Calamus SL - Was lange währt, wird endlich!

Seit Ende Mai wird er nun ausgeliefert, dieser Pappkarton mit den Insignien einer Auto-Luxusklasse, der die Atari-DTP-Welt zum zweiten Mal durcheinanderwirbeln und wohl auch neugierige Blicke von der anderen Seite des Obstgartens auf sich lenken wird. Es ist doch so: Wenn Anwender so lange „vertröstet“ werden, besteht ja immerhin die optimistische Hoffnung, schließlich eine Software zu erhalten, die in ihren Möglichkeiten schlicht genial sein muß. Und die erste Stunde mit dem neuen Lavout-System Calamus SL kann diesen optimistischen Eindruck eigentlich auch nur bestätigen.

Was sich in den letzten Jahren als never-ending-story etablierte, mit Vorankündigungen und „Erscheinungsterminen“, bei denen die Betonung nicht unbedingt auf „Termin“ lag. mit Vorab-Namensänderungen, mit einer eigens für das neue Calamus SL-DTP ins Leben gerufenen Zeitschrift zum „Erscheinungstermin“ CeBit ’90(!),-Schnee von gestern? Wohl nicht. Zu viel Unmut hatte diese Veröffentlichungspolitik in der Calamus-Gemeinde ausgelöst. Gar nicht mehr nachvollziehbar wurden kurzfristige Liefertermine bekanntgegeben - um dann jedesmal um genauso kurzfristige Termine verschoben zu werden. Die Entscheidung zum Neuerwerb oder zur Erweiterung einer vorhandenen DTP-Konfiguration, mit Calamus als zentraler Software, wurde so zu einer ziemlich nervigen Angelegenheit. Intern wurde in der Calamus-Schmiede auch an einer Weiterentwicklung der 1.09-Version gearbeitet. Bis zur Einbindung von Halbtonbildern gedieh diese Entwicklung, um sich dann aber einer völligen Neuprogrammierung des Calamus zuzuwenden, was zumindest die lange Wartezeit erklären hilft. Diese „Halbton-Version“, irgendwann im Frühsommer 1990 erschienen, hätte sicherlich viele mit der ärgerlichen Calamus-Ankündigungspolitik versöhnt. Zudem ist dieser Nicht-Farb-Bereich auch derjenige, in dem die meisten DTP’ler ihre Arbeit machen müssen: Satzarbeiten, Geschäftspapiere, Anzeigen, Hauszeitungen - dort liegt momentan der Hauptanwendungsbereich für Calamus-DTP. Für diesen Gestaltungsbereich hätte also erst einmal eine professionelle (und absturzsichere) S/W-Version völlig ausgereicht. Nicht, daß wir uns mißverstehen: Die Zukunft ist bunt, und ein Atari-Layout-Werkzeug mit den Farbmöglichkeiten, die der SL verspricht, ist auch eine Investition in die eigene gestalterische Entwicklung. Aufgrund seines Einsatzbereichs wird sich Calamus SL jedoch auch dahingehend beurteilen lassen müssen, inwieweit es sich auch im monochromen Bereich bewährt.

Der neue Calamus SL zielt in seinem Funktionsumfang deutlich auf den gehobenen Profibereich (aber was ist das heute eigentlich?). Um seine Möglichkeiten adäquat zu nutzen, sollte die Hardware dann auch eine entsprechende Peripherie aufweisen: TT, Großbildschirm und/oder Farbmonitor könnten, wie sich noch zeigen wird, schon auf Ihrem Arbeitstisch stehen. Läuft der SL auf einem Mega ST, sollte auch noch für eine Kaffeemaschine Platz vorhanden sein. Sogar beim Aufziehen leerer Textrahmen müssen hier bis zu deren Darstellung Wartezeiten in Kauf genommen werden. Für ein normales Arbeiten ist der SL also deutlich zu langsam. Calamus SL ist also nicht nur ganz auf TT-Niveau zugeschnitten; er braucht auch den TT, um ein leistungsfähiges Werkzeug zu sein. Bei anderen Rechnern sollte der Arbeitsspeicher schon mit mehr als 2 MB RAM bestückt sein: Beim Test auf einem STE mit 2 MB kam es, allerdings bei vollzählig geladenen Modulen, schon zu Speicherplatzproblemen beim Aufruf des Texteditors! Also zum TT. Hier zeigt sich Calamus SL dann auch schon wesentlich eleganter.

