Nährwert

Gerade in zeiten eines kollabierenden gesundheitssystems gewinnt eine gesunde und ausgewogene ernährung immer mehr an wert. doch die zusammenstellung der richtigen lebensmittel ist nicht einfach. was liegt also näher, als den atari für die zusammenstellung der nahrung einzusetzen.

Es gibt immer wieder Programmsparten, die auch in der großen PC-Welt nur unzureichend bedient werden. Hier erhalten dann alternative Plattformen ihre Chancen, denn die Anwendung steht ganz klar im Vordergrund und überwiegt eventuelle Inkompatibilitäten, die ansonsten so sehr im Vordergrund der Kaufüberlegungen stehen. Ein Bereich, der eher stiefmütterlich behandelt wird, ist der der Ernährungswissenschaften. Auch der PC- und Mac-Markt ist nicht gerade überflutet mit entsprechenden Programmen, sodass Ernährungsberater bzw. Ökotrophologen sorgfältig nach geeigneten Lösungen für ihre tägliche Praxis suchen müssen.

Aus diesem Notstand ist Anfang der 90er Jahre auf dem Atari ein Programm mit einem signifikanten Namen entstanden: "Nährwert" verwaltet eine umfangreiche Lebensmittel-Datenbank und dient zum Beispiel zur Auswertung von Ernährungsprotokollen.

Der Reihe nach

Anders als viele weitere Programme, die ihren Ursprung in den 90er Jahren haben, ist Nährwert eine auf den ersten Blick gelungene, moderne Applikation. Nährwert wurde in Omikron.Basic entwickelt und baut auf die vom Programmautor selbst programmierte Funktionsbibliothek KLiB auf, die die Benutzung des Programms entscheidend bestimmt. Dies äußerst sich in einem modernen Äußeren und einer kompletten und gelungenen GEM-Einbindung mit voller Berücksichtigung heutiger Multitasking-Betriebssysteme.

Die letzte veröffentlichte Version stammt aus dem für Atari-Verhältnisse nicht allzu fernen Jahr 1998. Die insgesamt sechs Jahre der kontinuierlichen und in der Praxis erprobten Weiterentwicklung (die Frau des Programmautors ist Ökotrophologin und setzte Nährwert regelmäßig ein) sind dem Programm anzumerken. Die enthaltene Lebensmitteldatenbank umfasst über 300 Lebensmittel. Dies ist zwar deutlich weniger, als im Bundeslebensmittelschlüssel enthalten sind, für die tägliche Praxis sollte dieser Grundstamm jedoch auf alle Fälle ausreichen.

Nährwert sollte theoretisch jeden Atari unterstützen, der mit mindestens zwei MBytes RAM ausgestattet ist. Laut Programmautor läuft Nährwert auch mit den verschiedenen Multitasking-Betriebssystemen zusammen (die moderne Konzeption legt dies auch nahe), in unserem Test verweigerte die Applikation jedoch zumindest unter dem klassischen MagiCMac und MagiC 6.1 auf dem Atari Falcon standhaft seinen Dienst - unter MagiCMac fror sogar der Rechner ein. Andere Anwender konnten jedoch keine Probleme unter MagiC und N.AES feststellen, und auch unter MagiCMac X lief Nährwert problemlos.

Zu dem Registerware-Programm existiert kein gedrucktes Handbuch. Allerdings liegt eine gute deutschsprachige Dokumentation im ST-Guide-Format vor, hinzu kommt eine Online-Hilfe im BubbleGEM-Format.

Die aktuelle Version von Nährwert trägt die Revisionsnummer 2.00. Übrigens ist der Entwickler laut Aussage auf seiner Webseite durchaus bereit, eventuelle Fehlerbereinigungen vorzunehmen, wenn diese gemeldet werden, um das Programm zu optimieren.

