Nemesis

Die EU macht es möglich: Der Versand von Artikeln über die Grenzen der Länder hinweg ist heutzutage deutlich einfacher als vor 4-5 Jahren zum Erscheinen des Falcon. Grund genug für uns, mal zu schauen, was denn z.B. in England für den ATARI-Raubvogel angeboten wird.

Es ist nicht zu leugnen, dass der Markt innerhalb der vergangenen Jahre auch geschrumpft ist. Konnte man 1993/94 noch an nahezu jeder Ecke einen Falcon-Beschleuniger finden, sind die seinerzeit aktiven Firmen heute teilweise nur noch schwer ausfindig zu machen. Ein langfristiger Support ist aufgrund dessen nicht immer sicher.

Seit einiger Zeit stagniert die Marktgröße aber, so dass sich in den einzelnen Ländern diverse Anbieter Positionen sichern konnten.

Eine dieser Firmen ist Titan-Designs, die nicht nur die Programme der Apex-Serie, sondern auch Hardwareerweiterungen anbietet und den Import des Afterburners bzw. des Hades arrangiert. Aus eben diesem Hause stammt die in England auch sehr beliebte Nemesis-Karte für den Falcon, die den Raubvogel mittels Höhertaktung diverser Komponenten deutlich beschleunigt. Im Großen und Ganzen erinnert der Funktionsumfang der Nemesis-Karte an die von der Firma Hard- & Soft angebotene Speed-Resolution-Card, aber in puncto Betriebssicherheit wurde die Erfahrung der vergangenen Jahre in die Hardwareentwicklung mit eingebracht.

Unterstützt wird durch die Nemesis-Karte die Beschleunigung von CPU, DSP, FPU (wenn installiert) und des Bustaktes. Das Resultat ist, dass man z.B. auch 640x480 Bildpunkte im TrueColor-Modus darstellen kann.

Der Einbau

Wie nicht anders zu erwarten, erfolgt der Einbau der Nemesis-Erweiterung mittels Anlöten diverser Kabel an verschiedene Komponenten des Falcon-Boards. Hierzu wird ein wenig Löterfahrung vorausgesetzt. Natürlich ist der Einbau in Englisch beschrieben, doch bedenkt man die Tatsache, dass hier nur Instruktionen bzgl. der Platzierung verschiedener Kabel gegeben werden, und dass die meisten dort erwähnten Bausteine ohnehin englische Bezeichnungen haben, sollte das Verständnis für alle diejenigen, die etwas Englischkenntnisse besitzen, kein Problem sein.

Software

Um die Nemesis-Karte aktivieren zu können, erhält man drei verschiedene Autoordnerprogramme, mittels derer man beim Bootvorgang die gewünschte Taktfrequenz einstellen kann.

Der Beschleunigung kann im Gegensatz zur Speed-Resolution-Card aber nicht für die einzelnen Komponenten, sondern immer nur für alle zu beschleunigenden Elemente eingestellt werden. In unserem Test, bei dem eine auf der Messe in Neuss erworbene Karte in unseren Test-Falcon eingebaut wurde, konnten wir auf Anhieb 640x480 Bildpunkte in TrueColor darstellen. Besonders beeindruckend war das Arbeitsgefühl z. B. mit Calamus SL, zumal die reine Rechengeschwindigkeit trotz des Einbindens von Farbbildern sehr zufriedenstellend war.

Praxis

Die Nemesis-Karte erlaubt das Einstellen folgender Geschwindigkeiten, die sich jeweils auf den Bus und den CPU-Takt beziehen: 16MHz/32 MHz, 2OMHz/40MHz und 25MHz/50MHz. In Bezug auf die Laufsicherheit des Falcon haben wir nur Positives zu berichten, denn alle uns bekannten Programme liefen stabil. So macht das Arbeiten mit rechenintensiver Software wie Calamus oder papyrus gleich viel mehr Spaß, und auch NVDI verrichtet seinen Dienst ganz problemlos.