Die neue Struktur: Modular

Nach gängiger Auffassung ist eine Layout-Software ein Werkzeug, das die in anderen Programmen erstellten Daten (Bilder, Text) zusammenfaßt und weiterverarbeitet. Calamus SL geht hier völlig neue Wege. Beim ersten Start werden einige der mitgelieferten Calamus-Module geladen und in die Oberfläche des Calamus eingeklinkt. Sie sind dann ein fester Bestandteil des Programms und benutzen neben den vorhandenen auch eigene, teilweise ganz schön umfangreiche Sub-Menüs(Befehlsgruppen). Dieses Konzept entlastet eine solch komplexe Software wie den SL erheblich. Jeder Anwender hat so die Möglichkeit. sich für seinen individuellen Arbeitsbereich die benötigte Oberfläche zusammenzustellen, ohne daß selten gebrauchte Funktionen den Überblick erschweren. Wird trotzdem einmal ein sonst kaum benötigtes Modul gebraucht, kann es über die Menüleiste schnell nachgeladen werden. Auch Speicherplatzgrenzen werden die Anzahl der geladenen Module u.U. auf die wirklich notwendigen beschränken. „Modular“ ist im SL nun jedoch alles. Auch die bekannten Calamus-Standardfunktionen (Rahmen/Text-Bearbeitung) liegen in modularer Form vor. Durch diese Programmstruktur ist also eine Mindestanzahl geladener Module notwendig, um überhaupt im Calamus arbeiten zu können.

Die Arbeitsfläche von Calamus SL. Auch die Seitenflächen können zur Ablagt von „Layout-Schnippseln" verwendet werden.

Die Bearbeitungsfelder des Textmoduls ...

... und des PKSEditors auf einen Blick

Textsatz und Layout

Über lange Zeit war Calamus 1.09 das einzige ernstzunehmende Satz- und Layout-Programm für Atari-Rechner. Wirklich professioneller, das heißt in diesem Fall, typografisch korrekter Satz war jedoch nur teilweise möglich. So wurden auch „Gänsefüßchenliebhaber“ auf harte Proben gestellt; typografisch richtige An-und Abführungen wie auch Binde- und Trennstriche (divis, N-Strich, M-Strich) ließen sich ohne eigene Font-Manipulationen nicht realisieren. Wie komplex die Textbearbeitung im Calamus SL behandelt wird, zeigt sich oberflächlich betrachtet schon dadurch, daß für diese Anwendung gleich 3 Module in der Kopfzeile erreichbar sind - jedes ausgestattet mit umfangreichen Befehlsgruppen:

Im Textmodul finden sich die Funktionen, die für die direkte Arbeit im Textrahmen notwendig sind. Hier kann der Text gleich in den Rahmen gesetzt oder in diesen importiert werden. Über die Texteingabe (die „Schreibmaschine“) gelangt man in einen Editor, auf den auch das PKS-Modul zugreift. Überhaupt teilen sich Textmodul und PKS-Texteditor die Hälfte der Befehlsgruppen („Werkzeug“ und „Makroverwaltung“) - ganz schön unübersichtlich! Zur Textarbeit wird man sich durch beide Module klicken müssen, da hier vielleicht nicht nur Funktionalität, sondern auch Platzprobleme diese Aufteilung notwendig machten. Betriebssicher sind die Funktionen dieser Module leider noch nicht. Abgesehen davon, daß einige Funktionen in der vorliegenden Version noch nicht implementiert sind (Rechtschreibprüfung, Vertikaler Keil), kam es beim Import von Text und einer darauffolgenden Trennung regelmäßig zu Seltsamkeiten (z.B. wurden einzelne Passagen arg durcheinandergewürfelt!). Auch eine Optimierung der Geschwindigkeit des Editors ist dringend notwendig. In einigen Arbeitsbereichen ist Calamus SL auf dem TT sogar noch deutlich langsamer, als Calamus 1.09N auf einem Mega ST! Daß dann noch beim Aufruf des Editors der Cursor nicht an der aktuellen Arbeitsposition. sondern am Anfang des Textes steht, läßt die Bearbeitung längererTexte restlos zur Nervensache werden.

Optimierung tut also not! An Satzfunktionen stehen im SL nun jedoch schon lange überfällige Arbeitshilfen zur Verfügung. Jedem Dokument können sogenannte „Stammseiten“ zugeordnet werden. Auf solch eine Seite werden die Layout-Elemente gesetzt, die auf jeder Seite des Dokuments erscheinen sollen. Stammseiten können aber auch nur einem Teil des Dokuments. etwa einzelnen Kapiteln oder Seiten zugeordnet werden, so daß bei einem umfangreicheren Projekt mehrere Stammseiten eine Art Layout-Gliederung bilden. Diese Seiten sind bei der Arbeit nicht sichtbar, können aber über einen Schalter in der Kopfleiste, z.B. zu Korrekturzwecken, schnell auf den Monitor geholt werden. Veränderungen werden sofort für den gesamten Definitionsbereich der Stammseite wirksam. Gute Möglichkeiten für den Gebrauch der Stammseiten ergeben sich neben Satzarbeiten z.B. auch bei der Erstellung von Formularen, Zeitungsanzeigen (Standardgrößen/-elemente) oder der Druckaufbereitung (Passer/ Schnittmarken usw.). Immer dann also, wenn fixe Daten oder Gestaltungselemente in verschiedenen Bereichen zur Anwendung kommen, ist hier eine exzellente Hilfe geboten. Bei den vielfältigen Funktionen des SL ist es eigentlich verwunderlich, daß in der Stammseitenverwaltung die Möglichkeit fehlt, für einen Definitionsbereich miteinander verkettete, leere Textrahmen anzulegen. Textflußketten müssen also nach wie vor und Seite für Seite manuell erzeugt werden.

