Redaktionsinterview: 1 Jahr Atari Inside

An dieser Stelle veröffentlichen wir ein Interview der Redakteurin Nathalie Seiboth mit Ali Goukassian, Herausgeber der ATARI-Inside.

In diesem Interview werden viele Fragen berücksichtigt, die uns von Seiten der Leser im Laufe der vergangenen Monate gestellt worden sind. Wir hoffen, Sie haben Spaß beim Lesen!

N: Die ATARI-Inside gibt es seit nahezu einem Jahr. Bist du mit der gesamten Entwicklung zufrieden, oder könnte einiges auch besser gelaufen sein?

A: Selbstverständlich bin ich zufrieden mit der bisherigen Entwicklung. Komischerweise durchleben wir ja gerade einen kontradiktionären Zustand: Während der Markt langsam zu schrumpfen scheint, wächst die Marktpräsenz und Lerserzahl der ATARI-Inside. Als wir im vergangenen November erstmals die "inside" vorstellten, hat uns kaum jemand eine realistische Überlebenschance gegeben. Selbst bekanntere Anwender der ST-Szene witzelten, die ATARI-Inside würde spätestens im Frühjahr 1995 aufgeben müssen. Die "Buben" hätten dann doch wahrscheinlich keine Lust mehr auf dieses Magazin. Im Nachhinein ist es schon amüsant auf solche Zeiten zurückzublicken.

N: Apropos zurückblicken. Fangen wir doch einfach 'mal bei der Vergangenheit an. Wie hat denn alles überhaupt angefangen?

A: Dies ist relativ einfach zu erklären: In unserem Ort haben sich schon vor vielen Jahren die ATARI-Anwender zusammengefunden, Erfahrungen ausgetauscht und einen regen Kontakt gehegt. Für uns ist es natürlich ein Ärgernis gewesen, dass drei verschiedene ATARI-Magazine nahezu zeitgleich eingestellt worden sind. Ich stellte die Theorie auf, dass der Markt zwar zu klein für vier, aber gleichzeitig noch immer groß genug für 2 ATARI-Magazine sein müßte. Auf Grundlage dieser Idee produzierten wir das "JAG-MAG", ein 32 Seiten starkes, fotokopiertes ATARI-Magazin, welches wir auf der Frühjahrs-ProTOS '94 in Ulm und der "FEZ a Bit" in Berlin vorstellten. Die Resonanz war durchaus zufriedenstellend. Von diesem Tage an liefen die Köpfe bei mir heiß. Ich rechnete, kalkulierte, tätige viele Telefonate, trommelte Freunde und Bekannte aus dem ATARI-Lager zusammen bis der Entschluß im September gefaßt war: Wir wollten ein neues ATARI-Magazin herstellen. Da wir über kein aufregendes Finanzpolster verfügten, mussten sämtliche Quellen erschöpft und zusätzlich das Vertrauen der Anzeigenkunden gewonnen werden. Nachdem dies alles gelang, wurden Themen für die erste Ausgabe zusammengetragen und auf ATARI-Computern mit Calamus SL layoutet. Auf der proTOS im November 1994 konnten wir dann erstmals die ATARI-Inside einer breiten Masse vorstellen. Aus heutiger Sicht war es schon ein komischer Anblick, denn wir hatten auf unserem großen Stand nur ein einziges Produkt: "ATARI Inside Nr.l"1 In der Nacht von Samstag auf Sonntag erreichte uns dann das druckfrische "Sonderheft", so dass wir am Sonntag wenigstens 2 Magazine zur Verfügung hatten.

N: Wie ist denn die Resonanz der Messebesucher gewesen, als sie entdeckten, dass es eine neue ATARI-Zeitschrift gibt? Ich kann mir vorstellen, dass die aus dem "Häuschen" waren.

A: So ähnlich kann man das wohl auch bezeichnen. Unser Stand war zeitweise so dicht umringt, dass wir mit 2-3 Leuten kaum so schnelle Hefte ausliefern konnten, wie diese geordert wurden.

N: Inzwischen hat sich die gesamte Aufmachung ja doch erheblich geändert. Was wurde im einzelnen getan und worauf ist das zurückzuführen?

A: Wie die meisten Leser, die seit der ersten Ausgabe dabei sind wissen sollten, haben wir seinerzeit eine Meinungsumfrage veröffentliche die auch an einer Menge Gewinne gebunden gewesen ist. Es erreichten uns sehr viele Antworten. Aus der konstruktiven Kritik dieser Schreiben haben wir unsere Erfahrungswerte exerpieren können. Darüber hinaus erreichten uns natürlich auch viele explizit formulierte Änderungsvorschläge.

