Script II

Nach dem erfolgreichen Start von »Script« Anfang dieses Jahres geht ASH mit »Script II« einen deutlichen Schritt nach vorn: Heue Leistungsmerkmale wie Rechtschreibprüfung! Serienbriefe und verbesserte Bildeinbindung schrauben die Erwartungen in beträchtliche Höhen«

Bild 1. Die Seitenvorschau in Script II erleichtert das Einpassen von Bildern und den Aufbau von Tabellen.

Es drängt sich die Frage auf: Züchten die Heidelberger Konkurrenz im eigenen Haus? Mitnichten, denn »Script II« löst das »alte« Script nicht einfach ab, sondern zielt mit seinem deutlich erweiterten Leistungsumfang und dem höheren Preis von 298 Mark auf eine andere Anwenderschicht. Script selbst bleibt mit 198 Mark im Lieferangebot. Auch zu »Signum« gibt es deutliche Abgrenzungen. So bleiben die freie Textplazierung außerhalb von festen Zeilen oder der Spaltensatz weiterhin eine Domäne des Altmeisters.

Doch schauen wir uns an, was Application Systems uns Neues beschert hat. Da wäre zunächst »Elfe«, kein Fabelwesen sondern ein Rechtschreibkorrektursystem auf Wörterbuchbasis.

In aller Bescheidenheit spricht ASH von einer »Wortprüfung«, die Ihren Text mit den ca. 180000 Einträgen eines Grundwörterbuchs und maximal weiteren 180000 Einträgen des Additionswörterbuches vergleicht. Damit sollte der große Teil des Wortschatzes ab-gedeckt sein.

Die Wortprüfung erkennt nur Vorhände Einträge als richtig an und verfügt nicht über grammatikalische Kenntnisse. »Wörterbuch« und »Wörterbücher« sind für die Elfe also zwei völlig verschiedene Begriffe. Um keine falsche Erwartung zu wecken, sei auch gleich gesagt, daß Elfe kein erweiterter Trennalgorithmus ist. Auch in Script II bleibt es bei der Trennung von Hand.

Die Wortprüfung arbeitet in zwei Modi. Entweder Sie schreiben Ihren Text zunächst vollständig fertig und aktivieren dann die Wortprüfung in einem Gesamtdurchgang über den entsprechenden Menüpunkt - oder Elfe ist »online«, prüft also das Wort direkt nach der Eingabe eines Leer- oder Satzzeichens. Im Fehlerfall ertönt ein Signalton aus dem Monitor. Eine spürbare Verzögerung für das Schreiben tritt nicht auf - eine zauberhafte Programmierleistung. Läuft die Wortprüfung über den ganzen Text, haben Sie bei einem unbekannten Wort über eine Dialogbox verschiedene Befehle zur Auswahl. Wissen Sie selbst nicht, wo der Fehler im Wort steckt, schlägt Elfe passende Begriffe aus den Wörterbüchern vor. Ist es ein neues Wort, das Elfe erst lernen muß, wählen Sie den entsprechenden Punkt an. Oder Sie korrigieren einfach den Fehler oder lassen ihn stehen. Wie sollte man sonst z. B. einen Artikel über Schreibfehler verfassen?

Sehr sinnvoll ist die Funktion »Ignorieren«. Sie legt einen Zwischenspeicher von etwa SO Begriffen an. Diese kommen zwar nicht in's Wörterbuch, sind aber der Wortprüfung für dieses Textfenster bekannt, solange es aktiv bleibt.

Als zweiter Punkt steht die Serienbrieffunktion auf der Neuheitenliste. Waren schon bisher mit der Paarung »Script« und »1 st Address« je nach Jahrgang im Copyright halb- bzw. vollautomatische Serienbriefe möglich, ist diese Arbeit mit Script II erheblich vereinfacht. Wie bei jedem Serienbrief üblich, definieren Sie über Platzhalter die Position der Seriendaten, die entweder aus einer Datenbank oder aus einem entsprechend gestalteten Script-Dokument stammen. Die Platzhalter sind mit allen vorhandenen Attributen auszuzeichnen und geben die entsprechenden Einstellungen an die eigentlichen Daten weiter. Beim Import der Seriendaten stehen außerdem logische Operationen zur Verfügung. Damit verwirklicht der Anwender auch innerhalb von Script kleinere Adressdatenbanken und Selektionen, ohne auf eine große Datenbank zugreifen zu müssen. Zwar ersetzt Script keine echte Datenbank, aber die Selektion geht doch deutlich über das hinaus, was man von einer normalen Serienbrieffunktion erwartet. Die fertigen Serienbriefe dürfen Bilder enthalten und lassen sich entweder direkt auf dem Drucker oder in eine Datei ausgeben.

