Nordhessens combit: Computer-Messe mit Live-Musik

Am 25. und 26. März 1995 öffnete die regionale Computer- und Telekomausstellung combit in Kassel ein Wochenende lang ihre Tore. Nahezu alle wichtigen Fachhändler und Systemhäuser aus Nordhessen sowie einige Anbieter aus dem gesamten Bundesgebiet präsentierten ein umfangreiches Angebot an Computertechnik, Telekommunikation und Büromöbeln für viele Branchen.

Obwohl Außenstehende sicherlich argumentieren werden, daß eine regionale Computermesse, noch dazu in Nordhessen, vierzehn Tage nach der großen CeBIT im nahegelegenen Hannover in deren Schatten stehen wird, konnte hiervon in keinster Weise die Rede sein. Denn nachdem pünktlich am Samstag um 10.00 Uhr die Türen geöffnet wurden, strömte eine nicht enden wollende Schar begeisterter Computer-Freaks auf die Messestände ein. Dies ließ die Aussteller schnell die niedrigen Temperaturen morgens in der Messehalle vergessen, die zudem noch nicht einmal durch heißen Kaffee oder Tee, die von der Messeleitung schlichtweg nicht zur Verfügung gestellt wurden, gemildert werden konnten.

ATARI dominiert

Ursprünglich für ATARI, PC und Mac ausgeschrieben, zeigte sich schnell die große Dominanz der zahlreichen ATARI-Software-Häuser, Händler und Verlage, die die sonstigen regionalen Computerfirmen etwas in den Hintergrund drängten. Und tatsächlich wurden die ATARI-Freaks auch nicht enttäuscht, wurden doch einige interessante Neuentwicklungen dem staunenden Publikum vorgeführt.

So konnte man am Stand von Woller & Unk GbR einen dcf-77-Funkwecker inklusive Joystick-Verkabelung, Akku und Software anschlußfertig zum Messepreis von 99,- DM erwerben. Auch Probleme mit der Umstellung auf die Sommerzeit gehören hiermit der Vergangenheit an, konnte doch just am folgendem Sonntag die Funktionsfähigkeit im Rahmen der Zeitumstellung bewundert werden. Des weiteren basteln die Entwickler an einem Arca-de Power Stick II für den Jaguar, der in den nächsten Wochen auf den Markt kommt. Die Besonderheit liegt darin, daß die Funktionen des ursprünglichen Pads auf den Power Stick übertragen werden, das Jaguar-Pad aber weiterhin benutzbar ist.

Delirium Arts zeigten ihren bekannten modularen Bildschirmschoner TwiLight für alle ATARI-Rechner, der nun durch ein Update auch unter MagiC-Mac lauffähig ist. Für 30,- DM konnte man das Modul „Sendeschluß“ mit dreißig neuen farbigen TwiLight-Modulen und für 20,-DM das Modul „Magic-Picture" (3d-Stereogramme) erwerben.

Von Bastlern und Hardware-Freaks dicht umlagert war der Stand von Best Electronics. Neben zahlreichen Ersatzteilen konnte man ein PC-Card Drive für den Portfolio, eine 4/16-MB-Fast-RAM-Upgrade-Card für den TT sowie die GST-MCU kaufen.

Wer seinem ATARI ein neues Outfit verpassen will, war am Stand von Lighthouse bestens aufgehoben. Für 239,- DM war ein Tower für TT, Me-gaST und 1040ST erhältlich.

Harte Ware ...

MW Electronic präsentierte den Porsche unter den TOS-Rechnern, die Medusa T40. Für rund 7.000,- DM erhält der Anwender in der Standardausstattung mit 540 MB AT-Bus-Platte ein kompatibles TOS-System, auf dem Programme wie Signum!3, Calamus SL, Phoenix oder DynaCADD ihre volle Leistungsfähigkeit ausspielen können. Die Reorganisation einer Phoenix-Datenbank mit rund 35.000 Datensätzen erfolgt rund viermal und der Import eines 8,5-MB-TIFF-Bildes in Calamus rund fünfmal so schnell wie auf einem ATARI TT. Interessierte Besucher konnten sich direkt am Stand von der Zusammenarbeit einer Medusa T40 mit 64 MHz mit Calamus überzeugen.

