Die schreibende Zunft - Textverarbeitungen für den ATARI

Das Thema Textverarbeitung hat auf dem ATARI nichts an Brisanz eingebüßt. Zum einen gibt es ein umfangreiches Angebot an interessanter Software. Zum anderen ist die Nachfrage durch die Anwender ungebrochen. Wir stellen Ihnen in unserer Marktübersicht alle Textprogramme vor.

Zur Zeit buhlen sechs verschiedene Textverarbeitungsprogramme um die Gunst des Anwenders bzw. Käufers. Es sind dies 1st_Word Plus 4, papyrus GOLD (das es auch als Normalversion gibt), Script 3.5, Signum!3, Tempus Word pro (auch als Student und junior erhältlich) sowie That’s Write 3.

Fast alle der genannten Software-Pakete sind alte Bekannte - in Einzelbesprechungen hat die ST-Computer bereits über alle berichtet. Einzige Ausnahme: Die Neuauflage von 1st_Word Plus, das wie der Phönix aus der Asche bei Compo auferstanden ist und nun auf die Versionsnummer 4 hört. Update-Berichte sowohl über Script 3.5 als auch Tempus Word 2.8 finden Sie ebenfalls in dieser Ausgabe der ST-Computer.

Umfeld

Die Bedingungen für Textprogramme haben sich im Laufe der Jahre stark verändert. Beispielsweise bei den Ausgabegeräten. Standen noch vor gar nicht langer Zeit fast nur Drucker mit 9 oder 24 Nadeln als Ausgabemedien bereit, so müssen heute auch alle Sorten von Laser- und Tintenstrahldruckern bedient werden können.

Oder die Schriften: Genügte es dem ATARIaner vergangener Tage, Fonts im Signum!2-Format verarbeiten zu können, so ist heute die Verarbeitung der Speedo Vektorschriften obligatorisch. Ganz automatisch muß sich das Programm dann übergreifender Systemfunktionen bedienen.

Die Anwender und ihre Ansprüche sind mit den Produkten gewachsen: Sie erwarten Dinge wie den Import beliebig großer Grafiken, intelligente Cut/Copy/Paste-Funktionen, eine intuitive Oberfläche etc.

In der letzten Zeit hat sich in erster Linie das Umfeld verändert, in dem sich die Software zurechtfinden muß. Immer mehr Anwender wollen mehrere Programme gleichzeitig laufen lassen und benutzen dafür MultiTOS oder MagiX!. Darin muß sich ein Programm zurechtfinden, will es auf dem Stand der Software-Technik sein. Aber auch die Benutzer selbst wollen sich schnell mit der Bedienung auskennen. Gerade bei der gleichzeitigen Abarbeitung mehrerer Programme ist es schlicht unmöglich, sich ständig neue Tastenkürzel zu merken.

Der Standard, den ATARI ihren Rechnern mitgab, heißt GEM. Und der Betriebssystemaufsatz NVDI verhilft GEM zur zeitgerechten Geschwindigkeit (er sei daher jedem Textverarbeiter ans Herz gelegt). GEM hat im Laufe der Jahre Erweiterungen erfahren, die z.T. festgeschrieben sind (wie das XACC-Protokoll zur Kommunikation zwischen Accessories und Programmen) oder sich einfach eingebürgert haben. Sie schaffen eine Oberfläche, die einerseits gut zu bedienen und andererseits schnell ist und dem Bediener nur ein geringes Maß an Umdenken zwischen einzelnen Anwendungen abverlangt.

Für Eigenentwicklungen, und seien sie noch so funktional, ist da kein Platz mehr. Es sei denn, der Anwender will wirklich nur das eine einzige Programm benutzen und schaltet den Computer nur dafür ein. Dann kann ihm jeglicher Standard natürlich schnuppe sein. Doch wer arbeitet so?

Anspruchshaltung

Wenn wir gleich feststellen werden, daß Texte heute auf dem ATARI auf hohem Niveau bearbeitet werden können, so heißt das auch, daß wir Anwender der Software etwas bieten müssen: nämlich Hardware.

Der 1040er vergangener Tage hat ausgedient, wenn die hier zur Diskussion gestellte Software laufen soll. Es sei denn, er ist mit einer Festplatte ausgerüstet und mit 2 oder besser 4 Megabyte Speicher auf zeitgemäße RAM-Werte aufgestockt worden. Wie bereits erwähnt, bieten sich Tinten- oder besser Laserdrucker an, die schönen Schriften qualitätsgerecht zu Papier zu bringen. Tut ein Nadeldrucker sein Werk, so sollte es ein im Grafikmodus besonders schnelles, also ein moderneres Modell sein.

Standermittlung

Im folgenden werden Sie zu jedem Programm eine kurze Charakterisierung finden, anhand derer Sie die herausragenden Merkmale der jeweiligen Software erkennen können. Im Anschluß daran folgt eine große Tabelle, die eine Übersicht über den Leistungsstand der Programme bietet.

In dieser Tabelle sind - unterteilt nach Bereichen - Features aufgeführt, wie sie bei Textverarbeitungsprogrammen üblich sind. Sie soll Ihnen als Hilfestellung dienen, ein Programm zu ermitteln, das Ihren Ansprüchen gerecht wird.

Daß die Text-Software im ATARI-Markt eine durchweg hohe Qualität hat, erwähne ich nicht zum ersten Mal. Dieses Urteil bestätigt sich durch diesen Vergleich einmal mehr. Zudem purzeln zur Zeit die Preise, und das kann dem Anwender nur recht sein. Es ist dies sicher auch eine Folge des reichen Angebotes. Jedenfalls ist das Preis-Leistungsverhältnis bei allen Angeboten gut oder sehr gut.

