Emulation-Corner

Auf vielen Schreibtischen steht ein PC oder Mac, der mit passender Emulationssoftware einen Atari nachahmt. In jeder Ausgabe geben wir Emulatoren-Tipps und -News, um das Beste aus dem emulierten Atari herauszuholen. Falls Sie Fragen zu Emulatoren haben sollten, schicken Sie diese an die Redaktion, wir werden dann versuchen, diese im Rahmen dieser Rubrik zu beantworten.

Textaustausch Atari <-> PC

Angesichts der sehr weiten Verbreitung von PCs mit Microsoft-Betriebssystemen ist die Möglichkeit des Austausches von wechselseitigen Dokumenten vom Atari zum PC und umgekehrt wichtig. Die Frage der Übertragung von Bildern wurde kürzlich in st-computer 11-2003 S. 14ff. ausführlich behandelt. Die Frage spielt aber auch bei Texten eine Rolle. Dies wird zum Beispiel praktisch, wenn man etwas zu Hause auf dem lieben Atari entwirft und dann im Beruf nur einen PC zu Verfügung hat. Auch kann man meines Wissens in Windows (mit Voice-Type oder Via-Voice) und nicht auf dem Atari direkt in den Computer diktieren, sodass eine umgekehrte Übertragung notwendig wird. Dies gilt besonders für an den Händen Behinderte.

Eine grundsätzliche Schwierigkeit bei der Umformung besteht teilweise leider in den unterschiedlichen Systemen von Atari und PC.

Vorüberlegungen

Die Dateisysteme (mit Zuordnungstabelle) sind bei Disketten gleich. Das andere System ( NTFS) für WindowsNT betrifft nur Festplatten. Infolgedessen kann man Disketten leicht für den Transport vom Atari zum PC und umgekehrt benutzen. Auch die Diskettenformate DD und HD sind kein wesentliches Hindernis: Viele Ataris haben inzwischen Laufwerke und Treiber für HD-Disketten. In aller Regel kommt man auch mit DD-Disketten klar, da fast alle HD-Laufwerke solche Disks lesen können. Hat ein Computer kein Diskettenlaufwerk dies soll ja leider immer häufiger vorkommen - bleiben nur die Möglichkeiten, wie sie in stcomputer 11-2003 geschildert werden. Neuerdings kann man für wenig Geld ein externes Diskettenlaufwerk kaufen und an den USB-Port anschliessen.

Eine weitere Komplikation ergibt sich aus dem unterschiedlichen Code für die Zeichendarstellung für Atari und den PC. Schon zwischen ST und MS-DOS bestanden Unterschiede, obwohl beide den ASCII-Code benutzten. Für MS-DOS galt ein etwas abgewandelter ASCI-Code. Folgerichtig unterscheidet Papyrus zwischen ASCII- und Atari-Belegung. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass schon das Zusatzprogramm 1stxtra zu 1st Word Plus eine Möglichkeit enthielt, dass „ß“ des Atari nach MS-DOS und umgekehrt zu wandeln.

Für Windows gilt hingegen der wieder etwas andere ANSI-Code. Bei der Übertragung von Dokumenten können hier erhebliche Fehler auftreten, so besonders bei den Umlauten „,? und besonders auch beim ß. Diese Schwierigkeit lässt sich aber umgehen. Eine einfache Lösung besteht darin, dass man statt ä, ö, ü und ß einfach ae, oe, ue und ss schreibt, wie einstmals beim Fernschreiber. Im PC kann man dann durch die Funktion „Suchen und Ersetzen“ das alte Schriftbild, also ä,ö,ü und ß wiederherstellen. Da die Rechtschreibreform oft das ß durch ss ersetzt hat, aber bei einigen Wörtern das ß belassen hat, wie zum Beispiel beim Wort „Fuß“, ist hier Vorsicht geboten. Es gibt auch Programme, die ANSI-Code in ASCII-Code wandeln und umgekehrt. Man muss nur aufpassen, dass es der richtige ASCII-Code ist.

Ein weiteres Problem ergibt sich unter Umständen aus den Schriften und der Belegung der betreffenden Schrift mit den einzelnen Buchstaben. Dies gilt besonders für Sonderzeichen, Dingbats und exotische Schriften. So haben z.um Beispiel viele Kunstschriften keine deutschen Umlaute.

Einige Windows-Programme laden MS-DOS-Textdateien und wandeln sie in ANSI-Dateien um. Dies geht folgerichtig auch mit Atari-Text-Dateien. Man muss dann die Alternative MSDOS-Text wählen. Allerdings wird das ß nicht immer mit umgewandelt, sondern erscheint als x. Dies ist aber wegen der erwähnten Rechtschreibreform nicht ganz so schwerwiegend.

An Programmen, die MS-DOS-Texte (also ASCII) laden und teilweise korrekt umwandeln können, sind als Beispiele Word 97,Works und Claris Works zu nennen. Auf jeden Fall muss es sich bei der Textdatei um eine ASCI-Datei handeln. Irgendwelche zusätzlichen Formatierungen - wie etwa bei 1st Word-Dateien - können die Umwandlung erheblich stören. Hierfür gibt es aber andere Möglichkeiten.

Praxis

Will man die Einzelheiten, insbesondere die Formatierung des Dokumentes, mit übertragen, so ist dies mit dem reinen Textformat (.txt) nicht möglich. Ein für diesen Zweck recht gutes und universelles Format ist das „Rich-Text-Format“ (.rtf). das von vielen Programmen gespeichert und auch gelesen werden kann. Leider spielt hier aber oft der unsinnige Unterschied zwischen ASCII und ANSI eine Rolle. Dies ist zum Beispiel bei word 97 (wenn ein entsprechendes Konvertierungsprogramm fehlt) und Wordpad der Fall, wohingegen Works und Papyrus (näheres siehe nächsten Absatz) korrekt laden. Man sollte auf jeden Fall aber vorher prüfen, ob eine korrekte Übertragung möglich ist. Manchmal lässt sich auch durch eine entsprechende Einstellung des Programms etwas erreichen. Auf jeden Fall sollte man die entsprechenden Anleitungen genau studieren. Hinweise finden sich meist bei den Stichworten „Export“, Import“, manchmal auch bei „Laden“ und „Speichern“.

