ARTWORKS-Collection - Calamus nimmt Gestalt an

Vor etwa 10 Jahren hat sie stattgefunden’ die stille Revolution in den Schreibstuben der Zeitungsredaktionen. Hand-Layouter und Maschinensetzer sahen mit Recht ihren Arbeitsplatz gefährdet, als ein neues Hilfsmittel, ein Teufelswerkzeug, die Macht übernahm: der Computersatz.

Redakteure tippten die Texte in Terminals, und aus dem Belichter kam der fertige Satzumbruch heraus. Und das war erst der Anfang!

Dann wurden die Gestalterarbeitsplätze mit ihren altmodischen Durchleuchterplatten ebenfalls durch Terminals abgelöst. Selbst die Rotationswalzen wurden alsbald per Laserstrahl „beschrieben“, so daß auch dort die Handarbeit völlig entfiel. Der Weg vom Autor bis in die Rotation ist fast schon ein lückenlos elektronischer geworden.

Durch schnelle Computer, fortschrittliche Bedienerführung (Window-Technik), gute hochauflösende Grafikmonitore und entsprechend leistungsfähige Software propagiert die EDV-Industrie seit mehreren Jahren schon eine Anwendung, die es dem PC-Nutzer ermöglicht, Druckwerke höchstselbst an seinem Bildschirm zu entwickeln, ohne die Dienste einer Lithografieanstalt oder einer Offsetdruckerei beanspruchen zu müssen: Desktop Publishing, kurz „DTP“.

Es sollte gewissermaßen die Druckerei im Kleinen werden, alles machbar in nur einem einzigen Personal Computer. Ein weiteres Zauberwort machte die Runde: WYSIWYG, what you see is what you get, zu deutsch: Was du siehst, ist was du bekommst. Es soll eine neue Darstellungsweise des Textes auf dem Bildschirm beschreiben: So wie man es sieht, erscheint es auch auf dem Papier.

Alle die gerade beschriebenen Fortschritte in der Computertechnik ebneten dieser neuen Technik den Weg - und wo bleibt der Benutzer?

Sehr schnell ist auch die Firma ATARI auf diesen DTP-Zug aufgesprungen. Beweis: Die sogenannten DTP-Center von ATARI, die durch einen ausgewählten Fachhandel bedient werden. Dort gibt es neben der ganzen Palette an nötiger Hardware auch Software und Schulung, um letztendlich den Traum von der eigenen Druckerei im Kleinen bei dem interessierten Anwender Wirklichkeit werden zu lassen.

Obwohl es schon mindestens drei andere Programme auf dem Markt gab (Timeworks Publisher BeckerPage, Publisher ST), wurde ganz offen eines für diesen Zweck von der Firma ATARI favorisiert: CALAMUS von der Firma DMC, Walluf. So war CALAMUS bei seinem Debüt 1987 noch nicht absturzsicher und hatte viele der versprochenen Funktionen leider noch nicht eingebaut. Eine Fertigstellung des ursprünglich zugesagten Funktionsumfangs zog sich in die Monate, bis man eine abgespeckte Version doch noch in den Verkauf brachte. Das eigentliche Super-DTP-Calamus läßt noch immer auf sich warten.

Wie dem auch sei: Für viele Anwender ist das, was nunmehr zur Verfügung steht, völlig ausreichend. Ja, für einige Anwender ist der Funktionsumfang sogar schon wieder zuviel (es kommt halt immer darauf an, was man daraus machen will). CALAMUS macht es seinen Nutzern auch nicht gerade leicht, ein fertiges Dokument herauszubekommen. Da sind ellenlange Menüs und verwirrend viele (wenn auch sehr aussagekräftige) Symbolknöpfe (genannt: Icons). Und wer zum ersten Mal vor seinem Bildschirm saß und mit CALAMUS herumprobierte, der wird angesichts der vielen Rahmen, Ziehknöpfe und Schalter sehr schnell die Verwirklichung einer Formularidee ins Reich der Fabel verdammt haben.

Das Problem ist schnell erkannt: Viele DTP-Neulinge sind von der Vielfalt solcher Programme geradezu erschlagen. Niemand sagt ihnen, welchen Rahmen sie wohin legen, welchen Schrifttyp sie wofür benutzen und welche Schalter und Funktionen sie in welcher Reihenfolge ausführen sollen, vom theoretischen Grundwissen ganz zu schweigen. Ganz bestimmt gibt es irgendwo im weiten Lande einige Schulungstermine für DTP - aber was nützt es, wenn in weiter Ferne jemand vor seinem CALAMUS sitzt und die Funktionsvielfalt bewundert. Es zeigt sich immer wieder, daß ein Programm nur so vielfältig sein kann wie das, was sein Benutzer daraus macht. Und genau hier liegt das Problem.

