| Interview: Sprachkünstler (Heimsoeth) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||
Als Programmiersprachen noch teures Werkzeug von Experten waren,
gelang einem bis dahin unbekannten amerikanischen Softwarehaus ein
Geniestreich: Es brachte einen hervorragenden Pascal-Compiler zu einem
sensationell niedrigen Preis auf den Markt, der sogar ohne Kopierschutz
verkauft wurde. »Keine Chance«, kommentierten die Goliaths der Branche
den vermeintlich lächerlichen Angriff des David, »einmal gekauft und
tausendmal kopiert. Auf das läuft's raus. Das kann man gleich als Public
Domain bezeichnen.« Allen Unkenrufen zum Trotz war dieses »Turbo-
Pascal« bald ein Umsatzrenner, und das Geld klingelte in den Taschen von
Borlands Chef, Phillipe Kahn. Die Palette der Turbo-Sprachen wuchs schnell,
und heute runden nicht nur weitere Sprachen, sondern auch Anwender-
programme und Utilities das umfangreiche Angebot ab. ST-Magazin: Herr Wasmeier, mit Turbo-C kommt das erste Borland- Produkt für den Atari ST auf den Markt. Was war für Borland das ausschlaggebende Argument, in den ST-Markt einzusteigen? Wasmeier: Zuerst einmal: Turbo-C ist kein Borland-Produkt, sondern . ein Heimsoeth-Produkt. Es stammt aus Deutschland und wurde zum großen Teil vom Münchner Softwarehaus Softdesign entwickelt. Softdesign bot es zwar vor uns Borland an, aber Borland lehnte wegen des zu kleinen ST-Marktes in den USA die Vermarktung ab und verwies an uns. Wir haben uns den Compiler genau angesehen, und die hohe Qualität beeindruckte. Es gibt zwar einige C-Compiler auf dem Markt, wir können mit unserem Turbo-C aber durchaus konkurrieren. ST-Magazin: Turbo-C kommt also nicht von Borland und wird auch nicht von Borland in den USA vertrieben. Ist es trotzdem ein echtes »Turbo«Produkt? Gab Borland die Zustimmung, diesen Compiler unter dem Gütesiegel »Turbo« verkaufen zu dürfen? Wasmeier: Natürlich besteht ein enger Kontakt zwischen dem Münchner Softwarehaus und Borland in Santa Cruz. Auch dort hat man den Compiler genau unter die Lupe genommen und für gut befunden. Der Parser stammt zum Beispiel von Borland. Von Softdesign kommt der Code- Generator, das UserInterface, die Libraries und systemspezifischen Eigenarten. Es ist ein echtes Turbo-Produkt. ST-Magazin: Wie schätzt Heimsoeth den deutschen ST-Markt ein? Wasmeier: Unser Einstieg in den STMarkt zeigt unsere Meinung. Der Atari ST hat eine gute Marktstellung. Leider nur in Europa und nicht genauso in den USA. ST-Magazin: Planen Sie weitere Produkte für den Atari ST? Wasmeier: Zum jetzigen Zeitpunkt wären weitere Ankündigungen verfrüht. Allerdings ist Turbo-C sicher nicht unser einziges ST-Produkt. Wir haben den in Turbo-C enthaltenen Assembler ausgekoppelt und vertreiben ihn unabhängig. Er zeichnet sich durch einige Leistungsmerkmale aus, die heute noch kein Assembler für den ST bietet. ST-Magazin: Welche Leistungsmerkmale sind das? Wasmeier: Er unterstützt nicht nur den 68000-Prozessor, sondern auch die Prozessoren 68020 und 68030 sowie die Arithmetik-Prozessoren 68881 und 68882. Also durchaus ein zukunftsträchtiges Produkt, wenn man an die Computer denkt, die Atari bereits angekündigt hat. Was wir planen, sind Zusätze für Turbo-C, zum Beispiel ein Source-LevelDebugger und Unterstützung für den Floating-Point-Prozessor. (hb) |
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