Der ATARI ST wird zum RTTY-Terminal


Die Funkamateure können aufatmen. Hier wird das erste Programm vorgestellt, das unter Zuhilfenahme einfacher Hardware, einem sogenannten Konverter, den Sende- und Empfangsbetrieb in der Betriebsart RTTY (Radio Teletype — Funkfernschreiben) ermöglicht.

Gerade in den letzten Jahren hat das Interesse am Funkfernschreiben deutlich zugenommen. Das hängt wohl auch damit zusammen, daß sich ein Computer sehr gut für dieses Hobby eignet. Mußte man sich noch vor einigen Jahren einen Fernschreiber zulegen, so genügt es heute, einen Computer mit dem entsprechenden Programm zu „füttern“. Funkfernschreiben ist somit ein Musterbeispiel dafür, wie sich früher rein hardwaremäßige Aufgaben heute mit Software bewerkstelligen lassen. Das hier vorgestellte RTTY-Programm der Firma KFC aus Königstein schließt nun auch diese Softwarelücke des ATARI ST.

Das Programm wurde von DG6FH in der Programmiersprache ’C’ geschrieben und arbeitet auf TOS-Ebene, d. h. die gesamte Bedienung erfolgt über die Tastatur und nicht mit der Maus. Ob dies bei einem Programm, welches ausschließlich mit Texten arbeitet, sinnvoll ist, darüber kann man streiten. Sicher wäre ein häufiges Wechseln zwischen Tastatur und Maus auf die Dauer eher lästig, andererseits wäre die Fenstertechnik oder „Helpmenüs“ auf GEM-Ebene an manchen Stellen wünschenswert. Das Programm arbeitet sowohl mit dem monochromen, hochauflösenden Monitor, als auch mit einem Farbmonitor in mittlerer Auflösung. Bevor Sie das Programm starten, sollten Sie die Uhr im Kontrollfeld auf GMT (Weltzeit) einstellen, da es im Programm nicht mehr möglich ist. Damit die Daten übertragen werden können, muß selbstverständlich ein Konverter vorhanden sein, der die Töne vom Empfänger für

„Mark“ und „Space“ in computergerechte Signale umwandelt und umgekehrt die Rechteckimpulse des Rechners in Töne, die gesendet werden können. Ein solcher Konverter, der übrigens auch die Sende-Empfangsumschaltung der Funkstation (PTT) steuert, wird bei diesem Programm an den Druckerport angeschlossen.

Nach dem Starten (Doppelklick auf RTTY.TOS) ist der Rechner mit der — im Amateurfunk üblichen Geschwindigkeit von 45 Baud - empfangsbereit. Dies wird durch ein ’RX:’ auf dem Bildschirm signalisiert. Nun kann man, wenn es gewünscht wird, die Geschwindigkeit ändern (siehe Tabelle), und zwar für Senden und Empfang getrennt. Dies ermöglicht es, z. B. mit 100 Baud zu senden und mit 45 Baud zu empfangen. Das Wechseln der Geschwindigkeit ist auch während des Empfangs möglich.

Tabelle der möglichen Geschwindigkeiten

F1 senden 45 Baud 
F2 senden 50 Baud
F3 senden 57 Baud 
F4 senden 75 Baud 
F5 senden 100 Baud
F6 empfangen 45 Baud 
F7 empfangen 50 Baud 
F8 empfangen 57 Baud 
F9 empfangen 75 Baud 
F10 empfangen 100 Baud

Damit sind alle Geschwindigkeiten, bei denen der Baudot-Code benutzt wird, vorhanden. Denn bei größerem Tempo ist dieser Übertragungscode zu fehleranfällig, und es wird der ASCII-Code verwendet. Diesen kann das Programm allerdings nicht interpretieren. Funkamateure, die mit dem ASCII-Code arbeiten möchten, können auf die RS 232 Schnittstelle und das VT 52 Terminalprogramm, welches von ATARI mitgeliefert wird, zurückgreifen. Ein Grund für die Fehleranfälligkeit des Baudot-Codes ist, daß sowohl für Buchstaben als auch für Zeichen und Ziffern die gleiche Bitfolge (Zeichenfolge) benutzt wird, nur mit dem Unterschied eines vorangestellten Umschaltbefehls. Geht nun dieser Umschaltbefehl durch eine Störung verloren, so schreibt der Computer z. B. weiter wirre Zahlen und Satzzeichen auf den Bildschirm, obwohl es längst wieder Buchstaben sein sollten. Das Programm bietet hier die Möglichkeit, durch Drücken der ’Help’-Taste diesen Umschaltbefehl auch auf der Empfängerseite manuell zu geben, so daß der Rechner wieder Buchstaben schreibt. Zur Störsicherheit des Programms ist noch festzustellen, daß durch den hohen Systemtakt des ST jedes empfangene Zeichen (samt Startbit) ca. 20 bis 50 mal, je nach eingestellter Geschwindigkeit, geprüft wird, so daß ein Störimpuls, der kleiner als 22 Millisekunden ist, erkannt und ignoriert wird.


