ST-Podium — Das Podium für Ihre Diskussionsbeiträge

Liebe Leserin, lieber Leser

Das ST-Magazin feiert Geburtstag. Genau vor einem Jahr stellten wir Ihnen das neue Fachmagazin vor, das Fachmagazin für alle, die Computer der ST-Serie besitzen oder sich für diese Computer interessieren.

Wir nehmen dieses Jubiläum zum Anlaß, unser Konzept wieder einmal zu überdenken und noch mehr an Ihren Wünschen auszurichten. In diesem Zusammenhang bedanken wir uns herzlich für Ihre zahlreichen überlegenswerten Anregungen.

Eine Veränderung betrifft das ST-Podium: Inzwischen erhalten wir so viele Zuschriften, daß zwei Seiten nicht mehr ausreichen, um angemessen auf sie einzugehen. Deshalb haben wir beschlossen, das ST-Podium in zwei Themenkreise aufzuteilen.

Auf den »Erste Hilfe«-Seiten in der Rubrik »Training« betreut Thomas Bosch in bewährter Weise Ihre Fragen. Dort hilft er Ihnen bei Problemen mit dem ST, mit fertigen Programmen, mit Programmiersprachen oder Zusatzgeräten.

Im ST-Podium dagegen ist Ihre Meinung gefragt: Hier ist Platz für Ihre Kritik oder Ihre Zustimmung — zum ST, zum ST-Magazin oder allgemein zu Computer-Themen. Das ST-Podium ist die Diskussionsrunde von Ihnen und für Sie, liebe Leserinnen und Leser.

In dieser Ausgabe stellen wir einige Ideen vor, die helfen, mit dem ST Geld zu verdienen. Uns interessiert, welche Erfahrungen Sie in diesem Bereich gemacht haben.

Haben Sie schon einmal selbst mit dem ST gejobt oder kennen Sie jemanden, der den ST als Verdienstquelle nutzt?

Der zweite Punkt betrifft die Programmiersprachen. Wir möchten wissen, welche Sprache Sie wirklich verwenden. Erzielen Sie an den Basic-Stränden zufriedenstellende Programmierergebnisse? Halten Sie die Erforschung der Assembler-Grotten für notwendig? Vermissen Sie vielleicht noch eine Sprache in der Welt der ST-Programmierer? Wie gefällt Ihnen übrigens unsere Bildungsreise? Was halten Sie davon. Computerwissen unterhaltsam zu verpacken?

Unser Schwerpunkt »MIDI« in der Dezember-Ausgabe ist auf unterschiedliches Echo gestoßen. Kernpunkt der Diskussion: Wie weit ist Computermusik ein Thema fürs ST-Magazin? Zwei Zuschriften, die das ganze Spektrum der unterschiedlichen Meinungen repräsentieren, stellen wir hier vor.

In bedenkenswerten Briefen bringen zwei Leserinnen ihre Meinung zum Thema »Frauen, Männer und Computer« zum Ausdruck. Herzlichen Dank für diese engagierten Zuschriften! Sabine Kuffner, unsere Chefin vom Dienst, nimmt zu diesen Briefen Stellung.

Dank dieser Beiträge geht das ST-Podium so in die erste Diskussionsrunde, wie ich es mir auch künftig vorstelle: sachlich, kontrovers und engagiert.

Paul Sieß, Redakteur

Kulant

Da im Januar 1988 im Raum Hannover-Braunschweig alle 1040 STF vergriffen waren, bestellte und erhielt ich in kurzer Zeit ordnungsgemäß vom Computer-Versand-Wittich meinen 1040 STF und SM124. Innerhalb der letzten zwei Wochen der Garantiezeit zeigte nach dem Einschalten der Anlage der Monitor am oberen Rand des Bildfensters ein leichtes Zucken. Pünktlich mit Ablauf der Garantie verstärkten sich die Anzeichen und betrafen bald den ganzen Bildschirm in der Form, daß das Bild erst nach 10 bis 15 Minuten synchronisierte. Messungen und die Anwendung von Kältespray ergaben, der Chip »GLUE« hat einen Temperaturfehler — intern —, kalte Lötstellen etc. waren sicher auszuschließen.

