Messebericht: Der erste Alleingang der CeBIT

Die Hannover-Messe CeBIT für Büro-, Informations- und Kommunikationstechnik ist dieses Jahr zum ersten Mal in eine reine Computer- und Industrie-Messe getrennt worden. Insofern hatte die größte Computerschau der Welt eine Bestandsprobe zu bestehen. Nun, nachdem die CeBIT gelaufen ist, läßt sich feststellen, daß die Teilung ein voller Erfolg war. Vom 12. bis 19. März präsentierten über 2 100 Firmen aus 31 Ländern in 13 Hallen ihre neusten Entwicklungen rund um den Computer. Die Zahl der ausstellenden Firmen hat - im Vergleich zum vergangenen Jahr - um knapp 60 Prozent zugenommen, was beweist, daß das Geschäft mit den „Bits“ und „Bytes“ noch expandiert. Mit über 350 000 Besuchern, davon etwa 23 Prozent aus dem Ausland, wurden die Erwartungen weit übertroffen. Ein Indiz für die Qualität dieser Messe spiegelt sich auch in dem hohen Anteil von Fachbesuchern (rund 90 Prozent) wieder. Von allen Sonderschauen, die auf der Messe gezeigt wurden, hat sich das Computer-Camp mit ca. 15 000 Besuchern als besonders attraktiv für junge Leute gezeigt.

Ein Jahr danach

Nach der Premiere des 520 ST auf der CeBIT 85, zeigte ATARI diesmal auf dem über 500 Quadratmeter großen Messestand die neueste Hardware sowie ein riesiges Softwareangebot. An 44 Tischen hatte ATARI alle zur Zeit bedeutenden Softwarehersteller und Hardwareentwickler vereint, so daß dem Besucher fast alle wichtigen Produkte für den ST an einem einzigen Stand geboten wurden. Wie gewohnt, veranstaltete ATARI gleich am ersten Messetag eine Pressekonferenz, an der alle wichtigen Hard- und Softwareentwickler des STs sowie die Geschäftsführer aus den USA und Deutschland teilnahmen und für Fragen aller Art Antwort standen.

Deutschland-Geschäftsführer Alwin Stumpf konnte an diesem Abend eine äußerst positive Bilanz ziehen. ATARI hat weltweit bereits über 100000 STs verkauft, davon allein in Deutschland bis Ende Januar 86 rund 40 000 Stück. Damit hat sich der ATARI ST wichtige Marktsegmente in der Industrie und beim professionellen Anwender (meist ehemalige Apple II- und PET Besitzer) sowie in der Forschung, Lehre und bei Universitäten geschaffen. Der kommerzielle und der sogenannte Home-Computer Bereich (vor allem C-64’er Aufsteiger) sind bis jetzt noch nicht zufriedenstellend abgedeckt. Den kommerziellen Markt hofft man nun durch die neue Software und eine große Auswahl an Terminalprogrammen befriedigen zu können. Der Home-Computer Markt wird sicher nach dem jüngsten Preissturz von 30 Prozent beim 260 ST erobert werden.

A. Stumpf S. Shivji J. Tramiel S. Hartmann S. Tramiel

Um möglichst flächendeckend zu arbeiten, ist das ATARI Vertragshändlernetz auf ca. 220 Händler bundesweit erweitert worden. Der 260 ST wird zusätzlich über Kauf- und Warenhäuser vertrieben. Dieser Rechner wird allerdings von ATARI nur noch zusammen mit einer Floppystation ausgeliefert.

Stand die CeBIT des letzten Jahres unter dem Motto neuster Hardware, so war dieses Jahr das große Softwareangebot auffällig. Aber nicht nur die große Anzahl an neuen Programmen, sondern auch die Qualität wurde von Sig Hartmann, verantwortlich für die Software, gelobt. Weltweit arbeiten ca. 2 000 Softwarehäuser an neuen Produkten für die ST-Modelle, davon sind zur Zeit etwa 250 erhältlich. Diese Zahlen zeigen das starke Vertrauen der Entwickler in die ST-Generation. Besonders hervorgehoben wurden deutsche Softwarehäuser, die vor allem Anwender-Programme (keine Spiele) entwickeln. Qualität zeigt sich bei der ST-Software durch volle Ausnutzung der GEM Benutzeroberfläche und leichter Bedienung der Programme, so daß das Lesen langer Bedienungsanleitungen (Bücher) in Zukunft entfallen soll. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß alle künftigen ST-Modelle aufwärts softwarekompatibel sein werden. Der Anwender kann folglich seine Programme auf allen in der Zukunft erscheinenden ST-Modellen weiter verwenden.

