Easybase - Datenbank-Leichtigkeit

Bild 1: Das Hauptarbeitsfenster von Easybase zeigt die Kommandozeile (oben), Klemmbretter für häufig benutzte Befehlsfolgen

Wenn die unbestrittene Nummer Eins in der Computeranwendung die Textverarbeitung ist, dann folgt auf dem zweiten Rang sicher das, was man unter dem Begriff „Datenbank“ kennt. (>era-de das Verwalten von großen Datenmengen, das schnelle Suchen und das ganz gezielte Sortieren und Ausgeben bestimmter Inhalte, das war doch schon immer die Wunschanwendung, mit der Programmierer allesamt die Gewalten unserer „Rechenknechte“ ausnutzen wollten. So darf man durchaus mit Staunen vernehmen, daß das erfolgreichste, weil meistverkaufteste (und wahrscheinlich auch meistraubkopierteste) Programm mit Familiennamen „dBASE“ heißt. Selbst eingefleischte ATARI ST-Anwender kennen dieses Produkt und nicht nur alleine seinem Namen nach. Für den ATARI-Computer haben andere Programmnamen (die ich hier nicht wiederholen mochte) das Feld der Datenbank bereitet, auch einige „dBASE-Nachbauten“ sind darunter.

Wenngleich die Auswahl an Datenbanken für den ATARI nicht gerade gering ist, werden dennoch (oder gerade deswegen?) immer wieder neue Datenverwaltungsprogramme vorgestellt. Und wenn es so aussieht, als hätten bekannte Namen das Feld (sprich die Marktanteile) längst abgesteckt, dann erscheint wieder eine Datenbank im Katalog der Neuankündigungen (wofür die Frühlings-CeBIT und die Spätsommer-ATARI-Messe hervorragend geeignet sind).

Mit in den Ring steigt ab sofort die Firma OMIKRON. Das Produkt der Software-Schmiede aus Birkenfeld bei Pforzheim heißt Easybase und darf wörtlich genommen werden! („Nomen est omen“ -wer kann Latein?)

Datenbank „light“

Uns lag zwar eine Vorabversion von Easybase vor. die war aber schon so „heiß“ (Originalton), daß sicher keine Änderungen zur Verkaufsauflage mehr vorgenommen wurden („irgendwann ist eben Schluß“ - ebenfalls Originalton). Vom späteren Handbuch durfte ich einen Rohentwurf in Augenschein nehmen. Es wird auf jeden Fall einen durchschnittlichen „Bilderdurchsatz“ von 1 Bild (also Hardcopy u.ä.) pro Seite haben (was als Faustregel für verständliche Handbücher gilt).

Nach dem obligatorischen Doppelklick erscheint eine ungewohnte Oberfläche: Die altbekannte Desktop-Leiste fehlt! Da Easybase wahlweise auch als Accessory installiert werden kann, mußte die obere Menüleiste wegen der Einheitlichkeit entfallen. Das bringt aber zwei Vorteile mit sich: 1. Easybase ist aus jedem anderen Programm aufrufbar (ok. Sie wissen sowieso, was ein Accessory ist), aber 2. sind die Desktop-Menü Wörter (bei anderen Programmen) nicht immer sehr trefflich formuliert. Deswegen hat man sich bei Easybase für eine Icon-Leiste am unteren Bildrand entschieden, und Symbole sind nun einmal schneller zu interpretieren als Wörter.

Am rechten Bildrand zieht sich eine Klemmbrettleiste nach unten, die Platz für 10 Befehlsfolgen hat. Dort werden also Such- oder Sortierdefinitionen, welche sehr häufig Vorkommen, niedergelegt und brauchen fortan nicht mehr manuell eingegeben zu werden - Mausklick genügt (Wertung: sehr nützlich). Am oberen Bildrand hängt die Kommandozeile für die manuelle Befehlseingabe. Sie zeigt außerdem den zuletzt eingegebenen Befehl noch an. Mit den Tasten >Pfeil-hoch< bzw. >Pfeil-runter< rollt man nacheinander alle bisher eingegebenen (maximal 100) Befehlszeilen wieder in die Kommandozeile, um sie erneut ausführen zu lassen oder zu ändern. Anwender von dBASE kennen dies als „History-Buffer“.