Auf den ersten Blick wirkt das Textstil-Formular doch sehr unübersichtlich. Alle Stilinformationen eines markierten Textes sind hier untergebracht und leicht zu ändern und nach einiger Zeit möchte man diese „Monsterbox“ gar nicht mehr missen.

Direkt im Editor können nun im Text benötigte Lineale, Formatierungsart (z.B. Vertikaler Keil) und andere Satzinformationen en detail als Steuerzeichen eingegeben werden. Eine Erleichterung für umfangreiche Arbeiten, mit der oft stundenlange Cursor-Arbeiten im Dokument nun automatisiert werden können. Durch das Einstellen des „Vertikalen Keils“ kann verhindert werden, daß bei der Formatierung eines Textes über mehrere Seiten ein neuer Absatz in der letzten Zeile einer Seite beginnt oder etwa auch in der ersten einer neuen Seite endet. Diese klassischen Satzfehler (das sind die bekannten „Schusterjungen und Hurenkinder“) sollten durch das Einstellen von Toleranzgrenzen beim Seitenumbruch nun also der Vergangenheit angehören. Formsatz kann mit Hilfe der internen Linien-, Vektor oder Rasterelemente erstellt werden. Schräger Spaltensatz, unbedruckte Balken, Text in Dreiecksform; vieles ist hier möglich (aber wie im richtigen Leben: nicht alles, was möglich ist, sollte man auch tun!). Es ist schlicht unmöglich, alle Features der Textbearbeitung im einzelnen zu würdigen. Jeder Anwender wird eigene Prioritäten setzen und sich nun auch vielleicht mehr als bisher mit den Regeln der Satzkunst und Typografie vertraut machen müssen. Wenn die oben angeführten Fehler behoben und noch fehlende Funktionen implementiert sind, dürfte hier kaum noch ein Wunsch offen bleiben - was läßt sich mehr über den Funktionsreichtum einer Layout-Software sagen!

Font-Arbeit

Ein DTP-System ohne Schriften ist wie Calamus SL ohne Module: gerade mal den Diskettenpreis wert. Als DMC vor zwei Jahren die Konvertierung von Linotype-Schriften ins Calamus(CFN)-Format ankündigte, war dieses für nicht wenige DTP’ler sicherlich ein Grund mehr, es mit Atari/Calamus zu versuchen. Doch nach dieser Ankündigung geschah, warum auch immer und wie schon viel zu oft: nichts. Als logische Konsequenz erschienen andere Anbieter mit selbstentworfenen oder den bekannten Satzbelichterschriften nachempfundenen Schriften auf dem Markt. Die Qualität dieser Schriften durchlief dann auch das gesamte Spektrum von „brauchbar“ bis „sichtbar“. Mit einigen ließ und läßt sich jedoch gut arbeiten, so daß bei vielen Calamus-Anwendern nun vielleicht mehr Schriften dieser „autonomen“ Händler als DMC-Fonts auf der Platte liegen.

Als die erste SL-Version Ende Mai erschien, wird genau hier nicht wenigen der große Zorn in die Glieder gefahren sein. Mit dieser Demo-Version ließen sich viele Fonts (von Fremdanbietern oder auch eigene) gar nicht erst laden oder erscheinen nur in typografischen Fragmenten. Nur einige passierten schließlich die internen, unbegreiflichen Schranken des Ladevorgangs. Dieser Fehler ist inzwischen behoben, nur Versuche, mit Didot-LineArt ins CFN-Format konvertierte Type-1-Fonts in den Calamus SL zu laden, werden weiterhin erfolglos sein. Für diejenigen, die in Ermangelung guter Satzschriften auf diese nicht gerade kostengünstige Alternative zurückgegriffen haben, sicher eine dicke Enttäuschung. Hier werden meiner Meinung nach aber auch andere Wege versperrt. Ich denke dabei z.B. an diejenigen, die vielleicht irgendwann einmal neben Ihrem Mac - aus durchaus nachvollziehbaren Gründen - eine Atari/Calamus-Konfiguration erwägenswert finden. Mit einer Nutzungsmöglichkeit der ins CFN-Format konvertierten Type-1 Fonts würde dieser Anwendergruppe die Weiternutzung ihrer PostScript-Schriften im Calamus offengehalten, was schließlich auch bei einer Kostenanalyse positiv für DTP/ Calamus sprechen würde!

Die zum Lieferumfang gehörenden 10 Satzbelichterschriften sind qualitativ vom Feinsten (die alte, vielgescholtene „Swiss“ gehört nicht mehr dazu). Manche werden vielleicht jetzt erst sehen, was der alte Calamus an typografischer Gestaltung vermissen ließ. Einziger Nachteil ist, daß sich diese mitgelieferten Schriften nicht im Calamus 1.09N verwenden lassen. Dieser „Fauxpas“ betrifft jedoch nur die Fonts, die zum Calamus SL-Grundpaket gehören. Die mehr als tausend erstklassigen Satzschriften, die jetzt endlich von DMC geliefert werden können, werden also auch von denjenigen nutzbar sein, die noch weiter mit Calamus 1.09N arbeiten. Auch Berthold-Schriften und die des Font Shop-Berlin werden demnächst im Calamus-Format erhältlich sein!

