Desktop-Spielereien

“Warum kann ich den Papierkorb nicht öffnen? Warum kann ich keinen Mülleimer in ein Fenster legen? Wieso lassen sich die Ordner nicht auf das Desktop verfrachten? Wieso ist der Desktop-Hintergrund immer grün? Warum druckt mein Drucker immer falsch? Warum ist der Tastenklick immer an? Warum ist die Schnittstelle immer falsch eingestellt?” - Diese Fragen werden Sie sich bestimmt auch schon gestellt haben. Frei nach dem Motto “mit viel Rubbeln ist jetzt Schluß” können Sie Ihr Desktop auch so ändern, daß es immer nach Ihren Vorstellungen eingestellt ist!

Um nicht nach jedem neuen Booten das Desktop den eigenen Wünschen anpassen zu müssen, kann man den aktuellen Stand durch Arbeit sichern abspeichern. Dabei wird eine Datei namens DESKTOP.INF angelegt, die Informationen über RS232- und Druckerkonfiguration, Kontrollfeldparameter, Bildschirmauflösung, Position der Fenster und Icons und Anwendungen enthält. Haben Sie schon einmal versucht, diese Datei in einen Texteditor einzuladen? Wenn nicht, sollten Sie es unbedingt einmal probieren - viele erstaunliche Dinge können geändert, ergänzt oder gelöscht werden!

Alle Informationen werden durch ein Doppelkreuz und einem nachfolgenden Buchstaben zur Kennung eingeleitet. Hinter dieser Kennung steht dann die Parameterliste. Sie besteht entweder aus einzelnen Ziffern, deren Bedeutung in den nachfolgenden Tabellen erklärt wird, oder aus Hex-Zahlen in Ziffernschreibweise. So kann Hl (vom Kontrollfeld) eine Zahl zwischen 00 (0) und FF (255) sein.

RS232-Einstellung

a123456

  1. Duplex: 0=Voll, 1=Halb
  2. Baud: 0=9600, 1=4800, 2=1200, 3=300
  3. Parität: 0=Keine, 1=Odd, 2=Even
  4. Datenbits: 0=8, 1=7, 2=6, 3=5
  5. RTS/CTS, XON/-OFF: 0=Aus/Aus, 1=Aus/An, 2=An/Aus, 3=An/An
  6. High Bit: 0=An, 1=Aus

Die Desktop-Info in Bild 1 hat also die Einstellungen Vollduplex, 9600 Baud, Keine Parität, 8 Daten-Bits, RTS/CTS und XON/XOFF aus, das High Bit ist zwar angeschaltet, wird aber wegen der Einstellung 8 Daten-Bits nicht beachtet. Das High Bit ist nur bei weniger als 8 Daten-Bits relevant.

Druckeranpassung

b123456

  1. Typ: 0=Matrix, 1=Typenrad
  2. Farbe: 0=S/W, 1=Farbe
  3. Punktdichte: 0=1280, 1=960
  4. Qualität: 0=Draft, 1=NLQ
  5. Port: 0=Centronics, 1=RS232
  6. Papier: 0=Endlos, 1=Einzelblatt

Auch der Drucker ist in unserer Desktop-Info ganz normal konfiguriert als Schwarzweiss-Matrixdrucker mit 1280 dpi, Draft-Qualität und Endlospapier. Er ist angeschlossen am Centronics-Port.

Kontrollfeld

c777...411H1H2

Die ersten 48 Ziffern stellen die 16 verfügbaren Farben dar. Dabei werden immer drei Ziffern für eine Farbe benutzt.

Die Ziffern haben eine Wertigkeit zwischen 0 und 7. Sie stellen die Intensität der jeweiligen Grundfarben Rot, Grün und Blau dar.

  1. Maus-Speed: 0 bis 4
  2. Tastenklick: 0=Aus, 1=An
  3. Glocke: 0=Aus, 1=An
    H1. Wiederholzeit
    H2. Wiederholrate

Unser Desktop-Hintergrund wird invertiert dargestellt, also weiß auf schwarz statt schwarz auf weiß. Die Wiederholrate der Tasten steht auf 3, die Wiederholzeit (also die Zeit, die der ST abwartet, bis er die Taste bei dauerndem Drücken das zweite Mal auf den Bildschirm bringt) beträgt Hex 11. also 17. Die Glocke ist an, aber der Tastaturklick ist ausgeschaltet. Die Maus bewegt sich mit der Geschwindigkeit 6. Eigentlich kann hier nur ein Wert zwischen 0 und 4 stehen, und die 6 wirkt sich auch keinesfalls vorteilhaft auf die Geschwindigkeit der Maus aus, dafür haben wir aber ein individuelles Desktop-Info.

