Monopolbrecher - Vorabtest: Datenbanksystem IDA

Seit Jahren herrscht Flaute auf dem Markt der ST-Datenbanken. Das übermächtige Adimens ist in seiner Leistungsfähigkeit unbestritten die Nummer 1 und regiert den ST-Markt fast vollständig. Aber jetzt tut sich was im Bereich der relationalen Datensammler — IDA schickt sich an, das Monopol zu brechen. Und soviel vorweg: Es sieht so aus, als wird sich Adimens sehr warm anziehen müssen.

Auf der Atari-Messe in Düsseldorf bekam das Publikum zum ersten Mal IDA zu sehen. TOS hatte jedoch vorher schon Gelegenheit, die verschiedenen Phasen der Entwicklung mitzuerleben und schließlich das Programm einem ausführlichen Detailtest zu unterziehen. Zur Verfügung stand dabei die Version 0.9 von IDA, die nur geringfügige Unterschiede zu dem in Düsseldorf vorgestellten Programm (V1.0) aufweist. Die vollständige und endgültige Version von IDA (VI.1) erscheint in den nächsten Wochen auf dem Markt. Hinter der Bezeichnung IDA verbirgt sich die Abkürzung für» Integrated Database Application«, was soviel bedeutet wie integrierte Datenbank-Anwendung. Herz des Programmes ist der Datenbankkern »Flash Access«, der sich durch eine hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit auszeichnet. Aber darüber später mehr. Flash Access muß als Accessory gebootet werden - das hat den Nachteil, daß es immer Speicher belegt (ca. 80 KByte), auch wenn man IDA nicht benutzt. Sollte die Datenbank während der Arbeit jedoch abstürzen, lassen sich über das Accessory oft noch Daten retten.

IDA ist von Haus aus quasi-multitasking-fähig. Das heißt nicht, daß Sie gleichzeitig sortieren und tippen können - dafür reicht die Verarbeitungsgeschwindigkeit eines STs nicht. Bei der ab November geplanten TT-Version ist dies vielleicht anders. Bereits jetzt können Sie aber mehrere Dateien gleichzeitig öffnen und bearbeiten. Der Datenaustausch funktioniert ebenfalls problemlos. IDA ist bereits in der Grundversion multi-user- und netzwerkfähig. Ein Paßwort- und Verschlüsselungssystem sorgt dabei für die richtige Kompetenzenverteilung.

Alle Module sind unter einer Shell zusammengefaßt

Das Programm teilt seine Funktionen in verschiedene Module auf, ähnlich Adimens ST. »Init« dient der Festlegung von Datenbank-Definitionen, »Exec« deren Auswertung etc. Alle Module sind unter einer Shell zusammengefaßt, die sich »SSWiS« (Small Systems Windowing Standard) nennt. Wie der Name erahnen läßt, handelt es sich dabei um ein Fensterkonzept, das der GEM-Oberfläche ähnelt. Aber es gibt durchaus Unterschiede. So lassen sich mit SSWiS bis zu sechs Fenster gleichzeitig öffnen. Geschlossene Windows liegen als Icons jederzeit abrufbereit auf der Oberfläche. Das Konzept der Shell bringt es mit sich, das meist mehrere Fenster gleichzeitig offen sind -etwa, um die ausgegebenen Meldungen im Terminal-Window mitzuverfolgen. Auf einem Großbildschirm (auf dem SSWiS übrigens ohne Anpassung läuft) ist das zwar kein Problem, und die Arbeit gestaltet sich damit angenehm. Auf dem SM124 aber, der bei den meisten Atari-Benutzern auf dem Schreibtisch steht, kommen sich die Fenster in's Gehege, und es ist einiges an Mausklicks nötig, um die Übersicht nicht zu verlieren.