Der Ladevorgang der Zeichensätze geschieht nun leider nicht mehr über die Menüleiste, sondern über ein kleines Icon im Bearbeitungsfeld des Textmoduls. Jede Funktion zur Änderung von Schrift (Stil, Größe, Farbe, Kontur usw.) hat eine eigene Bearbeitungsgruppe, in denen sich umfangreiche Möglichkeiten für die Schriftgestaltung befinden. Die Arbeit in diesen Gruppen wird jedoch auch alten Calamus-Hasen anfangs ungewohnt und zeitraubend scheinen. Es ist nicht einfach, sich durch die viel zu winzigen Taster zu klicken, um die gerade benötigten Funktionen zu finden. Die Bedienerfreundlichkeit erschließt sich erst nach einigen vergeblichen Anläufen. Um z.B. eine normal gesetzte Schrift als Outline zu definieren, könnten analog zum alten Calamus die dafür notwendigen Einstellungen in 3 verschiedenen Bearbeitungsgruppen vorgenommen werden. Einfacher geht es jedoch über die neue „Stillisten-Verwaltung“ des SL.

Was hat sie mich bei den ersten SL-Sitzungen für Nerven gekostet! Eine tolle Sache ist das schon: In dieser Liste können alle in einem Dokument verwendeten Stile (Font, Schriftgröße, Farbe usw.) eingetragen und für die verschiedenen Anwendungen im Dokument unter einem eigenen Namen abgespeichert werden. Werden also unterschiedliche Stile für die Headline, Text, Fußzeilen und Bildunterschriften benötigt, können diese Informationen in die Stilliste eingetragen werden. Dieses erledigt SL mit einigen Abfragen automatisch. Alle so gespeicherten Stile sind dann auf Knopfdruck für markierte Textbereiche sofort abrufbar. Zur exakten Einstellung oder auch nur Abfrage eines Stils wird ein Formular aufgerufen, in dem die Einstellungen aller Stile angezeigt werden können. Es ist somit nicht nötig, sich durch mehrere Bearbeitungsgruppen zu klicken, um Änderungen am Schriftstil vorzunehmen.

Um etwas mehr Übersicht zu schaffen, bietet der SL eine kleine, aber feine Funktion, die allerdings nur den Benutzern eines Großbildschirms empfohlen werden kann: bei gedrückter Shift-Taste läßt sich die gesamte Befehlsgruppe des SL nämlich kopieren. Unter die erste gesetzt und mit einer anderen Einstellung versehen (z.B. Rahmenbearbeitungs- und Textmenü), wird ein schneller Zugriff auf gleich 2 Module möglich. Zudem kann nun auch ein Tastaturrekorder aufgerufen werden, mit dem sich Menüoperationen aufzeichnen und einer frei wählbaren Tastenkombination zuordnen lassen. Zeichenhöhen können in Versal-, Designer- und Regelgröße eingestellt werden. Alte Calamus-Versionen berechneten die Zeichenhöhe ausschließlich in der Schriftgröße, die der jeweilige Font-Schneider für seine Schrift am geeignetsten erachtete. Das Resultat kennen Sie vielleicht: Sie setzen mit 3 Fonts verschiedener Hersteller in vielleicht 10 Punkt - und erhalten 3 verschiedene Versalhöhen. Jetzt kann Schrift also exakt auf den Punkt gebracht werden - sogar inkl. 4 Nachkommastellen (wer's braucht...). Probleme gibt es aber, wenn im SL ein Dokument geladen wird, das in einer früheren Calamus-Version abgespeichert wurde. Schriftgrößen werden dann in einer vom Original abweichenden Punktgröße dargestellt, und auch Linealeinstellungen (z.B. für zentrierten Text) werden nicht korrekt übertragen und müssen im SL nachbearbeitet werden.

Von der Bitmap zum farbigen Vektorbild, in nur wenigen Sekunden vektorisiert „Speed Line“ das DMC-Logo. Für die farbige Ausgestaltung sorgt das Vektormodul.

Frei einstellbarer Formsatz ist nun im Calamus SL mit Vektorgrafiken (Bild), Linien und Rasterelementen möglich. Text- und Grafikrahmen werden mit der Shift-Taste selektiert und ein Botton zur Flußrichtung gewählt -fertig.

Vektors Verwandlungen

Die Oberfläche des Vektorgrafik-Moduls ähnelt sowohl im Objekt- als auch Pfadmenü ein wenig der des bekannten „Outline Art". Sogar die „Heftzwecke“ ist vorhanden; wenn auch für ein zukünftiges Modul vorgesehen (welches wohl..?), und daher noch nicht an wählbar. Das Erstellen von Vektorgrafiken oder auch die Änderung importierter CVGs kann nun also direkt im Calamus-Layout geschehen, wobei in den Befehlsgruppen der Menüs alle für Vektorgrafiken relevanten Einstellungen enthalten sind. Toll gemacht! Zusätzlich stehen auch die bekannten Rasterflächenrahmen (Dreiecke, Kreis, Raute usw., auch dieser furchtbar gestaltete „Comic-Stern“) als Vektorobjekte zur Verfügung.