#a000000
#b000000
#c00077770007000700552005055522 20770557075055507706011103
#d
#Z 01 C:\PECSHELL\PECSHELL.PRG@ 
#E F8 13
#W 00 00 14 01 21 18 0C C:\*.PRG@ 
#W 00 00 38 01 18 18 00 @
#W 00 00 0E 01 10 18 00 @
#W 00 00 22 01 23 18 00 @
#M 00 05 01 FF G TEMPUZ@ @
#M 00 04 01 FF F GFA@ @
#M 00 03 01 FF E AUSTAUSCHER@ @ 
#M 00 02 01 FF D PROGGIES@ @
#M 00 01 01 FF C MIXEDPICKLES@ @ 
#M 00 00 01 FF A WABBELSCHEIB@ @ 
#M 07 04 01 FF B GIBBET NICH@ @
#T 07 07 00 FF M ALTGLAS@ @
#T 07 00 00 FF M ALTGLAS@ @
#T 01 00 00 FF M ALTGLAS@ @
#T 01 06 00 FF M ALTGLAS@ @
#F FF 04 @*.*@
#D FF 01 @*.*@
#G 02 FF *.APP@ @
#G 02 FF *.PRG@ @
#P 02 FF *.TTP@ @
#F 02 04 *.TOS@ @
#F 02 04 *.PEC@ @
#G 03 04 F:\GFA.30\M.PRG@ *.GFA@
#G 03 04 G:\TEMPUS\TEMPUS.PRG@ *.DUP@
#G 03 04 G:\TEMPUS\TEMPUS.PRG@ *.TXT@
#G 03 04 G:\TEMPUS\TEMPUS.PRG@ *.INF@
#G 03 04 C:\MULTDESK.PRG@ *.AC?@

Bild 1: Eine manipulierte DESKTOP.INF-Datei

Das Ergebnis unserer manipulierten DESKTOP.INF-Datei

Darstellung

E H1 H2

H1-Bits

  1. Index als: 0=Bild, 1=Text
    6/5. Sortiert nach: 00=Name, 01=Datum, 10=Größe, 11=Typ
  2. Löschbestätigung: 0=Nein. 1=Ja
  3. Kopierbestätigung: 0=Nein, 1=Ja

H2
01 = 320200 oder monochrom
02 = 640
200 oder monochrom
03 = monochrom oder 320*200

Die Dateien werden angezeigt als Text und sortiert nach Typ. Lösch- und Kopierbestätigung sind eingeschaltet, damit nichts unbeabsichtigt verloren geht. Außerdem steht die Auflösung (im zweiten Bit) auf monochrom oder 320*200. ersteres trifft hundertprozentig zu.

Fenster

W H1 H2 H3 H4 H5 H6 H7 NAME

H1: horizontaler Schieber
H2: vertikaler Schieber
H3: x-Position
H4: y-Position
H5: Breite
H6: Höhe
H7: vertikales Rollfeld

Ist ein Name vorhanden, wird das entsprechende Fenster geöffnet und das entsprechende Verzeichnis von Diskette bzw. Platte geladen und angezeigt. Interessanterweise kann man sich auch nur alle Programme anzeigen lassen, dazu muß das gegen ein “*.PRG” ausgetauscht werden. Genau das ist hier auch geschehen. Horizontaler und vertikaler Schieber stehen auf 0. Unser Fenster beginnt bei der Position 14,1 (ganz oben in der Mitte), ist 21 Einheiten breit und 18 Einheiten hoch. Eigentlich sind nur 17 Einheiten möglich, aber durch diese Manipulationen reichen alle Fenster noch eine Zeile tiefer. Im Fenster werden alle Programme aus dem Wurzelverzeichnis von C:\ angezeigt. Die Position bzw. die Breite und Höhe der Fenster errechnet sich folgendermaßen: Die x-Position/Breite bei H3/H5 wird mit 8 multipliziert, während die y-Position/Breite H4/H6 bei monochrom mit 16 und bei Farbe mit 8 multipliziert wird.

Diskstations

M H1 H2 H3 H4 D INCONNAME

H1: x-Position
H2: y-Position
H3: Bild des Icons: 00=Diskstation, 01=Ordner, 02=Müll, 03=Programm, 04=Datei
H4: ?
D: Laufwerksbezeichnung (A-P)

In diesem Desktop sind also 7 Laufwerke mit den Namen Tempuz (Textverarbeitung, Laufwerk G), GFA (Programmiersprachen, Laufwerk F), Austauscher (Zwischenlager für alles mögliche, Laufwerk E), Proggies (alle Arten von Programmen, Laufwerk D), Mixedpickles (querbeet, Laufwerk C), Wabbelscheib (Laufwerk A) und Gibbet nich (Laufwerk B, das es wirklich nicht gibt). Sie alle, bis auf Laufwerk B, befinden sich an der x-Position 0 und stehen in Reih' und Glied untereinander.

Die x-Positionen der Icons müssen mit 80, die y-Positionen mit 40 (bei Farbe 20) multipliziert werden, um die wirkliche Bildschirmposition zu bekommen. Zu der y-Position müssen zusätzlich noch 20 Pixel dazugerechnet werden, die die Menüleiste in Anspruch nimmt. Alle Laufwerke haben das Icon eines Ordners (öfter mal was Neues).