Ich wandte mich an Atari-Deutschland und erfuhr, daß die Garantieabwicklung an die autorisierten Atari-Vertragshändler weitergegeben ist und diese somit auch ausschließlich Ansprechpartner für die Garantieansprüche seien — und der Computer-Versand-Wittich sei keiner. Angesprochene Vertragshändler erklärten: »Garantiezeit verstrichen? — Sorry — da ist nichts drin, Reparatur kostet — je nach Arbeitsaufwand, 120 bis 170 Mark.« Ich fühlte mich ganz schön ge-glue-ed (glue bedeutet Leim).

Ich wandte mich telefonisch an meinen nichtautorisierten Händler und schilderte ihm das Problem. Herrn Wittichs Reaktion: Wenn Sie sich Zutrauen, den Chip zu wechseln, löten Sie ihn aus, schicken ihn mir runter und Sie bekommen von mir kostenlosen Ersatz. Er versprach und hielt es. Ihm sei an dieser Stelle für seine Kulanz gedankt.

Seit dem nicht ganz einfachen, weil SMD, (Surface mounted device, d. h. IC zur Oberflächenmontage, Anm. d. Red.) Einlöten des neuen »GLUE« läuft mein 1040 einwandfrei.

Man kann nur wiederholen, stellt Euch aufs Podium und gebt Eurem Ärgernis Ausdruck. Es sei aber auch gesagt, daß ich mit den Leistungen des 1040 STF ansonsten durchaus zufrieden bin, sonst hätte ich mich auch nicht dafür entschieden.

Dieter P., Peine

Musik in Maßen

Das ST-Magazin ist eine Computerzeitschrift. Nicht umsonst nennt man es auch eine Fachzeitschrift. Wenn ich mich folglich ausführlicher über Keyboards, teure und nur für Musikprofis interessante Spezialsoftware informieren möchte, würde ich eher zu einer Musikfachzeitschrift greifen.

Selbstverständlich ist ein Überblick über diese Branche dann und wann recht informativ, doch die Absicht, detaillierter informieren zu wollen, sollten Sie den darauf spezialisierten Medien überlassen. Wenn es Ihnen dennoch ein unwiderstehliches Bedürfnis ist, Computerinteressierte darüber zu informieren, so sollten Sie es bei einem Sonderheft belassen, das eben für solche Sonderinteressen gedacht ist.

Als Thema dieser Zeitschrift sehe ich Software an erster Stelle, nachdem man sich schon einer Hardware verpflichtet hat. Der Peripheriemarkt bedarf ständig kritischer Beurteilung.

B. Müller, München

Geballte Ladung MIDI

Das Heft mit dem MIDI-Schwerpunkt war das beste je erschienene Heft Ihres Magazins.

Das Thema MIDI dürften Sie ruhig öfter behandeln, endlich einmal Abwechslung vom Einheitsbrei à la: »Wie zaubere ich zwei Pixel mehr auf meinen Bildschirm« oder »vierdimensionale Grafik eindimensional durch Verbindung von Atari ST und Cray dargestellt«. So ein Heft habe ich schon lange vermißt. Laßt doch die MIDI-Ecke eine Dauereinrichtung werden, oder bringt auch mal geballte Ladungen in einem Sonderheft. Das wär’s für heute.

Rüdiger B., Kaufbeuren

Amiga und April

Vor einiger Zeit habe ich mir einen Haufen Public Domain-Software zugelegt, unter anderem einen Amiga-Emulator von Metacomco. Damals hatte ich noch einen 1040er, und der Emulator lief natürlich nicht. Heute aber habe ich einen Mega ST 2 und somit den benötigten Blitter, des weiteren habe ich ein Zweitlaufwerk 5% Zoll. Außerdem habe ich auch noch ein Original-Kickstart V1.1 und eine Original-Workbench, aber der Emulator mag nicht, gibt lediglich »Wrong System Configuration« aus, was ist los?

