Duell: Turbodizer und Realtizer

"Turbodizer" und -"Realtizer" sind zwei Geräte, die Videobilder für den Computer aufbereiten.

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Durch dieses Kästchen gelangen die Videobilder in den Computer

Wie bereits angekündigt, beschäftigen wir uns Win dieser Ausgabe des ATARImagazins mit den sogenannten Video-Digitizern. Dabei handelt es sich um eine Art Schnittstelle zwischen Computer und Bildquelle (z.B. Videokamera bzw. -recorder). Das eingehende Videosignal wird im Digitizer in eine für den Rechner verständliche Norm umgewandelt, also digitalisiert. Man erhält wieder das ursprüngliche Bild - qualitätsmäßig mehr oder weniger gut erhalten - und kann es nun mit dem Computer weiterverarbeiten.

Zum Test standen uns zwei Geräte von konkurrierenden Herstellern zur Verfügung. Doch zunächst einige Worte über die Gemeinsamkeiten beider Produkte. Ihr Anschluß erfolgt am ROM-Port des ST, über den sie auch mit Strom versorgt werden. Der "Realtizer" der Firma Printtechnik hat etwa die Abmessungen einer der "Turbodizer" von A-Magic Computer ist etwas größer. Zu beiden Geräten gehören ein deutsches Handbuch und die entsprechende Treiber-Software. Nicht zum Lieferumfang zählt das Verbindungskabel zur Bildquelle. Für die Arbeit mit einer Videokamera ergeben sich keine Probleme. Schwieriger gestaltet sich allerdings der Einsatz eines Videorecorders. Für den "Realtizer" benötigt man ein Kabel mit einem Cinch- und einem BNC-Stecker; beim "Turbodizer" ist beidseitig ein BNC-Stecker notwendig. Wer im Fachhandel kein entsprechendes Kabel findet, muß es selbst herstellen.

Eine weitere, etwas traurige Gemeinsamkeit ist die Tatsache, daß beide Handbücher sehr knapp gehalten sind und lange nicht alle Fragen beantworten. Da hilft dann nur noch Ausprobieren. Auch sind genaue Angaben über Inhalt und Aufbau beider Digitizer leider nicht möglich, da die Gehäuse verklebt waren. Beide Hersteller legen Wert darauf, Nachbauten ihrer Produkte zu verhindern.

Kommen wir nun aber zu den Unterschieden, die hauptsächlich in der Software zu finden sind.

Turbodizer

Zum "Turbodizer" wird zur Zeit die neue Version 1.8 vom Juni 1987 angeboten, die auch gegen Einsendung der Originaldiskette und 10,- DM gegen ältere Versionen eingetauscht werden kann. Das Programm läuft unter GEM, benötigt jedoch weder Window noch Menüleiste, da zum Menüfeld durch Umschalten Zugang besteht. Vor allem sind zum Digitalisieren eines Bildes nur wenige Handgriffe nötig. Auf dem Monitor präsentiert sich die Turbo- in Form eines grafisch übersichtlich gestalteten Hauptmenüs, aus dem sich die gewünschten Optionen anklicken lassen. Abhängig davon, ob der Anwender einen Farb- oder Monochrommonitor besitzt, kann er hier z.B. die Digitalisierungsfarbe (Grün, Blau, Rot und Grau) einstellen.

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Ein "TurboDizer"-Bild in der Digitalisierungsfarbe Grün

Daneben läßt sich das Abspeicherformat wählen. Das ist wichtig, um die gewonnenen Bilder später weiterzubearbeiten. Folgende Formate sind möglich: "Degas", "Neochrome", "Art Director" und Bitmap-Grafik. Für die Auflösung stehen 2, 4, 8, 16 oder 32 Graustufen zur Verfügung.

center In der Farbe Rot liefert der "Turbo-Dizer" solche Bilder

Hat man die Voreinstellungen beendet, kann das Digitalisieren beginnen. Nach Anklicken des Startknopfes verschwindet das Menü. Bei jedem Druck auf die SPACE-Taste erscheint jetzt auf dem Monitor ein digitalisiertes Bild, das man über die CursorTasten noch leicht manipulieren kann. Der "Turbodizer" arbeitet, wie sein Name schon andeutet, sehr schnell. Es ist z. B. ohne weiteres möglich, vom laufenden Videoband Bilder in den Computer zu laden. Für gezielte Aufnahmen sollte natürlich ein Standbild zur Verfügung stehen. Ist man mit dem sichtbaren Ergebnis zufrieden, läßt sich über die RETURN-Taste wieder zum Hauptmenü zurückkehren. Von hier wird das Bild auf Diskette abgespeichert. Der Umgang mit dem "Turbodizer" ist recht einfach und stellt keinerlei Anforderungen an den Benutzer.

Jetzt besteht die Möglichkeit, das Bild mit einem Grafikprogramm weiterzubearbeiten. Die Ergebnisse, die sich mit dem "Turbodizer" erzielen lassen, kann man schlecht beschreiben; die hier wiedergegebenen Bildschirmfotos sagen wesentlich mehr aus. Da das Gerät auch im Monochrombetrieb lediglich die niedrigste Auflösung des Atari nutzt, müssen bei der Bildqualität Abstriche gemacht werden. Übrigens erhält man bei Farbbetrieb keine Bilder, die dem Original entsprechen, sondern nur Farbschattierungen der jeweils gewählten Grundstufe.

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Das Hauptmenü des "TurboDizer". In der Mitte können die verschiedenen Formate eingestellt worden.

