Archer MacLean »Von Karate verstehe ich nicht viel«

center Klar, daß der Programmierer eines Karate-Spiels diesen Kampfsport nicht nur auf Bit-Ebene beherrscht - möchte man glauben. Doch Archer MacLean, Vater von »International Karate Plus«, meint dazu: »Ich muß kein Karate-Experte sein, um ein gutes Karate-Spiel zu schreiben. Ein Spiel muß Spaß machen, darf nie langweilig werden und muß vor allem gut spielbar sein - das ist es, was ich beherrschen muß.« Dieser Grundsatz des 27 Jahre alten Spiele-Profis aus Nottinghamshire in Großbritannien basiert auf vielen Jahren Computererfahrung. Die ersten Schritte wagte Archer auf einem Z80-Selbstbau-Computer, dem ein Atari 800 folgte. Nach unzähligen mit »Star Raiders« und »Defender« durchspielten Nächten stand sein Entschluß fest: Er wollte selbst Spielprogramme entwickeln. Gedacht, getan - »Drop Zone« hieß sein erstes Werk, gefolgt von vielen weiteren Spielen und Umsetzungen. Sein Computer-Fuhrpark ist entsprechend stattlich: Zwei 8-Bit-Ataris, etliche Commodore 64, ein Schneider CPC und ein Sinclair ZX-Spectrum, ein Sharp-Pocket-Computer sowie einige PCs, ATs, Amigas und Atari STs tummeln sich mittlerweile dort.

Sein Favorit ist derzeit eindeutig der ST. »Er ist schnell und zuverlässig.« Lediglich bessere Sound- und Grafikchips (mit Hardware-Softscrolling) sollte er bekommen, wie die guten alten 8 -Bitter von Atari, von denen Archer immer noch schwärmt. Der Amiga schneidet in diesen Punkten zwar besser ab, doch ist er noch zu teuer. Und das Betriebssystem - »Oh god!« war Archers einziger Kommentar dazu. Dennoch: Zu diesen beiden Computern sieht er derzeit noch keine Alternative.

Von den heutigen Spielekonsolen ist er auch nicht begeistert. Nintendo ist seiner Meinung nach veraltet und Sega noch nicht verbreitet genug.

Unbekannter Hintermann

International Karate Plus, kurz »IK + «, ist die aufwendige Umsetzung und Verbesserung eines Spieleklassikers: Vor allem Commodore 64-Besitzer kennen »International Karate I«, das Archer vor zwei Jahren entwickelte. Wie der Vorgänger ist auch IK+ komplett in Assembler programmiert: »Ich würde niemals etwas anderes nehmen.« Welchen ST-Assembler er bevorzugt? »Gar keinen. Ich schreibe meine Spiele mit einem 500 Pfund teuren Entwicklungspaket, das auf einem 25-MHz-AT mit 80386-Prozessor läuft. Den 800 KByte großen Quellcode von IK+ übersetzt das 'Programmers Development System' trotz einiger Includes in nur 7 Sekunden in 350 KByte lauffähigen Code, der sodann blitzschnell über ein Parallelkabel zum ST oder Amiga gelangt.« Das Betriebssystem meidet er normalerweise vollkommen. »Dadurch dauerte die Umsetzung der ST-Version von IK +, in der sechs Monate Entwicklungszeit stecken, auf den Amiga nur rund sechs Tage... «

Mit dem ST selbst hat er die unzähligen Soundeffekte in IK+ (teils selbstgemacht, teils aus Filmen) digitalisiert und mit »Neochrome« die HintergrundGrafiken sowie die animierten Spieler und Objekte gemalt. Nur die Musik stammt nicht von ihm, sondern von Dave Lowe, der auch den Starglider »Soundtrack« komponierte.

Einzelkämpfer gegen Teamchef

Apropos Starglider: Von Teamarbeit nach dem Beispiel der achtköpfigen Argonaut-Software-Crew unter Leitung von Jez San hält Archer nicht viel: »Jez kommt gar nicht mehr selbst zum Programmieren, sondern versucht ständig die Arbeit seiner Leute zu koordinieren. Wenn ich ein Programm schreibe, kenne ich jedes Bit davon und finde Fehler viel schneller. Ein Bekannter von mir, "Elite"- Autor David Braben, ist übrigens auch dieser Ansicht.«

David und Archer haben nicht nur gelegentlich die gleiche Meinung, sondern fahren auch das gleiche Auto - einen Audi Quattro Turbo. Warum nicht gleich einen Porsche? »Den hatte ich vorher«, so Archer, der leidenschaftlich gern schnelle deutsche Automobile fährt. Auch Reisen gehören neben vielen Sportarten zu seinen Freizeitbeschäftigungen, ob mit dem Auto in die Schweiz zum Skifahren oder mal kurz auf einen Sprung nach Hongkong. Der längste Sprung hat schon mal ein Jahr gedauert - kommen daher vielleicht die Karate-Inspirationen?

Obwohl er mit seiner Freundin noch ein kleines Pullover-Geschäft nebenher betreibt, ist seine Hauptbeschäftigung das Programmieren. Einen anderen Job würde er sich nur suchen, wenn die Raubkopierer-Szene in England genauso schlimm würde, wie sie in Deutschland ist. »Hier in England muß man nur aufpassen, daß einen der Verleger nicht über's Ohr haut.« Allerdings kann er sich nicht vorstellen, mit 45 noch Spiele zu schreiben. »Vielleicht entwickle ich dann Anwendersoftware oder gut spielbare Simulationen - die Simulationsprogramme - aus Amerika finde ich alle sehr statisch und langweilig.« Eventuell einmal einen Flugsimulator? »Die sind sehr schwer zu programmieren, wenn sie schnell und zudem optisch ansprechend sein sollen.«

Was wird sein nächstes Projekt für den ST? »Ich darf noch nichts Genaueres verraten. Aber es ist keine Umsetzung und geht in Richtung Simulation in 3D, mit gefüllten Flächen und so ... «. Wir warten mit Spannung auf sein nächstes Spiel.

Toni Schwaiger
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