Artworks - Der andere Weg

Genau dieses Problem haben einige Leute (wohl auch aus leidvoller eigener Erfahrung) erkannt und für Abhilfe gesorgt: Die Artworks-Collection. Die Firma Publishing Design, Hesse und Herwig GbR, versucht mit der Artworks-Reihe einen anderen Weg zu gehen, gewissermaßen das Pferd von hinten aufzuzäumen. Was nützt es einem Benutzer, kiloschwere Handbücher zu wälzen, DTP-Kurse zu besuchen oder gar einen EDV-Berater zu engagieren, im Endeffekt möchte er doch nur eines: seine kleinen Problemchen mittels Computer gelöst zu bekommen, und hierfür hat er sich ein DTP Programm angeschafft.

So dachten sich die Leute der Artworks-Collection: Wir zeigen nicht vom ersten mühsamen Strich leidvoll Schritt für Schritt, was der Benutzer tun soll, wir liefern ihm gleich die kompletten Resultate fix und fertig. So ist das erste Gestaltungspaket entstanden mit dem Namen Artworks Business. Es will nicht unbedingt nur ein bloßes Werkzeug zur Druckvorlagenerstellung sein, sondern versucht, den Benutzer durch die fertigen Ergebnisse zu fesseln und darauf seine eigene Kreativität aufzubauen.

Artworks ist also eine Sammlung, ein Ideenlieferant bzw. die Grundlage für weitere Ideen der Benutzer.

Artworks ist kein Programm

Als ich zum ersten Mal die drei Disketten der Artworks-Collection einlud wunderte ich mich. Kein gewohntes PRG oder TTP, alle Dateien trugen nur die Erweiterung CDK. Damit war klar, Artworks ist kein Programm, sondern besteht nur aus CALAMUS-Dokumenten. Damit ist etwas anderes aber ebenso klar: Um die Beispiele aus Artworks anwenden zu können, muß man im Besitz einer CALAMUS-Version sein, sonst läuft nichts.

In der Artworks-Collection sind in der Hauptsache Vorlagen für Briefbögen, Geschäftsformulare (z.B. Kurzbrief, Rechnung, Lieferschein), Visitenkarten. Aufkleber und Inserate zusammengestellt. Diese liegen durchgängig im normalen DIN-A4-Format (210 * 297 mm) und im etwas größeren Linotype-Belichterformat (240 * 327 mm) vor.

Das Problem der CALAMUS-Ausdrucke über den vorgesehenen ATARI Laserdrucker SLM 804 liegt darin, daß die schrägen Linienverläufe leider noch in einem „Treppenmuster“ herauskommen. Diese Ausdrucke sind als Reprovorlagen nicht sehr gut geeignet, dafür eignet sich die Übergabe der Datei direkt in den Linotype-Belichter besser.

Wenn man sich nun heran wagt, aus dem Füllhorn der Vorlagen eines auf die eigenen Verhältnisse zurechtzubasteln (Namen und Anschrift ändern, evtl, andere Schriftart wählen usw.), dann sollte man schon mit den elementaren Funktionen und der Bedienung von CALAMUS vertraut sein. Zusätzlich kann es nötig sein, noch diverse Hilfsprogramme und Font-Editoren zusätzlich zu Hilfe zu nehmen (z.B. Outline Art).

Alle in Artworks dargestellten Gestaltungsmuster und Schriftzüge sind copyright-frei und dürfen nach Belieben weiterverwendet werden (worauf wir später noch einmal zu sprechen kommen).

Probieren geht über Studieren

Nun sind wir also beim eigentlichen Sinn und Zweck der Artworks-Collection angelangt. Der Kunde soll in freien Stücken vorhandene Vorlagen so verändern, erweitern, ergänzen, bis sie eine Gestalt angenommen haben, wie sie ihm gefällt.

Also los geht’s: CALAMUS laden, ein beliebiges Dokument laden und frei Rahmen verschieben. Bei den sogenannten beweglichen Texten wird das schon etwas schwieriger. Bewegliche Texte sind Angaben wie das Anschriftenfeld, Bankverbindung, Absenderangabe usw. Dort muß der Rahmen erst selektiert sein, dann geht’s in den Texteditor, der alte Text wird gelöscht und der neue geschrieben, aber: der bestehende Schrifttyp (Font) bleibt beibehalten. Natürlich kann der Font ebenfalls nach freiem Belieben getauscht werden.

