Black & White - die Monster kommen

Wer liebt sie nicht, die prickelnden Gefahren durch Drachen und Zauberei? Eine Welt, in der gänzlich andere Gesetze gelten, als wir sie alltäglich erleben. Ein Hauch von Romantik und Abenteuer, das ist es, was uns nach einem Tag ohne Illusionen entspannen läßt.

Rollenspiele sind, neben Strategiespielen und Simulationen, das beliebteste Genre der Unterhaltungs-Software. Sie vereinen sowohl strategische als auch kombinatorische Elemente, gepaart mit einer Portion Spannung.

Weil der Trend zum Bunten geht und die Spiele für Farbauflösungen programmiert werden, kommen aber viele gar nicht in den Genuß dieser Vergnügen.

Wir haben »Hascs - The Game-Creator«, einen komplexen Rollenspieleditor, mit dem jeder zum Schöpfer seiner eigenen fantastischen Welten (auch monochrom) wird, getestet.
Mit diesem Game-Creator wurde »Expedition nach Vartoria« generiert.

Beginnen wir mit dem Editor: Mit »Hascs« können Sie in kürzester Zeit ein eigenes Rollenspiel entwickeln, das Sie sogar kommerziell vertreiben dürfen. Ihm liegt ein aus- gezeichnetes Handbuch bei, nach dessen Lektüre man eigentlich nichts mehr falsch machen kann.

Nachdem man eine Benutzernummer eingegeben hat, die ausweist, zu welchen der editierten Spiele man Zugang hat, erscheint sogleich der Editierbildschirm. Der Hauptbereich wird eingenommen von einem 20 x 20 Felder großen Levelausschnitt, in dem der Level konstruiert wird. Es ist möglich, pro Story insgesamt 999 verschiedene Levels mit einer maximalen Ausdehnung von 99 x 99 Feldern zu konzipieren. Rechts davon befindet sich das Menü, aus dem verschiedene Editierbefehle ausgesucht werden können. Der untere Teil des Bildschirms wird von einer grafischen Darstellung der diversen Feldvarianten und Monster eingenommen.

Übersichtliche Statuszeilen

Unter dem Levelausschnitt liegt die Infoleiste, die Auskunft darüber gibt, wie viele Monster und Gegenstände in dem betreffenden Level noch gesetzt werden können und welches das aktuelle Feld ist.

Die Struktur eines jeden Abenteuers wird durch die Struktur seiner Levels bestimmt. Es befindet sich jeweils nur ein Level im Hauptspeicher. Ein Level besteht sowohl aus grafisch als auch aus funktional definierten Feldern. Die Verbindung zwischen den einzelnen Levels wird via Leitern oder Tele-port-Feldern hergestellt. Eine-Spielrunde ist immer dann beendet, wenn der »Level 0« erreicht ist.

Bestandteile von Hascs -The Game-Creator sind neben dem Leveleditor auch noch ein Texteditor, mit dem die zur späteren Handlung gehörigen Texte und Dialoge formuliert werden. Im Sprite-Editor können die bis zu 16 x 16 Pixel großen Sprites und Gegenstände kreiert werden. Für Dialoge existiert eine eigene »Programmiersprache«. Durch die läßt sich der Ablauf der einzelnen Gespräche durch »Gotos« verzweigen.

So geben die Gesprächspartner sinnvolle Antworten, und zum Teil legen sie sogar adäquate Verhaltensweisen an den Tag: z.B. Ratschläge geben, Gegenstände herausrücken oder aggressiv werden.

Einfacher Sprite-Editor

Die Bedienung des Sprite-Editors ist ausgesprochen simpel - auf einer 16 x 16-Matrix, ähnlich der Lupe eines Zeichenprogramms, werden einzelne Punkte »an«- oder »aus«-geklickt. Mit 256 Punkten lassen sich differenzierte Gestalten erzeugen, die auch abgespeichert werden können. Es existiert für »Gestaltungsfaule« im übrigen bereits ein Repertoire an Figuren, Gegenständen und Geomorphs (Terrainbausteinen).