Den größten Raum des Bildes teilen sich ein Melde- und ein Listenfenster. Sie können abwechselnd in den Vordergrund „geklickt“ werden, sind aber (leider) weder in der Größe, noch in der Position veränderbar. Auch hätte man sicher die Kommandozeile in das Meldefenster einbauen können, um somit eine bessere Bildaufteilung und etwas mehr Platz zu erhalten. Das Listenfenster besitzt zwar einen Rollbalken zum Umherwandern, allerdings auch nur in vertikaler Richtung. Somit sind von allen sichtbaren Datensätzen immer nur die Anfänge zu erkennen, der Rest hüllt sich in Schweigen. Um einen Datensatz in seiner kompletten Ausdehnung zu bewundern, genügt ein Doppelklick auf ihn. Im Meldefenster sucht man Rollbalken völlig vergeblich. Meldungen und Kommentare des Systems, die schon eine geraume Zeit zurückliegen, sind dadurch unerreichbar. Notlösung: Protokollausdruck auf den Drucker während der Datenbanknutzung. (Wertung: verbesserungsbedürftig).

Die Icons

Obwohl es eingangs plausibel erschien, auf die gute alte Desktop-Leiste zu verzichten, gibt es trotzdem Rollmenüs. Bei vier der Icon-Symbole rollen „Pop-Up-Menüs“ (d.h. von unten kommend) auf. Bonbon am Rande: Das Menü ist sogar frei positionierbar und erscheint mit seiner linken oberen Ecke immer dort auf dem Bildschirm, wo sich gerade der Mauszeiger befindet. Zusätzlich können alle Icons und die Auswahlpunkte in den Menüs per Funktionstasten aktiviert werden. Andere vier Icon-Symbole lassen große Fenster erscheinen, wobei jene zum Editor- und zum Papierkorb-Menü mit viel Text überladen sind.

Ansonsten sind die Symbole sehr klug ausgedacht und einprägsam, so daß mit zunehmender Perfektion (des Anwenders) damit ein schnelles und gezieltes Arbeiten möglich wird.

Wie Easybase arbeitet

Wenn man die Datenbankprogramme von ihrem Arbeitsprinzip her sieht, gibt es eine ganze Menge unterschiedlicher Vorgehensweisen: hierarchische, relationale, assoziative, verkettete, vernetzte usw. „Wer braucht denn eigentlich relationale Datenbanken?“ Diese Frage hört man öfters, besonders wenn gerne das Beispiel vom Karteikasten zur Verdeutlichung von Datenbankprogrammen beansprucht wird. Das Herstellen einer Relation mag für Anfänger schwierig zu durchschauen sein. Auch muß das Aussehen der Datenbank auf diese Relationalität aufgebaut sein, und Verhältnisse der Datenbanken untereinander müssen fest stehen.

Eines ist sicher: Easybase ist keine relationale Datenbank! Das Definieren einer Struktur mit Feldname. Feldlänge, Feldtyp, Schlüssel usw. ist nicht nötig! Es wird vielmehr das uralt bewährte Karteikartenprinzip umgesetzt. Man kann ruhig sagen, Easybase denkt wie ein Mensch, nämlich wortweise. Die meisten Datenbankprogramme sind streng zeichenorientiert und wollen z.B. bei einer Wortsuche die Folge von Buchstaben exakt vorgegeben haben: Der Herr ‚Wilhelm Kaiser’ ist ein anderer als ‚Kaiser Wilhelm’. Easybase würde nun aber erkennen, daß von der Vorgabe „SUCHE Wilhelm Kaiser“ alle Datensätze betroffen sind, die sowohl „Wilhelm“ als auch „Kaiser“ (z.B. Wilhelm P. Kaiser) enthalten. Selbst wenn Sie nicht mehr genau wissen, ob der Herr Kaiser mit Vornamen nur „Willi“ hieß oder gar „Keyser“ ganz anders geschrieben wird, Easybase kann solche Ähnlichkeiten herausfinden und in die engere Wahl bringen (Wertung: sehr nützlich).

