TOS-Construction-Set - Toss your TOS oder: blühe, Desktop!

Die Zeiten des eintönig grauen Desktops, der Arbeitsumgebung eines jeden ST-Besitzers, sind seit einigen Monaten vorbei. Der individuelle ST hat Einzug in die Computerzimmer gehalten. Abwechslung tut gut! Das dachte man sich auch bei Kosin Datentechnik und brachte ein „TOS-Construction-Set“ auf den Markt. Was sich hinter dieser abenteuerlichen Bezeichnung verbirgt, soll der folgende Artikel zeigen.

Wenn Sie keinen TT oder STE haben, werden Sie das Gefühl sicher kennen, wenn Sie schon wieder auf die eintönigen Laufwerkssymbole blicken und der ewig gleiche Zeichensatz Sie nervt. Und wenn Sie den Rechner anschalten, dauert es eine Ewigkeit, bis Sie tatsächlich mit ihm arbeiten können. Dank der Fehler im Betriebssystem starten Sie nämlich Dutzende von Autostartprogrammen, die die Fehler ausmerzen sollen. Es ist einleuchtend, daß dieser Zustand so nicht anhalten kann und sich jemand um die Behebung kümmern muß.

Nun ist es - wie gesagt - möglich, dem Rechner mit Dutzenden von Autostartprogrammen die Fehler auszutreiben. Mit anderen Programmen ist es wiederum möglich, dem Desktop ein wenig auf die Sprünge zu helfen - etwa durch neue Icons (also Laufwerkssymbole oder Mülleimer) oder einen neuen Zeichensatz. Diese Möglichkeiten haben eines gemeinsam: Sie sind nur mit residenten Programmen durchführbar (Programme, die einmal gestartet werden und dann im Hintergrund verweilen) und kosten zusätzlichen Speicherplatz, von dem man bekanntlich nie genug haben kann.

Die Lösung

Diesem Problem beizukommen, ist eigentlich ganz einfach. Doch wie das nun mal mit einfachen Lösungen ist, kommt man nur sehr schwer auf sie. Trotzdem bleibt es einfach: Alles, was man als Laie nur schwer ändern kann, könnte doch eigentlich durch ein Programm erledigt werden! Ein solches Programm liegt jetzt vor: das TOS-Construction-Set in der Version 1.0. Was mit dem Programm möglich ist, ist schnell erklärt. Zum einen lassen sich alle Desktop-Icons auswechseln. Damit hat die tägliche Tristheit ein Ende. Zum anderen lassen sich Patches am Betriebssystem anbringen, also Verbesserungen von Fehlern oder auch Erweiterungen vorhandener Routinen.

Dieser Vorgang ist nun recht einfach, denn das TOS-Construction-Set ist durch und durch menügesteuert. Alles, was man an Aktionen durchführen kann, wird mit der Maus erledigt. Das geht in diesem Fall am schnellsten und macht am wenigsten Arbeit. In Bild 1 sehen Sie die Möglichkeiten, die das TOS-Construction-Set bietet. Zum einen lassen sich die Symbole fürBomben verändern. Wesentlich wichtiger sind jedoch die folgenden Funktionen. So lassen sich beispielsweise die Symbole der Alert-Boxen ebenso wie alle Desktop-Icons frei edieren. Wem dann auch der Mauszeiger noch zu langweilig ist, der kann seiner Phantasie freien Lauf lassen und auch diesen verändern. Zu guter Letzt läßt sich auch der langweilige Atari-Zeichensatz gegen einen neuen auswechseln. In den Bildern 2 bis 4 sehen S ie die Änderungsmöglichkeiten im Überblick.

So geht’s

Um nun sein eigenes Desktop zu erstellen, benötigt man das TOS als Datei - entweder als 1 x 192- (ladbar), 3x64- (EPROMs) oder 6x32-kB-Dateien (ebenfalls EPROMs). Weiterhin benötigt man eine Parameterdatei, in der angegeben ist, an welchen Speicherstellen welche Dinge (wie z.B. Icons) zu finden sind. Für TOS 1.04 wird diese Datei bereits mitgeliefert. Das einzige, was man nun noch benötigt, ist das TOS auf Diskette, das man sich am besten aus seinem eigenen Rechner auslesen und auf ein Medium abspeichern kann. Weiter geht’s, indem man die Funktion TOS auslesen betätigt. Dadurch sucht sich das Programm automatisch alle Icons heraus, die in der TOS-Datei enthalten sind. Ist das geschehen, ist es an der Zeit, die passenden Icons zu laden bzw. zu edieren. Zum Laden stehen genügend Bilder zur Verfügung, denn sie werden mitgeliefert. Natürlich darf man aber auch jegliche anderen Bilder benutzen, sofern sie im Standardformat vorliegen.