N: Wo du schon 'mal die Meinungsumfrage ansprichst: Einigen unserer Leser hat es doch enorm gestört, dass weder Umfrageergebnisse noch Gewinner des Wettbewerbes genannt worden sind. Es wurde teilweise der Vorwurf gemacht, dass der Verlag möglicherweise alle Gewinne für sich behalten haben könnte.

A: Hm, eine sehr komplizierte Geschichte... Wie allgemein zu sehen sein sollte, haben wir in dieser Ausgabe die Umfrageergebnisse veröffentlicht. Du weißt es ja selber, es war eine wahnsinns Arbeit, sämtliche Umfragezettel auszuwerten. Bis zum vergangenen März hatten wir hierzu nicht einmal genügend Zeit (siehe Foto). Nachdem wir dann mit der Verlosung beginnen wollten, kam alles anders: Als wir unser Gewinnspiel bei den Anbietern der versprochenen Gewinne vorstellten, war der allgemeine Zuspruch recht groß. Vielfach wurden uns die tollsten Preise versprochen, doch als es dann darum ging, uns die Preise zur Verfügung zu stellen, gab es einige "schwarze Schafe" unter den großzügigen Anbietern. Es mag vielfach weniger an der Gemeinheit denn an der Unzuverlässigkeit gelegen haben, doch viele Produkte erreichten nie unseren Briefkasten. Wie sollten wir diejenigen Gewinner, die ein lieferbares Produkt gewannen, schriftlich erwähnen, ohne dabei diejenigen Anbieter zu denunzieren, die uns die zugesagten Produkte nicht zusandten? Also belieferten wir stillschweigend die Gewinner, die diese Zeilen sicherlich schmunzelnd lesen. Heute haben wir aus den Fehlern gelernt: Wir werden Produkte erst dann verlosen, wenn wir eine schriftliche Lieferbestätigung oder sogar den entsprechenden Artikel vorliegen haben.

N: Starten wir einen kleinen Exkurs in die Welt der Konsolen: Was hältst Du vom Jaguar als "Retter" der ATARI- Welt?

A: Dies ist schwierig zu sagen. Wie immer handelt es sich auch beim Jaguar um eine phantastische Hardware. ATARls Problem ist leider nicht nur das Marketing sondern auch das verlorene Vertrauen der Öffentlichkeit. Daher wird das Produkt in den einschlägigen Video-Fachmagazinen häufig verrissen, obwohl es das nicht verdient hat.

N: Es ist auffällig, dass andere Konsolen wie z.B. die Sony-Playstation so sehr in den Himmel gehoben wird. Wie kommt das?

A: Sony mag ein größeres Werbevolumen haben.

N: Das sagt wohl alles. Ist denn bereits etwas zum Jaguar II bekannt, oder wird noch immer geschwiegen?

A: Der Jaguar II soll bereits an diverse Entwickler ausgeliefert worden sein. Angeblich sind die Chips nochmals optimiert worden, die Programmierung vereinfacht und TOM & Jerry sitzen zugunsten eines Geschwindigkeitszuwachses in einem Chip. Wie man weiter sagt, ist die 3D-Engine verbessert worden, so dass der Jag II nun etwa 3-4 mal schneller als die Sony Playstation sein soll.

N: Wird der Jaguar II nun ein riesen Erfolg für ATARI?

A: Nur wenn der Grundausstattung ein Spiel wie z.B. die Originalumsetzung des Automatenknüllers "Daytona USA" beiliegen sollte.

N: Schließlich habe ich noch einige Fragen zur Zukunft der ATARI Inside. Wie lange wird es ATARI- Inside nicht geben, wird sie inhaltlich abdriften und wie sieht es mit dem Thema CD-ROM als Beilage aus?

A: Ich gehe davon aus, dass ein Ende der ATARI Inside derzeit überhaupt nicht zur Debatte steht. Schließlich haben wir derzeit gute Wachstumsraten zu vermelden. Nachdem wir ab kommenden Oktober das einzige ATARI- Magazin deutschlands publizieren (!) denke ich, dass wir einen erneuten Zulauf verspüren werden. Dies kommt zum Glück gleichzeitig mit der umsatzstärkeren Weihnachts- und Messezeit. Eine erfreuliche Tatsache. Wie man im Editorial unserer Mitstreiter in der vergangenen Ausgabe vollkommen korrekt hat lesen können, wird ein nicht unwesentlicher Teil einer Zeitschrift durch Werbeanzeigen finanziert. Diesbezüglich befindet sich der ATARI-Markt in einem kleinen Teufelskreis: Werbeanzeigen werden nur dann geschaltet, wenn der Kunde darauf reagiert, d.h., dass er die Produkte, die er benötigt, auch kauft. Vielfach sind jedoch Raubkopien im Umlauf. Das ist jedoch besonders für einen relativ kleinen wie den ATARI-Markt nahezu tödlich. Es sollte alt bekannt sein, dass der Markt sich durch die Konstellation "Angebot" und "Nachfrage" reguliert. Sollte keine tatsächliche Nachfrage mehr bestehen, werden die Entwickler auch nicht mehr weiterentwickeln. Daher appelliere ich an alle Anwender, dass sie sich doch die jeweils benötigte Software tatsächlich kaufen, so dass der Markt auch weiterhin interessant für die Softwareentwickler bleibt.

