Aller Anfang ist leicht - ST für Ein- und Umsteiger: Die erste »Fahrstunde«

Bereits beim Einschalten laufen im ST komplizierte Vorgänge ab, über die Sie Bescheid wissen sollten. Kleine Tricks erleichtern Ihnen den Umgang mit dem Computer wesentlich.

Die Einsteiger-Seiten sind ab sofort eine ständige Einrichtung im ST-Magazin. Wir erklären Ihnen den Atari ST auf leicht verständliche Weise. Jeder Fachbegriff wird sofort »eingedeutscht«. Wir setzen dabei keinerlei Vorkenntnisse voraus. Lediglich das ST-Handbuch sollten Sie einmal von innen gesehen haben. Computer-Umsteiger, die die Grundbegriffe (oder mehr) bereits kennen, sollten nicht die Geduld verlieren, wenn wir eine Sache besonders intensiv behandeln, auch dann nicht, wenn sie einleuchtend erscheint. Sie dürfen nicht vergessen, daß wir mit den Einsteiger-Seiten auch Leute ansprechen, die noch nie mit einem Computer gearbeitet haben. Gleich zu Beginn verweisen wir auf den Artikel »Fachchinesisch für Einsteiger« im ST-Magazin, Ausgabe 4/89, auf Seite 113. Dort finden Sie die häufigsten Fachbegriffe erklärt.

Zuerst die Theorie...

Wir gehen davon aus, daß Sie Ihren Atari ST bereits ausgepackt und dem Handbuch gemäß angeschlossen haben. Schalten Sie den Computer und alle Komponenten Ihrer Anlage (zum Beispiel Monitor, externes Diskettenlaufwerk oder Festplatte) ein, legen Sie eine Diskette ein und warten Sie, bis der GEM-Desktop auf dem Bildschirm erscheint. Hier haben wir schon den ersten Fachbegriff: Der Desktop ist eine simulierte Schreibtischoberfläche auf dem ST, mit den Bildern von beispielsweise Papierkorb oder Karteikästen.

Bevor wir uns das erste Mal »praktisch« mit dem Computer beschäftigen, müssen wir uns durch ein bißchen Theorie arbeiten. Klar, Theorie ist grau, aber leider notwendig.

Bei Computern unterscheiden wir zwischen Hardware und Software. Hardware sind die festen Bestandteile des Computers sowie alle Zusatzgeräte, zum Beispiel Monitor, Disketten oder Kabel. Software sind Programme, mit denen der Computer arbeitet. Als kleine Eselsbrücke sollten Sie sich merken: Hardware sind »harte Sachen«, die Sie sehen und anfassen können. Software sehen Sie nicht und Sie können Sie nicht berühren. Alle Programme verarbeitet der Computer im Speicher. Dabei unterscheiden wir zwischen RAM und ROM. Im RAM (Random Access Memory; Lese- und Schreibspeicher) enthaltene Programme gehen nach dem Ausschalten des Computers verloren. Daten im ROM (Read Only Memory; Nur-Lese-Speicher) bleiben auch nach dem Ausschalten existent. Im ROM sind die Programme, die der ST schon beim Einschalten braucht, beispielsweise das Betriebssystem und das GEM (Graphics Environment Manager; grafische Benutzeroberfläche des ST).

Das Atari ST-Computersystem besteht grundsätzlich aus mindestens drei Komponenten: dem Computer (Zentraleinheit und Tastatur) selbst als zentrales Steuer- und Datenverarbeitungs-Gerät, dem Monitor als Ausgabegerät für Informationen und mindestens einem Diskettenlaufwerk zur externen Datensicherung.

Betrachten wir die Rückseite des Computers, fallen jede Menge weiterer Anschlußbuchsen als die für Monitor und Diskettenlaufwerk (Mega-ST und 1040ST haben ein Laufwerk bereits fest eingebaut. Hier schließen Sie an die entsprechende Buchse ein zweites Laufwerk an) auf. An den Modem-Port schließen Sie einen Akustikkoppler oder ein — wie der Name schon sagt — Modem an. Mit diesen Geräten kommunizieren Sie über die normale Telefonleitung mit anderen Computern. Die Buchse mit der Bezeichnung »Hard Disk« dient zum Anschluß einer Festplatte. Der Printer-Port bietet Gelegenheit zum Anschluß eines Druckers.

