Das Power 1x1, Teil 1

Neben Textverarbeitungen und Datenbanken gehören Tabellenkalkulationen zu den am meisten genutzten Computerprogrammen. »LDW Power Calc« ist ein leistungsfähiger Vertreter dieser Art für den ST. Unser Kurs wendet sich an die zahlreichen Einsteiger in das weite Gebiet der Computerei, die ihren ST nicht nur als reine »Spielemaschine« nutzen wollen.

Nachdem Sie »LDW Power Calc« gestartet haben, meldet sich das Programm mit seinem Desktop, das aus zwei Hauptteilen, dem Kontrollbalken und dem Arbeitsblattfenster, besteht. Hier manipulieren Sie die Daten Ihrer Arbeitsblätter. Der Kontroll-Balken setzt sich aus einer Menüleiste, einer Reihe von Schaltern und Anzeigen, einer Status- und einer Eingabezeile zusammen. Hinter der Menüleiste verbergen sich die Befehle, mit denen Sie Ihre Arbeitsblätter manipulieren, mit den Schaltern legen Sie bestimmte Vorgaben fest, die sich auf das gesamte Rechenblatt beziehen. Die Anzeigen teilen Ihnen mit, welche Schalter gerade aktiv sind, der Statuszeile entnehmen Sie, welche Vorgaben für die gerade aktive Zelle gelten. Über die Eingabezeile gelangen die einzelnen Informationen in das Arbeitsblatt.

Informationen stehen im Arbeitsblatt

Der Hauptteil des Bildschirms besteht aus dem Arbeitsblatt. Dieses ist den Rechnungsbögen, die in der Buchhaltung Verwendung finden, recht ähnlich. Das Arbeitsblatt eines Buchhalters besteht aus einem Blatt mit einem Raster, in das man Informationen schreibt, in dem man Daten notiert und Berechnungen durchführt. Das LDW Power Calc-Arbeitsblatt ist nichts anderes als ein elektronischer Rechenbogen, der die Informationen im Speicher Ihres Computers ablegt und über Kommandos und Funktionen verfügt, mit denen Sie die Informationen leicht und effizient weiterverarbeiten.

Die Tabelle besteht aus 256 Spalten und 8192 Zeilen. Der Teil, den Sie auf dem Bildschirm sehen, ist also immer nur ein kleiner Ausschnitt des gesamten Arbeitsblattes. Jede Zeile wird in steigender Folge durch eine Zahl (von 1 bis 8192) und jede Spalte durch einen Buchstaben oder ein Buchstabenpaar (von A bis IV) repräsentiert. Der Schnittpunkt einer Zeile und einer Spalte heißt »Zelle« und ist durch den Buchstaben der betreffenden Spalte und die Zahl der betreffenden Zeile eindeutig festgelegt. Die Zelle, die sich in der Spalte E und der Zeile 9 befindet, hat beispielsweise die Adresse E9.

Eine Zelle ist der fundamentalste Teil eines Arbeitsblattes, da man hier die Informationen eingibt. Jede Zelle enthält eine Information, die entweder ein Wert, ein Label oder eine Formel ist. Ein Wert ist eine Zahl oder eine Mengenangabe, ein Label besteht in der Regel aus einem Text, der zur Beschreibung anderer Zellen dient, und eine Formel bezieht sich auf andere Zellen, aus deren Einträgen sie ein Endergebnis liefert.

Bequeme Eingabe

Um eine Information in eine Zelle einzugeben, wählen Sie die Zelle an (aktivieren sie) und tippen die Information ein. Die Eingabe erscheint zunächst in der Eingabezeile. Erst wenn Sie < Return > oder eine der Pfeiltasten drücken erscheint der Eintrag in der Zelle. Mit den Pfeiltasten aktivieren Sie bei der Dateneingabe die nächste Zelle in Pfeilrichtung.

Bei einer Serie von Einträgen ist es oft bequemer, mit der Return-Taste eine Zelle weiterzuspringen. Deshalb merkt sich das Programm die Richtung der zuletzt gedrückten Pfeiltaste und bewegt den Zellzeiger nach jedem Return um eine Zelle in dieser Richtung weiter.