Zum Edieren der Icons steht ein ausreichend komfortabler Editor zur Verfügung, der leider aber nicht mit Turbo ST funktioniert. Hier zeigt sich auch eines der wenigen Mankos des Programms, denn es besitzt keine Menüleiste. So muß man vorher daran denken, alles abzuschalten und/oder einzustellen, was man benötigt. Eigentlich schade, wenn man bedenkt, wie einfach eine Menüleiste doch zu realisieren ist.

Konfigurationen

Die Konfiguration kann natürlich auch abgespeichert und wiedereingeladen werden, um spätere Änderungen komfortabel durchführen zu können.

Nun beschränkt sich das TOS-Construction-Set natürlich nicht nur darauf, neue Icons einzubauen, sondern es ist auch möglich, wichtige Änderungen am Programmteil des Betriebssystems vorzunehmen, allgemein unter dem Namen „Patch“ bekannt. Mitgeliefert werden einige Patches für die TOS-Version 1.04 (vormals 1.4), etwa eine Verbesserung der Uhrabfrage nach einem Reset, Fastload oder die serielle Schnittstelle, um nur einige zu nennen. Eigene Patches sind auch recht einfach einzubauen, denn sie müssen lediglich in einer ASCII-Datei abgelegt werden, deren Aufbau zwar nicht in der Anleitung beschrieben, jedoch recht leicht zu durchschauen ist. Die verschiedenen Änderungen werden in einem Pop-Up-Menü aufgezeigt und lassen sich hier selektieren und auch wieder deselektieren.

Wenn alle Änderungen zur vollen Zufriedenheit vorgenommen sind, sollte man sein TOS abspeichern. Hier bieten sich wieder verschiedene Möglichkeiten an. So ist es möglich, das TOS als eine Datei abzuspeichern, die nachher durch ein Ladeprogramm nachgeladen werden kann. Wenn man sich sein neues Betriebssystem lieber gleich auf EPROMs brennen möchte, weil man nicht so viel Speicherplatz oder keine Lust hat, dauernd auf das Laden zu warten, existiert natürlich auch hier die Möglichkeit, das TOS als aufgesplittete Dateien abzuspeichern.

Autoload

Wer nicht die Möglichkeit hat, sich sein „neu“ entstandenes TOS auf EPROMs zu brennen und gegen das originale Betriebssystem auszutauschen, kann das TOS auch nachladen - entweder von Diskette oder von Festplatte. Dazu muß die TOS-Datei aber erst nachbearbeitet werden, sie wird „reloziert“. Für diesen Zweck liefert Rosin ein PD-Programm mit, mit dem diese Funktion problemlos ausgeführt werden kann. Ist diese Arbeit erledigt, legt man lediglich ein (ebenfalls mitgeliefertes) Startprogramm in den Auto-Ordner und die nunmehr relozierte TOS-Version in das Wurzelverzeichnis, von wo aus sie beim Neustart geladen wird und fortan auch resetfest ist.

Das TOS-Construction-Set ist ein interessantes Programm, mit dem man seinem tristen Desktop noch einmal auf die Sprünge helfen kann. Lediglich das Handbuch verdient einige Schelte. Viele Tatsachen, die man beispielsweise zum Nachladen des TOS benötigt, werden einfach verschwiegen. So ist es unverständlich, daß die Relozierung des TOS nicht mit einem Wort angesprochen wird. Ein weiteres Manko ist die fehlende Menüleiste, die man aber verschmerzen kann. Ebenfalls unschön ist die fest eingebaute Fileselectorbox, die sich nicht abschalten läßt. Ich könnte mir vorstellen, daß einige Anwender doch lieber ihre eigene Box benutzen würden. Zu guter Letzt sollten noch die Fehler abgestellt werden, die mit Turbo ST auftreten.

Insgesamt gesehen ist das TOS-Construction-Set ein ausgereiftes Programm, mit dem es problemlos möglich ist, den gnadenlos tristen Desktop-Symbolen und -Fehlern etwas auf die Sprünge zu helfen. Der Preis von DM 60,- ist nicht übertrieben und kann sich durchaus sehen lassen.

Bezugsadresse: Rosin Datentechnik Perer-Spahn-Straße 4 W-6227 Oestrich-Winkel 2
MP



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