Hardwareneuigkeiten

ATARI selbst sorgte für großes Aufsehen mit seinen neusten Produkten. Neben dem neuen ST-Modell 1040 ST/F waren der MS-DOS Emulator, der Drucker SMM 804 speziell für die ST-Rechner und die 20 Megabyte Festplatte SH 324 zu sehen.

Kompakt ist angesagt - der 1040 ST/F

Der neue 1040 ST/F

Äußerlich ist er kaum verändert, aber innen bietet er geballte Technik auf kleinstem Raum. ATARI hat aufgeräumt; nicht nur die Kabel sind verschwunden, sondern auch im Inneren hat sich einiges geändert. Die für dieses Modell neu entwickelte Platine besitzt, wie der 520 ST +, ein Megabyte Speicher, jedoch ist die zweite RAM-Bank nicht mehr auf die erste aufgelötet (Huckepack), sondern sie liegt neben der ersten Bank (siehe Bild). Über der Platine wurde ein Floppylaufwerk mit 720 Kilobyte Speicherkapazität installiert, so daß die Diskette von der rechten Seite her eingeführt werden muß. Auf der linken Seite befindet sich auf einer Extra-Platine über den ROMs ein sogenanntes Schaltnetzteil, welches die notwendigen Spannungen für den Rechner und das Floppylaufwerk erzeugt. Ein Schaltnetzteil hat einen höheren Wirkungsgrad als die herkömmlichen Trafo-Netzteile. Das bedeutet bei gleichen Leistungsdaten weniger Platzbedarf und geringere Wärmeentwicklung. Für den technisch Interessierten ist vielleicht noch von Bedeutung, daß das Netzteil nur die +12 und +5 Volt Spannung direkt erzeugt. Die —12 Volt werden mittels eines DC-DC-Wandlers gewonnen. Ansonsten entspricht der 1040 ST/F einem 520 ST + mit angeschlossener Floppy SF 314. Dadurch ist das neuste Modell völlig mit den bisherigen ST’s softwarekompatibel. Der 1040 ST/F soll keines der alten Modelle ersetzen, er stellt lediglich eine neue Variante in der ST-Serie dar.

Die Platine des 1040 ST/F

Der 1040 ST/F kostet mit monochromen Monitor SM 124, der Maus sowie Basic und Logo DM 3 298,- incl. MwSt. Dieser Preis enthält die ROMs, mit denen er bereits ausgeliefert wird.

Der ATARI ST versteht MS-DOS

Der geöffnete MS-DOS Emulator

Auf der CeBIT konnte man einem Prototyp des MS-DOS Emulators bei der Arbeit mit „Multiplan“ Zusehen. Dieser Hardware-Emulator ist ein quasi eigenständiger Rechner in einem eigenen Gehäuse (etwa so groß wie ein Schuh-Karton), in dem auch noch ein 5 1/4-Zoll Laufwerk Platz findet. Auf der Emulator-Platine befindet sich ein eigener Prozessor 8088, der mit 8 MHz getaktet wird, 512 Kilobyte RAM und ROMs, in denen das BIOS enthalten ist. Die 512 Kilobyte RAM können im „ST-Modus“ als RAM-Disk verwendet werden. Ferner ist durch einen freien IC-Sockel die Möglichkeit gegeben, den Arithmetik-Coprozessor 8087 einzusetzen, wodurch alle mathematischen Funktionen wesentlich beschleunigt werden. Im Gehäuse ist ein Netzteil und ein Lüfter integriert. Der Emulator wird über den DMA-Port mit dem ST verbunden, der dann nur noch als Terminal dient. Laut den Angaben des Entwicklers soll der bekannte Flugsimulator II, der oft als Härtetest für die Kompatibilität mit dem original IBM PC herangezogen wird, mit diesem Emulator auf dem ST lauffähig sein. Der Emulator soll im Spätsommer in Deutschland auf den Markt kommen und etwa DM 500,— ohne 5 1/4-Zoll Floppy kosten. Mit Floppy wird er etwa das Doppelte kosten.