Die MIDI-Schnittstellen sind eine Spezialität für sich. Der Atari ST ist bislang der einzige Computer, der diese Anschlüsse fest eingebaut hat. Hiermit koppeln Sie Ihren Computer mit elektronischen Musikinstrumenten (MIDI bedeutet Musical Instrument Digital Interface; digitale Schnittstelle für Musikinstrumente).

Als letztes finden Sie den sogenannten »ROM-Port«. Dieser Anschluß nimmt Module auf. Das sind Speicherbausteine mit Gehäuse, in denen sich ein Programm befindet, das Sie jederzeit starten können. Einige Softwarehersteller liefern mit ihren Programmen einen sogenannten »Dongle« oder »Key« mit, den Sie in den ROM-Port stecken. Das auf Diskette vorliegende Programm läßt sich nur starten, wenn sich das Modul im ROM-Port befindet.

... dann die Praxis

An den Monitoranschluß schließen Sie einen — richtig geraten, einen Monitor an. Allerdings unterscheidet der Atari ST zwischen Färb- und Monochrommonitor. Der Grund dafür liegt in den drei verschiedenen Auflösungsstufen. In der niedrigen Bildschirmauflösung stellt der ST 320 x 200 Punkte dar. In der mittleren Auflösung sind es bereits 320 x 400 Punkte. Diese beiden Auflösungen stellt ein Farbmonitor dar. Die hohe Auflösung — 640 x 400 Bildschirmpunkte — ist nur wenigen Monitoren Vorbehalten, darunter dem original Atari SM124, den die meisten ST-Anwender besitzen.

Legen Sie jetzt eine Diskette ins Laufwerk und machen Sie einen Reset. Unter Reset versteht man das vollständige Zurücksetzen des Computers. Der interne Speicher wird dabei gelöscht. Sie »rese-ten« den ST mit Hilfe des Reset-Schalters oder durch Aus- und Einschalten des Geräts. Den Reset-Schalter finden Sie in Form eines kleinen grauen Drucktasters auf der Rückseite des Computers. Nach kurzer Zeit erscheint wieder der GEM-Desktop.

Wiederholen Sie die Prozedur, diesmal allerdings ohne Diskette im Laufwerk. Der Desktop erscheint nach etwa 30 Sekunden (vorausgesetzt, Sie haben keine selbstbootende Festplatte angeschlossen). Worin liegt der enorme Zeitunterschied begründet?

Der ST geht nach jedem Reset oder Einschalten in folgender Reihenfolge vor: Zunächst lädt er den Bootsektor auf der Diskette in Laufwerk A. Der Bootsektor ist ein Bestandteil jeder Diskette, auf den der Computer nur einmal zugreift — nämlich nach jedem Reset oder Einschalten. Im Bootsektor können kleine Programme stehen, die beispielsweise weitere Programme von der Diskette laden. Dies hat den Vorteil, daß Sie sich nicht selbst um den Ladevorgang in der richtigen Reihenfolge kümmern müssen, sondern lediglich den Resetknopf betätigen. Den Rest macht der Computer selbst. Findet er keine Diskette (und somit auch keinen Bootsektor), probiert er es immer wieder. Nach etwa 30 Sekunden gibt er auf, und Sie befinden sich im GEM-Desktop.

Als nächstes lädt er die Programme des Auto-Ordners. Zum besseren Verständnis klären wir zunächst den Begriff »Ordner«. Der Atari ST verwaltet Dateien und Ordner. Ordner sind einfach gesagt Unterverzeichnisse im Inhaltsverzeichnis (Directory) einer Diskette. Ein Beispiel: Eine Diskette enthält zwei Dateien und einen Ordner. Öffnen Sie eine Datei, lädt und startet sie der Computer. Öffnen Sie hingegen einen Ordner, stellt Ihnen der ST weitere Dateien zur Verfügung, die im Ordner untergebracht sind. Sie können dieses System mit einem Karteikasten vergleichen. Der Kasten enthält mehrere Akten sowie einige Ordner, die weitere Akten enthalten.

