Editorial - Narrhallamarsch!

Normalerweise steuert in den nächsten Tagen das Narrenschiff in den rheinischen Karnevalshochburgen dem absoluten Trari-Trara entgegen. Schnellebig wie unsere Zeit nun mal ist, kann das auch schon alles wieder ganz anders kommen. Als ich mir diese Worte durch den Kopf gehen ließ, stand noch nicht fest, ob nicht doch ölwirtschaftlich politisches Gezänke im fernen "Nahen Osten" unseren alljährlichen Narrhallamarsch verstummen lassen würde.

Da wir nun aber mal alle unverbesserliche Optimisten sind, gehen wir davon aus, daß sich unsere Welt zwischen Gestaltungs- und Erscheinungstermin dieser Zeitschrift hoffentlich nicht grundlegend verändert haben wird. Dann gibt es also die Rosenmontagsumzüge, die Kamellen und das "Wolle-mer-ne-reu-losse" in altgewohnter Manier. Für viele "gediente Närrinnen und Narrhallesen" stellt dann karnevalistisches Blech in Form phantasievoller Orden und Ehrenzeichen, das dann massenweise um wohlverdiente Hälse gelegt wird, ein bleibendes Symbol erfolgreicher Belustigungsaktivitäten dar - Narrhallamarsch!

Jede Branche kennt solche Auszeichnungen, mit denen herausragende Leistungen kenntlich gemacht werden sollen. Als bekanntester Vertreter solcher Symbolik wäre wohl der "Oscar" der amerikanischen Filmwelt zu nennen; aber auch unsere Computerbranche kennt ähnliche Metaphern zur Genüge. Gerade im angelsächsischen Sprachraum hat fast jede Computerzeitschrift (die etwas auf sich hält) eine Auszeichnung für Hard- und Software parat. Ähnlichkeiten im deutschen Blätterwald sind nahezu zwangsläufig (Narrhallamarsch?).

Warum gibt es eigentlich kein Analogon für den Atari ST? Ich schlage vor, auch für unsere Hard- und Software-Umgebung einen ebensolchen Oscar zu konstruieren. Als Namen würde ich in Anlehnung an den Ziehvater des Atari ST Jack Tramiel, einfach den Namen "Jack" vorschlagen. Und um die Posse vielleicht ganz auf die Spitze zu treiben, schwebt mir etwas ähnliches wie "Jack in the Box" vor - also ein Kästchen, dessen wirklichen Inhalt man vielleicht nie zu Gesicht bekommt.

Gerade weil ein Jahr kürzlich seine 365 Tage vollendet hat, könnte man doch am Anfang eines neuen die herausragenden Leistungen rund um den ATARI ST/TT-Computer durch einen "Jack" würdigen. Weil es zeitlich gerade so schön paßt, lassen Sie mich doch gleich damit beginnen:

Den "goldenen Jack" verleihe ich hiermit Herrn Alwin Stumpf, weil er als Kapitän des deutschen ATARI-Schiffs unermüdlich und allen Stürmen zum Trotz nun auch den großen Teich überqueren will, um auch das amerikanische ATARI-Schiff um Klippen mitherumzulotsen.

Einen "silbernen Jack" möchte ich Michaela Beckers und Uwe Wirth überreichen. Diese zwei Redakteure des ST-Magazins haben letztes Jahr allen Personalproblemen zum Trotz massiv zur Gestaltung unseres Konkurrenzmagazins beigetragen.

Den "Jack in Bronze" für die genialste Vermarktungsidee könnte man Meinolf Schneider mit seinem Spiel OXYD zuerkennen. Das Beispiel, ein voll funktionsfähiges Programm quasi als Shareware zu verteilen, sollte in der ATARI-Welt Schule machen.

Dann gibt es noch den "gläsernen Jack" für den größten Durchblick des Jahres. Den hatte zweifelsohne die Mannschaft des Entwicklungslabors von ATARI, als Sie, angesichts der Konkurrenz, das Flaggschiff TT nun doch behelfsmäßig mit 32 Bit versorgte.

Den "eisernen" Jack möchte ich auf zwei alte Atarianer aufteilen, die immer und in jeder Lage zu Atari gestanden haben: Julian Reschke und Arnd Beissner.

Den "Black Jack" (quasi das pechrabenschwarze Gegenstück zum güldenen) wird Sam Tramiel für die am glaubhaftesten gespielte Ahnungslosigkeit gewidmet. Er hatte letztes Jahr in einem Interview mit einem deutschen ATARI-Magazin noch die Existenz eines MEGA STE mit den Worten ad absurdum geführt: "... für wen und wofür soll denn ein solches Gerät gut sein?" (Zitatende).

Dieter Kühner



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