Die Festplatte - 20 Megabyte auf einer Scheibe

Der Drucker SMM 804

Die schon lang erwartete Festplatte von ATARI wird nun in kleinen Stückzahlen ausgeliefert. Dabei handelt es sich um eine 5 1/4-Zoll Platte mit der Typenbezeichnung SH 324, die formatiert 20 Megabyte Speicherplatz zur Verfügung stellt. Eine Festplatte ist für den professionellen Einsatz unerläßlich. Der Preis beträgt DM 1998,— incl. MwSt. und entspricht somit der Preispolitik von ATARI. Um Datenverluste zu vermeiden, ist es empfehlenswert die Daten von der Festplatte von Zeit zu Zeit auf einen sogenannten Streamer zu kopieren (Backup). Ein Streamer ist ein Bandlaufwerk mit einer hohen Datenübertragungsgeschwindigkeit, der grundsätzlich zur Sicherung von Daten dient. ATARI bietet zur Zeit kein solches Gerät an, plant jedoch noch in diesem Jahr ein Diskettenlaufwerk mit 10 Megabyte Speicherkapazität und einer extrem hohen Datenübertragungsrate. Dieses Laufwerk kann dann als Streamer oder auch als normale Floppy verwendet werden.

Der Drucker aus dem eigenen Haus

Unter der Bezeichnung SMM 804 liefert ATARI einen Matrixdrucker an, der den vollen Zeichensatz des ST’s wiedergeben kann. Der Drucker besitzt neun Nadeln und kann sowohl Einzelblatt wie auch Endlospapier verarbeiten. Der Drucker wird über die Parallelschnittstelle mit dem mitgelieferten Kabel angeschlossen. Der SMM 804 kostet DM 698,- incl. MwSt.

Hardware aus fremder Hand

Nicht nur ATARI hat für Aufregung auf dem Hardwaresektor gesorgt. Auch andere Firmen, vor allem Deutsche sind fleißig dabei Zusatzprodukte für die ST-Reihe zu entwickeln. Auf dem Sektor Meßwerterfassung bietet die Firma Ing. Büro F. Godler, G/P Elektronik, Schönleinstr. 12 in Berlin einen Meßplatzrechner mit der Bezeichnung CMC 202 an. Der CMC 202 ist ein umgebauter und erweiterter ATARI 520 ST + Computer. Zusätzlich besitzt der CMC 202 eine G/P-Bus-Schnittstelle, die bidirektionale 16-Bit-Datenübertragungen zum G/P-Input-Output-System IOS 202 erlaubt. Das digitale Inputport DIGIN 16 ist ein Einschub für das IOS 202. Das Port dient zur Datenaufnahme von 16-Bit Worten. Das IOS 202 kann in Basic oder auch in der Sprache C angesprochen werden.

G/P CMC 202 Computer und C/P IOS 202

Auf dem gleichen Sektor bietet die Firma GTI, Unter den Eichen 108a, 1000 Berlin 45 ein IEEE/IEC-Controller-Interface für den ATARI ST an. Das von GTI entwickelte Controller-Interface ist voll kompatibel zum IEEE Standard 488-1978 und mit Steckadapter auch zur IEC Publikation 625-1. Es sind alle notwendigen Funktionen implementiert, um bis zu 15 Meßinstrumente am IEEE/IEC-Bus zu steuern und/ oder abzufragen. Das Interface ist aus den Sprachen Basic, Logo, C und Assembler ansprechbar. Hier die wesentlichen Eigenschaften des Interfaces.

Das IEEE/IEC-Controller-Interface

Ein Strichcode-Leser (Barcode-Leser)

wurde von der Firma CDS-EDV-Service GmbH, Windausstr. 2, 7800 Freiburg auf der Messe vorgestellt. Der Leser wird mit angepaßter Software für alle ATARI ST-Rechner geliefert. Damit verwandelt sich der ATARI in ein komplettes Kassenabrechnungssystem. Wenn man davon ausgeht, daß mehr Hersteller ihre Ware mit optisch lesbaren Code versehen, ist dieses Produkt eine sehr nützliche Einrichtung. Das System ist aber nicht nur in der Lage Barcode-Streifen zu lesen, sondern in Verbindung mit dem Drucker Micro-line 192 von Okidata auch Etiketten mit Barcode-St reifen zu drucken. Die Software für dieses System ist in der Programmiersprache Forth geschrieben, daher ist sie sehr schnell. Die Software verwaltet eine vollständige Datei, die folgendermaßen aufgegliedert ist:

Firmen-Stammdaten Artikel-Stammdaten drucken von Kassenzetteln drucken täglicher Kassenberichte.

Hergestellte Barcode-Streifen

Einige Erweiterungen wurden für einen späteren Termin bereits angekündigt. Besonders interessant davon ist eine Schnittstelle zu Waagen verschiedener Hersteller.

Das System bestehend aus Lesestift, sowie Zusatzrechner und der oben beschriebenen Software kostet DM 2 380,-zuzüglich MwSt.

