mit Ihrer Dire-Straits-Aufzeichnung in Ihrem Radiorecorder machen können, wenn Sie feststellen. daß Sie eigentlich doch lieber Nicki hören. Musik-Cassetten haben diese Kerbe nicht, und deswegen kann man sie auch nicht in einen Rhothron-Streamer schieben. Modern Talking müssen Sie also schon irgendwie anders digitalisieren.

Ungleiche Brüder

Es gibt auch andere Differenzen zu den von den Rhothron-Streamern verwendeten Cassetten: Während eine Musik-Cassette nur 2"2 Spuren fassen muß (je eine Spur für den rechten und linken Kanal, und das zweimal für Vorder- und Rückseite), werden bei Streamern meist 9 Spuren aufgezeichnet. Und das Band schleicht auch nicht mit schlappen 4.75 cm/s am Lesekopf vorbei, sondern legt rasante 2 Meter pro Sekunde oder auch ein bißchen mehr vor. Das ergibt dann alles in allem eine theoretische Übertragungsrate von 720 KBit/Sekunde, immerhin fast dreimal so viel wie bei einer Floppy.

Schließlich gibt es auch noch unterschiedliche Datendichten: Hochkoerziti-vc Bänder, auf denen man Daten besonders eng packen kann, schlucken ohne Murren je nach Länge 50 oder 60 Megabyte, während man bei einfacheren (oder schlicht kürzeren) Bändern oder Streamer-Laufwerken auch mal mit 20 oder 30 Megabyte zufrieden sein muß.

Auf den 9 Spuren werden die Daten wieder blockweise abgelegt; die Blockgröße beträgt zumeist 512 Bytes. Eine 60-MB-Cassette faßt also etwa 120000 Blöcke. Die Aufzeichnung funktioniert - ganz ähnlich wie beim Recorder - mit einem Schreib-/Lesekopf: nur handelt es sich dabei eben um digitale (und entsprechend codierte) und nicht um analoge Daten. Daß ein Streamer ganz andere Anforderungen an den Kopf und auch an die sonstige Leseelektronik stellt, sollte einleuchten.

Ich hoffe, das reicht fürs erste. Wer noch mehr über Streamer wissen will, sei auf die unten angegebene Literatur 111 und |2] verwiesen.

Zwei Streamer am ST

Die Firma Rhothron hat Streamer-Laufwerke mit 20. 40 und 60 MB Kapazität entwickelt, die man an den DM A-Bus des ST anschließen kann. Das eine Test-Laufwerk kann bis zu 20 MB auf einer Cassette aufzeichnen, das andere bringt es auf stattliche 60 Megabyte. Die 40-MB-Streamerversion, die eigenartigerweise nicht 40 MB. sondern knapp 50 MB faßt, bekamen wir nicht.

Alle diese Geräte sind noch nicht in Serie, aber laut Rhothron so gut wie fertig. Es mag sein, daß sich noch etwas an den Geräten ändert, bis sie tatsächlich verkauft werden. Möglichkeiten zur Verbesserung gibt es jedenfalls - aber dazu komme ich noch. Wir bekamen von Rhothron auch eine 60-MB-Platte zum Test, die mir aber noch ein echter Prototyp zu sein schien, ebenso wie der dazugehörige Treiber. Darum will ich mich damit nicht befassen; wenn sie wirklich fertig ist, wird sie getrennt getestet werden.

Die Hardware

Wenn Sie sich nicht sonderlich dafür interessieren, welche Klapperatismen in einem Streamer stecken, dann sollten Sie vielleicht erst wieder ab der Überschrift "Die Software" weiterlesen: für alle anderen ein paar harte Fakten:

Das Rhothron-Gehäuse des 60-MB-Streamers können Sie in Bild 2a bestaunen. Im gleichen 19"-Gehäuse war auch die 60-MB-Platte untergebracht. Es ist klein (jedenfalls kleiner als beim MegaST) und ziemlich stabil. Rhothron nennt sich ja nicht umsonst auch "Gesellschaft für medizinische Geräteentwicklung" - und in der Medizin müssen die verwendeten Geräte robust sein.