Die Sende- Empfangsumschaltung erfolgt durch Drücken der Taste Danach schaltet der Rechner mittels der PTT-Leitung den Sender ein und wartet auf eine Eingabe der Tastatur. Ein ’TX:’ kennzeichnet den Sende-Modus. Gut gelöst wurde das Aussenden von Standardtexten, wie z. B. CQ-Rufe, Stationsbeschreibung, etc.. Gab es bisher nur die Möglichkeit, solche vorbereiteten Texte fest im Programm und somit nur schwer änderbar unterzubringen oder aber im RAM, wo sie nach jedem Ausschalten des Rechners gelöscht werden, so werden Ihre Texte hier als ASCII-File auf Diskette geschrieben. Damit sind diese Texte jederzeit leicht änderbar und trotzdem dauerhaft auf der Systemdiskette gespeichert. Außerdem sind sie in ihrer Länge nur durch die Diskettenkapazität beschränkt, was wohl in jedem Fall ausreichen dürfte. Diese Texte (ASCII-Files) können mit jedem Editor bzw. Textverarbeitungsprogramm erstellt werden. Mitgeliefert wird der Editor ST-WRITER. Den Texten kann man einen beliebigen Namen geben, der allerdings auf ’.F < n > ’ enden muß. Dabei steht < n > nur als Platzhalter für eine Zahl zwischen 1 und 10, welche später der Funktionstaste entspricht, mit der der Text im Sende-Modus aufgerufen wird. So wird z. B. ein Text-File mit dem Namen CQCQCQ.F1 mit der Funktionstaste Fl aufgerufen und automatisch gesendet. Das Programm sendet keinen automatischen Zeilenvorschub / Wagenrücklauf, erinnert jedoch nach 54 Zeichen durch eine Glocke daran.Nach 64 Zeichen ertönt die Glocke dann nach jedem Tastendruck. Durch Drücken der 'Return’- bzw. 'Enter’-Taste wird ein Wagenrücklauf und Zeilenvorschub gesendet. Betätigt man nochmals die Taste wird der Sende-Modus verlassen und auf Empfang umgeschaltet. War der gesendete Text jedoch länger als 30 Zeichen, wird automatisch noch das eigene Rufzeichen und die Uhrzeit mit ausgesendet (siehe Bild 2). Diese Tatsache soll den lizensierten Funkamateur vor Störern bzw. Raubkopierern schützen. Da das eigene Rufzeichen fest ins Programm eingebaut ist, muß es bei Bestellung mit angegeben werden.

Bewertung

Mit dem Programm läßt sich vernünftig arbeiten, obwohl es in seiner Gesamtstruktur einfach gehalten ist. Sehr angenehm ist die Möglichkeit, vorbereitete Texte oder auch ganze Programme von der Diskette her zu senden. An Luxusausstattung wurde jedoch gespart, so wäre ein geteilter Bildschirm für Empfang und Senden wünschenswert. Angenehm wäre auch die Möglichkeit, den empfangenen Text gleichzeitig abspeichern oder drucken zu können. Eine Statuszeile, die Uhrzeit, Übertragungsgeschwindigkeit, oder auch die Funktionstastenbelegung, die ja bei Empfang und Senden unterschiedlich ist, ständig anzeigt, würde die Übersichtlichkeit erhöhen. Andere Betriebsarten wie AMTOR oder CW sind natürlich enorm hohe Ansprüche, die das Programm (noch) nicht erfüllen kann.

Wie uns die Firma KFC mitteilte, wird an einer verbesserten Version, die verschiedene Fenster für Empfang und Senden zur Verfügung stellt, gearbeitet. Diese ist dann gegen einen Aufpreis und Rücksendung der Original-Diskette zu erhalten. Das hier getestete RTTY-Programm kostet 98,- DM incl. MwSt. und kann unter folgender Adresse bezogen werden:

KFC-Computer
Wiesenstr. 18
6240 Königstein

(UB)



Aus: ST-Computer 03 / 1986, Seite 30

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