Die Datenbank

Nach dem Programmstart eröffnen sich dem Anwender drei Ausgabefenster, die die Navigation innerhalb des Programms bestimmen. Den größten Platz nimmt dabei die eigentliche Lebensmittel-Datenbank ein, die wie erwähnt alphabetisch geordnet 300 Lebensmittel beinhaltet. Durch ein einfaches Scrollen kann sich der Anwender bereits einen ersten Eindruck über die großzügige Liste machen. Die Arbeitsfenster beigen dabei immer den gesamten Bildschirm. Etwas schade ist, dass sich die Positionen der Fenster scheinbar nicht abspeichern lassen.

Die Lebensmittel-Datenbank ist tabellarisch von links nach rechts tabellarisch geordnet und enthält unter anderem Einträge für die Kalorien-, Fett-, Cholesterin-, Balaststoff-, Eisen- und Vitaminiwerte. Ein Doppelklick auf einen Eintrag zeigt dessen Details in einem eigenen Ausgabefenster übersichtlich an. Hier können auch gleich Veränderungen an den Daten sowie ein zusätzlicher Hilfstext (zum Beispiel die zugrunde liegende Menge des jeweiligen Lebensmittels) eingegeben werden. Allein schon das simple Anzeigen von Nährwert-Daten verschiedener Lebensmittel ist recht interessant, figurbewusste Anwender können sich so jederzeit und auf die Schnelle Klarheit über ein Lebensmittel verschaffen, dass sie gerade zu verspeisen gedenken - einige Kalorienzahlen werden Sie sicher überraschen!

Die Suche nach Lebensmitteln ist recht intelligent gestaltet. Gibt der Anwender zum Beispiel den Buchstaben "K" auf seiner Tastatur ein, so selektiert Nährwert automatisch alle Lebensmittel, die mit einem K beginnen. Dieses Verfahren kann nun fortgesetzt werden, bis genau das Lebensmittel angezeigt wird, das gesucht wird. Wer also "Kartoffel" eintippt, kommt schnell zur Liste der Kartoffelgerichte, die in der Lebensmitteldatenbank vermerkt sind. Der eingegebene Text wird dabei immer in der Infozeile des Lebensmittel-Fensters angezeigt. Innerhalb der Liste kann sich der Anwender zusätzlich mit den Plus- bzw. Minustasten der Tastatur bewegen.

Angenehm und zeitgemäß ist übrigens, dass der Anwender bei der Darstellung in den Fenstern nicht auf den Systemzeichensatz festgelegt ist. Wünscht er einen anderen Font kann er diesen - GDOS vorausgesetzt - auswählen.

Der Speiseplan

Neben dem Lebensmittelmittel-Fenster befindet sich das Speiseplan-Fenster von Nährwert. Hier werden Speisepläne bzw. Rezepte zusammengestellt, auf deren Grundlage Nährwert Ergebnisse anzeigt. Daten aus der Lebensmittelliste werden per Drag & Drop auf den Speiseplan übertragen. Die grundlegende Bedienung des Programms erfolgt also komplett mit der Maus. Nach dem Ziehen des Eintrags auf den Speiseplan öffnet sich ein Dialog, in den die Menge des ausgewählten Lebensmittels eingegeben werden muss. Ist dies erfolgt, trägt Nährwert das Lebensmittel in den Speiseplan ein und berechnet diesen automatisch. Jedesmal, wenn der Anwender als neue Werte aus der Datenbank in den Speiseplan einfügt, erfolgt eine aktualisierende Berechnung desselben. Alternativ kann ein Lebensmittel auch mit der [Return]-Taste ausgewählt bzw. übertragen werden. Die Nährwert-Daten sind auch innerhalb des Speiseplans nachträglich veränderbar.