MW-Elektronik bietet auch einen Prozessortausch für den Apple Perfor-ma 475 und 630 an. Ab Werk werden diese mit einem 68LC040 Prozessor ausgeliefert, der keine FPU beinhaltet. Die „vollwertigen“ 68040-Prozessoren können in der 25/50-MHz- und 33/66-MHz-Version bei MW-Elektronik bezogen werden. Auf Wunsch führt MW-Elektronik den Tausch des Prozessors auch selbst durch.

Aber nicht nur die High-End-Boliden standen im Mittelpunkt des Interesses, sondern auch Low-Cost-Produkte fanden regen Zuspruch. So zeigte man einen ATARI TT mit einer Sang-Mega-Vision Grafikkarte. Interessant ist, daß man das bekannte NVDI 3.02 auf diese Karte anpassen konnte, die dadurch einen erheblichen Geschwindigkeitszuwachs erfährt. Das NVDI für Sang-Megavision kostet 175,- DM. Ein Update von Version 3.02 kostet 50,- DM.

GE-Soft zeigte einen weiteren TOS-Boliden. Mit dem Eagle ist ein vollkommen TT-kompatibler Computer auf dem Markt, der auch in einigen Jahren noch aktuell sein wird. Wahlweise gibt es ihn mit einer 68030-, 68040- und 68060-CPU. Interessant waren Aussagen des GE-Soft Geschäftsführers Peter Konrady, mit dem wir ein kurzes Gespräch führen konnten. Noch in diesem Jahr wird es eine PowerPC-Karte für den Eagle geben. Das Betriebssystem TOS wird darauf in einer 68k-Emulation laufen. Der ursprünglich von OverScan entwickelte Falcon-Beschleuniger „Afterburner“ wird von GE-Soft noch bis zum Sommer '95 fertiggestellt werden. Beim Afterburner handelt es sich um eine Karte mit 68040-oder 68LC040(ohne FPU)-CPU, die mit 33/66 MHz getaktet wird. Damit soll der Falcon030 die Geschwindigkeit einer Medusa bzw. eines Performa 630 erreichen können. Zudem besteht die Möglichkeit, schnelles TT RAM auf der Karte unterzubringen. DerVerkaufs-preis wird voraussichtlich ca. 1500,-DM betragen.

Jaguar-Freaks konnten sich am Stand von Pagedown austoben. In einer ex-:ra eingerichteten Spieleecke konnten sich die kleinen Besucher mit Spielen wie Alien vs Predator, Doom oder Tempest 2000 vergnügen. Natürlich konnten die Messebesucher einen Jaguar auch gleich mitnehmen, zum Messe-Preis von 499,- DM ging so manches Raubtier über den Ladentisch.

... und weiche Ware

Trifolium

Ein Heimspiel hatten die Entwickler von Trifolium, die ihre bekannten Produkte FDrum, ein digitales Rhythmusgerät, das frei programmierbar ist und bis zu 16 digitalisierte Instrumente gleichzeitig benutzt, sowie LocateIt, das als Wörterbuch aus einer Textverarbeitung heraus aufgerufen werden kann, begutachten. Auch das Sprachlabor TriLingua macht Fortschritte, wie man sich überzeugen konnte. Hierzu können wir in der ST-Computer demnächst Näheres berichten.

Eine Sensation der Messe war der neue Fargo PrimeraPro Farbdrucker. Für weniger als 4.300,- DM bietet das Gerät brillante Ausdrucke in Fotoqualität bei einer Auflösung von 600 dpi, so daß auch Texte und Vektorgrafiken gestochen scharf erscheinen. Durch die Verwendung unterschiedlicher Medien wie Papier, Folie und T-Shirt-Transferpapier läßt sich der PrimeraPro vielseitig einsetzen, z.B. für die Druckvorstufe, Präsentationen, hochwertige Farbausdrucke in kleinster Auflage oder für T-Shirts.

Weiterhin gab es am Stand von Cra-zy Bits bereits die vorläufige Version des neuen PixArt 3.0 zu sehen, das einen sehr guten und stabilen Eindruck hinterließ. Mehr dazu in einem ausführlichen Testbericht in einer der nächsten Ausgaben der ST-Computer.

Ein Renner waren wieder die neuen kleinen Grafiktabletts „ArtPad" und „Easy Painter“, die bereits wie auf anderen Messen nach kurzer Zeit ausverkauft waren. Besonders das ArtPad für weniger als 400,- DM besticht durch seinen kabel- und batterielosen Stift, der zudem druckempfindlich ist. Dadurch lassen sich in Grafikprogrammen, wie z.B. PixArt, verschiedene Zeichenparameter, wie Linienbreite oder Farbintensität, direkt über den Andruck des Stiftes auf das Tablett ändern.

