XBoot 2.0 - Der Boot-Manager

Wie wohl jeder weiß, werden nach dem Einschalten des ST alle Programme im Ordner namens AUTO auf der eingelegten Diskette bzw. der Bootpartition der Festplatte geladen. Gleiches gilt für die Accessories, die sich im Wurzelverzeichnis befinden. Mit zunehmender Zeit sammeln sich immer mehr Programme im Autoordner und auch die Zahl der vorhandenen Accessories steigt stetig. Da geht der Überblick schnell verloren. Außerdem belegt eine stattliche Sammlung von Accessories und Autoordner-Programmen sehr viel Speicherplatz im Rechner, der dann oft an anderer Stelle fehlt. Erschwerend kommt hinzu, dass nur maximal sechs Accessories geladen werden können. Umständlich wird es, wenn man Accessories von Hand umbenennen, löschen oder umkopieren muss, nur damit beim nächsten Einschalten die gewünschten Accessories zur Verfügung stehen. Gerade Festplattenbesitzer wissen hiervon oft ein Lied zu singen.

Genau hier setzt XBoot an. Es erlaubt nach dem Einschalten (bzw. einem Reset) des Rechners, die Programme im Autoordner sowie die Accessories auszuwählen, damit nur die tatsächlich benötigten geladen werden. Um dies zu erreichen, ändert XBoot die Extensions der nicht benötigten Programme einfach von ACC in ACX bei den Accessories und von PRG in PRX bei den Autoordnerprogrammen. Wie im Bild zu sehen ist, läßt sich das komplette Menü direkt nach Einschalten des Computers, mit der Maus oder durch Tastaturkommandos bedienen. Sie klicken je nach Bedarf die gewünschten Programme im Autoordner und die Accessories auf Ihrer Bootpartition an, welche dann durch einen Haken gekennzeichnet und nach Verlassen von XBoot ausgeführt werden.

Das Installationsprogramm

Nach dem Start des Installationsprogrammes besteht die Möglichkeit, das Boot-Laufwerk zu selektieren und damit XBoot automatisch in den Autoordner der ausgewählten Partition zu kopieren. Hierbei wird XBoot immer an physikalisch erster Stelle gesetzt. Angemerkt sei an dieser Stelle, dass XBoot generell mit schreibgeschützten Dateien zurechtkommt. Sollten während der Installation irgendwelche Fehler auftreten, wird in der Statuszeile dieser Fehler angezeigt.

Von nun an erscheint es bei jedem Systemstart ganz zu Anfang auf dem Bildschirm. Beim Betrachten des Bildschirms will man seinen Augen zunächst nicht trauen: War man bisher von Autoordnerprogrammen eine simple tastaturgesteuerte TOS-Oberfläche gewohnt, so präsentiert sich XBoot mit einer grafischen Oberfläche, die sich komplett per Maus bedienen läßt. Das ist deshalb erstaunlich, weil Programme im Autoordner keinerlei GEM-Funktionen benutzen können. Neben der komfortablen Bedienung mit der Maus lassen sich alle wichtigen Funktionen auch über Tastaturkürzel (Shortcuts) steuern. Die Tastenbelegungen sind durch unterstrichene Buchstaben in den Buttons hervorgehoben, wie man es von richtigen GEM-Programmen wie Gemini oder Rufus kennt. Fehler, die während des Betriebs auftreten, werden wie gewohnt in Alertboxen angezeigt.

Aus Wahlmöglichkeiten

Bei XBoot lassen sich PRGs, ACCs und SETs in alphabetischer Reihenfolge anzeigen. Ferner besteht die Möglichkeit, die Startreihenfolge (Veränderung der physikalischen Reihenfolge) fürPRGs und ACCs einzustellen. Diese Option hat einen sehr hohen Stellenwert, da es für manche Programme wichtig ist, in welcher Reihenfolge sie abgearbeitet werden. Ein weiterer Punkt ist die Einbindung von diversen Definitionsdateien. Im Vergleich zur Version 1.0, wo dieses durch umständliches Ändern in Texteditoren vorgenommen werden musste, werden in Version 2.01 sämtliche Eingaben durch reine GEM-Anwendung vorgenommen. Das Auswählen von Autostartprogrammen und Definitionsdateien erfolgt durch eine integrierten komfortable Fileselectorbox. So ist ein separater Texteditor zur Installation von XBoot nicht mehr vonnöten!

Sollten während der Installation eines ausgewählten SETs Fehler auftreten, werden sie in Form von Alertboxen angezeigt. Dem Anwender wird dadurch die Möglichkeit gegeben, den Vorgang abzubrechen, um wieder in XBoot zurückzukehren und Änderungen vorzunehmen.

Die Auswahl diverser Definitionsdateien kann in drei Eingabefeldern über die File-selektorbox vorgenommen werden. Der dazugehörige Pfad wird mit der Maus ausgewählt und im zugehörigen SET abgespeichert.

Set oder nicht Set?

Durch XBoot wird es dem Benutzer ermöglicht, die Einstellung der Startkonfigurationen im Autoordner und die der Accessories auf der Bootpartion, je nach Anwendung zu verändern. Hierbei ist es möglich vereinzelte Settings (Set), die man öfters benutzt, fest abzuspeichern. So haben Sie die Möglichkeit feste Einstellungen von Spoolern, Emulatoren, Installationsprogrammen etc. abzuspeichern und Sie beim Bootvorgang von XBoot mit einem einzigen Mausklick zu starten. Dies ermöglicht die Erstellung verschiedener Startsettings z. B. für Wordplus, Stad, Signum! etc. Es besteht außerdem die Möglichkeit verschiedene DESKTOP.INFs, Definitionsdateien z.B für das Multitalent HARLEKIN sowie ASSIGN.SYS für GDOS zu installieren.