Hier die genaue Uhrzeit!

Verschiedene Hersteller haben sich bemüht, den ATARI ST mit einer Echtzeituhr auszustatten. Damit wird ein Manko des Rechners behoben.

Die Firma M.I.R., Rüger & Feldkamp, Dresdener Str. 10, 4600 Dortmund 1 bietet ein einsteckbares Uhrenmodul mit der nötigen Software an. Das Modul STime wird einfach in den ROM-Port eingesteckt, daher ist es auch für jeden Laien anwendbar. Das Modul wird über eine handelsübliche Batterie versorgt, mit der es mindestens drei Jahre läuft. Durch das Uhrenmodul ist noch ein Miniatur-Port mit einer Eingangs- und drei Ausgangsleitungen (TTL-Pegel) realisiert worden. Die Software zum Stellen der Uhr befindet sich in einem ’Auto-Ordner’, der bei jedem Booten die Uhrzeit automatisch stellt. Das Modul STime kostet DM 199, — incl. MwSt.

Das Magazin c’t veröffentlichte in der Aprilausgabe eine Uhrenplatine, die in mehreren Rechnern eingesetzt werden kann. Beim ATARI ST wird die Platine als Zwischensockel eines ROMs in den Rechner eingebaut. Bedingt durch den Zwischensockel, muß ein Loch in das obere Abschirmblech des Rechners geschnitten werden. Zum Stellen und Anzeigen der Uhrzeit benötigt man ein Programm, das, ähnlich wie bei dem oben genannten System, bei jedem Booten automatisch in den Rechner geladen wird. Die Uhr kostet (bei Dipl. Ing. E. Meyer, Keplerstr. 6, 3000 Hannover) als Bausatz DM 111,— und fertig auf-gebaut DM 169,- incl. MwSt.

Video-Digitizer für ST

Die Firma Print-Technik, Nikolaistr. 2 in 8000 München bietet für die ATARI ST-Serie einen Video-Digitizer an. Diese interessante Entwicklung gestattet es, Videosignale im BAS-Format (egal welcher Herkunft) zu digitalisieren, abzuspeichern, auszudrucken bzw. weiterzuverarbeiten. Der Video-Digitizer hat eine Auflösung von 256 x 256 Punkten in 16 Graustufen und wird an den Druckerport des Atari ST angeschlossen. Das Paket besteht aus der Video-Digitizer Hardware und komfortabler Software (Window-Maus-Tech-nik). Die Software gibt es in zwei Versionen: eine für Color-Monitor und eine für Monochrom-Monitor. Der Digitizer kostet inclusive Software DM 598,-.

Für den professionellen Einsatz bietet die Firma eine Weiterentwicklung des oben beschriebenen Digitizers an. Die Auflösung beträgt horizontal 512 Pixel und die vertikale Auflösung ist abhängig von dem verwendeten Aufnahmegerät. Dieser Digitizer mit der Bezeichnung Video-Digitizer pro kostet DM 898,- incl. MwSt.

60 Megabyte Festplatte und Streamer

Ebenfalls von Print-Technik wurde ein Speicheroszilloskop vorgestellt. Für die Besitzer eines ATARI ST bietet sich nun eine sehr preisgünstige Möglichkeit einmalige Vorgänge auf dem monochromen Bildschirm darzustellen. Allerdings ist eine Millisekunde als kürzeste Zeit (Timebase) nicht für schnelle Vorgänge geeignet. Das Speicheroszilloskop kostet einschließlich der Software DM 498,- incl. MwSt.

Verschiedene Festplatten

Die amerikanische Firma Supra Corporation, 1133 Commercial Way, Albany, OR 97321 / (503) 967-9075-Orders präsentierte eine 60 Megabyte Festplatte. Dieses Laufwerk hat nicht nur die dreifache Kapazität der ATARI Festplatte, sondern soll auch in der Übertragungsgeschwindigkeit drei bis vier mal schneller sein. Zur Zeit existiert leider noch kein Deutschland Distributor, so daß auch der Preis nur ungefähr mit DM 4 500,- angegeben werden kann. Die Firma bietet außerdem eine 10-, 20- und 30 Megabyte Festplatte an. Der Preis der 20 MB Platte liegt bei ca. DM 2 000, — und die Übertragungsgeschwindigkeit soll 1,4 mal schneller als die der original ATARI Festplatte sein. Alle Plattenlaufwerke dieser Firma sind voll hardware- und Software kompatibel mit dem ATARI ST.

Speicheroszilloskop


Aus: ST-Computer 05 / 1986, Seite 4

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