Magnum ST - 15 MB-RAM für jedermann

In jüngster Zeit ist kaum neue Hardware für ATARI-Rechner erschienen. Auch das Multiboard hat die Erwartungen aufgrund seiner Unstabilität leider nicht erfüllen können. Alle Hoffnungen ruhen nun auf einer Entwicklung, die es ermöglicht, jeden ATARI ST auf bis zu 15MB-RAM zu erweitern.

Heutige Softwareanwendungen machen aber optimierte Hardwarevoraussetzungen für die tägliche Arbeit nahezu unverzichtbar. Wer sich z.B. ein wenig dem Thema Satz- & Layout oder Bildbearbeitung widmen möchte, stößt mit dem bisherigen Maximum von 4 MB RAM-Speicher schnell an seine Grenzen. Rechtzeitig zum Redaktionsschluss erreichte uns die neue Magnum RAM ST-Karte für alle ATARI-ST-Rechner (Die Karte ist geeignet für 260ST, 520ST, 1040ST (STF, STFM) und Mega ST (1, 2 und 4)), die das Aufrüsten auf bis zu 15 MB-RAM ermöglicht. Wir haben einen unserer Redaktions-Rechner "geopfert", um einerseits einen Funktionstest durchzuführen und andererseits den Einbau für Sie zu dokumentieren.

Grundsätzliches

Die Magnum ST-RAM-Karte ist eine Speichererweiterung, mit der Sie zusätzlich Ihren ATARI auf die aktuelle TOS 2.06-Version aufrüsten. Produziert wurde diese Karte von Uwe Schneider, der schon bei diversen Hardwareprodukten der Firma Catch-Computer aktiv mitgewirkt hat und diese Karte nun in Zusammenarbeit mit bzw. im Auftrag von Software Service Siedel entwickelte. Die etwa 12 x 7 cm große Platine wird mit einem PS/2 Simm Arbeitsspeichermodul bestückt. Die Magnum ST wird in einen 64poligen Sockel gesteckt, welcher direkt auf den 68000-Prozessor (CPU) aufgelötet wird. Die Karte kann wahlweise mit einem 4MB-, 8MB- oder auch 16MB-Modul bestückt werden, wobei der Speicher stets zu dem bereits vorhandenen RAM-Speicher als Fast-RAM addiert wird. Für den Fall, dass die CPU bereits gesockelt ist, kann der Einbau binnen weniger Minuten erfolgen, da es dann nur einen einzigen Lötpunkt zu befestigen gilt. Bei unserem Rechner war die CPU, wie nicht anders zu erwarten, nicht gesockelt.

Der Einbau

Als Testrechner diente uns ein Mega ST mit zwei MB RAM. Zunächst galt es, den Rechner auseinander zu nehmen. Hierbei überrascht ATARI doch immer wieder mit der Fähigkeit, das Innere seiner Computer mit einer riesigen Anzahl Schrauben und Blechlaschen zu versehen, um so vor unqualifizierten Eingriffen zu schützen.
Wie dem auch sei, nach einigen Minuten lag das entblößte Board vor uns und war bereit, sich einer wichtigen Operation auszusetzen.
Die Magnum ST-Karte wird auf den Prozessor 68000 gebaut. Dieser Chip liegt beim Mega ST etwa in der Mitte der linken Rechnerhälfte und ist aufgrund seiner Maße nicht zu übersehen. Er ist nämlich der mit Abstand größte Chip auf der ATARI-Platine.
In unserem Fall war als erstes eine kleine Zusatzplatine zu entfernen, die beim Mega ST werkseitig von ATARI auf der CPU befestigt wurde. Bei anderen Rechnern der ST Serie ist diese Platine nicht vorhanden.

Nachdem der Rechner für unsere Zwecke korrekt präpariert

war, konnten wir mit der aufwendigsten Arbeit, dem Anlöten des mitgelieferten Sockels beginnen. Hierbei war eine knappe halbe Stunde höchste Konzentration gefordert, da jedes einzelne Beinchen des Sockels mit dem Pendant der CPU verbunden verbunden werden musste.
Anschließend entfernten wir die alten, gesockelten TOS-Bausteine. Wenn man keine Chip-Zange hat, kann man diese auch mit einem flachen Schraubenzieher vorsichtig heraushebeln. Eine neue TOS-Version ist notwendig, da ältere Versionen einen über 4 MB Standard-Speicher hinausgehenden Erweiterungsspeicher nicht nutzen können.

Ein kleiner Tip

Sollten Sie selbst einen Rechner besitzen, der bereits über ein TOS 2.06 verfügt, z.B. durch die bekannte TOS 2.06 Card, ist das Betriebssystem nicht zu entfernen. Hier muss lediglich ein Jumper auf der Magnum ST auf die Position "disable TOS" gesteckt werden - damit wird der TOS-Steckplatz auf der Magnum ST abgeschaltet.