Bild 2. Die »Elfe« in ihrem Element: integrierte Rechtschreibprüfung in Script I

Script bot bisher eine reine Fußnotenverwaltung, die sich allerdings -wie das Programm insgesamt -durch sehr hohe Sicherheit auszeichnete. In vielen Arbeiten sind Fußnoten jedoch nicht erwünscht. Die entsprechenden Anmerkungen sollen als Endnoten am Schluß des Textes erscheinen. Script II bietet die Umwandlung von Fußin Endnoten und umgekehrt. Einzige Einschränkung: Es sind nur Fußoder Endnoten zulässig, ein gemischter Betrieb ist leider noch nicht vorgesehen.

Script II erlaubt jetzt die freie Überlagerung von Bildern und Text. Damit sind auch nachträgliche Beschriftungen innerhalb einer Zeichnung mit der gleichen

Schrifttype wie der Text möglich. Das Schreiben auf der Höhe eines Bildes ist deutlich langsamer als außerhalb eines Bildbereichs, aber die »Echtzeit«-Bildbeschriftung wiegt diese Verzögerung voll auf, zumal sie wirklich nur in den Zeilen auftritt, in denen das Bild liegt. Eine Reihe weiterer Erweiterungen und Verbesserungen sind in Script II vorhanden. Dazu gehört die Funktion »Seitenvorschau«, die genau das macht, was sie sagt. Sie liefert einen Überblick über gleichzeitig drei Seiten. Der Kontrolldruck für die korrekte Plazierung entfällt damit in Zukunft. Für Vielschreiber ist die Statistikfunktion in der Infobox eine nützliche Sache. Wer zeilengenau arbeiten muß, freut sich ebenfalls über diese Angaben. Ein Vorschlag für nächste Updates: Vielleicht sollte ASH jedem Dokument noch einen kurzen Ergänzungstext spendieren, der einige Angaben über den Inhalt des Dokuments, den Autor und das letzte Bearbeitungsdatum aufnimmt. Als besonders hilfreich für den Umgang mit Tabellen empfinde ich die Hilfslinien beim Setzen der Tabulatoren. Ein Dankeschön an die Programmierer, hier, aber nicht nur hier, haben Sie an uns arme Anwender gedacht. Sparsam ist auch die geänderte ASCII-Speicherfunktion.

Ist für den Druck ein linker Rand eingestellt, fallen die bisher dafür gesetzten Leerzeichen beim ASCII-Export jetzt weg. Überraschend ist das Mac-mäßige Design einer Reihe von Dialogboxen. Script orientierte sich ja immer schon systemübergreifend, z. B. bei den Tastaturkürzeln, aber die neue Optik macht auch Spaß. Apropos übergreifend: Script läuft also gute GEM-Anwendung auch in Farbe und erweist sich auch auf einem TT als absolut sicher.

Stellt sich zum Schluß die unausweichliche Frage, wer Script II braucht. Beginnen wir von der anderen Seite. Wer Endnoten, Rechtschreibprüfung, Serienbriefe und Seitenvorschau nicht braucht und auf die erweiterte Bildeinbindung verzichten mag, der sollte bei Script bleiben. Script II ist noch immer kein Super-High-Tech-Profi-Schreibsystem à la »Word«. Aber es ist ein solides Textprogramm, und es wird sehr vielen Anwendern schwer fallen, die Grenzen von Script II zu erreichen.

Info- Application Systems Heidelberg Englerstr 3, 6900 Heidelberg 1

WERTUNG

Preis: 298 Mark
Hersteller: Application Systems Heidelberg

Stärken: Rechtschreibkorrektur □ erweiterte Bildeinbindung □ integrierte Serienbrieffunktion □ Seitenvorschau

Schwächen: Keine

Fazit: Arbeitet innerhalb der selbstgesteckten Leistungsgrenzen sicher


Wolfgang Klemme
Aus: TOS 11 / 1990, Seite 24

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