Einträge lassen sich verschieden formatieren. Mögliche Formate sind beispielsweise linksbündig, rechtsbündig oder zentriert, feste Kommastellen, wissenschaftliche Notation, Währungsoder Prozent-Format. Selbstverständlich dürfen Sie die Einträge auch mit unterschiedlichen Schriftattributen wie Fett und/oder Unterstreichen versehen.

LDW Power Calc betrachtet jeden Eintrag, der nicht mit einem der folgenden Zeichen beginnt, als Label:

0-9, + , -, ., /, (, #, $

Labels dürfen bis zu 240 Zeichen lang sein. Folgende vier Zeichen, die als Label-Präfix Verwendung finden, teilen dem Programm mit, an welcher Position das Label in der Zelle angezeigt wird. Die Präfixe sind:

' linksbündig
" rechtsbündig
^ zentriert
\wiederholt die Zeichenkette nach dem Backslash

Labels lassen sich ohne Präfix eingeben. In diesem Fall versieht sie LDW Power Calc automatisch mit dem Präfix, das durch das Arbeitsblatt Global Vorgabe-Kommando festgelegt wurde.

Sie können sich das Präfix jedes Eintrags in der Statuszeile ansehen, jedoch ist es in der Zelle selbst nicht sichtbar.

Folgende Zeichen teilen LDW Power Calc mit, daß es sich bei den Einträgen um Zahlen handelt:

0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 + - , $

Wenn Sie Zahlen eingeben, müssen Sie folgende Regeln beachten:

  1. Eine Zahl muß mit einem der oben aufgeführten Zeichen beginnen.
  2. Eine Zahl darf mit dem Prozentzeichen % enden.
  3. Eine Zahl darf nicht mehr als ein Dezimalkomma enthalten.
  4. Wenn Sie eine Zahl eingeben, fügen Sie keine Punkte oder Leerzeichen ein. Punkte und andere Zeichen, die der Formatierung dienen, werden mit den Format-Kommandos eingefügt.
  5. Eine Zahl darf in wissenschaftlicher Notation eingegeben werden, zum Beispiel 1,452E + 12.
  6. Zahlen dürfen keine Leerzeichen, Punkte oder alphabetische Zeichen, mit Ausnahme eines E bei wissenschaftlicher Notation, enthalten.

Formeln erleichtern die Arbeit

Formeln sind Einträge, die aus den Inhalten anderer Variablen oder Zellen Ergebnisse liefern. Denken Sie dabei an eine einfache mathematische Formel: 2 + 2 = 4.

Hier manipuliert (addiert) die Formel zwei Zahlen, um ein Ergebnis (Summe) zu liefern. Formeln einer Tabellenkalkulation sind diesem einfachen Beispiel sehr ähnlich, denn sie manipulieren Zahlen (wie in unserem Beispiel), Zeichenketten oder die Inhalte von bestimmten Zellen, die durch ihre Adressen festgelegt wurden.

Zum Beispiel verarbeitet LDW Power Calc eine Formel der Form
+ 6/2,
indem es als Ergebnis den Wert der Division 6 geteilt durch 2 liefert, oder
+ C4*A5,
indem es den Wert des Zelleninhaltes von C4 mit dem Wert des Zelleninhaltes von A5 multipliziert.

Selbstverständlich dürfen auch die von LDW Power Calc zur Verfügung gestellten Funktionen in Formeln Verwendung finden. So benutzt die Formel
@SUMME(A1..A5)
die Funktion @SUMME, um die Inhalte aller Zellen von Al bis A5 aufzuaddieren. Wie andere Einträge erscheinen Formeln in der Eingabezeile, wenn Sie sie eintippen. Sie dürfen wie Zahlen keine Leerzeichen enthalten.

Nach dem Start von LDW Power Calc erscheint dieser Arbeitsbildschirm

Formeln nutzen mathematische Operatoren, LDW Power Calc-Funktionen oder eine Kombination von beiden. Da wir die wichtigen Funktionen im zweiten Teil unseres Kurses ausführlich beschreiben, erklären wir an dieser Stelle lediglich die Operatoren.

