Editorial: Eine runde Zahl, eine runde Sache...

Im März 1986 begann in der ST-Computer ein damals fast schon einmaliger Leserservice, als über unsere Zeitschrift die ersten beiden „Freiprogramme“ angeboten wurden: Neochrome Version 0.6, ein Malprogramm für Farbmonitore mit vielen, damals revolutionären, Möglichkeiten, und Dr. Doodle, das Gegenstück für Monochromschirme. Seit diesem Zeitpunkt ging es ständig bergauf. Es lebte damit eine Idee auf, die in den USA auf anderen Systemen schon länger erfolgreich praktiziert wurde: Public Domain, die Weitergabe von Programmen, die eigentlich nichts kosteten.

Viele unserer Leser haben auch schnell erkannt, daß der Spruch „was kostet nix, das taugt auch nix“, für ST-PD-Programme absolut nicht zutreffend ist. Ganz im Gegenteil: Über die PD-Schiene konnten Autoren ihre Software risikolos und ohne Verwaltungsaufwand der breiten Masse erst richtig bekannt machen. Und die PD-Anwender hatten eine extrem preisgünstige Programmquelle - die auch heute noch sprudelt.

Nun können wir (wieder ist es März) unseren Lesern die 500. Diskette mit Public-Domain-Programmen vorlegen. Wir sind ganz schön stolz darauf.

Nicht von ungefähr ist die PD-Sammlung der ST -COMPUTER die erste gewesen und die größte geblieben auf dem Markt für ATARI-Computer. So gilt es heute einmal ganz herzlich Dank zu sagen all den vielen PD-Autoren, die mit ihren Einsendungen diese Sammlung überhaupt erst zu der größten und bestsortierten gemacht haben. Ohne die vielen Programmideen, die im Laufe der Zeit an uns herangetragen wurden, würde es die Sammlung sicher nicht mehr geben - danke.

Über die Jahre hinweg haben sich Kollegen neben der Redaktionsarbeit darum bemüht, ständig eine attraktive Auswahl an Programmen zu präsentieren - ich glaube, es ist ihnen auch gut gelungen. Denn es war nicht damit getan, einfach nur auf Einsendungen zu warten und diese auf Disketten zusammenzukopieren. Die wirkliche Arbeit, die dahintersteht, kann man schwer in wenige Worte fassen.

Dank gilt auch unseren Kunden, die der PD-Serie eine große Resonanz und Anerkennung entgegenbrachten. Auch Sie haben mit dazu beigetragen, daß diese Idee bis heute erfolgreich in die Tat umgesetzt werden konnte.

Nun stehen wir im siebten Jahr der Existenz einer 68000er-Gerätelinie und es beginnt ein siebtes Jahr der ST-PD-Reihe. Es kommt eine Zeit des Umbruchs auf uns zu, der auch in den PD-Einsendungen zu erkennen ist. Der Trend geht mehr und mehr in Richtung „Shareware“, auch eine Idee, die vor Jahren aus den USA zu uns kam. Jetzt sind die „Freiprogramme“ nicht mehr ganz so kostenlos wie früher: Während die Verteilung dieser Shareware genauso läuft wie bei PD, verlangen die Programmautoren zunehmend öfter einen freiwilligen Obulus, wenn die Software dauerhaft oder gar kommerziell benutzt wird.

Ebenso ist festzustellen, daß Programme meist parallel als PD bzw. Shareware und als Vollprodukt auf den Markt gehen. Dann ist die PD-Ausgabe meist nur eine Schnupperversion. Um gerade dann die Spreu vom Weizen zu trennen, wird die Arbeit der Kollegen weiterhin nötig sein.

Dieter Kühner



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