1st Base goes Casio - Datenaustausch

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Wer seine Adreßdaten auch unterwegs zur Hand haben will, war bislang meist auf einen "Schlepp-Top" angewiesen. Wie leicht eine tragbare Datenbank für bis zu 800 Adressen sein kann, zeigt Casio mit seinem Digital Diary SF-4600, das nur rund 100 Gramm auf die Waage bringt.
Und das Schönste ist: Passend zum Casio bietet die Firma VICTOR "X-Casio" als externes 1ST-Base-Modul zur Datenübertragung an.

Das kleine Austauschprogramm schickt Adressen, Memos und Termine aus Dateien im iSTBase-Format an den Casio und leitet die bearbeiteten Daten auch zum ATARI zurück. Doch zunächst zum Casio: Das flache Pocketgerät bietet eine Mini-Datenbank mit neun Feldern und einer echten Suchfunktion. Darüber hinaus vereint das Digital Diary die Funktionen der üblichen Reisebegleiter in sich. Ein Terminplan mit Erinnerungsfunktion korrespondiert direkt mit einem Kalender. Währenddessen kann auf Knopfdruck die Orts- und Weltzeit angezeigt werden. Selbstverständlich verwandelt sich der Casio auf Wunsch auch in einen einfachen Taschenrechner. Die deutschen Umlaute und das "ß" sind leider etwas umständlich über Tastenkombinationen einzugeben. Die eigentliche Stärke des Casio dürfte für die meisten Anwender in der Adreßfunktion liegen. Neben dem abgebildeten Digital Diary SF-4600 mit 64 KB Speicher bietet Casio noch ca. 20 weitere Modelle mit unterschiedlichster Ausstattung an. Eines der Spitzenmodelle bietet z.B. 256 KB Speicher und ein Display im Deckel mit 10 Zeilen à 40 Zeichen. Das Digital Diary SF-4600 hat 4 Zeilen mit je 16 Zeichen. Die Datenübertragung mit XCasio funktioniert, dank eines genormten Protokolls, mit allen Casio- Datenbanken außer den Kindermodellen und dem kleinen SF-A10, da hier die Schnittstelle nur für Datenübertragungen zu weiteren SF-A 10 Geräten gedacht ist. Neuere Modelle, wie die mit "BX" endenden Typen "SF-46OOBX" und andere haben keine Extratasten zur Anwahl der Adreß-, Memo- und Terminfunktion. Hier müssen diese zentralen Funktionen umständlich über ein Auswahlmenü aufgerufen werden.

Ab in die Tasche

Vor einer Reise exportiert man die wichtigsten Adressen aus der heimischen Datenbank und überträgt sie auf den Casio, was bei 100 Adressen (6,2 KB) und 4800 Baud etwa sechs Minuten dauert. Größere Casio-Mo delle verkraften auch höhere Baudraten. Die Datenübertragung wird durch diverse Prüfsummen verlangsamt, wodurch aber gleichzeitig eine extrem hohe Datensicherheit gewährleistet ist. Zudem sortiert der Casio ankommende Daten in die Liste, der bereits gesendeten, ein, was die Übertragung von Datensatz zu Datensatz langsamer macht. Bei der Rückübertragung zum ATARI geht es dann ohne das Sortieren erheblich schneller. Unsere 100 Beispiel-Adressen waren bereits nach einer Minute und sechs Sekunden wieder im ATARI.

Brückenschlag

Die Oberfläche von X-Casio ist genau auf die Übertragung zugeschnitten. Leider kann das Programm nur Daten im 1ST-Base-Format lesen und schreiben, diese müssen in Dateien mit festgelegten Namen vorliegen: TEL.1BF für Adressen, MEMO.LBF für Erinnerungen und SCHEDULE.LBF für Termine. Besitzer anderer Datenbanken müssen daher überdie Exportfunktion ihre Daten zu nächst an die mitgelieferte Demo von 1ST-Base übergeben. Dort speichert man die Daten über die Export-Funktion mit der Parametereinstellung Systemformat (.1BF) ab. Der Parameter-Dialog wird über einen kleinen Button im Export- Dialog aufgerufen. Dieser Umstand liegt darin begründet, daß X-Casio eigentlich ein Modul für die voll relationale Datenbank 1ST-Base aus gleichem Hause werden sollte. Aus technischen Gründen avancierte X-Casio dann aber zum Einzelkämpfer.

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Die Oberfläche der Übertragungssoftware

Zurück zu den Wurzeln

Bei der Rückübertragung der Daten zum ATARI empfiehlt es sich, zunächst die exportierten Adressen in 1ST-Base zu löschen und dann die aktuellen Versionen mit den dazugekommenen Adressen vom Casio zu importieren. Leider passiert aber meist, was eigentlich nicht vorkommen sollte: Irgend jemand ändert am ATARI etwas an den Adressen, die gerade im Casio stecken und auch dort verändert worden sind. Im Zweifelsfalle ist dieser "irgend jemand" man selber, gezwungen durch plötzliche Anrufe oder ähnliche Naturkatastrophen.