Eine Datenbank definieren? - Easy

Wie wir schon festgestellt haben, wird in Easybase keine Datenbankstruktur vorgegeben. Das Programm kennt nur ein Kriterium: die Kategorie (vergleichbar mit Feldnamen). Eine Kategorie ist ein Gleichheitsmerkmal, also nichts anderes als ein Titel, der in jedem Datensatz dieselbe Stelle einnimmt. Dabei kann der Inhalt einer Kategorie beliebig lang sein („beliebige Feld- und Satzlänge). Die jeweilig unterschiedlich langen Inhalte gleicher Kategorie werden dynamisch verwaltet, benutzen also immer nur den tatsächlich beanspruchten Speicherplatz. Maximal sind 1000 Kategorien möglich. Und von Datensatz zu Datensatz zeigt einfach ein Pointerauf dieselben Einträge, wodurch sich die Suchgeschwindigkeit wesentlich erhöht. Als Faustregel für die typische Suchgeschwindigkeit gilt: 1000 Adressen in 0,2 Sekunden. Ein wesentlicher Vorteil von Easybase ist zunächst das Präsenthalten der kompletten Datenbasis im RAM-Arbeitsspeicher. Dies bringt natürlich eine extrem hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit mit sich, weil Lesezugriffe auf Diskette oder Festplatte im Programmablauf gänzlich unterbleiben. Im RAM eines MEGA-ST4 hätten etwa 40000 Standardanschriften (Name, Vorname, Straße, PLZ, Ort, Telefonnummer) Platz, Indexlisten müssen nicht verwaltet werden, weil die Kategorien mittels Zeiger (Pointer) verkettet sind. Gerade die Schlüssellisten aber sind es, welche den konventionellen Datenbanken die Masse an Speicher rauben. Ja, und wie wird nun eine Datenbank definiert?

Bild 2: Nachdem in der Kommandozeile ein Suchbefehl eingegeben wurde, zeigt das Listenfenster (Bildmitte) das Ergebnis.

Bild 3: Einige Icons erzeugen sogenannte „Pop-Up-Menüs“ wie sie der GEM-Profi von der Desktop-Leiste her kennt

Bild 4: Einige Icons lösen umfangreiche Auswahlfenster aus, die manchmal sehr ausführlichen Text enthalten.

Bild 5: Da es bei Easybase keine Masken gibt, werden die (Pseudo)-Feldnamen im Editor einfach als Text geschrieben.

Bild 6: Das Ergebnis einer Sucht oder Auswahl kann ganz oder teilweise in den Editor projiziert werden, wodurch nun komplette Datensatzinhalte sichtbar sind.

Der Editor

Bei allen Arbeiten innerhalb der Datenbank, besonders jenen, die verändernd auf die Inhalte einwirken (also nicht suchen, zählen usw.), wird ein Editor zugeschaltet. Er dient anfangs zur Definition (hauptsächlich Position) der Kategoriebezeichnungen. Diese schreibt man einfach von oben nach unten, ohne besondere Vorgehensweisen beachten zu müssen (eben wie ganz normalen Text). Selbst wenn die Anordnung der Kategorien schon feststeht, und sogar wenn schon Daten eingetragen sind, ein Hinzufügen und Löschen von Kategorien ist jederzeit im Editor möglich.

Beispiel: In einer Kundendatei soll neben Name, Vorname, Straße, Ort für einige Kunden noch die Telefonnummer eingetragen sein. Bei herkömmlichen Datenbanken müßte jetzt eine erweiterte Maske angelegt werden, die diesen Eintrag für alle Datensätze vorsieht. Damit wäre die neue Datenbankstruktur noch nicht verwirklicht, also ein Reorganisationslauf ist nötig. Dabei werden alle Datensätze an jenen Stellen aufgetrennt, wo nun mehr die Telefonnummer hinzukommen soll. Ein sehr aufwendiges Verfahren. Easybase verhält sich bei den besagten zusätzlichen Telefonnummern so, als würde man auf Karteikarten (und nur bei denen, wo es nötig ist) zusätzlich den Vermerk der Telefonnummer anbringen.

