Maniac Mansion (C 64)

 Grafik  78 ★
 Sound & Musik  80 ★
 Happy-Wertung  88 ★
C 64 (Apple II, Amiga, Atari ST)
69 DM (Diskette)
**Wohin verschwinden alle Teenager? Welche Experimente macht der verrückte Dr. Fred in seinem geheimen Labor? Und was hat der mysteriöse Meteor damit zu tun?**
Ein Steckbrief offenbart die schreckliche Wahrheit

Der Bildschirm ist schwarz. Auf einmal dringt Grillengezirpe aus dem Lautsprecher, eine Schrift erscheint: »Vor genau 20 Jahren...«. Sie sehen eine karge Landschaft bei Nacht, eine Grasebene und einige abgestorbene Bäume. Die Kamera schwenkt nach links. Da, plötzlich. ein Licht am Himmel. Es wird größer, noch größer, schlägt auf dem Boden auf, es gibt eine kleine Explosion. Ein Meteor ist niedergegangen. Die Kamera schwenkt weiter nach links, auf ein altes, verwinkeltes Haus, ganz in der Nähe. Dort gehen nach und nach alle Lichter in den Fenstern an. Eine spannende Musik ertönt und auf dem Bildschirm erscheint: »Eine Lu-casfilm Produktion.«

Der neueste Science-Fiction-Film auf Video? Mitnichten! Es gibt ein neues Computerspiel von Lucasfilm, das von vorne bis hinten wie ein Kino-Streifen aufgemacht ist. Der Name des Programms: »Maniac Mansion«.

In einer kleinen verträumten amerikanischen Stadt ist vor zwanzig Jahren ein Meteor niedergegangen. Kurz danach hat sich der hiesige Arzt, Dr. Fred, in sein abgelegenes Haus zurückgezogen. Mitgenommen hat er seine Frau, Schwester Edna, und seinen Sohn. »Weird« Ed (übersetzt etwa »seltsamer Ed«). Außerdem munkeln die Bewohner des Orts, daß das Haus noch ein sehr seltsames Haustier, den grünen Tentakel sowie den toten Neffen Ted beherbergt.

In den letzten Wochen sind nun einige Teenager aus dem Dorf verschwunden, darunter auch Sandy. Dave, der Freund von Sandy, hat gesehen, wie Dr. Fred die Arme in sein Haus entführt hat. Noch in derselben Nacht möchte er mit zwei von seinen Freunden eine Rettungsaktion durchführen. An diesem Punkt setzt das Computerspiel ein. Sie übernehmen die Rollen von Dave und den beiden Freunden. Diese Freunde dürfen Sie sich aussuchen; sechs völlig verschiedene Typen stehen zur Auswahl. Die furchtlosen drei treffen sich nachts im Garten von Dr. Freds Haus, dem Maniac Mansion.

Hier machen Sie nun mit der Benutzeroberfläche des Programms Bekanntschaft. Der obere Tfeil des Bildschirms zeigt die einzelnen Zimmer des Hauses, unten ist eine Reihe von Verben zu finden sowie die Liste aller Gegenstände, die die einzelnen Personen bei sich führen. Außerdem sehen Sie einen Cursor, den Sie mit dem Joystick bewegen können. Um eine Figur irgendwohin gehen zu lassen, bewegen Sie einfach den Cursor an die entsprechende Stelle und drücken einmal auf den Feuerknopf. Diese Steuerung ist so intelligent, daß die Figuren von selbst um Hindernisse herumlaufen und sich den kürzesten Weg suchen.


Das grüne Tentakel würde gerne Rockstar werden

Mit der Liste von Verben können Sie eine Reihe von anderen Aktionen ausführen Um etwas aufzuheben, klicken Sie erst das Verb »Pick up« und dann das Objekt auf dem Bildschirm an. Um eine verschlossene Tür zu öffnen. klicken Sie auf »Unlock«. dann auf die Tür. Direkt unter der Grafik steht nun »Unlock door with«. Als letztes müssen Sie nur in der Liste aller Gegenstände auf den Schlüssel (Key) klicken, um die Tür zu öffnen. Auch hier verhält sich das Programm sehr schlau. Wäre der Schlüssel noch am Boden gelegen und hätten Sie auf das Bild des Schlüssels geklickt, wäre die Figur sofort losgelaufen, hätte den Schlüssel geholt und dann die Tür geöffnet.