Das in Bild 2a gezeigte Gehäuse ist allerdings dermaßen solide, daß es das Laufwerk und das Netzteil darin fast hermetisch von der Außenluft abriegelt. Nur am Lüfter findet man eine kleine Öffnung. Lüftungsschlitze gibt es nicht. Das kleine ansaugende Lüfterchenlein im Gehäuse ist zwar klar und deutlich vernehmbar (wenn ich hier so vor SH205, MegaST und Streamer sitze, komme ich mir vor wie im Seebad), doch schaufelt es wegen der ungünstigen Konvektionsverhältnisse allenfalls eine laue Brise durchs Gehäuse.

Beim Streamer ist das nicht ganz so wild, weil der nicht besonders heiß wird. Anders bei der Platte: Als ich sie nach ein, zwei Stunden Testbetrieb aufschraubte und ans Laufwerk faßte, hätte ich mir fast den rechten Mausklick-Finger verbrannt. Daß die Platte das aushält...

Das Gehäuse des 20-MB-Streamers (Bild 2b) ist dagegen etwas großzügiger - etwa MegaST-Format - und hat auch ein paar Lüftungsschlitze. Zudem ist eine Sicherung herausgeführt. Auf den Lüfter hat man hier verzichten können - eine echte Wohltat.

Welches der beiden Gehäuse für die Serienproduktion verwendet wird, blieb offen; laut Rhothron ist es wahrscheinlicher. daß für den ST-Markt das größere Gehäuse des 20-MB-Streamers verwendet wird. Ich würde mir das auch wünschen. denn dieses Gehäuse ist zwar etwas weniger stabil, dafür aber einfach demontierbar (nur zwei Schrauben sind zu lösen) und großzügiger belüftet.

Die verwendete Hardware in den Gehäusen ist bei beiden Geräten in etwa gleich: Einen Hostadapter zur Umsetzung der Signale auf dem DMA-Bus des ST in ein SCSI-konformes Protokoll finden wir da. Er bietet einen durchgeschleiften und gepufferten (!) DMA-Bus. den man an der Rückseite des Gehäuses auch schön abgreifen kann. Der Wermutstropfen dabei: Rhothron verwendet nicht etwa 19-polige Stecker und Buchsen, wie das eigentlich für den 19-poligen DMA-Bus zu erwarten wäre; stattdessen werden für die etwas wacklig erscheinenden Kabel 25-polige Sub-D-Stecker eingesetzt, die ein paar Pfennige billiger sind. Von Rhothron war zu hören, daß das rein fertigungstechnische Gründe habe: Die 19-poligen DMA-Steckergebe es bisher nur mit Lötbefestigung. während man die 25-Poler auch "anquetschen" könne. Und Löten komme bei der Produktion natürlich teurer. Wie auch immer: Ein echter Minuspunkt jedenfalls.

Warum braucht man so einen Hostadapter überhaupt? Die meisten Streamer-Laufwerke, die es so gibt, haben einen Anschluß an den SCSI-Bus. Das ist ein paralleler Bus für Peripheriegeräte wie etwa Platten. Streamer. CD-ROMs und Laserdrucker. ATARI verwendet am ST eine eigene Schrumpfversion dieses Busses namens ACSI. Mit den Unterschieden will ich Sie nicht quälen (siehe dazu auch [2] und 13]). es reicht in diesem Zusammenhang. wenn Sie wissen, daß vom einen Bus auf den anderen Signale umgesetzt werden müssen. Und genau das macht so ein Hostadapter. Rhothron setzt in den Streamern und in der Platte den gleichen Hostadapter ein. wenn auch in verschiedenen Entwicklungsstadien. Einzeln ist dieser Hostadapter von Rhothron nicht zu erhalten. Interessant wäre es. bietet der Hostadapter doch immerhin zwei SCSl-Anschlüsse.

Den meisten Platz im Gehäuse nimmt das eigentliche Bandlaufwerk ein. Es hat etwa die Dimensionen einer 5.25"-Floppy und würde wohl auch in einen entsprechenden Laufwerksschacht passen. Bei den Rhothron-Geräten sind TEAC-Laufwerke der MT-2ST-Serie eingebaut; neben der Mechanik und grundlegenden Elektronik bieten sie einen integrierten SCSI-Controller, in dem unter anderem ein eigener 8()C85-Prozessor samt 8K-EPROM. RAM und I/O-Chips sein Unwesen treibt - im Grunde also ein eigener Rechner.