Wenn Sie, liebe Anwender an diesem Punkt angelangt sind, werden Sie allermeistens mit dem Ergebnis Ihrer Arbeit unzufrieden sein. Obwohl Ihnen ein reicher Schatz an Vorlagen geliefert wurde, scheint Ihnen das, was Ihre eigene Kreativität daraus gemacht hat, nicht sehr ansehnlich zu sein. Das wußten auch die Leute der Artworks-Collection. Deswegen besteht das Paket nicht nur aus drei Disketten mit unzähligen Mustern für alles Mögliche, sondern es ist ein erstaunlich umfangreiches Grundwerk der DTP-Technik als Lehrtext dabei.

Bild 1: Hier wird ein Briefkopf in Calamus konstruiert.
Bild 2: So präsentiert Calamus zwei Vorlagen im Gesamtüberblick.

DTP-Theoretisches

Auf 88 Seiten wird sehr ausführlich das Grundwissen vermittelt, das nötig ist, um die Entstehung der Formulare zu verstehen. So wird Ihnen nicht unbedingt beigebracht, wie man eine Zeitung oder ein Buch fabriziert, sondern alle Erläuterungen sind auf das Umfeld der geschäftlichen Druckstücke beschränkt. Das will aber nicht heißen, daß nur speziell auf diesen Anwendungszweck abgestellt wurde. Kenntnisse über Layout und Typografie, über Schrifttechnik und Gestaltung können für andere Zwecke dennoch sehr nützlich sein („was man im Kopfe hat...“, kleiner Scherz des Autors).

Im Kapitel 2 des Begleitbuches habe ich den wichtigen Satz gelernt: „Wenn der textliche Inhalt, also die Information im Vordergrund steht, dann sollten sich Layout und typografische Stilmittcl diesem unterordnen“. Das ist sozusagen auch das Grundgesetz des Desktop Publishings. Es kommt also immer darauf an, was man mit dem Dokument aussagen will. Ein Bestattungsunternehmen wird sicher kaum peppige Schriftzüge und auffällige Logos verwenden. Demgegenüber wäre für ein Layout-Studio oder einen Werbegrafiker ein bescheiden einfacher Schriftzug und ein schlichtes Ganzes kaum die richtige Werbung.

Sehr schön ist die Erklärung des Unterschieds zwischen Typografie (Gestaltung von Buchstaben und Schriften) und Layout (Zusammensetzung von Absätzen und Seiten), die da lautet: „Das was Sie in der Ganzseitendarstellung aus großer Entfernung im Dokument noch unterscheiden können, das ist Layout. Was Sie aber in der vergrößerten Darstellung vom Texterkennen, das betrifft die Typografie.“ (Zitat)

Als nächstes kommt die Wahl der richtigen Schrift. Und das ist gar nicht so einfach, wie Sie denken! Heute sind hauptsächlich zwei Schriftenfamilien im Gebrauch. Die erste heißt „Antiqua“. Ihr Merkmal sind die „Serifen“, also die leichten Ausschweifungen an den Enden. Sie gehen vom Buchstabenelement oder Grundstrich (Hauptteil des Buchstabens) leicht gerundet (Schrift „Times“oder „Garamond“) oder ein wenig eckig bis winkelig (Schrift „Bondi“) bis zur Endung weg. Diese Schrift ist heute noch in vielen Büchern und Zeitungen vorherrschend. Quasi das Gegenteil davon ist die zweite Schriftfamilie, genannt „Grotesk“. Sie verzichtet völlig auf Schnörkeleien (Schrift „Swiss“ oder „Avant Garde“). Sie finden hauptsächlich in Anzeigen, Handzetteln oder Prospekten ihre Anwendung.

Eine dritte Schriftenfamilie findet zunehmend Verbreitung im DTP-Bereich, man nennt sie „Headline“. Dort sind meist nur Abwandlungen schon bestehender Schriften zu finden, die stark ins Grafische, Handschriftliche übergehen. Die uralte Diskussion, ob Serifen oder Groteske leichter zu lesen sind, läßt sich nicht abschließend beantworten, es gibt nur einige Faustregeln: Serifen eignen sich für längere Texte, wie in Büchern oder Illustrierten, wobei Groteske mehr für „kurzlebige“ Dokumente angenehmer sind.