Public-Domain-Software, Shareware und CD-ROMs gab es im Überfluß bei Richters Desktop Center. Hier steckte auch Software Service Seidel nicht zurück, die drei neue terra digitalis CD-ROMs über Pakistan. Island und Norwegen präsentierten. Diese neue Serie bietet besinnliche und atemberaubend schöne Bilder im Photo-CD-Format. Jede CD-ROM enthält 100 Bilder sowie Software für ATARI, Mac und PC zum Betrachten und Konvertieren. Des weiteren erhielt man hier das Turboline- und TriStar-Modem von TKR sowie als Unterstützung die neuesten Versionen von TeleOffice und MultiTerm.

Dicht umlagert war der Messestand von R.O.M. Logicware aus Berlin, die mit ihrer Textverarbeitung Papyrus die Besucher fesselten. Neben der Begutachtung kleinerer Neuigkeiten wurde auch auf die PC-Version von Papyrus unter OS/2 hingewiesen, die ab Frühsommer 1995 verfügbar sein soll. Damit wird eine Symbiose zwischen Heim- und Firmenarbeitsplatz ermöglicht. Änderungen an Texten abends daheim sind problemlos möglich, da derTextam nächsten Tag am betrieblichen PC weiterverarbeitet werden kann.

Compo, Overscan und No! Software

Recht geräumig war der Messestand dieser drei Firmen, der aber dennoch ständig dicht umlagert war. Reges Interesse fand hierbei die neue Steckkarte von Overscan namens STout!. Diese Steckkarte für den LC-kompati-blen Prozessor-Direct-Slot (PDS) der Macintosh-Computer bietet einen parallelen Drucker-Port, eine serielle Mo-deml-Schnittstelle sowie - optional -eine MIDI-Schnittstelle mit allen drei Anschlüssen (In, Out und Thru). Diese drei Schnittstellen sind hardwaremäßig ST-kompatibel, so daß auch die Software mit MagiCMac (ab Version 1.03) läuft, die direkt auf die ATARI-Hardware programmiert ist. Der voraussichtliche Verkaufspreis beläuft sich auf249- DM bzw. 278,- DM mit MIDI-Schnittstelle. Overscan hatte zudem ein professionelles Video-Equipment aufgefahren, um die Multimedia-Software Overlay II zu präsentieren.

Highlight von Compo war sicherlich Apex Media, das von Theo Breuers persönlich vorgeführt wurde. Apex Media nutzt die Fähigkeiten des Falcon030 im Videobereich mit Unterstützung des DSP konsequent aus. Dieses Animationswerkzeug verarbeitet FLI/FLC-Files, erlaubt Morphing und steuert den Digitizer ScreenEye an. Auch Componium, ein Kompositionsprogramm ohne zusätzliche Hardware, das das Erzeugen ganzer Partituren auf allen ATARI-Rechnern erlaubt, kam nicht zu kurz. An Neuheiten wurden darüber hinaus das Spiel MoonSpeeder sowie der Viruskiller The Ultimate Virus Killer vorgestellt.

No! Software führten Arabesque 2 vor, ein brandneues 2D-Vektorgrafikprogramm, das ideal zum Erstellen und Bearbeiten von Logos, Clip-Arts und Zeichnungen ist, aber ebensogut auch zum Layouten einfacher Text- und Grafikseiten und als zukünftiger 2D-Editorfür Neon-3D verwendbar ist. Neon 3D ist ein komplettes Paket zum kreativen Designen und Berechnen von 3D-Computergrafiken und Animationen.

Musik, 2, 3,4 ...

Natürlich waren auch die Soundspezialisten von Galactlc vertreten, die neben ihrem DesignTower, der eine Oberfläche aus Stein besitzt und in edlem Grau daherkommt, und dem Schachspiel DeepThought die bekannte Produktpalette von Digit II Studio, MusicMon und DigitTracker vorführten. Aufbauend auf dem Sampling-Grundmodul von Digit II, werden folgende Erweiterungen derzeit angebo-ten: ein Sequenzer, ein S/P-DIF-Mo-dul, ein Master-Modul, ein DSP-Modul mit Echtzeiteffekten, ein Synthesizer und ein MIDI- und Tastatur-Expander-Modul.