Die Hardware machte alles in allem einen zwar durchdachten, aber noch unfertigen Eindruck. Vor allem auf den Hostadapterplatinen war allerlei Ulkiges zu finden: ein abgerissener Widerstand. Hucke-pack-PALs, Drahtverhau, improvisierte Bestückungen auf der Platinenunterseite... so ganz serienfertig schienen die Geräte noch nicht zu sein.

Die Software

Auf einer mitgelieferten Diskette waren zwei Programme versteckt, die für 40-bzw. 60-MB-Streamer zuständig sind. Für den 20-MB-Streamergibt es anscheinend keine separate Software. Ansonsten braucht man keine Treiber oder ähnliches; also Streameran die Platte anschließen, System hochfahren, Backup-Programm für die jeweilige Streamer-Version starten, los geht's.

Die Software präsentiert sich im hehren GEM-Gewande. Beim Start schnappt sich das Programm den gesamten verfügbaren freien Speicher, um ihn später zum Kopieren verwenden zu können. Dann werden alle Geräte am DMA-Bus durchgeprüft, was recht lange dauert (sieht so aus, als sei da eine unnütze und nervende Warteschleife versteckt!). Eine Dialogbox konfrontiert einen dann mit der bitteren Wahrheit über den DMA-Bus (Bild 3).

Kräftig gespult

Bild 2a: 20-MB-Streamer &...

Jede Cassette. die man in den Streamer legt, muß man anmelden; dabei wird das Band zum Anfang zurückgespult, um herauszufinden, was für eine Cassette da eingelegt wurde. Gespult wird überhaupt sehr häufig, vielleicht öfter, als es sein muP. Bei der 60-MB-Cassette braucht es immerhin 2:45 Minuten, um das Band komplett vor- und zurückzuspulen. Beim Menüpunkt “Kapazität ermitteln” liest das Programm gar zur Kontrolle alle Blöcke auf dem Band ein. Dazu werden alle 9 Spuren durchlaufen - das dauert bei er 50-MB-Cassette über 10 Minuten! Warum man hier nicht einfach alle Blöcke auf einer Spur liest und dann die Anzahl mit 9 multipliziert, bleibt mir schleierhaft. Ich nehme mal zu Rhothrons Gunsten an, daß man so auch deich auf defekte Blöcke auf dem Band testen wollte -aber hätte man das nicht in eine separate Option verbannen können?

Ähnliche Wartezeiten hat man vor sich, wenn man das Verzeichnis einer Cassette einlesen will. Das Verzeichnis ist nämlich nicht etwa an einer zentralen Stelle untergebracht, sondern über das ganze Band verstreut. Hier wäre durch effizientere Datenstrukturen bestimmt noch etwas zu machen.

Bild 2b:... 60-MB-Streamer - wer hat das schönste Band im Land

Im Einsatz

Das Backup-Programm bietet neben allerlei Nützlichem (Band durch Vor- und Zurückspulen neu spannen, Kurzinfo über Streamer und angeschlossene Platten, Inhaltsverzeichnis der Cassette, Löschen des Bandes etc.) vor allem zwei Kopiermodi: physikalisch und logisch.

Im Physikalischem Modus wird der Inhalt einer Platte komplett auf das Streamerband kopiert. Logisch heißt es bei Rhothron. wenn der Streamer eine komplette Partition oder auch eine ganze Diskette sichert. Holt man einen physikalisch geretteten Plattenzustand vom Streamer zurück, muß das Zielmedium nur formatiert, aber nicht partitioniert sein - die Partionsinformation wurde ja mit abgespeichert.

Leider kann man physikalische und logische Kopien nicht auf einer Cassette mischen, ja, man kann nicht einmal auf 60-MB-Cassette mehrere physikalische 20-MB-Kopien unterbringen. Genausowenig sind Kopien von einzelnen Dateien möglich - das bietet aber schon jedes einfache Backup-Programm. So muß man also immer (mindestens) komplette Partitionen retten. Das Programm, das Rhothron dem Streamer beilegt, kopiert auch generell alle Sektoren einer Partition und nicht etwa nur die belegten.