Damit das neue TOS 2.06 bei unserem Rechern auch korrekt angesteuert werden kann, mussten wir noch eine Leitung, ausgehend von der Karte, mit PIN 19 des Glue verbinden. Bei den meisten Rechnern ist dieser Pin ein Lötpunkt, der auf der Platine gut erreichbar ist. Wo er sich genau befindet, kann man der Anleitung entnehmen. Nach gut 45 Minuten war das Werk vollbracht: Ein alter Mega ST mit 2 MB-RAM wurde um acht weitere MB erweitert. Nach dem ersten Start erwartete uns das Einschaltbild des "neuen" TOS 2.06 gefolgt von einem Speichertest. Damit die Karte richtig funktioniert, muss noch eine Treibersoftware in den Autoordner kopiert werden. Damit ACCs und Autoordner-Programme optimal im Speicher installiert werden können, sollte dieser Treiber als erstes Programm des Auto-Ordners ausgeführt werden. Nach erneutem Start konnten wir auf den vollen Arbeitsspeicher von 10 MB zugreifen. Die von uns auf dem Rechner installierten Programme verrichten bislang problemlos ihren Dienst. Calamus erkennt den erweiterten Speicher als Fast-RAM und MagiC kommt im Gegensatz zum Multiboard ebenfalls hervorragend mit der Erweiterung klar. Alternativ zu dem 8 MByte-Modul kann man auch ein 16 MByte-Modul in die Karte einsetzen. von diesen 16 MByte können jedoch nur 10 MByte als normaler Speicher und 1 MByte als zusätzliches Upper-Memory verwendet werden. Bei unserem 2 MByte Rechner ergäbe das eine Speichermenge von insgesamt 12+1 MByte.

Tabelle 1 - Speicherverwaltung
Ihr ATARI hat jetzt 1 MByte:
Magnum ST mit 4 MB 8 MB 16 MB
gesamter Speicher 5 MB 9 MB 11/14 ** + 1* MB
       
Ihr ATARI hat jetzt 2 MByte:
Magnum ST mit 4 MB 8 MB 16 MB
gesamter Speicher 6 MB 10 MB 12 + 1* MB
       
Ihr ATARI hat jetzt 4 MByte:
Magnum ST mit 4 MB 8 MB 16 MB
gesamter Speicher 8 MB 12 MB 14 +1* MB
       
  * 1 MByte Upper Memory
Angaben ohne Gewähr ** 14 MByte bei 1 MByte-Rechnern

Zukunft

Diese Magnum ST ist leider noch nicht für STE-Rechner (1040 STE und Mega STE) zu verwenden. Eine von vielen Lesern an den Vertrieb weitergereichte

Frage lässt uns jedoch hoffen, dass auch diese Baureihe

der ATARI-Computer bald entsprechend aufgerüstet werden kann.

Andere Erweiterungen

Neben den Stecksockeln für die TOS-2.06-Bausteine befindet sich auf der Karte ein durchgeschleifter Prozessor-Sockel. Hier können problemlos zusätzliche Erweiterungen wie z.B. PC-Emulatoren (AT-Speed ...) oder Beschleuniger (z.B. HBS640, PAC030 etc.), die bisher auf den Prozessor gelötet werden mussten, eingesteckt werden.

Fazit

Ein Kritikpunkt soll hier aber nicht verschwiegen werden: Auch wenn die Karte (verglichen mit anderen Hardware-Erweiterungen) für uns durchaus einfach einzubauen war, ist die Einbauanleitung für den Laien, der die Hardware des ATARI nicht kennt, zu knapp ausgefallen. Hier sollte der Rat eines erfahrenen ATARIaners oder einer Fachwerkstatt hinzugezogen werden. Mit der Magnum ST wird ein Hauptproblem der bewährten ATARI-Rechner gelöst: die bisherige Speichergrenze von 4 MByte.
Mit nun bis zu 15 MByte RAM ist der ATARI auch wieder für aufwendige Aufgaben fit, zumal die Magnum ST auf Anhieb funktionierte und ihren Dienst nun reibungslos verrichtet.
Besonders erfreut uns der Ausblick auf zukünftige Erweiterungen. Über die derzeit geplanten Erweiterungen wollte man uns jedoch leider noch keine Auskunft geben. Es wäre aber denkbar, dass z.B. an einer neuen PC-Emulationskarte mit einem 486er-Chip oder auch an einem modernen Beschleuniger gearbeitet wird.

Preise:

229 DMLeerkarte ohne RAM

298 DMinkl. 8 MByte RAM 348 DMinkl. 8 MByte RAM + TOS 2.06 369 DMinkl. 16 MByte RAM 419 DMinkl. 16 MByte RAM + TOS 2.06

Bezugsquelle:

Software Service Seidel

Heikendorfer Weg 43

24149 Kiel

Red.

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