Startrack - Harddiskrecording über VME-Busse

Bisher konnte man nur mit dem Falcon richtig gut Musik machen, die anderen Rechner wie der TT und insbesondere die schnellen Medusa- und Hades-Systeme blieben ausgeschlossen, obwohl gerade diese sich durch die höhere Rechenleistung für solche rechenintensiven Musikanwendungen anbieten.

Foto 1 - Startrack Soundkarte

Die Startrack Soundkarte

Damit ist endlich Schluss, mit Startrack ist nun gerade dies möglich

geworden!

Harte Ware

Es handelt sich hierbei um eine harddiskrecordingfähige

Soundkarte für den VME-Bus. Diese Soundkarte ist keine Adaption einer PC-Blasterkarte, sondern eine komplette Neuentwicklung (Foto 1), die weit über die Möglichkeiten anderer Soundkarten hinausgeht und in dieser Art nicht einmal auf dem wesentlich größeren PC-Markt zu finden ist. Die Entwicklung dieser Soundkarte begann vor über 2 Jahren. Damals experimentierte der Entwickler noch mit den verschiedenen WandlerChips herum, bis er sich für den hochwertigen A/D- und D/A-Wandler der Firma Chrystal entschied. Dieser Wandler ist maßgeblich für den hochwertigen Klang der Soundkarte verantwortlich. Dadruch braucht die Soundkarte den Vergleich mit guten DAT-Recordern auch nicht zu scheuen. Die aufwendige 4-Layer-Platine mit eigenen, gefilterten Stromversorgungen für Digitalteil, A/D- und D/A-Wandler und die strikte räumliche und elektrische Trennung von Analog- und Digitalteil tragen ihr übriges zum guten Klang bei.

Für den Anschluß wurden Cinch-Anschlüsse

verwendet und glücklicherweise nicht diese wackelkontaktfreudigen Miniklinken vieler anderer Soundkarten oder z.B. des ATARI-Falcon. Vor den A/D-Wandler ist noch ein digitaler steuerbarer Lautstärke-Controller geschaltet, der den Pegel abschwächen oder verstärken kann. Er arbeitet in 256 Stufen im Bereich von -96 bis +32 dB und hat eine hervorragende Qualität. Rauschen braucht man hierbei nicht zu befürchten. Dasselbe gibt es nochmals hinter den D/A-Wandler, um den Ausgangspegel anpassen zu können. Der Vorteil dieser Methode ist, dass die volle 16-Bit-Auflösung der Wandler erhalten bleibt. Macht man diese Ausgangs-Lautstärkekorrektur auf digitalem Wege, bleiben prinzipbedingt einige Bits auf der Strecke.

Außer den A/D- und D/A-Wandlern befinden

sich noch je zwei digitale SP/DIF-Anschlüsse (Eingang und Ausgang jeweils mit optischem TOSLINK und Cinch-Anschluß) auf der Soundkarte. Die Cinch-Anschlüsse sind dabei mit Übertragern entkoppelt, um Brummschleifen und Störeinstreuungen zu vermeiden. Hiermit lässt sich Musik zwischen Digitalgeräten (CD, DAT) und Soundkarte digital (und damit verlustfrei) kopieren.

Der DSP

Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, kann man

die Soundkarte über einen Erweiterungssteckplatz mit einem Falcon-kompatiblen DSP (Motorola 56002) erweitern. Und diese DSP-Karte wurde jetzt noch einmal kräftig überarbeitet, um sie kompatibler zum Falcon zu machen.

Bisher basierte der Prototyp der DSP-Karte auf

einem Motorola DSP56001, das Serienmodell wird aber voraussichtlich mit einem DSP56002 arbeiten. Dieser ist kompatibel zum Vorgänger, aber bis zu 80 MHz Taktrate lieferbar. Außerdem hat dieser einen Debug-Port (ONCE), der mit einem geeigneten PC-Programm direkten Zugriff auf die DSP-Register bietet. Sicherlich ein wichtiges Feature für DSP-Programmentwickler. DSP-Programme lassen sich damit direkt im Zusammenspiel mit der Soundkarte testen.

Die DSP-Karte hat wie im Falcon 32KBx24Bit Speicher,

ist aber erweiterbar bis auf 128KBx24Bit, also das 4fache (z.B. für besonders lange Echo-Effekte). Die hier angesprochene Soundkarte wird zum Erscheinungstermin dieser Ausgabe noch nicht lieferbar sein, da der Entwickler vor der offiziellen Veröffentlichung sicherstellen möchte, dass die geänderte DSP-Karte auch zuverlässig mit der Soundkarte arbeitet. Hierzu bedarf es noch einiger Test.