Abgleich

Für den Fall, daß man im Casio und im ATARI Daten geändert hat, gibt es Lösungen. Genialerweise bietet 1ST-Base als Funktion den Datenabgleich, mit dem einzelne Felder oder Feldkombinationen querdurch alle Datensätze verglichen werden können. Man schickt also die Daten aus dem Casio wieder an 1ST-Base und sieht sich dann per Datenabgleich an, welche ansonsten identischen Adressen sich z.B. im Feld "Telefon" unterscheiden. Angezeigt werden die Dubletten im Listenmodus direkt untereinanderstehend. Die importierte Version ist selektiert. Jetzt kann eine der beiden Dubletten gelöscht oder mit der anderen zusammengefügt werden. Hierbei wäre eine Kopierfunktion für Textteile in einzelnen Feldern praktisch. Glücklicherweise steht genau diese Funktion auf der Liste der Ankündigungen für die Version 3 von 1ST-Base (GEM-Clipboard inklusive).Als weitere Hilfestellung kann man sich als Anwender konsequent alle bearbeiteten Datensätze im Casio durch ein sonst nicht benötigtes Sonderzeichen kennzeichnen. Steht an erster Stelle vor dem Namen z.B. ein $-Zeichen, können später über einen Suchbefehl in 1ST-Base die geänderten und neuen Adressen, vor dem Import in die eigentliche Datenbank, herausgesucht werden.

Abgerechnet

Ein weiteres Anwendungsgebiet für den Casio wäre etwa die Eingabe von Reisespesen während einer Zugfahrt. Zuhause angekommen, können die Daten in den ATARI überspielt werden. Die empfiehlt sich schon aus Gründen der Datensicherung. Die Feldnamen FREE1 bis FREE6 lassen sich hierfür im Casio umbenennen. Leider umfaßt das von Casio festgelegte Übertragungsprotokoll jedoch nicht die geänderten Feldnamen, so daß man bei der wenig ausdruckstarken Benennung FREE1 bis FREE6 bleiben muß. Hier hilft ein kleiner Notizzettel auf der Innenseite des Casio-Deckels oder unter dem Gerät. Noch eleganter wäre ein elektronischer Notizzettel im Casio mit Memo-Funktion.

Das Kabel

Bei der ATARI-Connection spielt das Spezialkabel zwischen dem ATARI und dem Casio eine besondere Rolle. Auf der Seite des Casios blinkt ein vergoldeter Klinkenstecker in einem Sonderformat. Am anderen Ende sorgt ein 25poliger Stecker mit eingebauter Mini-Elektronik für die nötige Verständigung mit dem ATARI ST via Modem-Port. Ein zusätzlicher Adapter ermöglicht den Anschluß an den 9poligen Modem-Port oder die serielle Schnittstelle des TT. In unserem Test bewährte sich der Modem-Port des TTs.

Die Oberfläche

X-Casio gehört zu den selbsterklären den Programmen. In den Dialogboxen wird mit wenigen Worten erklärt, was im nächsten Arbeitsschritt zu tun ist. X-Casio läuft zwar auch unter dem Multitasking-System MagiC von ASH, liegt aber leider nicht in einem GEM-Fenster, womit andere Anwendungen während der Übertragung nicht erreichbar sind. Der Hersteller begründet dies mit Timing- Problemen, die sich ansonsten störend bemerkbar machen können.
Falcon-Besitzer sollten sich bei der Bestellung als solche zu erkennen geben, da es bei manchen Falcons Hardware-Probleme gibt, die sich nicht durch das mitgelieferte Patch-Programm lösen lassen.

Fazit

Betrachtet man X-Casio als externes Modul für 1ST-Base, verdient es fünf von fünf Mäusen. Ideal wäre allerdings ein eigenständiges Programm, das auch direkt ASCII-Formate verarbeiten kann.

Preise:
X-Casio mit Spezial-Übertragungskabel: 89 DM

Casio Digital Diary SF4300 mit
32 KB für ca. 400 Adressen: 99 DM

Casio Digital Diary SF4600 mit 64
KB, ca. 800 Adressen: 149 DM

Bezugsquelle:
VICTOR GmbH
Halbmond 8
21481 Lauenburg

X-Casio
Positiv:
unkomplizierte Handhabung
Spezialkabel im Lieferumfang
Negativ:
keine Verarbeitung von ASCII-Dateien

Hagen Henke
Aus: ST-Computer 01 / 1996, Seite 12

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