In Verbindung mit den sonstigen Funktionen des Calamus sind hier Gestaltungsmöglichkeiten vorhanden, die ein reines Vektorgrafikprogramm kaum bieten kann. In diese Richtung weist auch ein neues (zusätzliches) Calamus-Vektorformat des SL, das „Calamus Vektor Dokument" (CVD). Mit diesem Format wird es in einem der nächsten Updates möglich sein, Vektorgrafiken gemeinsam mit z.B. Textsatz und Rasterbildern als Grafik abzulegen! CVD-Import- und Exporttreiber sind sogar schon vorhanden, obwohl dieses Format natürlich noch von keiner anderen Software gelesen werden kann. Vielleicht entwickelt sich hier ja wieder, wie schon beim CVG-Format, ein neuer Standard. Der Nachteil ist, daß nun auch CVG-Dateien aus anderen Vektorprogrammen, im SL als „CVD“ interpretiert werden, wenn sie als Gruppen abgespeichert wurden. Diese können im SL-Vektormodul nicht weiter bearbeitet werden. Jede andere CVG-Datei kann jedoch importiert und auch mit den Farbfunktionen des SL nachbearbeitet werden! Daß die umgekehrte Richtung, der Export von CVG-Objekten in externe Editoren (LineArt, Outline Art, Plottersoftware usw.) in der vorliegenden SL-Version durch den fehlenden CVG-Export-Treiber verhindert wird, ist schon schwerer verdaulich. Nach Auskunft von DMC bedeutet dieses jedoch keine Favorisierung des CVD-Formats; an dem entsprechenden CVG-Exporttreiber wird im Moment noch gearbeitet. Deshalb ist er Bestandteil eines der nächsten Updates.

Die Arbeitsweise in diesem Modul ist denkbar einfach: Auf der Calamus-Seite wird ein leerer Vektorgrafikrahmen beliebiger Größe aufgezogen. Dieser kann nun, wie gewohnt, zum Import vorhandener Grafiken oder auch als Arbeitsfläche zum Erstellen neuer Objekte genutzt werden.

Da das angekündigte Pixel-Modul nicht rechtzeitig zur Auslieferung fertig wurde, findet sich im Calamus-Paket als Ersatz ein Modul zur automatischen Vektorisierung von Bitmaps, „Speed-Line“. Die Geschwindigkeit, mit der es seine Arbeit verrichtet, ist wirklich hervorragend. Auch wenn die Formularbox etwas gewöhnungsbedürftig ist, sind die hier möglichen Parametereinstellungen im Vergleich zu anderen Vektorisierern dagegen gut bis sehr gut. Konturangleichung, horizontale- oder vertikale Korrektur wahlweise, Kurvengenauigkeit; dies nur einige der Bearbeitungsmöglichkeiten. Wahlweise kann eine Bitmap mit Linien oder mit Linien und Beziers vektorisiert werden - mit sehr guten Ergebnissen. Sogar eine kleine Filterfunktion ist anwählbar, mit der beim Scannen entstandener Pixel-Schmutz eliminiert werden kann; alles andere als eine „bloße Zugabe“ also! Eine von mehreren möglichen Arbeitsweisen in diesem Modul: Man zieht einen Vektorgrafikrahmen über den Ausschnitt des Dokuments, der vektorisiert werden soll. Alles, was sich in diesem Rahmen befindet (Bitmaps, aber auch der Inhalt von Calamus-Textrahmen!), wird dann bei der Aktivierung von Speed-Line augenblicklich in der jeweiligen Bildschirmauflösung(!) bearbeitet.

Teile und Herrsche

Mit dem SL-Modul zur Farbseparation eröffnet sich auch dem gestandene Desktop-Publisher das Feld der puren Physik! Und selbst mit den entsprechenden Kenntnissen ist es noch ein langer Weg, bis zur 4farbigen Anzeigenseite in einem bekannten Donnerstags-Blättchen. Die Möglichkeiten, die der SL dem Mutigen hier bietet, sind so vielseitig, daß eine Beurteilung aller Funktionen schon aus diesem Grund schlecht möglich ist. Es ist ja schließlich nicht damit getan, daß eine Software Text und Bilder farbig auf dem Monitor darstellen kann, irgendwie müssen sie ja auch wieder raus, um in möglichst den gleichen Farben gedruckt zu werden, wobei die Farbunterschiede zwischen Monitordarstellung, Thermoausdruck und Offstedruck mitunter gravierend sind. Auch die Datenmengen, die hier entstehen, kommen sehr schnell in den 2stelligen MB-Bereich. Das grundsätzliche Problem ist nur, daß zur Zeit noch keine Normal-DTP-Konfiguration, gleich welchen Systems, Farbiges in einer Qualität zu belichten vermag, die der einer Lithografie gleichkäme. Die praktische Auswertung der theoretisch vorhandenen Farbmöglichkeiten eines Systems (16,7 Millionen Farben unterstützt Calamus SL intern) stößt also spätestens beim Drucker auf die harte Realität.