Um nochmals auf die Frage zurückzukommen, wie lange die "Inside" wohl noch leben wird: Selbst wenn die Zahl der Anzeigenkunden in 1-2 Jahren drastisch zurückgehen sollte, werden wir weiterhin ein informatives Blatt für ATARIaner produzieren, notfalls in schwarz/ weiß. Dies deutet auch schon darauf hin, dass wir inhaltlich nicht abdriften werden. Sicherlich ist geplant, unsere schon vor knapp einem Jahr begonnene Rubrik "ATARI Outside - der Blick über den Tellerrand" wieder einzufahren, weil inzwischen viele ST-Besitzer zweigleisig fahren, doch ein systemübergreifendes Magazin bietet sich für unsere Gesamtkonzeption nicht an. Schließlich zum Thema CD-ROM als Beilage: Derzeit scheint es noch zu früh, für den ATARI-Markt ein solches Projekt in Angriff zu nehmen, auch wenn die Resonanz auf unsere Kundenbefragung sehr positiv gewesen ist. Geplant ist jedoch, dass wir zur Sonderausgabe eine CD-ROM zusätzlich zum Heft anbieten werden, auf der Interviews z.B. mit Jean Michelle Jarre, der Gruppe Yello und Filmsequenzen sowie Fotos von der ProTOS veröffentlichen werden. Zusätzlich wird diese CD-ROM eine Menge topaktueller Software enthalten.

N: Kann man schon etwas zum Preis dieser CD-ROM sagen?

A: Nein, leider noch nicht. Wir arbeiten derzeit an der Konzeption, doch wir werden versuchen, diese CD so preiswert wie möglich anzubieten. Die Kunden können sich auf uns verlassen.

N: Nun möchte ich noch einmal auf einige Leserfragen eingehen. Da wäre z.B. die Sache mit den Vorankündigungen. Wie kann es sein, dass einige Themen für die jeweils darauffolgende Ausgabe angekündigt werden, aber daraufhin nicht erscheinen (bestes Beispiel: Der BTX-Artikel)?

A: Das kann vielseitige Gründe haben. Einerseits kann es passieren, dass wir trotz Zusage kein Interview von einem Gesprächspartner erhalten. Dies ist natürlich besonders ärgerlich. Außerdem kann es vorkommen, dass wir einen Rohentwurf für einen Artikel haben, diesen daraufhin ankündigen und nach Fertigstellung des Artikels feststellen müssen, dass die inhaltliche Qualität nicht den Ansprüchen unserer Leser genügen würde. Schließlich kommt es immer wieder vor, dass es allgemeine Verzögerungen bei der Erstellung der Artikel gibt. Wir bitten um Verständnis.

N: Wie sieht es mit einer Rubrik für Programmierer aus, in der Praktische Tips uvm. weitergegeben werden?

A: Eigentlich waren wir auch aufgrund der Umfrageergebnisse davon ausgegangen, dass das Thema "Programmieren" inzwischen uninteressant für den gemeinen ATARIaner sein würde, doch tatsächlich sind wir von vielen Lesern darauf angesprochen worden, ob wir nicht eine entsprechende Rubrik einrichten würden. Daher ist entsprechendes in Planung. Die Serie wir auch auf jeden Fall vor der Jahreswende in Angriff genommen. Ob nun schon in der kommenden Ausgabe oder erst im Sonderheft der Startschuß fallen wird, können wir nicht sagen.

N: Ich hoffe, dass ich keine wesentlichen Fragen außer Acht gelassen habe und bedanke mich für das Gespräch.

A: Auch ich danke - nicht zuletzt für diese gute Idee. Schließlich haben wir Redakteure üblicherweise nur das Editorial als Sprachrohr. Insofern war es auch einmal eine neue Erfahrung, sich mittels eines Interviews den Fragen unserer Leser zu stellen.
N. Seiboth, A. Goukassian, N. Seiboth, A. Goukassian



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