CodeKeys, der Makro-Manager

Bislang verfügen nur wenige Programme über die Möglichkeit, Makros zu definieren, über die mehrere Operationen mit einem einzigen Tastendruck aufgerufen werden können. Durchaus verständlich ist der Wunsch des Anwenders, möglichst aus jeder Situation heraus vordefinierte Aktionen zu starten. Das Programm CodeKeys greift hier unter die Arme.

Seit dem Erscheinen von MegaSTE und TT ist es immerhin möglich, die Desktop-Funktionen über die Tastatur aufzurufen und so nicht für kleinere Aktionen ständig zur Maus greifen zu müssen. Atari hat also Einsicht gezeigt und einen häufig geäußerten Wunsch der Anwender endlich in die Tat umgesetzt.

Zur Zeit bieten in erster Linie Textverarbeitungen sogenannte Makros, die es erlauben, auch komplexe Operationen zu automatisieren. Allgemein einsetzen lassen sich solche Makros natürlich nicht, sie sind lediglich für den Einsatz in einem ganz bestimmten Programm geeignet.

CodeKeys erlaubt es nun, Makros aus jeden Programm heraus zu definieren und aufzurufen. Alle Operationen des Benutzers, zu denen auch Mausaktionen zählen, können aufgezeichnet und zu einem späteren Zeitpunkt wieder abgespielt werden.

Vierfinger-System

Die Bedienung von CodeKeys kann auf zwei Arten erfolgen. Zum einem kann man Makros über das mitgelieferte Accessory definieren, zum anderem läßt sich das Programm in einigen Funktionen auch über Tastenkombinationen steuern.

Zunächst zur letztgenannten Möglichkeit. Vielleicht sind Sie ja schon im Besitz eines Programms, dessen Bedienung sich dadurch hervorhebt, daß man zur Aktivierung gewisser Funktionen mehrere Shift-Tasten gleichzeitig betätigen muß. Je mehr solcher Programme auf den Markt kommen, umso einfallsreicher werden die Tastenkombinationen/mit denen die Bedienung erfolgen soll. Schließlich gilt es, Doppeldeutigkeiten zu vermeiden. Code-Keys macht hier keine Ausnahme. Vier Finger sollten Sie schon frei haben, um das Programm über die Tastatur zur Aufnahme eines Makros zu veranlassen. Daß es auch eine Funktion gibt, die über fünf gleichzeitig zu betätigende Tasten auf gerufen werden kann, sei hier nur am Rande erwähnt.

Glücklicherweise haben die Entwickler von CodeKeys es nicht dabei belassen, den Anwender ausschließlich mit Fingerakrobatik zu belasten. Alle Funktionen von CodeKeys können über ein Accessory gesteuert werden, so daß die Tastaturbedienung höchstens dann notwendig wird, wenn man sich in einem Programm befindet, das den Zugang zur Menüleiste verwehrt. Programme dieser Art findet man inzwischen aber kaum noch.

Achtung, Aufnahme

Schauen wir uns näher an, wie CodeKeys arbeitet. Am Anfang steht die Definition eines Makros, die anhand einer Rekorder-Funktion erfolgt. Nachdem die Taste bestimmt wurde, durch die das Makro später ausgelöst werden kann, merkt sich das Programm alle folgenden Aktionen, egal, ob es sich um Tastatureingaben oder Mausklicks handelt.

Bis zu 32 Makros mit jeweils 128 Befehlen können aufgenommen werden. Als Befehle sind dabei auch Pausen zwischen den einzelnen Kommandos anzusehen.

Zwar erlaubt es CodeKeys, Makros mit maximaler Geschwindigkeit auszuführen, allerdings dürften in den meisten Fällen Pausen zwischen den Aktionen notwendig sein. Andernfalls besteht die Gefahr, daß nicht genügend Zeit zur Befehlsausführung bleibt und bereits versucht wird, das nächste Makro-Kommando auszuführen, bevor das letzte beendet wurde. Berücksichtigt man die Pausen (Aufnahme in Echzeit), so bleiben unterm Strich noch 64 echte Befehle für ein einzelnes Makro. Allzu komplexe Funktionen sind so nicht möglich. Es besteht jedoch die Möglichkeit, daß ein Makro ein anderes Makro aufruft, so daß sich längere Befehlssequenzen über diesen kleinen Umweg generieren lassen.

Makros können übrigens auf jede beliebige Taste gelegt werden. Auch Kombinationen in Verbindung mit den Shift-Tasten sind möglich.

Makro-Editor inklusive

Nun kann es Vorkommen, daß einem während der Makro-Aufnahme ein Fehler der Art unterläuft, daß man eine Operation startet, die eigentlich gar kein Bestandteil des Makros sein sollte. In solchen Fällen braucht man sich nicht darüber zu ärgern, die gesamte Makro-Definition wiederholen zu müssen. CodeKeys besitzt nämlich einen Makro-Editor, der es erlaubt, bereits definierte Makros nachträglich zu edieren. So bereitet es keine Schwierigkeiten, ein Makro zu erweitern oder um bestimmte Befehle zu kürzen. Darüber hinaus ist es möglich, ein Makro zu duplizieren, so daß es ein leichtes ist, aus bereits bestehenden Makros durch leichte Abwandlungen neue Befehlssequenzen zu erhalten.

Wurde ein Makro in Echtzeit (also mit Pausen) aufgenommen, so erlaubt es der Makro-Editor, die Dauer der Pausen zu verkürzen, so daß das Abspielen des Makros mit optimaler Geschwindigkeit erfolgen kann. Solche Änderungen stellen jedoch kein Muß dar, sie ermöglichen es lediglich, die Befehlsbearbeitung zu beschleunigen.