Um ein farbiges Dokument für einen später folgenden Druck anzulegen, bietet Calamus SL grundsätzlich 2 Möglichkeiten, die sich auch miteinander kombinieren lassen: die Definition der Farben als „Schmuckfarben“ und die Auswahl von Farbsystemen zur 3- und 4-Farbseparation. Bei der Gestaltung von wenigfarbigen Briefbogen, Visitenkarten oder ähnlichem wird man wohl fast ausschließlich mit Schmuckfarben arbeiten. Diese Farben liegen direkt als Druckfarbe vor und brauchen somit nicht weiter separiert, also in Grundfarben zerlegt zu werden. Eine weitgehende Kontrolle über die Ausgabequalität der angelegten Farben ist hier gewährleistet. Zum Vergleich: Im alten Calamus mußten die einzelnen Farben für einen 3farbigen Briefbogen über das Clipboard auf 3 Seiten verteilt und mit Schnitt- und Passermarken versehen werden. Im SL hingegen wird nun der Briefbogen in den gewünschten Farben angelegt, alles weitere geschieht quasi automatisch. Auch solch wichtige Kleinigkeiten wie Schnitt- und Passermarken werden vom Calamus intern erzeugt und bei der Belichtung mit ausgegeben. Die mitunter recht zeitraubende Erstellung von Nutzen (z.B. bei Visitenkarten oder Aufklebern) ist nun, inklusive „Farbverteilung“, automatisiert, in der vorliegenden Calamus-Version allerdings noch nicht aufzurufen.

Überall dort, wo im SL eine Farbe oder ein Muster dargestellt werden kann, findet sich im Bearbeitungsfeld eine identisch aufgebaute Liste. Ähnlich der Stillistenverwaltung können hier Farben und Rastergrößen ausgewählt oder ediert werden. Ein Klick auf den Farbnamen ändert einen selektierten Bereich (Typo, Vektorobjekt) in die gewünschte Farbe. Mit einem der danebenstehenden Farbknöpfe ruft man ein Formular auf, in dem die Einstellungen zur Farbdefinition und der für die Farbseparation notwendigen Wahl des Farbsystems vorgenommen werden. Zusätzlich zur Farbliste des SL lassen sich nämlich auch weitere Farbpaletten wie „HKS“, „Pantone“ oder „Palette 141“ nachladen, mit denen dann der Weg in die unterschiedlichsten Anwendungsbereiche für Calamus SL geöffnet sein wird.

Läuft Calamus SL auf einem monochromen Monitor, können mit Hilfe dieses Formulars eigene Rasterbibliotheken zusammengestellt und abgespeichert werden. Dieses wird in jedem Fall notwendig sein, da ansonsten schon die Suche nach „weiß“ wirklich zur Suche wird. Der erste Knopf der Liste ist als sogenannte „freie Farbe“ definiert. Wird er angewählt, lassen sich Rasterwerte über die Tastatur in Prozentwerten eingeben. Im Farbmodus gelten analog dazu die Einstellungen der drei oder vier Farbregler des Formulars. Wie in der Stilliste des Textstil-Moduls können also auch hier individuell benötigte Einstellungen vorgenommen und für weitere Anwendungen abgespeichert werden.

Für die Separation von Echtfarbbildern wird über das mitgelieferte Modul ein Formular aufgerufen, in dem sich die für diesen Zweck notwendigen Einstellungen vornehmen lassen. Die Farbseparation selbst ist eine solch komplexe Materie, daß hier ohne viele eigene Versuche, gemachte Erfahrungen und Lernen kaum die Möglichkeiten einer Software auszuschöpfen und optimal realisierbare Ergebnisse zu erzielen sind. Grundlegender Gedanke ist, daß durch die Verwendung von nur vier Druckfarben durch Abstufung der Intensität jeder Farbton erzielt werden kann. Das Separationsmodul erledigt also die Arbeiten, die im letzten Schritt vor der eigentlichen Belichtung/Druck nötig sind.

Dieses Formular erscheint immer dann, wenn eine genaue Farbwahl nötig ist. Hier können auch neue Farbpaletten zugeladen oder die Einstellungen zur 3/4-Farb- und Schmuckfarbendarstellung gewählt werden.

Mit einer Einstellung der Kennlinien in diesem Formular, werden die Ausgabewerte für die b arbse paration festgelegt. Hie Darstellung auf dem Monitor bleibt hiervon leider unbeeinflußt so daß das Ergebnis erst beim Druck zu sehen ist. Es handelt sich also um reine Druckkennlinien.

Im mitgelieferten SL Modul stehen sieben Kennlinien (Gradationskurven) zur Steuerung der Separation von Farbbildern zur Verfügung. Mit den ersten vier Kennlinien („Schwarz aus...“) kann der Schwarzauszug aus den Buntfarben gesteuert werden, mit dem Calamus aus jedem Farbpunkt einen Schwarzanteil errechnet. Die letzten 3 Kennlinien (Cyan / Gelb / Magenta / Linearität) beeinflussen den Punktzuwachs der entsprechenden Farben beim Druck. Beide Einstellungen dienen somit der Beeinflussung von Kontrast und Intensität der Buntfarben. Mittels der Kennlinie werden aber auch Kontraständerungen bei importierten Halbtonbildern vorgenommen. was sich schon bei Ausdrucken aus dem Laser positiv bemerkbar macht.

