Scene-Report: Mekka^Symposium 2001

Die Ostertage vor den Toren Hamburgs zu verbringen, anstatt im Kreise der trauten Familie, ist in Szenekreisen zum Leidwesen der lieben Opas und Omas schon zur Tradition geworden.

Besucher-Ströme

Am Karfreitag öffneten die Tore der „Mekka^Symposium 2001" in Fallingbostel zwar erst offiziell, wer schon früher angekommen war, durfte aber schon in der Nacht zuvor umsonst sein Equipment aufstellen und einen Platz zum Schlafen suchen. Zum Vergleich: Wer zur „The Party" in Dänemark einen Tag zu früh anreist, muss mit einem Aufschlag des Eintrittspreises von rund DM 30.- rechnen - nur ein Beispiel von vielen, wie unterschiedlich Dinge von den Party-Organisatoren gehandhabt werden. Am nächsten Tag, kurz vor der offiziellen Eröffnung, war die Halle schon fast voll, nur hier und dort waren kleine Lücken für die an-kommenden Szener geblieben, die ihre Rechner aufstellen wollten. Wenige Stunden später ging nichts mehr, noch immer war der Eingang gefüllt von Computerfreaks, die aus ganz Europa angereist kamen. Zwar baten die Organisatoren die Besucher, für nachkommende Gäste zusammen zu rücken, doch de facto hat dies kaum Erfolg gebracht.

Es war keine Überraschung, zu beobachten, dass gut 70 Prozent aller Computer Wintel-Maschinen waren. Der Rest teilte sich auf in Commodores Brotkasten (C=64), Amiga und Atari. Doch der Rechner an sich stellte keine Hürde da. Es herrschte ein friedliches Nebeneinander, die Atmosphäre war wie gewohnt »relaxed«. Auch machten die Organisatoren keine Probleme beim Konsum von Alkohol, solange dies in gesitteten Bahnen vonstatten ging. Letztes Jahr hatten sich Gerüchte verbreitet, dass die Aufpasser im Eingangsbereich Türsteher von Hamburgs Reeperbahn wären und mit den Freaks entsprechend unsanft umgegangen wären. Dieses Jahr war davon glücklicherweise nichts zu spüren. Lediglich ein paar Joint-Raucher und betrunkene Unruhestifter wurden höflich, aber sanft nach draußen befördert, wo die arktisch anmutenden Temperaturen die meisten Besucher in Windeseile zu Klarheit und Vernunft brachten.

Knaller-Releases

Natürlich hat sich in den letzten Jahren seit Bestehen der Mekka^Symposium sehr viel in der Szene getan. Auch die nach Nord-Deutschland anreisenden Demofreaks sind heute teilweise andere, aber selbst, wenn alternative Systeme vom kommerziellen Aspekt her mehr tot als lebendig erscheint, so ist die deren Demoszene dennoch so stark wie nie zuvor. Sowohl in Qualität als auch in Quantität konnten die Demos sehr wohl mit den PC-Produktionen mithalten. »Wenn selbst TBL aus Skandinavien anreist, die die Gathering vor der Haustür haben, um hier ihr Werk zu präsentieren, dann sollte man dies als echtes Zeichen werten!« kommentierte ein sichtlich zufriedener Zito von der Demogruppe Darkage.

Das Demo von „The Black Lotus“ hat dann auch tatsächlich gewonnen, selbst wenn der Fraktalzoomer und die Szene mit dem Baum nichts als perfekt realisierte Animationen waren. Kalms, der Programmierer arbeitet zur Zeit an einer 16-MByte-Version, die Party-Release verschluckt noch satte 20 MByte Fast-RAM, soweit diese bei den Benutzern überhaupt vorhanden sind. Aber auch „Amsterdam Blessings", das Produkt der polnischen Gruppe „Mad Wizards", wusste zu überzeugen.

»Beim abschließenden Lied ist mir echt ein Schauer über den Rücken gelaufen!« meinte Bobic, Herr der Homepage „Back to the Roots“. Aber eigentlich ist die Wahl des besten Demos sehr schwer gewesen. Interessierte Leser sollten nicht scheuen, alle 20 veröffentlichten Demos anzuschauen - sie werden es nicht bereuen.