Eine sehr gute, wenn nicht die optimale Lösung der Verbindung von Atari und PC sind die von R.O.M. logicware herausgegebenen Textprogramme Papyrus. Sie sind sowohl für Atari als auch für Windows und Macintosh erhältlich. Die Papyrus-Dokumente, die auf einem Atari gefertigt wurden, lassen sich von einem PC-Papyrus recht problemlos laden, man muss nur die Schriften und das Dokumentenformat anpassen, wonach man ausdrücklich gefragt wird. Papyrus hat für den Export bzw. Import auch mannigfache Einstellungsmöglichkeiten, die man gründlich prüfen und ausnützen sollte. Ein gewisses Problem bieten zum Beispiel die Anführungszeichen. Der Unterschied zwischen ANSI und ASCII spielt keine Rolle, die „Übertragung erfolgt korrekt. Dies Übertragungen gehen selbst bei unterschiedlichen Papyrus-Versionen.

Da man somit zwei Papyrus-Versionen (eine für Atari und eine für Windows) benötigt, kommt möglicherweise das sogenannte „Cross-Update“ in Frage. Auf jeden Fall sollte man nach einer Übertragung jedes Dokument gründlich durchlesen und eventuelle Übertragungfehler beseitigen.

Tipps & Tricks

Gott sei Dank gibt es wie für Bilder auch für Textdateien zusätzlich ein paar Ausweichmöglichkeiten und Tricks. Sowohl beim Atari, zum Beispiel „Snapshot. ACC“, als auch beim PC (hier besonders mittels der Druck-Taste in Windows), kann man den ganzen Bildschirm oder Teile desselben als Bild speichern, wie in dem zitierten Aufsatz gesagt wurde (Seite 15, stc 11-20o3). Über Emulatoren kann man nun Atari-Dokumente auf einen PC-Schirm bringen und dann speichern. Um sie dann in Windows-Programmen nutzen zu können, muss man dann die so gewonnene Datei noch bearbeiten: Texte werden nämlich durch diese Methode zu Bildern. Diese kann man allerdings unverändert als Bilddateien in Textdokumente einbinden. Dies ist die einzige Lösung, wenn man Schritten - etwa von Signum - auf den PC übertragen will, die es dort nicht gibt. Manchmal genügt auch die Einbindung eines Ausschnittes, etwa bei Initialen.

Gelingt die Einbindung des Bildes nicht oder ist sie nicht zweckmässig, dann muss man das Bild durch ein Texterkennungsprogramm wie zum Beispiel „OmnipagePro“ in Text wandeln.

Schließlich gibt es vielleicht eine generelle Möglichkeit der Zusammenarbeit von Atari und Windows: eine neuere Version eines Atari-Emulators, des „STEmulators“, soll die Windows-Zwischenablage ansprechen können. Da die Windows-Zwischenablage sowohl Text als auch Grafik beherrscht, wären damit leicht Übertragungen zwischen den Systemen möglich. Da es inzwischen Windows-Programme gibt, die mehrere Ablagen in der Zwischenablage zulassen (zum Beispiel das Shareware-Programm ClipMate) kann dies eine gute Verbindung zwischen beiden Systemen werden. Ausprobieren konnte dies der Verfasser leider noch nicht, er besitzt nur einen älteren „STEmulator“. Die Problematik war aber Anzeigen zu entnehmen.

Eine gute und sichere Methode kann darin bestehen, dass man den ganzen Bildschirm in die Zwischenablage kopiert, und zwar in Windows etwa durch Druck auf die „Druck“-Taste. Dies klappt mit einem Atari-Programm, das auf dem STEmulator läuft, und zwar mit dessen Ansicht auf dem Bildschirm. Diese Methode klappt vom Atari auf den PC. Umgekehrt vom PC auf Atari kenne ich keine Methode, zumal es keinen Windows-Emulator auf dem ST gibt.

Wenn gar nichts hilft, muss man die Computer verlassen, also ein Dokument ausdrucken und einscannen oder den Bildschirm mit der Digitalkamera fotografieren. Auch dies klappt eher vom ST zu Windows.

Alle diese Methoden führen aber nicht zu Text, sondern zu Bildern. Kann man diese nicht, wie oben geschildert, verwenden, so hilft nur ein Texterkennungsprogramm.

Bildeinbindung

Des Öfteren sind in Textdokumenten Bilder eingebunden. Dies funktionierte schon beim legendären 1st Word plus. Hier sollte man zunächst versuchen, einfach das Bild mit zu übertragen, dies geht zum Beispiel mit Papyrus. Am besten klappt dieses Verfahren, wenn die Bilddaten (Farbanzahl u.s.w.) möglichst gleich oder wenigstens beim empfangenden Gerät oder Betriebssystem geringer sind (also zum Beispiel weniger Farben) Ansonsten verweise ich auf den schon mehrfach erwähnten Artikel in der stcomputer 11/2003 S. 14ff.

Fazit

Dass es in der Praxis mit Texten klappt, zeigt dieser Absatz. Er wurde auf einem TT mit Papyrus Gold 4.10 begonnen und auf Windows 95 mit Papyrus 6.03W beendet, Das Layout entstand auf einem Macintosh.



Aus: ST-Computer 12 / 2003, Seite

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