Nach dieser Einführung kommt der Artworks-Kursus auf Schriften im DTP zu sprechen. Dort wird die Maßeinheit „Punkt“ vorgestellt, die auf den französischen Schriftgießer F. Didot zurückgeführt wird. Ein Punkt ist 0,376 mm. Ein guter Lesetext sollte zwischen 9 und 12 Punkt groß sein.

Das Kapitel 3 zeigt nun die Gestaltungselemente von typischen Geschäftsdokumenten wie Briefbogen, Visitenkarte oder Gebrauchsformular. Dort werden Begriffe wie Format, Faltmarken, Lochmarke, Bezugsfeld und Adreßfenster erklärt. Was ist wichtig im Zusammenhang zwischen Adreßfenster, Logo, Farbe und Schrift?

Die Gestaltungspraxis (Kapitel 4) bringt uns die Entwicklungsschritte näher, die nötig sind, um ein vernünftiges Dokument zu erzielen. Es reicht also nicht, sich einfach hinzusetzen und loszulegen. Es muß erst ein sinnvolles Konzept erarbeitet sein, vielleicht unter Zuhilfenahme der bereits vorhandenen Artworks-Muster. So ist dieses Kapitel durchgehend vom Entwurf (am Anfang war das Logo) bis zu Fertigstellung an zwei konkreten Fällen aus der Praxis angelehnt.

Ein kleinwenig später erfährt der Leser, was eine Nutzenerstellung ist und wofür man sie braucht. Es handelt sich am Beispiel der Visitenkarte um die sinnvolle Aufteilung des Papierbogens (wahrscheinlich DIN A4), so daß möglichst viele Visitenkarten darauf Platz finden. Und für jede Druckvariation, also Vorder- und Rückseite, oder auch für jede Farbe, muß ein eigener Nutzen angefertigt werden.

Damit sind wir auch schon im Kapitel 5. Dort finden die hauptsächlichen Druckverfahren ihre Erläuterung. Der spätere Klein-Layouter soll nämlich die Vorarbeiten kennen, die zu Offset- und Siebdruck nötig sind. Dabei spielen einerseits die gewünschte Auflage (Massendrucksachen oder Handzettel erledigt man günstiger im Offset), andererseits das Druckergebnis (Aufkleber sind besser im Siebdruck zu erledigen) eine Rolle.

Kapitel 6 (Gestaltungspraxis 2) und 7 (Dokumentengestaltung) führen dann in etwas komplizierte Gefilde. Dort werden umfangreiche Formulare erklärt. Diese Kapitel sind stark an die auf Diskette vorhandenen Beispiele angelehnt, wobei diese je nach Schwierigkeitsgrad eingehend beschrieben sowie deren typische Unterschiede und Besonderheiten dargestellt sind.

Was der Laser alles kann

Kapitel 8 führt gewissermaßen zur logischen Konsequenz der ganzen Vorarbeit: der endgültigen Aufbereitung zum Druck und der Präsentation (auf dem Laserdrucker). Wie wird das heute noch gemacht. ohne DTP-Verfahren? Nach einem Rohentwurf setzt sich der Grafiker hin und bastelt ein „Scribble“ zusammen. Dieser Begriff kommt von dem im Computerzeitalter antiquarisch anmutenden „Rubbeln“ der Buchstaben von der Folie. Eine Reprokamera bringt das in die richtige Größe. Dann wird geschnippelt und geklebt und das ganze wieder unter die Reprokamera gelegt. Das Ergebnis kann sich ganz bestimmt sehen lassen, so wurde schließlich jahrzehntelang gearbeitet (und nicht einmal schlecht). Doch mit einem Laserdrucker, und der gehört schließlich zur Grundausstattung ,eines neuen DTP Arbeitsplatzes, läßt sich schneller und flexibler arbeiten.

Wußten Sie, daß man mit unserem guten SLM 804-Laserdrucker auch mehrfarbige Ausdrucke erzielen kann? Ich wußte es auch nicht und war extrem überrascht, welche einfache Lösung sich hierfür anbot. Stellen Sie sich vor, die tollsten Autoaufkleber aus unserem ATARI-Laser! Es geht wahrhaftig. Ja selbst das Bedrucken von dickerer PVC-Folie oder Namensschildern und Ausweiskarten ist mit dem ATARI-Laser möglich (hierzu ist allerdings ein Zusatzgerät im Preis eines 9-Nadeldruckers nötig).