Spezielle Makro-Funktionen

CodeKeys beläßt es nicht dabei, lediglich Tastatur- und Mausaktionen in einem Makro unterbringen zu können. Es existieren zusätzlich einige Spezialfunktionen, die den Einsatzbereich von Makros erweitern. So ist es möglich, Zeit und Datum in verschiedenen Formaten in ein Makro einzufügen. Sehr praktisch ist diese Funktion vor allen Dingen dann, wenn es um das Schreiben von Briefen geht. Per Tastendruck kann man mit einem geeigneten Makro ganze Teile des Briefkopfes inklusive Datum in den Text einfügen.

Sonderzeichen des Atari-Zeichensatzes, die nicht über die Tastatur erreichbar sind, können nachträglich mit Hilfe des Code-Keys-Accessories in eine Makro-Definition eingefügt werden. Der Zugriff auf alle auf dem ST/TT zur Verfügung stehenden Zeichen ist also sichergestellt.

Problemfall Maus

Die Bedienung von CodeKeys gestaltet sich im großen und ganzen unkompliziert. Beim Aufzeichnen von Mausaktionen ist jedoch eine gewisse Vorsicht geboten. Es ist nämlich nicht möglich, Mausbewegungen aufzuzeichnen. Dies scheint zunächst nicht weiter von Bedeutung zu sein, kommt aber dann zum Tragen, wenn man versucht, mehr als ein Objekt per Maus zu selektieren. CodeKeys erkennt in diesem Fall nicht, wenn mit Hilfe der Maus ein Lasso aufgespannt wird, mit dem mehrere Objekte gleichzeitig erfaßt werden sollen.

Geht es darum, Objekte innerhalb eines Fensters auszuwählen, ist unbedingt darauf zu achten, daß sich das Fenster beim Abspielen des Makros an der gleichen Stelle befindet wie bei der Makro-Definition. Beachtet man dies nicht, so werden keine oder die falschen Objekte angesprochen.

Zeit und Datum in Makros

Ähnlich sieht es aus, wenn ein Makro nicht in der Bildschirmauflösung aufgenommen wurde, in der es abgespielt wird. Auch hier kann es Probleme geben, falls sich die Bildschirmkoordinaten für Mausaktionen nicht entsprechen. CodeKeys erlaubt es jedoch, auflösungsabhängige Makro-Dateien zu erstellen, so daß für jede Auflösung ein eigener Satz an Makros zur Verfügung steht. Gerade für Besitzer eines Atari TT ist diese Möglichkeit wichtig, da hier das Arbeiten in mehr als einer Auflösung durchaus üblich ist.

Um Schwierigkeiten bei der Aufnahme von Mausaktionen aus dem Wege zu gehen, sollte man, soweit möglich, beim Definieren von Makros zugunsten von Tastaturkommandos auf die Maus verzichten.

Automatik

Makros lassen sich nicht nur über die Tastatur aktivieren. Die Entwickler von CodeKeys haben noch einige zusätzliche Möglichkeiten vorgesehen, mit denen ein Makro aufgerufen werden kann.

Zunächst einmal können Makros zu einem vordefinierten Zeitpunkt gestartet werden. So läßt sich beispielsweise eine Wecker-Funktion realisieren, wobei natürlich auch sinnvollere Anwendungen denkbar sind. Das CodeKeys-Handbuch schlägt hier eine Backup-Funktion per Makro vor. Wenn es um das Backup einzelner Dateien geht, die vom Desktop aus markiert werden, dürfte man jedoch Probleme bekommen. Das Markieren mehrerer Objekte mit der Maus ist schließlich, wie bereits angesprochen, nicht ohne weiteres möglich.

Besonders interessant sind Makros, die periodisch aufgerufen werden. Arbeitet man mit einer Textverarbeitung, so könnte man anhand eines solchen Makros dafür sorgen, daß nach einer gewissen Zeitspanne der aktuelle Text gesichert wird, ohne daß man sich selber darum kümmern muß.

Schließlich gibt es noch die sogenannten „Autorun-Makros“. Dabei handelt es sich um Makros, die nach dem Start eines Programms automatisch ausgeführt werden. Damit erhält man die Möglichkeit, direkt nach dem Aufruf des Programms diverse Aktionen ausführen zu lassen, die dazu dienen können, Voreinstellungen zu aktivieren, die man andernfalls per Hand durchführen müßte.

Es ist übrigens möglich, für ein Programm einen eigenen Satz an Makros bereitzuhalten. Diese werden beim Programmstart automatisch aktiviert und stellen somit für jedes Programm eine ganz bestimmte Arbeitsumgebung zur Verfügung.

Blick ins Handbuch

Die Programmbeschreibung zu CodeKeys kann durchaus als gelungen bezeichnet werden. Ausführlich und locker werden die Möglichkeiten zum Einsatz des Programms erläutert, ohne daß der Leser überfordert wird. Piktogramme weisen auf besonders wichtige Informationen hin, alle Operationen werden durch Bilder erläutert. Auch der weniger erfahrene Atari-Anwender wird nach dem Studium der Anleitung in der Lage sein, CodeKeys effektiv einzusetzen.

Sowohl das Programm als auch das Handbuch zu CodeKeys hinterließen bei mir einen überwiegend positiven Eindruck. Für 98 DM erhält man ein Programm, das den Umgang mit Atari ST und TT in vielen Situationen erleichtern kann. Lediglich bei Mausoperationen lassen sich Makros nicht so vielseitig einsetzen, wie es wünschenswert wäre.

US

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