Die Operatoren, die LDW Power Calc in Verbindung mit Formeln verwendet, lassen sich in drei Hauptkategorien unterteilen: mathematische, relationale und logische Operatoren. Weiter gibt es einen Operator, der Zeichenketten miteinander verbindet.

Es stehen sieben mathematische Operatoren zur Verfügung:

+ Addition
- Subtraktion
* Multiplikation / Division
^ Exponentialfunktion
+ positiv
- negativ

LDW Power Calc löst Formeln in einer fest vorgegebenen Reihenfolge. Es ist äußerst wichtig, diese Reihenfolge zu kennen, wenn Sie mit komplexeren Formeln arbeiten. Bei der Berechnung werden als erstes die Exponenten bearbeitet. Als nächstes bewertet das Programm die positiven und negativen Vorzeichen. Multiplikationen und Divisionen berechnet es im dritten Schritt, und Additionen und Subtraktionen werden zuletzt ausgewertet. Enthält eine Formel mehrere Operatoren der gleichen Priorität (z.B. * und /), so führt LDW Power Calc die Berechnungen von rechts nach links durch. Die Reihenfolge läßt sich durch Klammern ändern, die bei einer Schachtelung von innen nach außen aufgelöst werden.

Mit den relationalen Operatoren vergleicht man zwei Argumente in einer Formel daraufhin, ob sie bestimmten Bedingungen genügen. Zu diesen Operatoren zählen:

= gleich
< kleiner als
< = kleiner als oder gleich
> größer als
>= größer als oder gleich
< > ungleich

Relationale Operatoren haben eine geringere Wertigkeit als mathematische aber eine höhere als logische Operatoren. Diese Operatoren kommen normalerweise in Verbindung mit der @WENN-Funktion zum Einsatz.

Logische Operatoren »verbinden« zwei oder mehrere Bedingungen, um eine aussagekräftigere Bedingung zu erhalten. Sie kommen normalerweise in Verbindung mit der @WENN-Funktion zum Einsatz. Zu den logischen Operatoren gehören:

#NICHT#
#UND#
#ODER#

LDW Power Calc stellt mit dem &-Operator ein Mittel zur Verfügung, mit dem Sie auf einfache Weise Zeichenketten, die sich in verschiedenen Zellen befinden, verbinden. Nehmen wir an, die Zelle Al enthält das Label "LDW ", B9 das Label "POWER " und C3 das Label "CALC". Geben Sie die Formel +A7&B9&C3 in die Zelle E1 ein, so steht als Ergebnis die zusammengesetzte Zeichenkette "LDW POWER CALC" in E1. Beachten Sie, daß die eigentlichen Zeichenketten in Anführungszeichen stehen müssen und daß der &-Operator nur dazu dient, Labels zusammenzufügen. Versuchen Sie ihn auf Zahlen anzuwenden, führt dies zu einem Fehler.

Wie bereits erwähnt verwenden Formeln auch Adressen von Zellen, um ein Endergebnis zu liefern. Die Vielseitigkeit einer Tabellenkalkulation kommt von der Fähigkeit, daß sich mit Formeln die Inhalte vieler verschiedener Zellen verknüpfen, vergleichen und kombinieren lassen. Der Einsatz von Zelladressen innerhalb einer Formel gestattet es, die Argumente der Formeln sehr flexibel zu ändern. Sie addieren beispielsweise mit einer Formel den Inhalt von zwei Zellen. Nun wollen Sie einen der Summanden ändern. Dazu genügt es, wenn Sie den Inhalt der referenzierten Zelle ändern, denn dann lesen Sie das Ergebnis direkt in der Zelle ab, die Ihre Formel enthält.