Die Definition Ihrer Datenbank übernehmen Sie mit dem Modul Init. Mehrere Datentypen stehen Ihnen dabei zur Verfügung: Neben dem üblichen Text, (Lang-) Zahl und Dezimal finden Sie auch Felder für Geld, Datum, Zeit sowie Boolean (logisch Ja oder Nein). Eine Besonderheit ist der Typ Extern: Mit seiner Hilfe lassen sich externe Modula-Programme starten. Sie verwalten zusätzliche Daten, die nicht in das vorgegebene Konzept passen. Das können beispielsweise Texte sein oder Bilder. Alle Datentypen dürfen Sie auch als Mehrfachfelder anlegen. Erfreulich dabei: Sie entscheiden selbst, ob diese Mehrfachfelder bei der späteren Eingabe komplett am Stück ausgefüllt werden oder ob dies nach der Bildschirmreihenfolge geschehen soll. Jedes Feld dürfen Sie als Schlüssel definieren, was allerdings Speicherplatz kostet. Exklusiv-Schlüssel sind dabei ebenso erlaubt wie - und das ist eine Besonderheit - Composite Keys (zusammengesetzte Schlüssel). Damit fassen Sie mehrere Items zusammen und behandeln sie als einen Schlüssel. Dies erlaubt einen schnellen Zugriff auf oft benötigte Suchkriterien, ohne daß eine Mehrfachsortierung nötig ist.

Gilt ein Mehrfachfeld als Schlüssel, verwaltet IDA den Inhalt jeder einzelnen Zeile als eigenen Datensatz - ohne, daß der Benutzer etwas davon merkt. Dadurch finden Sie beim Suchen die Datensätze auch dann, wenn sich der gewünschte Inhalt in unterschiedlichen Zeilen des Mehrfachfeldes befindet.

Die Makrobuttons erleichtern das Ausfüllen der Masken. Ein Mausklick auf den Button, und schon steht der vorher bestimmte Text im aktuellen Feld. Auch für die grafische Auflockerung bietet Init einiges: So dürfen Sie jedes Feld in beliebiger GEM-Schriftart setzen, ebenso wie den Feldinhalt. Mit Füllmustern versehene Rechtecke sorgen für eine bessere Übersicht. Eine Besonderheit ist die Funktionstastenansteuerung. Wie bei

Adimens nehmen Sie auch bei IDA alle wesentlichen Funktionen wie Datensatz einfügen, löschen u. ä. über die F-Tasten vor. Bei IDA bestimmen Sie die Belegung und die Position der Tasten allerdings selbst. Die meisten der Init-Optionen lassen sich auch über die Tastatur aktivieren. Das ist auch sehr empfehlenswert, denn SSWiS interpretiert die Mausaktionen sehr träge, was im Test gelegentlich zu Fehlbedienung führte. Nach Aussage des Entwicklers soll dies an einigen Ungereimtheiten im TOS 1.4 liegen. Die fertige Definition probieren Sie mit Hilfe eines Test-Modus gleich an Ort und Stelle aus. Sind alle Einstellungen zu Ihrer Zufriedenheit ausgefallen, sichern Sie die Maske und bearbeiten diese im Modul Exec.

Dort unterscheidet IDA grundsätzlich zwischen der Masken- und Listendarstellung, wobei auch beide gleichzeitig aktiv sein dürfen. Das Selektieren erfolgt auf mehrere Arten: Zum einen über die bekannten Schlüsselkriterien, wobei alle Datensätze selektiert werden, deren Feldinhalt zum gewählten Schlüssel paßt. Dann über die sogenannten Hoch-/Tiefwassermar-ken, die jeweils ein Maximum bzw. Minimum definieren. Damit finden Sie in einer Adressverwaltung beispielsweise alle Datensätze, die zwischen »Meier« und »Müller« liegen. Und letztendlich über die freie Wahldefinition. Diese Methoden dürfen Sie auch kombinieren. Beliebige Datensätze sammeln Sie auf dem Clipboard, wo Sie sie getrennt weiterverarbeiten. Funktionsabläufe automatisieren Sie in IDA mittels einer einfachen Algorithmensprache.