Im Vergleich dazu konnten die Entries der PC-Competition weniger überzeugen. Offensichtlich hat eine völlig neue Generation von Machern die PC-Szene übernommen. Diese legt bei ihren Werken scheinbar mehr Wert auf technisch perfekte 3D-Engines als auf ein gutes Design und den Erhalt des typischen „Scenefeelings“ - schade! Apropos PC: Unter den Partygästen konnten wir auch den Main-Editor des PC-Diskmagazins „PAiN“, Unlock/Vantage, und seinen extra aus Portugal angereisten Co-Editor Psychic Symphony entdecken, die sich beide die Zeit nahmen, sich die Produkte der Rechnerkonkurrenz anzuschauen.

Des Sceners täglich Brot: die Redaktion wünscht guten Hunger!
Die Moderatoren hatten wieder viele Spiele zu moderieren - da kam Freude auf!
In der prall gefüllten Halle waren Prozente und Promille gefragt.

Und Action!

Was passierte sonst noch? Diverse Kamerateams liefen auf der Party auf der Suche nach interessanten Interviewpartnern umher. Unter anderem berichtete 3sat in der Dokuserie „Nano“ über die größte deutsche Szeneparty.

Die französische Szenejournalistin Clary war mitsamt Equipment angereist, um Livestatements für das Szeneradio „The Havok Free“ mit zu schneiden. Die Ergebnisse kann sich jeder Interessierte im MP3-Format von der Havok-Homepage herunter laden. Daneben macht Havok Livesendungen im Internet, die auch mit dem Falcon empfangen werden können.

Dirtie, der Leiter der Amiga-lastigen Musikgruppe „Moods", präsentierte auf der Mekka^Symposium die erste Audio-CD seiner Gruppe. „Digital Radio“ bietet die besten Tracks der Moods-Musiker samt einer unaufdringlichen Moderation zwischen den Titeln. Auf unsere Frage, warum auf der CD keine Stücke bekannter Szenegrößen zu finden sind, antwortete Dirtie: »Warum? Ist es nicht sinnvoller, gute Stücke total unbekannter Musiker zu präsentieren, um diesen eine Chance zu geben, auch zu Ruhm zu gelangen?«. Dieser Argumentation konnten wir uns nicht entziehen, wie auch nicht die anderen Käufer der CD, die erst wenige Stunden vor Beginn der Party aufgenommen worden war.

Der ZX-Spectrum-Szener Raver war extra per Anhalter aus Estland angereist, um sein kostenloses, gedrucktes Magazin zu präsentieren. Er hatte in diesem den Mitgliedern aller möglichen anderen Computer-Plattformen die Möglichkeit geboten, die Leser über deren Demoszene zu informieren. Leider hatte er für interessierte Besucher nur wenige Exemplare „on stock". »Wenn ich jetzt zurück reise, werde ich gut eine Woche per Anhalter brauchen, bis ich wieder zu Hause bin.«, erzählte Raver grinsend der unserer Redaktion. Und tatsächlich ist er erst wenige Tage vor Redaktionsschluss dieser Ausgabe angekommen.

Schluss mit lustig!

Die Mekka^Symposium hat sich zu Recht in den letzten Jahren zur führenden Party in Europa gemausert. Einzig der fehlende Platz gab einigen Befragten Grund zur Klage. Für 2002 muss eine neue, weil größere Halle her, sonst wird die Party nächstes Jahr zur Katastrophe. Auch der Eintritt sollte nicht mehr erhöht werden - DM 70.- sind mehr als genug. Ansonsten gab es kaum Grund zur Beschwerde. Die Partygäste sind nach der Preisverleihung übernächtigt, glücklich und voller Vorfreude aufs nächste Jahr nach Hause gefahren -hoffentlich hat es dort noch für die eine oder andere Oma gereicht, a Mekka^Symposium - ms.demo.org

Da ist Technik gefragt: bei der Präsentation und beim Festplatten-Weitwurf.
Hoher Besuch auf der Mekka^Symposium: da wunderte sich so mancher Scener...

Lars Sobiraj
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