Links-, rechtsbündig oder zentriert...
und verschiedene Darstellungsformen...
versehen mit Schriftattributen
Taste Bedeutung
Pfeil rechts Bewegt den Cursor ein Zeichen nach rechts
Reil links Bewegt den Cursor ein Zeichen nach links
Tab Bewegt den Cursor fünf Zeichen nach rechts
Shift+Pfeil rechts Bewegt den Cursor fünf Zeichen nach rechts
Shift+Tab Bewegt den Cursor fünf Zeichen nach links
Shift+Pfeil links Bewegt den Cursor fünf Zeichen nach links
Home Bewegt den Cursor zum ersten Zeichen des Eintrags
Shift+Home [ENDE] Bewegt den Cursor zum letzten Zeichen des Eintrags
Backspace Löscht das Zeichen links vom Cursor
Insert Schaltet zwischen Einfüge- und Überschreibmodus hin und her
Delete Löscht das Zeichen unter dem Cursor
Esc Löscht die gesamte Eingabezeile und/oder verläßt den ÄNDERN-Modus

Damit eine Tabellenkalkulation zu einem hilfreichen Instrument wird, müssen sich fundamentale Operationen auf einfache Art und Weise ausführen lassen. Eine dieser Grundoperationen ist die Fähigkeit, sich mit minimalem Aufwand über das Arbeitsblatt zu bewegen. Da ein Arbeitsblatt immerhin aus 256 Spalten und 8192 Zeilen besteht, stellt Ihnen LDW Power Calc mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, die verschiedenen Teile eines Arbeitsblattes zu erreichen.

Wandern Sie über das Arbeitsblatt

Mit den Rollbalken und Pfeilen bewegen Sie sich in gewohnter GEM-Manier schnell und einfach innerhalb des Arbeitsblattes. Wichtig bei dieser Art des Wanderns über die Tabelle ist, daß sich die aktive Zelle dabei nicht ändert, auch wenn sie nicht mehr am Bildschirm sichtbar ist. Die Maus bewegt den Zellzeiger innerhalb des Fensters, indem man mit dem Maus-Cursor auf eine Zelle zeigt und diese anklickt. Die Zelle erscheint dann invers und wird zur aktiven Zelle. Auf diese Weise erreichen Sie aber nur Zellen, die gerade im Fenster angezeigt werden. Meist geht es schneller, bestimmte Zellen über die Tastatur anzuspringen. Drücken Sie eine Pfeiltaste, so bewegt sich der Zellzeiger um eine Spalte oder Zeile in Richtung des Pfeils weiter. Erreichen Sie den Rand des Arbeitsblattfensters, so rollt das Arbeitsblatt automatisch eine Spalte oder Zeile weiter. Das Arbeitsblatt von LDW Power Calc ist in bildschirmgroße Bereiche unterteilt. Eine Seite ist normalerweise 14 Zeilen und 8 Spalten groß. Drücken Sie die Shift-Taste zusammen mit einer Pfeiltaste, so blättern Sie seitenweise in die Richtung des Pfeils. Mit der Home-Taste springen Sie immer zur Zelle Al, also in die erste Zelle des Arbeitsblattes. Die letzte Zelle, die einen Eintrag enthält, erreicht man durch die Tastenkombination Shift Home, gefolgt von Home. Shift Home, gefolgt von einer Pfeiltaste, aktiviert die jeweils erste oder letzte Zelle der Spalte oder Zeile, die gerade die aktive Zelle enthält.

Mit der Funktionstaste F5 (Gehe zu) erreichen Sie jede beliebige Zelle im Arbeitsblatt in einem Schritt. Nachdem Sie F5 gedrückt haben, fragt Sie LDW Power Calc nach der gewünschten Adresse und setzt den Zellzeiger auf diese.

So, nach dieser Menge doch sehr trockener Theorie experimentieren Sie doch einfach etwas mit LDW Power Calc. In der nächsten Ausgabe geht es wesentlich praktischer zu, denn da zeigen wir Ihnen anhand eines Beispiels, wie Sie die teilweise sehr mächtigen Funktionen dieses Programms einsetzen. (uh)

Sie erhalten einen Einstieg in die Tabellenkalkulation LDW Power Calc, die kompatibel zu Lotus 1-2-3, V.2 ist.

Teil 1: Die Grundbegriffe einer Tabellenkalkulation

Teil 2: Die Funktionen von LDW Power Calc □ Beispielprogramm

Teil 3: Die Makro-Programmierung in LDW Power Calc □ Beispielprogramm

Teil 4: Ungewöhnliche Anwendungen □ Beispielprogramm


Ulrich Hofner
Links

Copyright-Bestimmungen: siehe Über diese Seite