Realtizer

Die Software des "Realtizer" ist etwas umfangreicher. Das Programm arbeitet mit der konventionellen GEM-Technik, bietet also Pull- und Fenster an. Auch hier kann man zwischen vier Graustufenoptionen wählen. Ebenfalls vorhanden ist die Option für die Bildabspeicherung; sie fügt zu den beim "Turbodizer" angebotenen Formaten noch "Doodle" hinzu. Der Digitalisierungsvorgang selbst stellt auch beim "Realtizer" kein Problem dar. Man hat allerdings die Wahl, ob ein fortlaufendes Bild aufgenommen oder der Digitizer nur einmal aktiviert werden soll (Standbild). Zuvor läßt sich mit der Option DIGI CALIB eine automatische Anpassung des Eingangssignals vornehmen. Wenn die automatische Einstellung den Anforderungen nicht entspricht, kann man Kontrast und Helligkeit des digitalisierten Bildes auch manuell einstellen. Dies ist sowohl bei der Einzelbild-Erfassung als auch beim fortlaufenden Digitalisieren möglich. Auf diese Weise ist auch bei Lichtschwankungen immer eine optimale Bilderfassung gegeben.

Auch beim "Realtizer" kann das geladene Bild leicht bearbeitet werden. Hinzu kommen die Funktionen INVERT und MIRROR, die wohl für sich sprechen. Im Gegensatz zum "Turbodizer" lassen sich hier auch noch den 16 Graustufen Farbwerte zuordnen. Aus der 512-Farben-Palette desAtari läßt sich dabei eine beliebige Farbe auswählen und dem gewünschten Register zuordnen .

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Auch der "Realtizer" der Firma Print Technik wird einfach in den ROM-Port des ST eingesteckt

Eine fertige Fehlfarbtabelle kann auf Diskette gespeichert und bei Bedarf in jedes andere Bild geladen werden. Positiv sind auch die umfangreichen Möglichkeiten der Druckeransteuerung, um die Bilder zu Papier zu bringen. Es sind Treiber für verschiedene Drucker enthalten, darunter auch Laserdrucker, die einen optimalen Ausdruck garantieren. Die Größe des zu druckenden Bildes kann beliebig eingestellt werden.

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_ Ein "Real-Tizer"-Bild - Rechts ist das Menü zur Auswahl der Farbschattierung zu sehen_

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Als Besonderheit erhält der Anwender auf der "Realtizer"-Diskette ein weiteres Programm, das nur für Besitzer einer Videokamera geeignet ist. Mit ihm und den beiliegenden Farbschablonen kann man nach drei Durchgängen ein Echtfarbbild erzielen. Wie bereits beim "Turbodizer" sollen auch hier die Bildschirmfotos für sich sprechen. Zum Test wurde ein Videorecorder verwendet, da ein solches Gerät im Gegensatz zur Kamera in vielen Haushalten vorhanden ist. Zusätzlich findet man noch das Programm "Toolbox" auf der "Realtizer"-Diskette. Dieses kleine Hilfsprogramm erlaubt das Vergrößern, Verkleinern, Biegen und stufenlose Drehen von Bildern, die mit dem "Realtizer" erstellt wurden. Einzelne Bildteile können separat gespeichert und zu Kollagen zusammengefügt werden.

Da auch der "Realtizer" eine Auflösung von 320 x 200 Punkten bietet, lassen sich die Ergebnisse beider Geräte gut miteinander vergleichen. Obwohl der "Realtizer" die umfangreichere Software bietet, gefallen mir die Bilder von "Turbodizer" etwas besser.

Printtechnik Nikolaistr. 2 8000 München 40

A-Magic Computer Postfach 2065 CH-5402 Baden

Rolf Knorre

Bildverarbeitung

Die Umsetzung optischer Informationen in die digitale "10101Sprache" des Computers findet in der Industrie bereits praktische Anwendung. Sind die Bilder erst in eine für die elektronische Datenverarbeitung verständliche Form umgesetzt, stehen sie für vielerlei Bearbeitungsmöglichkeiten offen. Dabei geht es keineswegs nur um den grafischen Bereich, wenngleich hier die "anschaulichsten" Ergebnisse zu bewundern sind.

Auch in der industriellen Fertigung ist diese Art der Computeranwendung - obwohl ihr Einsatz noch in den Anfängen steckt - nicht mehr wegzudenken. Vor allem Roboter machen die Sinnesfunktion "Sehen" notwendig, wenn beispielsweise aus einer ungeordneten Menge unterschiedlicher Werkstücke eines herausgegriffen werden soll. In der Qualitätssicherung werden Materialoberflächen mittels digitalisierter Bilder geprüft. Der Computer sortiert Pillen nach Farben und füllt sie in die richtige Verpackung. Selbstfahrende Transportroboter können auf optische Markierungen wie auf "Verkehrszeichen" reagieren.

Welche hohen Anforderungen an solche Systeme gestellt werden, wird deutlich, wenn man sich die Fließfertigung in einem Industriebetrieb vorstellt. Gerade diese Bildverarbeitung in "Echtzeit", d.h. in der Geschwindigkeit der Produktion, steckt unter anderem wegen der hohen Kosten noch in den Anfängen.

Doch das Digitalisieren von Bildern aus herkömmlichen Kameras wird bald der Vergangenheit angehören. Der optische Chip, das zum Computer passende Auge, ist bereits serienreif.
Rolf Knorre



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