Um die Verarbeitungsgeschwindigkeit zu erhöhen, bedient sich IDA zweier Mittel: Zum einen installiert es im RAM auf Wunsch einen Cachespeicher, der die Datensätze zwischen puffert und so das zeitaufwendiges Nachladen von der Platte reduziert. Nur der Speicher begrenzt die Maximalgröße des Cache. Noch effektiver ist jedoch die Verwendung einer Schablonendatei. Dabei legt IDA eine kleine Datei an, die nur jeden 30. Datensatz enthält. An dieser Auswahldatei hangelt sich IDA dann bei der Suche nach den Daten entlang. Meßbares Ergebnis: Das Blättern in einer 25000 Datensätze großen Datei vom ersten zum letzten Datensatz dauert normalerweise ca. 7 Minuten - das ist in etwa der selbe Wert wie bei Adimens. Mit aktivierter Schablonendatei dauert der ganze Vorgang dagegen nur noch 1,5 Sekunden. Von Zeit zu Zeit (etwa wenn sich fünf Prozent der Datensätze geändert haben) muß die Datei erneuert werden, IDA weist Sie rechtzeitig darauf hin.

Der Datensatztyp »Extern« darf auch Bilder enthalten

Bleiben wir beim Thema Geschwindigkeit: Das Importieren der Datei (25 000 Datensätze, insgesamt 3,7 MByte) dauert bei IDA etwa 3 Stunden. Adimens benötigt dafür 20 Stunden. Ähnliche Werte ergeben sich beim Reorganisieren der Datenbank. Das Suchen aller Datensätze, die mit »B« beginnen (2655 Stück), bringt IDA in 1:42 Minuten hinter sich. Adimens benötigt für die gleiche Aktion 25 Minuten. Wir verwendeten eine 25 ms Festplatte mit Software-Cache. IDA veranschlagt damit pro Datensatz eine Zugriffszeit von etwa 35 ms plus der Zeit für den Festplattenzugriff, bei Mehrfachzugriff sorgt dann der Cache für schnellere Werte. IDA ist bezüglich Verarbeitungsgeschwindigkeit Adimens in allen Bereichen weit überlegen.

Etwas ungeschickt ist momentan die Massenspeicherverwaltung von IDA. Jeden Datensatz speichert das System in seiner maximalen Länge ab, so wie er in Init definiert ist - unabhängig davon, wieviel nun in dem Datensatz wirklich drinsteht. Die Folge: Die Dateien blähen sich schnell sehr groß auf. Diese Eigenschaft soll jedoch in der endgültigen Version behoben sein. Mit dem Editor entwickeln Sie Ihre Algorithmen. Ebenfalls mit dabei ist ein Multisorter, der Mehrfachsortierung erlaubt. Bemerkenswert ist, daß Sie mit Hilfe einer Konfigurationsdatei die Sortierreihenfolge der Textfelder ändern können. Die hier getestete Vorversion erlaubt noch kein endgültiges Urteil über IDA. Die bisher implementierten Funktionen hinterlassen jedoch einen ausgesprochen guten Eindruck, und die Verarbeitungsgeschwindigkeit steht über jeder Kritik. Wenn das endgültige Programm hält, was diese Version verspricht, steht auf dem ST ein professionelles Datenbanksystem zur Verfügung. IDA soll 398 Mark kosten. uh

Bezugsquelle: Compo Software GmbH, Postfach 1051, 5540 Prüm

WERTUNG

Name: IDA
Preis: 398 Mark
Entwickler: Advanced Applications Viczena
Vertrieb: Compo Software

Stärken: Sehr schnell □ Masken mit Grafikelementen □ gelungene Behandlung von Mehrfachfeldern □ Selektion über Hoch/Tiefwassermarken □ Bedienung größtenteils über Tastatur möglich

Schwächen: Benutzeroberfläche gelegentlich unübersichtlich □ Mausabfrage hakelig □ Accessory muß mitgebootet werden □ Dateien blähen sich auf

Fazit: Sehr schnelles und leistungsfähiges Datenbanksystem für den ST, das in der Vorversion bereits einen professionellen Eindruck macht.


Marc Kowalsky
Aus: TOS 10 / 1990, Seite 28

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