KVP - Das Kredit-Vergleichs-Programm: Dem Kredithai auf der Spur

Wer in fernen paradiesischen Ländern gerne in Urlaub fährt, muß sich gerade beim Baden im Meer vor einer gar nicht seltenen Spezies von Meerestieren in acht nehmen. Unsere geschätzten Leserinnen und Leser ahnen sicherlich, daß von den Haien die Rede ist. Doch auch in unserer geliebten Heimat ist man vor diesen Tieren nicht sicher. Gar mancher Kredithai treibt hier sein Unwesen, indem er von Haustür zu Haustür marschiert und die ahnungslosen Bürger mit seiner Masche in seinen Bann zieht. Ist der Kreditvertrag erst einmal unterschrieben, schlägt der Kredithai erbarmungslos seine Zähne in das wehrlose Opfer und zieht es in einen tiefen Strudel von Schulden hinab.

Doch kann man sich eigentlich auf eine sehr einfache Art und Weise schützen, denn wozu hat man denn schließlich seinen Atari? Auch die passende Software ist hierfür inzwischen auf dem Markt erhältlich.

Leistungsumfang

Kredit-Vergleichs-Programm (KVP) wird auf Diskette mit einem ca. 30seitigen, gebundenen Handbuch geliefert. In der Einleitung heißt es, daß dieses Programm vor bösen Überraschungen im Kreditgeschäft schützen soll, da viele Kreditnehmer nicht wissen, mit welchen unfairen Tricks manche Anbieter ihre Kredite dem Kunden präsentieren. Natürlich beseitigt KVP nicht die Naivität mancher Bürger, aber Raten oder Kreditsummen lassen sich immer vergleichen. So läßt sich auf einfachste Weise das günstigste Kreditangebot finden. Als Anhaltspunkt dafür können die Kreditkosten oder der Effektivzins dienen. Und da Bilder bekanntlich immer mehr als 1000 Worte sagen, habe ich in diesem Testbericht sehr viel Wert auf eine grafische Darstellung des Programms gelegt.

Berechnungen

Nach dem Starten von KVP öffnet sich der Hauptarbeitsbildschirm (Bild 1), der in 4 Teilbereiche unterteilt ist. Der obere Bereich ist für allgemeine Informationen reserviert. Unter anderem erreicht man hier die eigentliche Menüleiste sowie die Accessories. Der zweite Bereich zeigt persönliche sowie bankspezifische Daten an. Im dritten großen Bereich werden die verschiedenen Angebote mit den entsprechenden Berechnungen gegenübergestellt. Im unteren, vierten Bereich aktiviert man die verschiedenen Sonder- und Ausgabefunktionen. Grundsätzlich kann man auswählen, ob man einen Hypotheken- (Annuitäten-) oder einen Ratenkredit (Kleinkredit) berechnen lassen will. Danach erfaßt man noch den Kreditbetrag und den Laufzeitbeginn, und schon öffnet sich die Eingabemaske für die erste Bank. Dort gibt man die Bankleitzahl sowie den Namen und die Adresse der Bank ein. In einer weiteren Maske trägt man den Zinsfestschreibungszeitraum, den Nominalzins, die Bearbeitungskosten sowie das Disagio ein. Bei Hypothekenkrediten unterstellt das Programm eine Anfangstilgung von 1%, da ansonsten die Restschuld nicht ausreichend getilgt wird. Ferner muß man bei Hypothekenkrediten die Kontoführungsmethode (Bild 2) auswählen, nach der die jeweilige Bank ihre Berechnung anstellt. Hat man alle Eingaben getätigt, berechnet KVP den Finanzierungsvorschlag und gibt am Bildschirm die Kreditlaufzeit, den Effektivzins sowie die Rückzahlungsbeträge aus. In drei Spalten kann man so drei Angebote vergleichen. Tippt man Bank D an, wird automatisch aus dem Datenbestand die günstigste Alternative gesucht.

Ausgaben

Nach der Berechnung der Kredite kann man die Daten auf verschiedene Arten weiterverarbeiten. Zum einen kann man sich ein Blatt mit allen Ergebnissen der Kreditberechnungen ausdrucken lassen, zum anderen kann man sich ein Verhandlungspapier erstellen lassen, bei dem die Bearbeitungskosten auf Null reduziert und der Nominalzins soweit angeglichen wurde, daß die Kreditkosten bis auf DM 10,-übereinstimmen. Ferner kann man sich in einem Tilgungsplan über die gesamte Laufzeit hinweg die Entwicklung der Restschuld mit den zugehörigen Zins- und Tilgungsanteilen ausdrucken lassen. Last but not least läßt sich der Verlauf des Zins-und Tilgungsanteils über die gesamte Laufzeit grafisch in einem Liniendiagramm ausgeben.