Die Auswahl der gewünschten DESKTOP.INF-Datei erfolgt dann in XBoot über den Fileselector. Es lassen sich aber nicht nur mehrere DESKTOP.INF- oder AS-SIGN.SYS-Dateien verwalten. XBoot ist hier sehr flexibel und erlaubt die freie Wahl ganz nach den Bedürfnissen des Anwenders. Besitzer von Grafikkarten (z.B. der MAXON MGE oder der G32) beispielsweise können den Treiber meist mit Hilfe einer externen Datei konfigurieren. Speichert man sich nun eine Reihe solcher Konfigurationen mit unterschiedlichen Dateinamen ab, läßt sich in XBoot schon beim Booten festlegen, in welchem Grafikmodus oder mit welchen Farben man arbeiten möchte. Auf diese Weise kann man auch sehr einfach verschieden große RAM-Disks verwalten, sofern sich diese ebenfalls über eine separate Datei konfigurieren lassen. Die Zugriffspfade für die Info-Dateien lassen sich im mitgelieferten Konfigurationsprogramm einstellen.

Denn eine wertere Besonderheit von XBoot ist die Möglichkeit, GEM-Programme nach dem Booten automatisch zu starten. Mit Hilfe eines kleinen Zusatzprogramms kommen auch Besitzer der älteren TOS-Versionen 1.0 und 1.2 in den Genuß dieser Funktion. Ab TOS 1.4 gibt es zwar eine offizielle Möglichkeit, ein GEM-Programm automatisch zu starten, jedoch ist dies auf ein einziges Programm beschränkt: Will man einmal ein anderes Programm automatisch starten lassen, so muss man es erst auf dem Desktop ändern und mit Arbeit sichern abspeichern. Das geht mit XBoot erheblich einfacher. Hier läßt sich für jedes der gespeicherten SETs ein Autostart-Programm angeben. Die Auswahl des Programms erfolgt über einen Fileselector, der neben der einfachen Dateiauswahl auch das Umbenennen und Löschen von Dateien sowie das Ändern der Dateiattribute erlaubt. Anwender, die einen ST mit TOS 1.4 oder einen STE mit TOS 1.6 besitzen, können bei Programmen auch gleich das sogenannte Fastload-Bit setzen oder löschen.

Neben den bereits geschilderten gibt es noch eine Reihe weiterer Funktionen, die die Arbeit mit dem ST erleichtern. Bei Rechnern ohne akkugepufferte Uhr sind Uhrzeit und Datum resetfest. Auf Wunsch fragt XBoot nach einem Kaltstart auch automatisch nach dem aktuellen Datum. Der Butter kann - sofern vorhanden - für jedes SET separat aus- oder eingeschaltet werden. Die Einstellungen in DESKTOP-.INF, wie z.B. Drucker-/RS232-Anpassung oder Tastaturklick, die normalerweise nur gesetzt werden, wenn das Kontrollfeld-Accessory mitgeladen wird, lassen sich auch von XBoot übernehmen.

Das Konfigurationsprogramm

Nach dem Aufruf des Konfigurationsprogrammes besteht die Möglichkeit, verschiedene Grundeinstellungen vorzunehmen. Durch Auswahl eines SCRAP-Ordners ist es möglich, eventuell fehlerhafte Dateien, während des Systemstarts dort abzulegen. Ich verzichte hier auf weitere Erläuterungen, da alle vorzunehmenden Einstellungen selbsterklärend sind. Hervorzuheben wären nur noch die frei Wahl des Boot-Laufwerkes für ACCs, die Einbindung der 60 Hz.-Umschaltung und der Mausparameter, wodurch bislang genutzte Hilfsprogramme der Vergangenheit angehören.

Eigene Erfahrungen

Die Installation von XBoot auf meinem ATARI ST erfolgte ohne Probleme. Nach der Auswahl eines SETs und Ausführung meiner angewählten PRGs und ACCs, meldete sich XBoot mit der Meldung -Schreibfehler-. XBoot konnte eine Harlekin-Definition nicht installieren, da nicht genügend Speicherkapazität auf meiner Bootpartition vorhanden war. Durch Rückkehr zu XBoot war es mir nun möglich mit Hilfe der Option File Tools nicht benötigte Dateien von der Bootpartition zu löschen, um freien Speicherplatz zu erhalten. Danach startete XBoot meine SET-Datei ohne Probleme.

Fazit

Zum Schluß noch ein Wort zur Kompatibilität. XBoot unterstützt nicht nur sämtliche Standardauflösungen des ST, sondern funktioniert auch mit anderen Bildschirmauflösungen, also zum Beispiel mit Overscan und sogar mit Großbildschirmen. Lobenswert ist auch der problemlose Betrieb mit dem neuen Atari TT.

Festplattenbesitzer, die bislang über umständliche Tastaturkommandos die Einstellung ihrer PRGs und ACCs vorgenommen haben und sich mit Bomben und Systemabstürzen herumärgern mussten, können aufatmen. Mit XBoot gehört dies der Vergangenheit an. Einfache Installation, Bedienung und Vielfalt des Programmes, vor allem die saubere GEM-Programmierung und Absturzsicherheit, ermöglichen jedem Anwender den sofortigen problemlosen Einstieg in XBoot. Zum Preis von 69 DM gehört der Boot Manager XBoot zur Grundausstattung jedes Festplattenbesitzers.


Ralf Gadermann



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