Es werden vier Typen von Feldern unterschieden: aufnehmbare Gegenstände, Felder mit Parametereingabe (Leiter hoch, Falle, Textausgabe etc.), Felder mit fester Bedeutung (Wasser, Tür geschlossen etc.) und Felder ohne Funktion, die nur einen optischen Wert besitzen. Das Plazieren einzelner Felder geschieht durch einfaches Herausgreifen der Feldsymbole aus dem Menü und Setzen des betreffenden Symbols auf das Zielfeld im Levelausschnitt.

Die Monster bestehen aus mehreren Merkmalskompo-nenten, die entweder für die ganze Art oder nur für das Individuum gelten. Die einzelnen Komponenten sind der Schaden, den sie verursachen, Sonderfähigkeiten, die Anzahl der Hitpoints, ihr Status und ihre Ansprechbarkeit (nicht ansprechbar oder Nummer der Dialogdatei). Der Status eines Monsters bestimmt seine Verhaltensweise im Spiel. Es kann z.B. aggressiv sein (es bewegt sich mit jedem Schritt auf den Spieler zu, um ihn anzugreifen), neutral (es führt einen Zufallszug aus), freundlich (bewegt sich auf den Spieler zu, ohne ihn anzugreifen) oder ängstlich (versucht, sich vom Spieler zu entfernen). Der Verhaltensstatus kann sich auch ändern. So kann ein falsches Wort seitens des Spielers eventuell einen freundlichen zu einem aggressiven Charakter invertieren. Auch bestehen pro Zug gewisse Wahrscheinlichkeiten einer definierten Verhaltensänderung. Sondereigenschaften eines Monsters können z.B. die Fähigkeit zum Fernkampf oder des Fliegens sein. Was wäre ein Rollenspiel ohne Waffen, Rüstungen und Zauberwerk? Diese nützlichen Accessoires muß man auch bei Hascs - The Game-Creator nicht missen. Waffen und Rüstungen zeichnen sich hauptsächlich durch ihren Schadenswert bzw. ihre Rüstungsklasse aus. Daneben gibt es eine Differenzierung hinsichtlich ihrer Nutzbarkeit, also ob Fernwaffe, beid-händige Waffe oder ähnlichem.

Das Zauberwerk gehört zu den Gegenständen, die der Autor in seiner Eigenschaft leider nicht verändern kann.

Mit Magie ans Ziel

Es besteht jedoch eine reichliche Auswahl an Magieeffekten, so daß für Abwechslung gesorgt ist. Insgesamt gibt es 29 magische Gegenstände aus vier verschiedenen Kategorien: Phiolen, Ringe, Zauberstäbe und Pergamente. Phiolen (Heilung, Kraft, Unsichtbarkeit etc.) lassen sich jederzeit verbrauchen; Pergamente (Teleport, Identifizieren, Macht etc.) hängen in ihrer Wirkung vom Zaubertalent des Spielers ab; Ringe (Schutz, Flink, Zaubern etc.) wirken, bis sie ausgebrannt sind; Zauberstäbe (Feuerball, Schlaf, Metamorph etc.) gehen bei der Anwendung zu Bruch.

Soweit zu den Komponenten des Programms, jetzt fehlt nur noch eine gute Idee zur Handlung, etwas Kreativität, und schon steht einer tollen Geschichte nichts mehr im Wege. Wer sich noch etwas inspirieren lassen möchte, der kann das auf der Editordiskette abgespeicherte Testbzw. Demospiel »Rosa von Rosendorn« zurückgreifen. Es gibt einen guten Eindruck der Möglichkeiten des Editors. Oder Sie wählen das komplexe Profiabenteuer »Expedition nach Vartoria«. Hascs - The Game-Creator kostet unter 50 DM. (mb)

Positiv:
+ gutes Handbuch
+ leichte Bedienbarkeit
+ gutes Konzept

Negativ:
- läuft nicht in Farbe

Andreas Vogelmann

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