Grafiken

Eine der sicherlich interessantesten und aussagekräftigsten Funktionen ist die grafische Darstellung einer Kreditberechnung auf dem Monitor. Die Grafik zeigt den Kreditblock, der von oben Rate für Rate abgetragen wird. Links von der Kurve ist der jeweilige Zins-, rechts der jeweilige Tilgungsanteil dargestellt. Im Verlaufe der Zeit wird der Tilgungsanteil beim Hypothekenkredit immer größer, während der Zinsanteil gleichzeitig stetig abnimmt. Beim Ratenkredit ist der Zins- und Tilgungsanteil dagegen immer gleich groß. Der waagerechte Strich mit Jahres- und Monatsangaben zeigt den Zeitpunkt, an dem der Zins- und Tilgungsanteil gleich groß ist. Bild 3 zeigt die grafische Gegenüberstellung von Kreditberechnungen dreier verschiedener Banken.

Nachkontrolle

Mit KVP kann man über die Funktion KONTROLLE auch Besonderheiten wie Sonderzahlungen, Sondertilgungen, Nominalzinsänderungen oder Änderungen in der Ratenhöhe in eine Berechnung einbauen. Bild 4 zeigt ein Beispiel, bei dem nach 5 Jahren eine Sondertilgung getätigt wird. Durch den Sprung nach links reduziert sich der Zinsanteil, den die Bank erhält. Der Kredit wird schneller getilgt, da der Resttilgungsanteil sich vergrößert hat. Nach 10 Jahren erhöht die Bank aber den Nominalzins. Die Kurve macht einen Sprung nach rechts, da sich der Zinsanteil wieder erhöht und der Resttilgungsanteil verringert.

Bild 2: Durch die Eingabe der Kontoführungsmethode werden die Daten gemäß der Prinzipien der Annuitätenkredite berechnet.

Bild 3: Graßscher Vergleich von drei unterschiedlichen Angeboten

Bild 4: Diese Grafik zeigt den Einfluß von Sondertilgungen und Zinssatzänderungen auf die Rückzahlungsdauer.

Besonderheiten

Als nettes Feature wurde in KVP eine Maske implementiert, die für das Sparen verschiedene Berechnungsmethoden bietet (Bild 5). Hier kann man sich Einmalanlagen, Ratensparen und Kapitalumwandlungen berechnen lassen. In jeder Teilmaske müssen lediglich drei Werte eingegeben werden. Auf Knopfdruck berechnet KVP den fehlenden vierten Wert. Ferner bietet KVP die Möglichkeit, verschiedene Währungen zu benutzen. In einer Dialogbox werden die aktuellen Kurse erfaßt (z.B. USD, FRF, JPY oder ECU). In einer Grafik kann man sich zusätzlich den Kursverlauf darstellen lassen.

Fazit

KVP ist ein nettes und gefälliges Programm, das manches Licht in das Dunkel der Banken bringt. Es wäre wünschenswert, wenn die Banken jedem Kunden solche Berechnungen erstellen würden, so daß die Anschaffung eines solchen Programms unnötig würde. Leider zeigt die Realität oft das Gegenteil, und so bleibt einem leider nur der Griff ins eigene Portemonnaie. Das Handbuch reicht trotz der wenigen Seiten zum Verständnis voll und ganz aus und gibt auch noch einige praktische Lebenshilfen dazu. KVP selber ist zwar unter GEM geschrieben, läuft aber in einer Dialogbox ab, so daß Multitasking-Betrieb und Accessories blockiert sind. Zu meinem Erstaunen habe ich KVP trotz zugegebenermaßen drastischer Tests des öfteren in den siebten Computerhimmel gejagt (z.B. gesperrte Mausbedienung). Hier muß der Entwickler unbedingt noch für mehr Betriebssicherheit sorgen. Zum Preis: KVP kostet derzeit DM 248,- und ist damit doch ein wenig zu teuer. Vor allen Dingen tummeln sich im Public-Domain-Bereich auch einige durchaus brauchbare Programme. Die Preispolitik sollte also noch einmal überdacht werden; ansonsten ist KVP ein interessantes und sehr nützliches Programm, das durchaus empfohlen werden kann.

Bild 5: Eine Maske zum Berechnen von Sparfunktionen rundet den Leistungsumfang von KVP ab.

Bezugsquelle:

H. Richter Distributor Hagener Str. 65 W 5820 Gevelsberg

Positiv:

gute grafische Veranschaulichung

Negativ:

hoher Preis
Programm arbeitet nicht mit GEM-Fenstern
nicht 100%ig absturzsicher
Rainer Wolff



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