Meine SH205 ist mit einigen Tricks auf mehr als 22 MB hochformatiert (wie man das macht, steht in [2| und [31). Genauer: Es sind 22542 KB. Der 20-MB-Streamer behauptet von sich, daß er auf dem Band mehr als 23000 KB unterbringen könne; trotzdem weisen die Backup-Programme von Rhothron jeden Kopierversuch mit "Kapazität nicht ausreichend" ab. Bug or feature? Ich tippe mal auf einen Fehler, der aber schleunigst abgestellt werden sollte. Wer hätte sonst auch Bedarf für den 20-MB-Streamer?

Jetzt sind Sie aber sicher gespannt auf die Zeiten für das Hin- und Herkopieren. Sic sind in Tabelle 1 gesammelt. Rückspulzeiten sind separat angeführt. Zum Vergleich habe ich auch Kopierzeiten für das Backup-Programm Harddisk Utility (Version 2.0) von Application Systems Heidelberg angeführt - dabei habe ich aber die Diskettenwechselzeiten nicht eingerechnet.

Beim Kopieren mit dem Streamer stand jeweils etwa 1.2 MB Systemspeicher zur Verfügung. Bei kleinerem Speicher müssen mehr Durchgänge eingelegt werden; bei 400 KB freiem Speicher etwa darf man noch einmal etwa 5 bis 10 Prozent mehr Zeit veranschlagen. Gemessen wurde auf einem MegaST2.

Die Zeiten für den Restore-Vorgang (Zurückkopieren der Daten vom Streamer auf die Platte) unterscheiden sich nicht wesentlich von denen beim Sichern, nur daß die Spulerei sich etwas anders verteilt.

Der Vergleich mit dem Backup-Programm HDU 2.0 von Application Systems hinkt etwas. Wie gesagt: Beim Rhothron-Streamer werden mindestens komplette Partitionen gerettet: beim HDU und bei anderen Disketten-Backup-Programmen kann man sich aussuchen, welche Dateien gesichert werden. Komprimierungsalgorithmen fehlen in der Rhothron-Software ebenso wie eine Routine, die alle belegten Sektoren einer Partition sucht. Es sind einfach zwei völlig verschiedene Anwendungszwecke. Ein Disketten-Backup ist ideal für einzelne Partitionen und Dateien. Streamer haben dagegen den Vorteil. daß man sich nicht mit einem Haufen Disketten herumschlagen muß. Und während der Streamer kopiert, kann man die Zeit anderweitig nutzen, ohne wie beim Disketten-Backup ständig vorm Rechner auf die nächste Aufforderung zum Diskettenwechsel lauern zu müssen. Was ich damit sagen will: Eigentlich habe ich in der Tabelle Äpfel mit Birnen verglichen.

Sie sehen aber immerhin aus der Tabelle, daß der Geschwindigkeitsvorteil des Streamers schnell schrumpft, wenn viel gespult werden muß - also wenn das Band nicht ganz leer ist.

Noch ein paar Worte zur Zuverlässigkeit: Rhothron gibt an. daß bei jedem Schreibvorgang die Information auf dem Band zur Kontrolle gelesen wird, um Fehler zu erkennen. Darum habe ich im Vergleich auch HDU mit aktivierter Schreibkontrolle laufen lassen. Außerdem bemerkt das Backup-Programm auch physikalische Fehler auf dem Quellmedium, bricht seine Arbeit aber nicht ab. sondern meldet hernach die Anzahl der Fehler. Fehler im

Bild 3: Die Streamer-Software meldet sielt zum Rapport - hier ohne allgeschlossenen Streamer