Sollten Sie meine Frage nicht beantworten können, so bitte ich Sie, mir die Adresse von Metacomco zu schicken.

Henning W., Geesthacht

Leider sind Sie einem »Aprilscherz« aufgesessen. Doch fühlen Sie sich nicht allein : Als wir vor längerer Zeit diesen Amiga-Emulator erhielten, vertrauten wir auch zuerst darauf, daß er mit dem Blitter läuft. Da auch der Blitter keinen Erfolg brachte, reassemblierten wir das Wunderwerk der Programmierkunst und fanden nur »lauter Müll« (Originalzitat des Redakteurs). Das Programm kann nichts anderes, als diese eine Meldung ausgeben. Metacomco hat mit der Angelegenheit übrigens nichts zu tun. Der ehemalige Chefentwickler von Metacomco, Dr. Tim King, entwickelte das Amiga-DOS. Die Witzbolde bezogen sich wohl auf Metacomco, um ihrem Spaß mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen.

(ps)

Leserinnenbrief

... Da ist der Leser, der Freak, geradezu verliebt in die Technik und das Allerneueste vom Neuen. Das ist nicht unbedingt zugeschnitten auf jene, die mit ihrem Rechner wirklich »nur« arbeiten möchten, und dies mag ja bei Frauen doch öfter der Fall sein. Dennoch, unter »Frauen und ST« finde ich da tatsächlich einen Leserinnenbrief, und er mutet in einem männlich geprägten Umfeld geradezu exotisch an. Da möchte ich auch über meine Erfahrungen mit der Computerei und dem Atari berichten.

Unter dem mitleidigen Lächeln der Kollegen kam schließlich der 1040 ST ins Haus. Mit einem Programm für unter 200 Mark (Star-Writer ST 1), das in vieler Hinsicht wesentlich mehr kann als die ganzen 1500-Mark-Profi-Textpakte: die Proportionalschrift des Matrixdruckers wirklich voll im WYSIWYG beherrschen, zum Beispiel. Und alles mit einer Benutzeroberfläche, die einfach »stimmt«.

Wenn eine meiner Kolleginnen nun jahrelang mit einem solchen Programm gearbeitet hat und immer noch ganz elementare Funktionen nicht versteht, dann liegt das nicht an ihr, sondern daran, was heute als »professionelle« Software angeboten wird.

Die Welt der Software auf dem Atari begann, mich immer mehr zu interessieren. Immer mehr Spaß hatte ich daran, zu sehen, wie intelligent und geschickt viele Programme für diesen Rechner geschrieben sind, auf die Anwendung zugeschnitten, so daß man/frau sich sogleich in ihnen zu Hause fühlt. Oder die einfach nur schön gemacht sind. Das alles zu Preisen, über die sich auch für einen privaten Einsatz wirklich reden läßt.

Mir ist wichtig, daß mich ein Computer nicht von mir und dem, was ich mit ihm eigentlich tun möchte, entfremdet. Dabei spielt sicher die Struktur der Programme eine wichtige Rolle, die mich unterstützen sollen, ohne eine Eigendynamik zu entwickeln. Aber auch die Hardware schafft wesentliche Voraussetzungen nicht nur für den Einsatz von Software. Soll mir der Rechner bei gedanklichen Prozessen helfen, darf er nicht eine Atmosphäre schaffen, in deren Pfeifen und Getöse von Festplatte, Lüfter, womöglich auch noch vom Laserdrucker, jede gute Idee im Nebel untergeht.