Eines läßt sich jedoch bei der Arbeit im gesamten Farbbereich nicht übersehen: Calamus SL ist sicher ein vorzügliches Layout-Programm, das durch die Funktionalität einiger seiner Module diesen Rahmen sogar zu überschreiten vermag; eine Bildverarbeitungs-Software ist es nicht und soll es ja auch gar nicht sein, auch wenn einzelne Funktionen manchmal in diese Richtung weisen mögen. Die der Farbseparation normalerweise vorausgehende Bearbeitung der Farbbilder wird in anderen Programmen (z.B. Cranach Studio) erfolgen müssen.

Das Handbuch

Für eine komplexe und für den professionellen Einsatz bestimmte Software muß ein dazugehöriges Handbuch mehr leisten als eine Art erweiterte Bedienungsanleitung: Wo muß ich welchen Knopf drücken, damit was passiert? Und auf den ersten Blick scheint das SL-Handbuch hier auch einen Schritt voran zu machen. Zur äußeren Gliederung dienende feste Registerkarten und ein umfangreicher, aber leider nicht immer korrekter Index zeigen, daß die Autoren auch an häufigen und längerfristigen Gebrauch gedacht haben. Für den ersten Einstieg ins Programm ist ein Tutorial, eine kleine, beispielhafte Einführung in das Arbeiten mit dem SL, vorhanden, das mit den grundlegenden Bedienungsmöglichkeiten vertraut macht. Auch wenn dieser Abschnitt explizit „für den Calamus-Novizen“ gedacht ist, sollten auch fertige Mönche diesen Hinweis nicht so ernst nehmen. Calamus SL ist ein völlig neuentwickeltes Programm, das nur in der Oberflächenstruktur und einigen wenigen Funktionen an die Vorgängerversionen erinnert.

Der oft anzutreffenden Einstellung vieler Handbuchautoren: „Wir liefern Ihnen das Werkzeug - wie Sie damit am besten arbeiten, entnehmen Sie der entsprechenden Fachliteratur“ wird das SL- Handbuch in lobenswerter Weise nicht gerecht. Hier finden auch DTP-Einsteiger (und wer ist das denn nicht irgendwann!) einen ersten Überblick über typografische Gestaltungsmöglichkeiten („Kleine Schriftkunde für DTP Anfänger“). Auch ein Faltprospekt, „Satz und Layout“, wird mitgeliefert, in dem kleine Hilfestellungen für die Satzarbeit im SL gegeben werden. Da hier auch die SL-Dateiformate und Tastaturbelegungen aufgelistet sind, ist ein schneller Zugriff auf diese anfangs wichtigen Informationen gegeben; eine schöne Idee! Daß die einzelnen Kapitel des Handbuchs nicht in sich geschlossen sind, und somit immer wieder auf Anfangskapitel verwiesen werden muß („...sehen Sie ein Formular, das in Kapitel xy beschrieben ist“), bringt die sonst klare Konzeption durcheinander, wobei auch die Gliederungsnumerierung nichts für Akademiker sein dürfte. Die eigentlich verständliche Absicht der Autoren, nicht in jedem Kapitel schon besprochene Sachverhalte zu wiederholen, wird so leicht zu einer Blätterorgie (und dann diese kleine, schmale Garamond ... - man kann es halt keinem recht machen).

Anwenderfreundlichkeiten

Es sind nicht zuletzt die vielen Kleinigkeiten, die Calamus SL von seinen Vorgängern unterscheidet und benutzerfreundlich macht. Bei Linealen lassen sich endlich die Nullpunkte verschieben; beim Kopieren von Rahmen können Anzahl und Ablagerichtung der Kopie eingestellt werden; mit einer Lupe kann ein beliebiger Teil der Seite vergrößert und danach in ihm weitergearbeitet werden. Wird ein Dokument geladen oder neu angelegt, steht es in der Mitte des Calamus-Fensters, wobei die seitlich danebenliegenden Bereiche nun auch als Arbeitsfläche nutzbar sind. W ie auf dem Schreibtisch können die für einen Entwurf in Frage kommenden Textstellen und Bilder (die Rahmen) neben die Layout Fläche abgelegt und bei Bedarf ins Layout „geklebt“ werden. In der vorliegenden SL-Version ist dieses aber nur bedingt möglich: in die Seitenflächen abgelegte Rahmen sind nur im selektierten Zustand, und dann auch nur ohne Darstellung des Inhalts(!) sichtbar. Deselektierte Rahmen, und das dürfte ja der Normalfall sein, sind zwar noch vorhanden, aber nicht mehr sichtbar. Momentan ist diese Hilfe also nur für wenig vorstellbare Operationen geeignet. Diese Funktion wird auch nicht als zweites Klemmbrett nutzbar sein, wie beispielsweise im PC-“PageMaker“, so daß bei der Arbeit an mehreren Seiten immer eine neue Ablagemöglichkeit vorhanden sein wird. Liegen mehrere Rahmen übereinander, klickt man sich jetzt einfach hierarchisch durch die Rahmen bis zum gewünschten durch. Ein oft schweißtreibendes Durchklicken bei komplexen Rahmenüberlagerungen mit den Knöpfen „Vordergrund/Hintergrund“ sowie Clipboard-Operationen sind nun also nicht mehr nötig. Zudem können Rahmen nicht nur gedreht, sondern auch als „deckend“, „transparent“ und „invers“ definiert werden. Bei der Arbeit mit Textrahmen. Farbflächen und Bildern eröffnen sich interessante, neue Gestaltungsmöglichkeiten für die eigene, spielerische Kreativität.