Ändern der Desktop-Info direkt in der Datei TOS.IMG

Papierkorb

T H1 H2 H3 H4 ICONNAME

H1: x-Position
H2: y-Position
H3: Bild des Icons: 00=Diskstation, 01=Ordner, 02=Müll, 03=Programm, 04=Datei
H4: ?

Die Papierkörbe haben hier die Form eines Laufwerks und die Bezeichnungen Altglas. Außerdem befindet sich in jeder Bildschirmecke ein Papierkorb, damit dieser von jeder Position aus gut zu erreichen ist (lange Fahrwege mit der Maus kosten Zeit und Nerven).

GEM-Anwendungen

G H1 H2 Anwendung Dokument

H1: Bild des Icons: 00=Diskstation, 01=Ordner, 02=Müll, 03=Programm, 04=Datei
H2: ?

Anwendung: Alle .PRG-Dateien sind (normalerweise) als GEM-Anwendungen angemeldet. Hier sind es PRG- und APP-Dateien. Das Dokument ist eine Datei, bei dessen Aufruf automatisch das Programm mit dem Namen, der bei Anwendung steht, vorab geladen wird. Im Desktop kann man das dadurch erreichen, daß man das vorab zu ladende Programm einmal anklickt, im Optionsmenü Anwendung anmelden selektiert und jetzt bei Dokument Art den entsprechenden Dateityp einträgt. Auf diese Weise wird zum Beispiel Tempus bei TXT-, DUP- und INF-Dateien nachgeladen, das Programm M bei GFA-BASIC-Programmen und Multidesk bei allen Accessories. Alle GEM-Programme werden als Mülleimer dargestellt.

TOS-Anwendungen

F H1 H2 Anwendung Dokument

Wie #G, jedoch für TOS-Anwendungen. Alle .TOS-Dateien sind (normalerweise) als TOS-Anwendungen angemeldet. Im Desktop-Info sind auch alle *.PEC-Dateien als solche definiert, das hat allerdings keinen bestimmten Grund, sondern dient nur als Scherz. Alle TOS-Programme werden ebenfalls als Mülleimer dargestellt.

TTP-Anwendungen

P H1 H2 Anwendung Dokument

Wie #F, nur mit Parameterübergabe. Alle .TTP-Dateien sind (normalerweise) als TTP-Anwendungen angemeldet. Auch diese Dateien werden als Mülleimer dargestellt.

Z H1 Programmname

H1: 00=TOS-Programme, 01=GEM-Programme

Ab TOS-Version 1.4 existiert auch dieser Parameter. Er gibt ein Programm an, das automatisch nach dem Booten gestartet werden soll - das kann auch ein GEM-Programm sein. In unserem Desktop-Info ist das das Programm PECSHELL.PRG, das ein CLI-Programm darstellt. Es wird automatisch nachgeladen und gestartet.

Brennen des neuen Desktop-Infos

Wenn Sie mit Ihrem neuen Desktop zufrieden sind und nicht immer von einer ganz bestimmten Diskette booten möchten, um die veränderten Einstellungen einzuladen, können Sie natürlich auch alle Änderungen in Ihr TOS im ST einbauen. Dazu benötigen Sie lediglich ein Monitorprogramm, mit dem Sie in einer Datei etwas ändern können (etwa den SED aus Scheibenkleister oder Harlekin), und eine TOS.IMG-Datei auf Diskette oder Festplatte. Die TOS.IMG-Datei erhalten Sie mittels des ROMSAVE-Programms aus der Januar-Ausgabe. Suchen Sie einfach mittels des Monitors nach der Zeichenkombination #W oder #a. sie steht recht weit am Ende der TOS.IMG-Datei. Hier steht eine ganz normale DESKTOP.INF-Datei, die benutzt wird, wenn auf der Diskette bzw. Platte selbst keine solche vorhanden ist. An dieser Stelle können Sie nun nach der oben beschriebenen Methode die Daten ändern, die Sie für wichtig ansehen. Wenn Sie damit fertig sind, nehmen Sie die TOS.IMG-Datei und brennen sie gemäß der Anleitung in Ausgabe 1/90 und 2/90 in ein EPROM. Wenn Sie das nächste Mal Ihren ST booten, wird er sich mit den von Ihnen geänderten Einstellungen melden, sofern sich keine andere DESKTOP.INF auf Diskette oder Platte befindet. Noch ein Tip am Rande: Sollten Sie nicht genau wissen, was Sie ändern müssen, speichern Sie einfach einmal die Original-DESKTOP.INF-Datei mittels Arbeit sichern aus dem Desktop ab und benennen Sie um. Nehmen Sie dann Ihre neuen Einstellungen vor und speichern Ihre neue DESKTOP.INF-Datei wie zuvor ab. Wenn Sie jetzt beide Dateien in einem Editor vergleichen, wissen Sie, was Sie ändern müssen.

Nun kann ich Ihnen eigentlich nur noch viel Spaß mit Ihrem veränderten ST wünschen. Ob rot, ob grün, ob blau: Das Desktop bleibt nicht grau!

MP



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