8 Kanäle wie im Falcon

Bisher handelte es sich um eine reine 2-Kanal-Soundkarte. Das liegt daran, dass die Falcon DMA-Matrix bei 8-Spur-Betrieb ein

für die üblichen HIFI-Wandler völlig unverständliches

Datenformat benutzt (128Bit seriell = 8 Kanäle mit je 16 Bits). Lediglich die CODECS, wie sie im Falcon Verwendung finden, können damit etwas anfangen. Da die Qualität der CODECS aus Sicht der Entwickler aber zu schlecht ist, sah es lange Zeit so aus, als ob es keine Lösung für dieses Problem gäbe. Glücklicherweise wurde das Problem inzwischen durch einen Formatwandler auf der DSP-Karte gelöst. Die Karte beherrscht nun (in Verbindung mit der DSP-Karte) den 8-Kanal-Modus. Der DSP bekommt dann anstatt der bisher 2 Kanäle nun 8 Kanäle an die serielle SSi-Schnittstelle des DSP geliefert. Der DSP kann dann wie im Falcon die Spuren getrennt mit Effekten versehen und diese dann auf 2 Kanäle mischen. Auch kann man nun (wie im Falcon) einen Stereokanal zur Wiedergabe über den D/A-Wandler (und SP/DIF-Ausgang) auswählen.

Der DSP-Port

Ein weiteres neues Feature ist, dass die Karte nun einen Falcon-kompatiblen DSP-Port erhalten hat. Über diesen kann man in Zukunft 8 analoge Einzelausgänge (z.B. mit Analog8 von SoundPool, Anpassung in Arbeit) realisieren oder ein ADAT-Interface anschließen. Diese nachträgliche Erweiterung  um ein weiteres Datenformat ist außerdem ein schönes Beispiel für die Flexibilität der Soundkartenhardware durch reprogrammierbare Logik-Chips, wodurch sich die Soundkarte zukünftigen Entwicklungen anpassen lässt. Der Erweiterungsplatz ist hinsichtlich des DSP sehr flexibel, da hier auch andere DSP-Chips mit noch mehr Leistung denkbar wären. Beispielsweise gibt es neuerdings einen SHARC-DSP von Analog Devices mit einer Rechenleistung von unglaublichen 120 MFLOPS (millionen Fließkommaberechnungen pro Sekunde) und der Fähigkeit, einen kompletten Synthesizer mit allen möglichen Syntheseformen zu ersetzen ... Solche und ähnliche Entwicklungen lassen insbesondere aufgrund der Tatsache, dass der ATARI nach wie vor ein sehr beliebter Musikrechner ist, positiv in die Zukunft blicken.

Die Profianschlüsse

Schließlich gibt es eine Erweiterungskarte mit studioüblichen XLR-Anschlüssen und höheren Lautstärkepegeln für die Analoganschlüsse und AES/EBU-Digitalanschlüsse, ebenfalls in XLR-Norm.

Falcon-kompatibel

Die Karte ist, dank der Verstümmelung des VME-Bus durch ATARI, nicht DMA-fähig. Daher funktioniert die Soundkarten-Hardware etwas anders als im Falcon. Die Soundkarte hat hierfür einen interruptgesteuerten und sehr schnellen, gepufferten Datentransfer-Mechanismus, der die DMA-Matrix des Falcon emuliert. Zusätzlich gibt es einen Falcon-kompatiblen XBIOS-Treiber, der sozusagen alle Falcon-Funktionen auf Betriebssystemebene emuliert. Die Softwareseite merkt dadurch nichts von dem hardwarebedingten Unterschied zum Falcon, natürlich nur solange auch Betriebssystem-Funktionen benutzt werden. Da das Falcon-XBIOS aber nicht alle Features der Soundkarte auszunutzen vermag, gibt es zusätzliche XBIOS-Funktionen hierfür. Es sind verschiedene Library-Routinen, in die das XBIOS integriert wurde, so z.B. für das Mischen und Abspielen von 8 Spuren per XBIOS-Aufruf.

Softe Ware

Da die Karte durch die o.g. Aspekte fast einhundertprozentig Falcon-kompatibel wird, sollte eine Anpassung bekannter Sequenzerprogramme wie Cubase-Audio, Emagic Logic-Audio usw. relativ einfach möglich sein. Auch die Entwickler SoundPool werden nach eigenen Angaben voraussichtlich ihre Programme anpassen.

