MiNT-Net für Dummies: Internetzugang per T-Online

Aufgrund ihrer offenen Kultur gewinnt die MiNT-Welt ein immer größeres Interesse unter Atari-Anwendern. Viele trauen sich jedoch nicht an die zum Teil komplizierte Konfiguration heran. Unser Einsteigerworkshop bietet Hilfe an.

In diesem Teil unseres Workshops wollen wir uns etwas weiter mit der Einrichtung eines minimalen MiNT-Systems befassen. Die Aufstellung der Ordner, Dateien und Programme in Infobox 1 zeigt ein minimales MiNT-System, das aber sämtliche Programme enthält, die für MiNT-Net notwendig sind. Darüber hinaus sind noch einige Programme enthalten, die für MiNT-Net nicht unbedingt nötig sind, aber später den Aufstieg zum großen MiNT-System erleichtern. Einige dieser Ordner sind leer, sie werden aber benötigt wenn man auf SpareMiNT aufstocken will.

Jetzt sind wir unserem Ziel schon ein ganzes Stück näher gekommen. Wir haben nun bereits ein (hoffentlich) funktionstüchtiges kleines MiNT-System auf unserem Rechner. Jetzt kommt das, wovor viele Anwender zurückschrecken und was MiNT bzw. MiNT-Net den Ruf eingebracht hat schwer installierbar zu sein: das Bearbeiten diverser Konfigurationsdateien. Die folgenden Konfigurationsbeispiele beziehen sich auf T-Online als Internet-Provider, es sollte aber nicht schwerfallen, das Ganze auch auf andere Provider mit PPP-Zugang zu übertragen.

Erst einmal öffnen Sie den Ordner /etc und dann ppp/. Dort finden sich diverse Dateien, von denen im Moment allerdings nur folgende interessieren:

Die Dateien /etc/ppp/options und /etc/ ppp/pap-secrets sind wichtig für den sogenannten ppp-Daemon (pppd), der uns den Zugang zu unserem Provider über das sogenannte „Point-To-Point-Protocol" erst möglich macht. Die Datei /etc/ppp/pppchat.to ist für das Programm „chat" notwendig und für den Aufbau der Modemverbindung zum Provider und einen eventuell notwendigen ASCII-Login zuständig. Danach übernimmt dann der pppd das Regiment und handelt Passwörter, Verbindungsoptionen etc. aus.

Noch ein paar Worte zur Sicherheit. Da es sich bei dem oben aufgeführten Dateien nur um ein ziemlich rudimentäres MiNT-System handelt, hat man auf diesem System immer sogenannte „root-Rechte“ - man darf also alles! Ist diese Freiheit im normalen Leben zwar etwas äußerst Schönes, so ist dies bei einem Unix-/Linux- bzw. MiNT-System so ziemlich das Schlimmste, was einem Anwender passieren kann. Normalerweise darf nur der System-Administrator (das ist der mit dem schwarzen Gürtel) alles, und der SysAdmin legt fest, wer was darf und wer nicht. Das hat jetzt nichts mit Diktatur zu tun, sondern hat den Vorteil, dass nicht jeder Dummie an Daten herumspielt, die dem ganzen System mehr schaden als nutzen. In unserem Fall sind also wir unser eigener SysAdmin, und wenn wir was verkonfigurieren, ärgern wir nur uns selbst und niemand anderen. Jeder Anwender kann z.B. die Dateien /etc/ppp/pap-secrets und /etc/ppp/chap-secrets lesen. Diese Dateien enthalten die Zugangspasswörter zum Provider, man sollte diese Distribution also nicht unbedingt auf einem Rechner installieren, auf den die halbe Welt Zugriff hat.

Die /etc/ppp/options

Ein kleiner Ausritt noch: Der pppd „schaut" zuerst, ob eine Datei /home/.ppprc vorhanden ist, dann prüft er /etc/ppp/options.ttyx und danach /etc/ppp/options. So kann man sich den pppd individuell oder system-transparent so einstellen, wie man es möchte.