Für die wichtige Kompatibilität mit dem alten Calamus ist zumindest in einer Richtung gesorgt: Dokumente, die mit den Vorgängerversionen erstellt wurden, können mit den oben genannten Einschränkungen im Calamus SL geladen werden. Die notwendige Konvertierung besorgt ein im Hintergrund arbeitendes Modul. Umkehrbar ist dieser Schritt aber nicht. Dokumente, die von Calamus SL abgespeichert wurden, können also nicht von Calamus 1.09N geladen werden! Grund dafür sind einige offensichtliche Umstellungen der Dokumentstruktur (Anpassung an Farbe, Graubilder, Textstil-Listen etc.). Zur Zeit, d.h.wenige Wochen vor der Atari-Messe '91, kann auch das Belichten eines SL-Dokuments vielleicht noch problematisch sein. Sie sollten sich also in jedem Fall erkundigen, ob eine Belichtung aus Calamus SL bei Ihrem Belichtungsstudio möglich ist. Den Vorschlag der Handbuchautoren, im Zweifelsfall das eigene Calamus SL Programm gleich mit zum Belichter zu schicken, halte ich nicht unbedingt für seriös.

Da es bei DTP von Vorteil ist, schnell auf andere Programme zugreifen zu können und auch leicht viel Speicher benötigt wird, haben wir Calamus SL auch auf die Verträglichkeit mit Betriebssystemergänzungen wie MultiGEM und Outside getestet. Sowie beim Multitasking als auch bei der virtuellen Speicherverwaltung gab es keine Probleme.

Vieles muß hier leider unerwähnt bleiben. Allein die neuen Möglichkeiten des SL, ein Dokument für den Druck (auch für den Laser) aufzubereiten - von Erfahrungen mit der Farbseparation ganz zu schweigen - wäre einen eigenen Artikel wert. Trotzdem bleibt nach den ersten Wochen SL-DTPein ambivalentes Gefühl zurück. Oft habe ich ernsthaft gezweifelt, ob es nur die eigene Unzulänglichkeit ist, oder ob Programmierfehler diverse Fehlfunktionen im neuen SL verursachten. Fantastische Gestaltungsmöglichkeiten, tolle Ideen, nicht zuletzt ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis, reichen sich die Hand mit Nervereien, wenn z.B. die Arbeit im Textbereich nicht nur subjektiv zu träge und unsicher ist, wenn beim Lineal nun zwar den Nullpunkt einstellbar ist, es sich beim Scrollen einer Dokumentenseite aber nicht von der Stelle rührt, oder wenn das Aufziehen noch leerer Rahmen diese plötzlich ungewollt in eine Größe aufbläst, die nur noch in Metern zu messen ist! Auf der anderen Seite, und auch im Vergleich zum alten Calamus, ist es schlicht genial, wie die Programmierer die wirklich komplexe Verwaltung der Schrift- und Farbgestaltung in den Griff gekriegt haben und wie offen das System durch seine modulare Konzeption sowie durch umfangreiche Im-und Exporttreiber für alle Elemente angelegt ist. Die angeführten fehlerhaften Funktionen und auch andere Ungereimtheiten, die ein solides Arbeiten im SL momentan noch erschweren, sind, so denke ich, für eine so völlig neu programmierte Layout-Software, als Kinderkrankheiten noch entschuldbar. Nach den letzten Fehlerbereinigungen zu urteilen, die immerhin 3 Updates innerhalb weniger Wochen dokumentieren, haben die SL-Programmierer wohl nichts anderes zu tun, als spätestens zur Atari-Messe ein Layout-Programm zu präsentieren, das seinesgleichen auch auf anderen Computersystemen sucht. Mit Calamus SL steht uns eine Layout-Software zur Verfügung, von der viele vieles erwartet haben, und die nun vielleicht sogar mehr halten kann als lange versprochen. Sie erfordert allerdings auch vom Anwender die Fähigkeit, vielleicht mehr als bisher über den Monitorrand hinauszuschauen. um in den Bereichen Erfahrungen zu sammeln und kompetent zu werden. die erst einmal gar nichts mit dem Rechner und seiner Software zu tun haben: der Typographie, dem Layout und der Gestaltungspraxis.

Calamus SL, ein Layout-Gigant? Bestimmt! - Aber man arbeitet dran.

DMC Nelkenstr. 2, W-6229 Wallu
Jürgen Funcke



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