Die Benutzerführung und die Grafik läßt Maniac Mansion schon wie einen vom Spieler gesteuerten Film aussehen. Durch einen weiteren Gag wird diese Illusion perfekt: »Cut-Scenes«, übersetzt etwa Film-Schnitte. Ein Beispiel: Sie klingeln an der Haustür. Da wechselt auf einmal das Bild und Sie sehen das Zimmer von Weird Ed. Er steht von seinem Bett auf, meint »Oh. es hat geklingelt« und geht aus seinem Zimmer. Danach sind wieder Sie im Bild und können weiter spielen. An manchen Stellen schneidet das Spiel auch von alleine. So kann es passieren, daß Sie gerade mit Dave den Kühlschrank in der Küche untersuchen und das Spiel auf einmal abrupt in das Labor von Dr. Fred umschaltet. Dort sehen Sie dann in einem Dialog zwischen der Gefangenen Sandy und dem bösen Dr. Fred, was der Doktor eigentlich vorhat und wieviel Zeit Ihnen zur Rettung bleibt.

Wieder ein anderer Film-Schnitt wird ausgelöst, wenn Sie den Fernsehapparat einschalten. Sie sehen dann auf einmal einen Werbespot auf Ihrem Computer-Monitor. Natürlich ist dieser Werbespot nicht nur bloße Verzierung. Im Verlauf des Spiels stellt er sich als ungemein wichtig heraus. Diese Film-Schnitte sind also nicht nur Hilfsmittel, um Atmosphäre zu schaffen; in ihnen werden auch wichtige Hinweise und Tips für das weitere Spiel gegeben. Passen Sie also gut auf!

Bis Sie Sandy aus den Klauen des verrückten Doktors befreit haben, müssen Sie eine Vielzahl von logischen Rätseln lösen und ab und zu auch Ihre Geschicklichkeit beweisen. Das Spiel fängt relativ einfach an. wird aber im Laufe immer schwerer, da das Haus wirklich sehr sehr groß ist und es sehr viele verwendbare Gegenstände gibt. Allerdings sollten auch Adventure-Einsteiger mit dem Spiel zurechtkommen So können die Spielfiguren eigentlich nicht sterben, weshalb das Spiel niemals vorzeitig zu Ende ist. Überhaupt verzichtet das Spiel völlig auf jede Gewalt-Anwendung (wenn man mal von Dr. Fred's Experimenten absieht). Dafür gibt es gewaltige Portionen Humor.

Wenn das Spiel zu Ende ist, ist der Spaß noch lange nicht vorbei. Die Programmierer sagen jedenfalls, daß es fünf völlig verschiedene Schluß-Szenen und eine große Zahl von Variationen für den Spielverlauf gibt. Wer mehr darüber wissen will: Für die Softstory dieser Ausgabe haben wir die Programmierer interviewt. (bs)


Das ist wohl nicht der Weinkeller von Dr. Fred

Top aktuell Top aktuell Top aktuell

Aus den Labors der Lucas-film-Programmierer erreichte uns in letzter Sekunde noch eine brandheiße Meldung. Das Spiel »Maniac Mansion« wird in Deutschland erst Ende September/ Anfang Oktober erscheinen — dann aber in einer komplett ins Deutsche übersetzten Version! Nicht nur das Handbuch, auch die Texte. Menüs und Dialoge werden auf dem Bildschirm in Deutsch zu lesen sein. Die Programmierer scheuen dabei keine Arbeit und wollen sogar die deutschen Umlaute in das Programm einbauen. Über die deutsche Übersetzung werden wir bei Erscheinen berichten. (bs)

**Heinrich: »Irre Story«**

Manic Mansion ist eines der originellsten Adventures, die mir je begegnet ist. Die Steuerung ist im Vergleich zum letzten Lucasfilm-Spiel Labyrinth wesentlich verbessen worden. Die Grafik nutzt den C 64 leider nicht optimal aus. Sie ist teilweise sehr witzig gezeichnet, doch das etwas ruckelige Scrolling hätte man schöner machen können. Dafür klingen die vielen Sound-Effekte sehr realistisch und auch die gut komponierte Titelmusik hat es in sich.

Das Beste an Maniac Mansion ist jedoch der Spielwitz. Die garantiert nicht ernst zu nehmende Handlung strotzt nur so vor verrückten Gags. Zusammen mit dem hervorragenden Spielprinzip ergibt das ein wirklich tolles Programm.



Boris Schneider
Aus: Happy Computer 10 / 1987, Seite 85

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