Mit 88 Seiten ist das dicke Artworks-Handbuch mit dem Theorietitel zwar am Ende, aber es schließen sich noch 55 Blatt mit (teilweise mehrfarbigen) Musterausdrucken an - alle, wie sie auf Disketten mitgeliefert sind. Der Fairness halber sei aber erwähnt, daß bei einigen der Font-Editor DIDOT und das Grafikprogramm OUTLINE ART Pate gestanden haben.

Was bin ich?

Artworks Business ist in erster Linie ein Ideenlieferant. Typische Beispiele, so wie man sie im täglichen Bürobetrieb braucht, sind zusammengefaßt worden, um als Fundus für die Weiterentwicklung durch eigene Ideen zu dienen. Die Wege, wie man die Vorlagen entwickelt, sind verständlich und nachvollziehbar aufgezeigt. Gleichzeitig ist Artworks ein Gestaltungswerkzeug, das ebenso aufzeigt, wie die Beispiele leicht in eigene Entwicklungen umänderbar sind. Die Muster sind nicht irgendwann aus theoretischen Überlegungen entstanden, sondern waren zu etwa einem Drittel konkrete Aufträge einer Freiburger Werbeagentur, die diese voll ständig in CALAMUS entwickelte. Exklusiv für die Verwendung im Artworks-Paket hat der Copyright Inhaber auf das Urheberrecht verzichtet, so daß jeder Käufer über diese Gestaltungsmuster verfügen kann.

Schlußgedanken

Mit dem ersten Artworks-Paket „Business“ ist uns eine Anwendungsrichtung aufgezeigt worden, die wir bisher nicht kannten. War es doch in der Vergangenheit so: Man kaufte sich ein Programm für DTP, wälzte das Handbuch, suchte nach Praxisbeispielen. Diverse Bücher zu diesem Anwendungsfall im allgemeinen und zu CALAMUS im besonderen waren durchweg ebenso theoretisch wie das Originalhandbuch. Selbst sogenannte „Praxisbücher“ hatten nicht viel mehr als nur das sture Abspulen bestimmter Arbeitsschritte zu bieten. Da kann es nicht selten passieren, daß man ebenso schnell frustriert Programm und Bücher in die Mülltonne wünscht, weil bei dem geringsten Fehler alles in sich zusammenfällt.

Artworks hat sich zum Ziel gesetzt, das Pferd von hinten aufzuzäumen. Man legt uns eine Vielzahl fertiger Muster vor und zeigt uns, wie das erreicht wurde. Darüber hinaus sind aber auch die Mittel aufgezeigt, aus diesen Mustern selbst etwas zu gestalten. Artworks liefert uns sozusagen den fertigen Kuchen (zum Kosten) nebst Rezept (zum Lernen) und Zutaten (zum Ausprobieren) - ist dieser Weg nicht der bessere?

Das Handbuch ist leicht zu lesen und ausführlich. Die Strukturierung der Kapitel bildet eine logische Folge von Basistheorie bis zum fertigen Ausdruck. Auch an der Gestaltung des Seitenlayouts selbst sieht man, daß Profis am Werk waren. An verschiedenen Stellen hätte ich mir aber gewünscht, etwas mehr Bilder zu sehen.

So sind bedauerlicherweise bei der Erklärung der Druckverfahren sowie zur Aufbereitung und Präsentation keinerlei Skizzen oder Grafik zu sehen. Auch sonst sind die Kapitel nicht gerade mit vielen Bildern bestückt. Hier wäre wohl wieder einer meiner Lieblingssprüche angebracht: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“.

Auch hätte man das Handbuch nicht unbedingt auf 120-Gramm-Karton drucken müssen, was es nur unnötig dick werden läßt.

(Übrigens: Unser normales Schreibmaschinenpapier hat ein Gewicht von 80 Gramm pro Quadratmeter.)

Alles in allem bietet dieses Gestaltungspaket zu einem Preis von 398 DM einen reichen Schatz an Ideen. Ich glaube fest, daß uns, bedingt durch diese neue Art der Konfrontation mit einem Anwendungsprogramm, alsbald noch mehr Beispiele präsentiert werden (vielleicht für Glückwunschkarten. Schülerzeitungen. Werbebriefe oder Lehrbücher?). Der Anfang ist gemacht.

DK

Bezugsquelle

Hesse & Herwig GbR Lesseweg 33 4790 Paderborn



Aus: ST-Computer 01 / 1991, Seite 31

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