So läßt sich ein Rechner auch in ein menschliches Umfeld harmonisch integrieren und braucht für mich nicht der technische Fremdkörper zu bleiben, der er heute noch zu oft ist — vielleicht auch deshalb, weil die (männlichen) Kollegen diesen Aspekten zu wenig Bedeutung schenken?

Sabine K., Köln

Frauen, Männer und Computer

Auch ich finde es sehr schade, daß mensch so wenig über die Beziehung von Frauen und Computern erfährt. Es gibt bestimmt etliche EDV-interessierte Anwenderinnen, die leider wie üblich ihr Licht unter den Scheffel stellen und sich einfach nicht bemerkbar machen. So wurde und wird wieder einmal die Chance vertan, sich in einem noch relativ jungen wissenschaftlich-technischen Bereich zu profilieren. Aber dieses Problem liegt nicht ausschließlich an den Frauen. Der gesamte Computerbereich ist auf Männer zugeschnitten, wird von und für Männer gemacht, die nicht wollen, daß Frauen in ihre Domäne eindringen. Frauen brauchen also nicht darauf zu warten, daß sie jemand aus ihrem Dornröschenschlaf wachküßt, sondern müssen die Sache selbst in die Hand nehmen. In den USA ist frau da — wie auch in anderen Gebieten — schon weiter. Ein Projekt von Frauen für Frauen erleichtert dem weiblichen Geschlecht den Zugang zum Computer.

Ich finde, es ist auch Aufgabe einer Fachzeitschrift wie des ST-Magazins, über solche Einsätze zu berichten. Aber leider ist die Mehrzahl der Mitarbeiter männlich und betrachtet die Sache aus dem männlichen Blickwinkel. Da ist für das exotische Thema »Frauen und Computer« nur am Rande Platz.

Der Computer wird in Zukunft am Arbeitsplatz immer selbstverständlicher. Deshalb ist es unsere Aufgabe zu verhindern, daß Frauen nur als »Tipperinnen« vor dem Computer versauern, ohne sich tatsächlich mit dem Gerät auseinanderzusetzen. Die Entmystifizierung des Computers muß mit allen Mitteln vorangetrieben werden. Wie wäre es für den Anfang mit einem kleinen »Frauenforum« im ST-Magazin, wo die weiblichen Wesen ihre Erfahrungen austauschen könnten?

Denise L., Donzdorf

Schuß nach hinten

Hier meine Meinung zu diesem Thema: Trotz des wohlgemeinten Emanzipationsversuchs sehe ich in beiden Briefen einen Schuß, der leicht nach hinten losgehen kann. Angenommen, wir fordern ein »Frauenforum«. Unterstützen wir dann nicht die Meinung, daß Frauen weniger »Durchblick« haben als die Männer, weil sie den Rest des Heftes nicht verstehen? Auch ich bedaure, daß in unserer Redaktion kaum Briefe von Leserinnen eingehen und daß sich bei uns seit über einem Jahr keine Frau als Redakteurin beworben hat. Warum eigentlich nicht? Wir Frauen stellen uns doch wirklich nicht dümmer an bei der Arbeit mit dem Computer, als das angeblich »starke Geschlecht«. Ich denke, wir behandeln in unserem Magazin Probleme am ST, mit denen sowohl Frauen als auch Männer kämpfen. Geschlechtsspezifische Computerprobleme sind mir bis jetzt noch nicht aufgefallen. Oder sollte ich mich irren? Darum meine Bitte: Schreiben Sie uns doch, ob es unterschiedliche Probleme am Computer gibt.

Sabine Kuffner, Chef v. Dienst

ST-HOTLINE

Um sicherzustellen, daß Sie bei einem Anruf den zuständigen Redakteur erreichen, haben wir feste Telefonstunden eingeplant. In dieser Zeit erwarten wir Ihre Anregungen und versuchen, Ihnen bei Fragen und Problemen zu helfen.

Rufen Sie an:
Montags von 16 bis 18 Uhr Donnerstags von 15 bis 17 Uhr
Tel. 089/4613-897



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