Der Editor dient schließlich, und zwar hauptsächlich zur Aufnahme der Ergebnisse irgendwelcher Suchprozesse. Als Feinheit in der Suche wäre hervorzuheben. daß Easybase auch unter Mehr-Wort-Inhalten gezielt z.B. nur das 2. Wort herausziehen kann.

Rechendefinitionen sind zunächst nur beim Export von Daten möglich. Grundgedanke war es, daß irgendwelche Rechenoperationen oftmals nur bei der Ausgabe (z.B. Listendruck) nötig sind. Beispiel: „Brutto: | [ Netto)* 1,141 „ Diese Operation bringt in die Kategorie ‚Brutto“ den Inhalt der Kategorie „Netto“ mal 1,14, also plus 14%. Vorschlag von mir: Wie wäre es mit Rechnen direkt in der Datenbank? Trotzdem, die Rechenoperationen selbst können sich sehen lassen: Grundrechenarten, Potenz, Exponential, Logarithmus, trigonometrische und hyperbolische Funktionen, und das noch mit beliebig tiefer Klammerschachtelung.

Ein umfangreicher Exporteur

Was nützt es, die vielfältigen Funktionen auf dem Bildschirm ablaufen zu sehen? Gerade im Datenaustausch mit anderen Programmen sowie im Ausdruck von Listen, Etiketten oder Serienbriefen erweist es sich, wie komfortabel eine Datenbank wirklich ist.

Easybase bietet die Möglichkeit, mit anderen Programmen, die ACSII-Daten importieren können, zu korrespondieren (z.B. Textverarbeitungen). Außerdem reicht der Easybase-Editor zum Erstellen von einfachen Exportformularen (z.B. für Serienbriefe) völlig aus. Die Zeile im Editor: „Sehr geehrte [Anrede] [Name]“ macht während des Exports auf den Drucker daraus z.B.: „Sehr geehrte Frau Müller-Thurgau“.

Sehr interessant wird es, wenn man Easybase als Accessory installiert und es aus einem anderen Anwendungsprogramm (z.B. Wordplus) aufruft. Dann können Daten auch direkt in den Tastaturpuffer exportiert werden, was zur Folge hat, daß sie wie von Geisterhand direkt in die laufende Anwendung geschrieben werden. So kann man z.B. Adressen speichern und dann als Briefkopf in anderen Programmen verwenden.

Der Versuch eines Überblicks

Easybase ist ein Datenbankprogramm, das neue Wege geht. Sehr schön ist das Losgelöstsein von festen Strukturen und Grenzen. Das Erstellen einer Datenbasis geht extrem schnell und einfach. An die Arbeitsweise mit den Icons gewöhnt man sich bald, auch die Klemmleiste rechts ist für häufig benutzte Befehlsfolgen sehr nützlich. In punkto Geschwindigkeit erscheint mir Easybase sehr flott (dies ist aber mangels Vergleich eine gefühlsmäßige Einschätzung). Ob die Tatsache, daß Easybase nur im RAM arbeitet, an schnelle Aufnahmegrenzen stößt, konnte ich nicht feststellen (mangels ausreichend großer Datenmenge). Vielleicht hilft bei dieser Überlegung jene Tatsache, daß das Neue Testament komplett Platz in Easybase gefunden hat. Viele Kleinigkeiten und Feinheiten, z.B. bei der Definition von Suchbedingungen, zeigen die Stärken von Easybase auf, z.B. ‚Such nach ähnlichen Wörtern’. Mir hat die Arbeit mit Easybase gefallen. Für DM 248,- bewegt sich das Programm in vertretbarem Preisrahmen und dürfte in der Konkurrenz nicht nur deswegen ein Wörtchen mitzusprechen haben.

DK

Bezugsquelle:

OMIKRON Soft + Hardware GmbH Erlachstraße 15 7534 Birkenfeld



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