Vorgang Zeit insgesamt davon Umspulzeit
20-MB-Platte -> 60-MB-Streamer 5:50 keine (Band war an den Anfang gespult)
6143 KB (Partition C, Band war leer) -> 60-MB-Streamer 1:45 - (Band war leer)
8191 KB (Partition D) -> 60-MB-Streamer 4:25 2:30 (auf dem Band war bereits eine Partition)
5119 KB (Partition E) —> 60-MB-Streamer 4:35 3:05 (zwei Partitionen bereits auf dem Band)
3085 KB (Partition F) —> 60-MB-Streamer 6:05 5:05 (drei Partitionen bereits auf dem Band)
6143 KB (Partition C) -> 20-MB-Streamer 1:45 - (Bandanfang)
8191 KB (Partition D) -> 20-MB-Streamer 4:45 2:25 (eine Partition bereits auf dem Band)
5119 KB (Partition E) -> 20-MB-Streamer 5:00 3:30 (zwei Partitionen auf dem Band)
3085 KB (Partition F) -> 20-MB-Streamer 4:50, danach Abbruch mit “Kapazität nicht ausreichend”
Inhaltsverzeichnis einiesen 4:48 4:48 (vier Partitionen auf dem Band)
Umspulen bei 50-MB-Cassette 2:30
Umspulen bei 60-MB-Cassette 2:45
Cassette löschen 2:30 (50 MB) bzw. 2:45 (60 MB)
Kapazität bestimmen (50 MB) Kapazität bestimmen (60 MB) 10:20 >10 min, irgendwann abgebrochen
3.3 MB per HDU 2.0 6:45 (*) auf Diskette (mit Verify, TURBODOS + FASTLOAD, 9-Sektor-Diskette) Diskettenwechsel nicht gemessen (etwa 10 s pro Diskette)
das gleiche ohne TURBODOS 7:15 Diskettenwechsel nicht gemessen (etwa 10 s pro Diskette)
(*) pro 720-KB-Diskette brauchte HDU etwa 1:30; damit können Sie sich leicht ausrechnen, wie lange man braucht, um damit soundsoviel MB abzuspeichern. Alle Zeitangaben übrigens in Minuten.'Sekunden.
Tabelle 1: Zeit ist Geld - wie schnell sind die Rhothron-Streamer?

Streamer-Laufwerk (Cassetten Wechsel, Schreibschutz etc.) werden sauber erkannt und in deutschem Klartext gemeldet.

Ein bißchen Probleme hatte der Streamer aber offensichtlich, wenn die Wege am DMA-Bus zu lang wurden. So hatte ich etwa beim Test folgende Konfiguration: DMA-Kabel vom MegaST zur SH205, "langes” Rhothron-Kabel von der SH205 zur Rhothron-Platte, kurzes Kabel von der Rhothron-Platte zum Streamer. Jeder Versuch, bei dieser Konfiguration von der SH205 auf den Streamer zu kopieren, scheiterte mit “Fehler 32 - DMA-Fehler Harddisk”. Im Handbuch steht dazu nur die lakonische Bemerkung, ich solle doch bitte den Hersteller benachrichtigen.

Nun ist es aber bekannt, daß der DMA-Bus des ST nicht besonders stabil ist (weil ungepuffert); dazu kommt, daß nur die wenigsten zwei Platten gleichzeitig angeschlossen haben. Und wenn man sie doch hat. kann man das Problem - wie auch in meinem Fall - durch Umstecken umgehen. Deswegen bleibt der Fehler zwar unschön, kann aber nicht eindeutig dem Streamer angelastet werden. Unangenehm an der Geschichte ist nur, daß man beim Umstecken ständig in Konfusion gerät, weil die Rhothron-Geräte stur auf ihren 25-poligen Anschlüssen beharren.

Das Handbuch

Leider merkt man dem Handbuch an, daß es von Technikern geschrieben wurde, die nicht besonders viel Spaß am Formulieren haben. Zwar findet man auf knapp 30 Seiten meistens, was man wissen will: auch ist jeder Befehl im Menü einzeln erläutert (samt Bildschirmkopie). Doch Freude will beim Durchblättern nicht aufkommen; das ist halt wieder eine von diesen trockenen, typisch deutschen Anleitungen: “Der Netzanschluß des Streamers erfolgt über das mitgelieferte Netzkabel” (ach nee!). Man entblödet sich auch nicht der typisch anglizistischen Bindestrich-Sparwut: "Defekt des Streamer Laufwerks.” In einem Leserbrief in irgendeiner Ausgabe der Computerzeitung c’t hieß es dazu treffend: “Das stört den Lese Fluß." Im Deutschen schreibt man halt “Streamer-Laufwerk” oder auch “Streamerlaufwerk”; alles andere ist schlicht falsch.