Am Stand von Trifolium wurde stellvertretend die Produkt-Linie von Steinberg mit deren CubaseAudio vorgestellt. Die Firma Reitmaier aus Habichtswald zeigte den C-LAB Falcon MKII, der das Herz aller Musikfreunde höher schlagen läßt. Auf Basis eines mit ATARI geschlossenen Lizenzvertrages hat C-LAB den Falcon MKII für all jene entwickelt, die mit Hilfe neuester digitaler Technik ein kostengünstiges und leicht bedienbares Werkzeug suchen, um Musik und Audio zu produzieren.

Familientag

Die neue Version von Arabesque wird inzwischen ausgeliefert

Daß eine Computershow auch stets für die ganze Familie geeignet ist, unterstrich der Stand von MAXON Computer eindrucksvoll. Unter dem Motto „Seid fruchtbar und mehret euch“ stellte sich MAXON Media der Öffentlichkeit vor. MAXON Media bietet eine Diskettenkopierstation für den professionellen und semiprofessionellen Einsatz an, die vollkommen unabhängig arbeitet und keinen PC zur Ansteuerung benötigt. Alle Formate, die einen kompatiblen Diskettenaufbau haben, werden unterstützt, wobei die Formaterkennungautomatisch erfolgt. Zudem produziert MAXON Media CDs nach individuellen Wünschen inklusive Datenaufbereitung, Gestaltung und Duplizierung zu günstigen Preisen.

Natürlich wurden Software Produkte von MAXON Computer nicht vernachlässigt. Alle bekannten Produkte wie Twist II, XBoot, Outside, ACS Pro, Harlekin, Crazy Sound, Magic Picture, WinRec Pro und WinCut Pro konnten begutachtet werden. Besondere Aufmerksamkeit erregte die Demonstration von Harlekin III und Twist II auf einem Apple PowerBook und Performa 630 mit Hilfe von MagiCMac. Erhältlich war ebenfalls die ST-Computer PD-CD, auf der sich nahezu alle PD-Disket-ten der ST-Computer-PD-Serie sowie Crazy Sounds Junior, diverse Demos und eine Datenbank mit allen Daten der PD-Disketten befindet. Zudem wurde eine neue CD präsentiert, die MagiCMAXON-CD mit Demos bekannter Programme für MagiCMac. Eine Demoversion von MagiCMac ist gleich mit auf dieser aufwendig im Hybridformat (Mac HFS und IS09660) produzierten CD enthalten. Ebenso einige nützliche Tools für Macintosh-Besitzer.

In direkter Nachbarschaft zu MAXON befand sich auch der Stand vom Helm-Verlag, der viele bekannte Produkte wie Technobox CAD/2, DigiTape, That’s Write oder Oxyd-Magnum verkaufte. Neben den diversen hauseigenen Buchtiteln konnte man hier auch die neueste Ausgabe der ST-Computer erwerben, die erstmals mit der MacOPEN, dem „Heft im Heft" für Macintosh-An-wender, ausgestattet war.

Live-Bühne

Heutzutage gibt es kaum eine Messe, bei der nicht eine Live-Bühne aufgebaut ist, um Multimediaanwendungen oder sonstige Präsentationen zu veranstalten. Zudem sorgte eine Live-Band zwischen den einzelnen fachlichen Veranstaltungen für die akustische Untermalung. Auf der Messe ebenfalls vertreten war Peter Gebhardt, seines Zeichens Technology Marketing Manager bei Apple Europe. Er erläuterte dem wißbegierigen Publikum Strategien und Technologien von Apple, ebenfalls auch mit Blick auf die Zukunft des MacOS-Betriebssystems. Abwechselnd mit den Fachvorträgen wurden ferner die Möglichkeiten des Harddiskrecordings mit Logic Audio 2.5 von Emagic vorgeführt.

Und sonst?

Wie bereits eingangs erwähnt, wurde die combit 1995 in Kassel von den ATARI-Ausstellern dominiert. Hier zeigte sich auch wieder, daß es derzeit der richtige Weg ist, auf kleinen regionalen Messen die Leistungsfähigkeit von ATARI-Produkten zu demonstrieren, ist doch nur so durch die regionale Nähe eine effektive Kundenansprache gewährleistet.

RW/CM



Aus: ST-Computer 06 / 1995, Seite 105

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