Trägt ein Ordner die Bezeichnung »AUTO«, lädt und startet der Computer alle in ihm enthaltenen Programme AUTO-matisch. Alle? Nun, Ausnahmen bestätigen die Regel, doch darum brauchen wir uns im Moment noch nicht zu kümmern.

Nach dem Auto-Ordner sind die Accessories an der Reihe. Das sind Programme, die im Speicher bleiben, auch wenn Sie andere Programme laden. Sie können sie von jedem GEM-Programm aus aufrufen (starten). Diese Programme werden oft als »kleine Hilfsgeister« bezeichnet, da sie in der Regel nützliche Funktionen wie Taschenrechner oder Diskettenformatierprogramme bereitstellen. Der Atari ST lädt bis zu sechs Accessories, die Sie über die Menüleiste aufrufen.

Zu guter Letzt lädt der ST die Datei »DESKTOP.INF« (soweit vorhanden). Diese Datei enthält wichtige Informationen über den Aufbau des Desktops oder die eingestellten Farben. Eine genaue Definition dieser Datei finden Sie in der nächsten Ausgabe. GEM bietet Ihnen die Gelegenheit, den Desktop (»Schreibtischoberfläche«) nach Ihren Wünschen zu gestalten. Dazu gehören die Positionen der Icons (die symbolischen Bildchen des Desktop) oder die Farben Ihrer persönlichen Arbeitsfläche. Diese Einstellungen speichern Sie über die Funktion »Arbeit sichern« im GEM-Desktop-Menüpunkt »Extras«. Der ST hält die Einstellungen in der Datei »DESKTOP.INF« fest.

Nach der Desktop-Infodatei ist der Bootvorgang beendet und der ST übergibt Ihnen das Kommando. Jetzt befinden Sie sich im Desktop.

Hier finden Sie eine Menüleiste, ein Papierkorb-Symbol sowie mindestens zwei Diskettenstation-Symbole. Arbeiten Sie mit einer Festplattenstation, finden Sie für jede Partition ein weiteres Laufwerkssymbol. In diesem Fall beachten Sie bitte die Anleitung und Hinweise in Ihrem Festplatten-Handbuch.

Zwei Laufwerkssymbole? Und das, obwohl Sie nur mit einem Diskettenlaufwerk arbeiten? Keine Angst, Ihr ST ist nicht defekt. Der ST arbeitet mit bis zu zwei Diskettenlaufwerken zusammen (wohlgemerkt: Disketten-Laufwerke, bei Festplatten liegt die Sache anders, siehe oben). Deshalb stellt er für jedes Laufwerk ein Symbol dar. Besitzen Sie nur ein Laufwerk, ist für Sie vorrangig das Symbol A: interessant. Das Symbol B: benötigen Sie nur zum Diskettenkopieren. Experimentieren Sie nun mit dem GEM-Desktop. Klicken Sie mit der Maus die verschiedenen Menüs an, öffnen Sie die Diskettenlaufwerke (im Desktop! Bitte nicht wörtlich verstehen!) und experimentieren Sie mit den Programmen auf Ihrer Systemdiskette, die dem Computer beiliegt. Dann tun Sie sich in der nächsten Folge leichter. In der nächsten Ausgabe erläutern wir die Bedeutung der verschiedenen Menüs und experimentieren mit Ordnern und Dateien.

Sollten von Ihrer Seite Fragen auftauchen, schreiben Sie uns. Wir bemühen uns. Ihnen schnell und leicht verständlich weiterzuhelfen. (tb)

Ihr persönliches Desktop speichern Sie mit der Funktion »Arbeit sichern« Der ST hält Ihre Einstellungen in der Datei »DESKTOP.INF« fest.
Accessories sind speicherresidente Programme, die Sie über die GEM-Menüleiste aufrufen. Das Kontrollfeld-Accessory liegt jedem ST bei.

Thomas Bosch
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