Leider ist die Bildschirmauflösung, die man mittels der mitgelieferten Software wählen kann, nicht so sehr zu variieren, wie man es sich wünschen würde. Neben den herkömmlichen Falcon-Auflösungen kann per Autoordner-Software die oben genannte TrueColor-Auflösung gewählt werden. Allerdings gelang es uns auch, z.B. die Softwareversion des Blow-up-Bildschirmerweiterungsprogrammes unter Ne- mesis erfolgreich einzusetzen. Ein deutlich schnellerer Bildschirmaufbau bei 800x600 Bildpunkten und 256 Farben war zu erkennen.

Wer dennoch den Komfort vieler verschiedener auf die Nemesis-Karte angepaßter Auflösungen genießen möchte, kommt um die Anschaffung der optional für rund 50,- DM bis 60,- DM erhältliche Videlity-Software nicht umhin. Diese ist beim gleichen Hersteller zu beziehen.

Anwendung Nemesis Standard +NVDI +MagiC
GEM Dialog Box 145% 376%
VDI Text 143% 815%
VDI Text Effects 144% 542%
VDI Small Text 147% 535%
VDI Graphics 149% 327%
GEM Window 139% 78%
Integer Division 150% 148%
Float Math 152% 139%
RAM Access 153% 139%
ROM Access 152% 147%
Blitting 113% 23%
VDI Scroll 124% 107%
Justified Text 139% 168%
VDI Enquire 154% 337%

Die linke Spalte der Tabelle zeigt die Ergebnisse mit einem Falcon030 bei einer Auflösung von 640 x 480 Bildpunkten in sw. Rechts die Meßwerte mit MagiC und NVDI bei gleicher Auflösung und 16 Farben.

Probleme

Allzu viele Nachteile gibt es eigentlich nicht, zumal die Karte - wie bereits erwähnt - stabil läuft. Die Einbauzeit von rund 3 Stunden muss man eben in Kauf nehmen. Darüber hinaus haben wir bemerkt, dass der Blitter seine Arbeit nicht mit dem höheren Takt von 25 MHz verrichtet, so dass dieser automatisch durch die mitgelieferte Software heruntergetaktet wird.

Hier könnte es passieren, dass einige IDE-Festplatten nicht mehr korrekt angesprochen werden könnten, so dass man lediglich den Bus-Takt von 20 MHz einstellen oder die Festplatte wechseln müsste. Dies ist aber nur eine theoretische Fehlerquelle, die bei uns nicht auftauchte. Darüber hinaus besteht eventuell auch die Möglichkeit, dass es im 25MHz/50MHz-Modus Probleme mit 14MB-Speichererweiterungen gibt. Die in unserem Rechner verwendete Falcon-Magnum- Fast-RAM-Karte arbeitete aber problemlos.

Fazit

Alles in allem können wir die Nemesis-Karte nur empfehlen, denn sollte es zu Problemen bei dem einen oder anderen Programm können, so können Sie die Taktfrequenz noch immer herunterstellen. Bei täglichen Anwendungen wie der Datenverwaltung, Bildbearbeitung, DFÜ usw. gab es keinerlei Probleme.

Die Geschwindigkeitssteigerung ist (wie Sie unserer Tabelle entnehmen können) einfach genial. Sie bewegen sich im Bereich 50%-70%, was das subjektive Arbeitsgefühl z.B. bei zusätzlichem Einsatz von NVDI enorm positiv beeinflußt. Ein flüssiges Arbeiten auch in größeren Auflösungen ist dank der preiswerten Nemesis-Karte mit PC-Feeling möglich.

Wer also Lust hat, diese Karte zu verwenden, sollte den Kontakt nach England nicht scheuen. Die Versandkosten halten sich in Grenzen, und langfristiger Support ist dahingehend garantiert, dass Titan- Designs eine der gesündesten ATARI-Firmen Englands zu sein scheint.

Preis: ca. 60,- Pfund (rund 150 DM)
Preis: Apex-Intro Software, Nemesis und Videlity: ca. 90 Pfund (ca. 230 DM)

Bezugsquelle:
Titan Designs Ltd
6 Witherford Way,
Selly Oak UK
Brimingham B29 4AX.
emall: 100345.2350@compuserve.com
Web: http.//ourworld.compuserve.coni/homepages/TITANWEB


Ralf Schneider
Aus: ST-Computer 11 / 1997, Seite 27

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