Als Anwender und Besitzer dieser Karte ist man

aber nicht allein auf Fremdprogramme angewiesen, da ein eigener Editor für die Startrack-Soundkarte entwickelt wurde und der Karte kostenlos beiliegt. Diese Software ist derzeit noch in Entwicklung. Dennoch möchten wir einmal einen kurzen Einblick geben.

Foto 2 - Startrack Software

Screenshot 1 - Startrack Software

Das Programm steuert sämtliche Funktionen

der Soundkarte und ist gleichzeitig ein Sample-Editor mit einigen interessanten Features. Dabei wurde besonderes Augenmerk auf die gute Bedienbarkeit (WYSIWYG, Drag & Drop) gelegt. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass in puncto Optik noch einige Veränderungen bis zur offiziellen Erscheinung der Karte vorgenommen werden.

Die Soundkarte arbeitet auch ohne DSP-Karte schon

sehr gut und kann mit dem Startrack-Editor und einem schnellen Rechner (z.B. Hades) bisher maximal 16 Spuren mischen und abspielen. Hier ist aber noch mehr möglich, da die Harddisk-Routinen noch nicht optimiert wurden.

Die Soundkarte arbeitet übrigens auch problemlos

mit IDE-Platten zusammen. Für die langsamen Rechner (TT) empfiehlt sich aber auf jeden Fall die optionale DSP-Karte. Diese wird bei Vorhandensein automatisch eingebunden und genutzt. Verschiedene DSP-Effekte wie Echo, Hall, Chorus, Flanger usw. sind bereits vorhanden. Mit dem Soundeditor kann man auf bis zu 99 Spuren komplette Songs arrangieren.

Die Bearbeitung der Samples erfolgt hier nur

nicht-destruktiv, also ohne Veränderung der eigentlichen Sounddaten. Die Bearbeitung der Sounddaten erfolgt wahlweise aber auch destruktiv (Foto 3) direkt auf die Samples, z.B. um überflüssige Samplestücke zu entfernen, Samplerate-Konvertierung usw. Die Tracker läuft ab einer Auflösung von 640x400 monochrom, richtiger Spaß kommt aber erst in Farbe ab 1024x768 auf.

Foto 3 - Startrack Software

Screenshot 2 - Startrack Software

Soundkarte(n) und Grafikkarte

Falls der VME-Bus schon durch eine Grafikkarte belegt

ist, braucht man deshalb nicht auf die Soundkarte zu verzichten. Dafür gibt es Steckplatz-Erweiterungen auf 2-9 Steckplätze. Bei der Medusa und dem Hades ist das kein Problem, da diese zumeist in Tower-Gehäusen mit ausreichend Platz gesegnet sind. Ansonsten sollte man bei Eigenbedarf den Rechner besser in ein Towergehäuse einbauen.

Foto 4 - Die Karte wird in einen der Festplatteneinschübe montiert

Die Karte wird in einen der Festplatteneinschübe

montiert

Man kann die Soundkarte auch in einem 5 1/4-Zoll-Einschub bekommen. Dadurch wird der Einbau unkompliziert (einschieben, festschrauben, VME-Kabel verbinden, fertig) und man erreicht alle Anschlüsse von vorne (siehe Fotos 4 und 5). Dies ein oft gewünschtes Feature von Musikschaffenden, die keine Lust haben, andauernd hinter ihren Computer krabbeln zu müsse, um wieder ein Kabel umzustecken.

Foto 5 - So kann die modifizierte Frontseite eines Hades aussehen So kann die modifizierte Frontseite eines Hades aussehen

Ach ja, fast hätte ich noch etwas vergessen: Man kann mehrere Soundkarten parallel betreiben. Dafür werden die Soundkarten in ein 19-Zoll-Gehäuse mit mehreren VME-Steckplätzen eingebaut und extern mit einem VME-Bus verbunden. Mit 4 Soundkarten hat man dann 8 analoge Ein- und Ausgänge und zusätzlich noch jede Menge Digitalanschlüsse. Das ist aber (auch preislich) eher für den Profi interessant.

Zum Preis konnte ich leider auch noch nichts

konkretes herausfinden, er wird aber voraussichtlich zwischen 1300,- und 1500 DMliegen. Für ein Produkt dieser Klasse sicherlich angemessen.

Ausblick

Im zweiten Teil des Berichts (in der nächsten

Ausgabe) werde ich mich dann näher zur Startrack-Software auslassen.

Red.

Infos:

Stephan Wilhelm

Niehle Str. 312

50735 Köln

oder bei

MW-Electronik, Königswinter


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