Am Beispiel von T-Online werde ich jetzt die Konfiguration beschreiben, andere Provider sind ähnlich - zumindest wenn sie per PPP und PAP den Internetzugang bereitstellen, was aber die allermeisten tun. Von T-Online (und auch anderen Providern) sollte Informationen bekommen haben, wie sie in der Infobox 2 aufgeführt sind.

Nun laden Sie sich am besten die options-Datei in einen Texteditor, der Unix-Zeilenenden beherrscht. Die in Infobox 3 aufgezeigte Datei ist schon mit diversen Kommentaren versehen, als Beispiel wurde T-Online gewählt. Sie müssen hier eigentlich nur noch die Schnittstelle (also /dev/ttya für modeml, /dev/ttyb für modem2 usw.) sowie die Schnittstellengeschwindigkeit angeben, alles andere kann man erst einmal so lassen. Bei user wird die Kennung eingegeben, die Sie von Ihrem Provider erhalten. bei T-Online besteht diese Kennung aus der 12-stelligen Anschlusskennung, der T-Online-Nummer und der Mitbenutzerkennung. Wenn Die Anschlusskennung 000000756078, die T-Online-Nummer 0815471 und die Mitbenutzerkennung (wie fast immer) 0001 ist, dann sieht das Ganze so aus (Die Anführungszeichen sind wichtig!):

user "00000075607808154711#0001M

Das #-Zeichen kommt nur dann zum Einsatz, wenn die T-Online-Nummer weniger als 12 Stellen hat. Das #-Zeichen ist auch der Grund für die Anführungszeichen. Ließe man diese weg, würde der String vom pppd als Kommentar aufgefasst, und dann geht die Anwahl natürlich in die Hose. Dieser Fehler wird von Anfängern immer wieder gerne gemacht - unter anderem von mir - und bringt diese dann auch an den Rand des Wahnsinns.

Infobox 1: Das Basis-System für MiNT-Net

bin/ bash chgrp chmod chown cp login ls mkdir rm rmdir sh su sync boot/ Link auf Bootlaufwerk Hier sollten die Dateien und Ordner des Bootlaufwerks zu finden sein. etc/ csh.rc domainname gettytab group host.conf hostname hosts inetd.conf login.csh mnttab motd netmasks passwd profile protocols rc rc.boot rc.local rc.net rc.single resolv.conf services shells syslog.conf termcap ttytab ttytab.con ttytab.gem ttytab.init ttyttab.vt ppp/ chap-secrets connect-errors fix-cua options pap-secrets ppp-down0 ppp-log ppp-off ppp-on ppp-upO pppehat.to unlock samples/ Example README.PPP chat-script home-dot-ppprc ip-up startslip home/ .bash_login .bash_logout .bash_history (Dateien mit vorangestelltem Punkt, können unter Umständen nicht gesehen werden, da es sich dabei normalerweise um versteckte Dateien handelt) defaults/ In diesem Ordner speichern viele Programme ihre Konfigurationsdateien lib/ mnt/ opt/ root/ .bash_history .bash_login .bash_logout .cshrc sbin/ arp getty ifconfig iflink ifstats masqconf netstat pppconf route slattach nslookup tmp/ usr/ GEM/ bin/ less mesg passwd ps tail who write etc/ ac chat inetd portmap include/ lib/ man/ sbin/ halt init ping pppd syslogd traceroute ucb/ finger last talk wlogin var/ adm/ log/ (teilweise werden diese Dateien erst beim Aufruf bestimmter Programme angelegt) maillog messages ppp-log secure spooler syslog run/ spool/ locks/ tmp/

Noch ein paar Worte zur IP: Die meisten Provider bieten heute den Zugang mit dynamischer IP an, man bekommt also eine IP beim Verbindungsaufbau automatisch zugewiesen. In diesem Fall brauchen Sie in der vorliegenden Datei /etc/ppp/options nichts zu ändern. Haben Sie allerdings einen Provider, der noch mit statischer IP arbeitet, müssen Sie noch folgendes in der Datei options ergänzen:

Local IP:Remote IP

Für „Local IP" setzen Sie die eigene IP ein, und für "Remote IP" die Adresse, die Sie vom Provider zugeteilt bekommen haben. Die Stelle in /etc/ppp/options ist dabei beliebig, also z.B.