Aber auch beim Handbuch hat Rhothron ja noch Gelegenheit, es zur endgültigen Serienreife zu bringen. Merke: Ein gutes (also nicht ATARI-kompatibles) Handbuch nimmt den Kunden von vorneherein für den Hersteller ein. Aber immerhin ist es ja deutsch, und es steht alles Wichtige drin. Vielleicht bin ich da auch ein bißchen pingelig oder altmodisch oder beides...

Alles in allem

Die Streamer tun ihren Dienst, ohne daß man sich über größere Betriebsfehler ärgern müßte. Bis auf die Schwierigkeiten mit dem DMA-Bus, für die Rhothron aber wahrscheinlich nichts kann, hatte ich keine Probleme damit. Die eigentlichen Kopierzeiten sind auch recht ansehnlich; 5:50 für 20 MB sind ja wahrlich nicht schlecht. Nur muß man fairerweise auch die vielen Umspulzeiten mit ins Kalkül ziehen - und dann sieht die Rechnung schon nicht mehr so gut aus. Einiges von diesem Verwaltungsaufwand könnte man sich meiner Meinung nach sparen. Vor allem, wenn man logische Kopien anfertigt (also Partitionen kopiert), übersteigen die Umspulzeiten leicht die eigentliche Kopierzeit.

Dazu kommt, daß die Software leider auch nicht so intelligent ist, nur die belegten Blöcke zu kopieren. Dateiweises Kopieren bleibt hier ohnehin nur Wunschtraum. Vielleicht ist das bei einem Streamer ja auch nicht so besonders sinnvoll, wegen ein paar Dateien von 100 oder 200 KB die Umspulzeiten in Kauf zu nehmen - vielleicht aber doch. Denn fehlt eine solche Option im Backup-Programm des Streamers, muß man doch wieder auf Disketten umsteigen. Bei solchen kleineren Kopieranwendungen (Kopieren von teilweise gefüllten Partitionen oder von Dateien) sind Backup-Programme für den Diskettenbetrieb nämlich letztlich flexibler und zuweilen auch schneller -zumindest im vorliegenden Falle. In Frage kommen die Rhothron-Streamer also wohl nur für große Datenmengen.

Otto ST-Normalanwender wird sich wahrscheinlich die Preise für die Streamer ansehen: 2100 DM für 20 MB. 2300 DM für 40 MB. 2500 DM für die große 60-MB-Version. Ob er sich dann kopfschüttelnd und mit leisem Bedauern abwendet, sein Backup-Programm startet und seinen Diskwechsel-Bizeps trainiert, oder ob er wohl begeistert loszieht und sich gleich einen Zwölferpack Streamer (oder vielleicht auch nur einen davon) besorgt? In der Regel ersteres - vermute ich.

Wer aber beruflich an ST und Platte arbeitet und oft große Backups machen muß, der spart eine Menge Zeit - und die ist ja bekanntlich auch Geld. Letztlich ist das dann eine kaufmännische Entscheidung. Hätte ich mehrere Arbeitsplätze mit mehreren STs und Festplatten, wäre für mich die Sache klar: Ein Streamer muß her. Eine andere Anwendung: Größere Datenmengen, die laufend erfaßt werden, müssen regelmäßig platzsparend archiviert werden (Personaldaten, Börsenkurse...). Immerhin passen auf eine 60-MB-Cassette soviele Daten wie auf drei SH205-Platten. Ist das nichts? Übrigens: Eine 60-MB-Cassette kostet unter 70 DM.

Die Rhothron-Streamer sind allerdings noch nicht 100%ig ausgereift und haben eine Nachbehandlung nötig, bevor sie in Serie gehen - vor allem bei der Software. Welche Verbesserungen eventuell eines schönen Tages in die Entwicklung einfließen, werden Sie rechtzeitig in den News erfahren.

Bezugsadresse:

Rhothron Gesellschaft für medizinische Geräte- und Systementwicklung mbH Entenmühlstraße 5 7 D-6650 Homburg/Saar

Literatur:

[1] Western Digital: Storage Management Products Handbook 1986

[2] Claus Brod, Anton Stepper: SCHEIBENKLEISTER - Massenspeicher am ST. Eschborn 1988

[3] Hans-Peter Labude: Die Festplatte. Serie in der ST-Computer (1/88 bis 6/88)
Claus Brod



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