Nachdem alle gewünschten Lebensmittel auf den Speiseplan übertragen wurden, wird es Zeit, diesen auf die eigenen Erfordernisse anzupassen. Zunächst einmal bestimmt der Anwender, wieviele Personen bekocht werden sollen. Unter der etwas unscheinbaren Oberfläche verbergen sich dabei die Eingaben, so öffnet sich der Dialog zur Eingabe der Personenanzahl nach einem Klick auf die entsprechende Zeile im Speiseplan-Fenster. Hier wäre sicher die Verwendung von Formularen mit 3D-Effekt eleganter gewesen, da der Anwender so auf den ersten Blick wüsste, an welchen Stellen er Eintragungen machen kann oder muss. Hinzu kommt eine leichte Unstimmigkeit in der Bedienung: Kann die Personenanzahl per Doppelklick auf den Eintrag verändert werden, muss zur Angleichung des Rezeptnamens ein Dialog aus den Voreinstellungen aufgerufen werden - hier hätte sich der Entwickler auf eine Methode festlegen sollen. Nach der Zusammenstellung bzw. Eingabe der Daten kann sich der Anwender das Ergebnis direkt im Speiseplan-Fenster anschauen, wobei die Nähwertaufstellung immer für eine einzelne Person gelten. Wie detailliert die Daten sind, kann der Anwender dabei selbst bestimmen, indem er festlegt, welche Werte in der Zahlenkolonne angezeigt werden sollen. Die Ansicht der absoluten Werte ist dabei zumeist weitaus übersichtlicher - nicht jeder will es schließlich ganz genau wissen.

Drucken

Wer häufig mit den Daten von Nährwert arbeiten, wird sicher den Wunsch haben, einige Gerichte innerhalb eines eigenen Kochbuchs zu verwalten oder Rezepte in Kochbüchern, um die entsprechenden Nährwert-Daten zu erweitern. Zu diesem Zweck bietet Nährwert Möglichkeiten zum Ausdruck an. Zu empfehlen ist hier ein installiertes GDOS-System, wobei Nährwert aber alternativ auch über das GEMDOS ausdrucken kann. Damit das Rezept auch richtig auf dem Papier landet, können sogar Ränder für den GEMDOS-Druck angegeben werden.

Texte

Zusätzlich zu den Lebensmittel- und Speiseplanfenstern bietet Nährwert auch ein eigenes Textfenster, dass zur Anzeige von einem beliebigen ASCII-Text dient. Darüber hinaus verwaltet das Programm verschiedene Textbausteine bzw. -Platzhalter. So kann für die Auswertung eines Lebensmittel-Plans zum Beispiel ein Standardtext innerhalb eines externen Texteditors erarbeitet werden. Nährwert fügt beim Setzen der entsprechenden Platzhalter dann zum Beispiel eine Anrede oder auch das Datum und natürlich das Ergebnis der Nährwert-Berechnung ein.

Das Textfenster von Nährwert unterstützt das OLGA-Protokoll. Ein Doppelklick auf das Fenster öffnet einen in OLGA angegebenen Texteditor zur Veränderung der Texte. Nach dem Laden wird keine Neuformatierung vorgenommen, der Anwender kann sich also auf die von ihm in Texteditor eingestellten Werte verlassen. Zwar bietet Nährwert verschiedene Pfadeinstellungen, leider ist hier aber nicht der Pfad zu einem externen Editor einzugeben. Der Anwender muss diesen also unbedingt im OLGA-Protokoll festlegen.

Weiterhin wird das GEM-Clipboard unterstützt, eine Selektion von Texten erfolgt im Textfenster allerdings nur zeilenweise.

Und sonst?

Nährwert bietet einen integrierten "Taschenrechner" zum schnellen Umrechnen der Kilo-Kalorien- in Kilo-Joule-Werte. Der Rechner funktioniert in beide Richtungen.

Fazit

Nährwert glänzt mit einer umfangreichen Lebensmittel-Datenbank und dem langjährigen Einsatz auch im professionellen Bereich. Es eignet sich ebenso für die Ernährungsberatung wie für die private Kontrolle des Speiseplans und der Rezepte. Denkbar ist auch der Einsatz ist Vollwert-Restaurants. Wer sich etwas einarbeitet, kann auch einen persönlichen Diätplan zusammenstellen.

Nährwert ist ein interessantes und ausgereiftes Programm, das eine Bereicherung einer jeden Software-Sammlung darstellt. STC

Preis:

Registerware (frei nach Registrierung)
Karten Lüdersen
http://www.kalue.de/


Thomas Raukamp
Aus: ST-Computer 04 / 2003, Seite 12

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