192.168.0.10:192.32.0.17

Die Passwort-Datei /etc/ppp/pap-secrets

Als nächstes nehmen wir uns die pap-secrets vor. Das Format ist folgendermaßen:

T-Online-Nummer * Passwort

Angenommen unser Paßwort lautet 007, dann sähe das Ganze mit obigem Beispiel kombiniert so aus (auch hier wieder Anführungszeichen beachten!):

"00000075607808154711#0001”* 007

Sollte später der pppd meckern, dass die pap-secrets „world access" hat, so kann man dies durch Eingabe folgender Befehlssequenz abschalten und die Zugriffsrechte ändern:

chmod 600 /etc/ppp/pap-secrets

Das chatscript für T-Online

Vorweg schon einmal: In der Datei /etc/ppp/options dürfen keine Kommentare stehen! Das chatscript kann jeden beliebigen Namen haben (hier steht .to für T-Online). Man muss nur darauf achten, diesen Namen in der /etc/ppp/options, bei

connect "/usr/etc/chat -f...." 

anzugeben.

Die pppchat.to sieht so aus:

TIMEOUT 60
ABORT "NO DIALTONE"
ABORT "NO CARRIER"
ABORT BUSY 
ABORT ERROR 
"" ATZ OK atL0
OK atdt0191011 
CONNECT

Infobox 2: Providerdaten

Zugangskennung individuell  
Anschlusskennung individuell
Passwort individuell
Nameserver1 dns00.btx.dtag.de 194.25.2.129
Nameserver2 dns01 .btx.dtag.de 194.25.2.130
Domain btx.dtag.de
SMTP-Server(alt) mailto.btx.dtag.de Mails verschicken
SMTP-Server(neu) mailto.t-online.de
POP-Server(alt) pop.btx.dtag.de Mails empfangen
POP-Server(neu) pop.t-online.de
NNTP-Server(alt) news.btx.dtag.de News-Server
NNTP-Server(neu) news.t-online.de

Infobox 3: Die option-Datei am Beispiel von T-Online

# Beispiel-options für T-Online

# Hier die Schnittstelle eintragen (ttya=modem1 etc.) s. auch MINT.CNF 
/dev/ttyb

# Hier die Schnittstellengeschwindigkeit 
115200

# Hier am besten vorläufig nichts ändern 
crtscts
lock
modem
debug

# a = Anschlußkennung
# t = T-Online-Nummer
# m = Mitbenutzer
user "aaaaaaaaaaaatttttttttt#mmmm"

# Hier wird chat dazu aufgefordert das chatscript auszuführen. 
connect "/usr/etc/chat -f /etc/ppp/pppchat.to"

Wenn es Probleme mit dem Verbindungsaufbau geben sollte, sollten Sie hinter das CONNECT Anführungszeichen setzen, also:

CONNECT""

Wenn im Anwahlstring, das „\"-Zeichen notwendig ist (z.B. bei ISDN), schreibt man dies so:

\\

Ansonsten wird das \ und das nachfolgende Zeichen als Funktion interpretiert. Im Prinzip kann diese Datei zumindest für T-Online und ein Analogmodem so übernommen werden wie sie ist, für andere Provider muss lediglich die Telefonnummer hinter atdt geändert werden.

Soweit nun erst einmal der zweite Teil unseres Workshops zur Konfiguration eines Internetzugangs via MiNT-Net. In der kommenden Ausgabe konfigurieren wir die letzten Daten. Wir sind unserem Ziel also schon recht nahe.

Wir möchten nochmals darauf hin-weisen, dass sich dieser Workshop in Online-Form auf der Homepage des Autors befindet. Die URL lautet hier


Marc-Antón Kehr
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