Auch an der Software selbst gibt es kaum ernsthafte Mängel festzustellen. Mal ist das Bedienungskonzept nicht ganz so intuitiv, mal ist das Handbuch etwas knapp. Vielleicht fehlt hier eine Funktion, die es dort gibt. Grobe Ausreißer konnten wir nicht feststellen. Dennoch ist Raum für Weiterentwicklungen bei allen getesteten Anwendungen vorhanden.

So hat die Übernahme des Speedo-Font-Konzeptes Spuren im Konzept einiger Programme hinterlassen. Denn eine Schrift, die in allen Größen verfügbar ist - das konnte bei der Programmgestaltung (die ja z.T. vor Jahren stattfand) nicht bedacht werden. Daß gerade das Prinzip der skalierbaren Schriften weitreichende Konsequenzen hat, zeigt z.B. der Datentausch im RTF-Format. Erfreulicherweise beherrschen bereits drei Programme dieses systemübergreifende Dateiformat, mit dem auch sehr viele Formatinformationen übertragen werden können. Doch bei jedem Versuch, einen Text mit Vektorschriften von einem ATARI- Programm ins nächste zu transferieren, ging wenigstens die Font-Information verloren.

Immer wieder hat die Rechner- und Software-Entwicklung solche Umbruchphasen erlebt. Als Anwender kann man sich freuen, daß an den Programmen fleißig gearbeitet wird und mit neuen Versionen Übergangslösungen wie oben beschrieben beseitigt sind. Letztlich bekommt man also ausgereifte Programme für wenig Geld, wenn man sich der schreibenden ATARI-Zunft anvertraut.

IB

1st Word PLUS 4

Die Neuerscheinung auf dem ATARI-Markt heißt 1st Word Plus. Der Veteran, der für sich verbuchen kann, eines der ersten Programme für GEM gewesen zu sein, ist aus den Händen seiner Väter von GST zu Compo gewechselt. Compo hat die Rechte am Namen erworben und bringt darunter eine abgespeckte Version seines That’s Write heraus.

So gesehen hat das in die Jahre gekommene Programm kräftig zugelegt: Langenscheidts Wörterbuch, ein eingebauter Speedo-Font-Lader und reichlich sinnvolle Funktionen sind nun mit an Bord. Der Wechsel zu Compo hat aber einen Haken: Die GEM-Treue, die Word Plus besaß, fehlt ihm jetzt. Die Oberfläche der 4er-Version entspricht haargenau der von That’s Write - es trifft sie daher auch die gleiche Kritik (siehe weiter unten).

Wie That’s Write auch, ist 1st Word Plus kein Meister in Sachen Geschwindigkeit. Wer 30 Seiten auf einen Schlag umformatieren möchte, muß schon ein wenig Geduld aufwenden. Die Formatierung der Absätze während der Tipparbeit erledigt das Programm in längeren Pausen zwischen den Tastenanschlägen: Ein Verfahren, das andere Programme eleganter verfolgen.

1st Word Plus ist das preiswerteste Programm in unserer Marktübersicht, und dabei keine 'Light Version' wie man vermuten könnte. Wichtige Features wie Absatzformate, Trennfunktion und Grafikeinbindung fehlen nicht, und sogar Makros lassen sich programmieren. Schade nur, daß die Oberfläche nicht ganz dem Standard heutiger Software entspricht.

IB

Bezugsquelle:
Compo-Software Vaalser Str. 540 52074 Aachen

Preis: 199,- DM
Paket mit 40 Schriften: 99,- DM
Update von jeder Word-Plus-Version: 99,- DM

DER EDITOR 1st Word Plus 4.0 papyrus GOLD Script3.5 Signum!3 Tempus Word 2.8 pro That’s Write
Menüs per Tastatur Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Dialoge per Tastatur Ja Ja Ja Nein Ja Ja
Tastaturbefehle für: - Wortweise springen Ja Ja Ja Ja Ja Ja
-Zeilenenden springen Ja Ja Ja Ja Ja Ja
- Block markieren Ja Ja Nein Ja Ja Ja
- Wort löschen Ja Mit Tastenfolge Nein Mit Tastenfolge Ja Ja
- Klein/Groß tauschen Ja Ja Nein Nein Ja Ja
Micro-Positionierung des Cursors Nein Ja Nein Ja Ja Nein
Cursorpositionen speichern /Marke setzen Ja Ja Nein Ja Ja Ja
OnLine-Formatierung von Absätzen / Seitenumbrüchen Ja/Ja Ja/Ja Ja/Ja Ja/Ja Ja/Nein Ja/Ja
UNDO Nur für Blockfunktionen Nicht für alle Funktionen Ja Ja Nur für Blockfunktionen Nur für Blockfunktionen
Vertikale Blöcke Nein Nein, aber diskontinuierliche Blöcke Nein Nein Nein Nein
,Drag and Drop‘-Blockfunktion mit Maus Nein Ja Nein Ja Ja Nein
Blockoperationen mit Leerzeichenanpassung Nein Ja Ja Ja Nein Nein
Floskeln auf Tasten Ja Nein Nein Nein Ja Ja
Tastaturmakros (Kommandos) Ja Nein Nein Ja Ja Ja
variable Tastaturbelegung Ja, mit Zusatzprogramm Ja, mit Zusatzprogramm Nur Ziffernblock Ja Ja Ja, mit Zusatzprogramm
von rechts nach links schreiben Nein Ja Nein Ja Nein Nein
Platzhalter (Datum, Dateiname, Seitennr. etc) Seitennummer Datum und Seitennummer Zeit, Datum und Seitennummer Datum und Seitennummer Ja Ja
mehrere Texte gleichzeitig Ja Ja Ja Ja Ja Ja
versteckter Text (nicht druckbare Anmerkungen) Nein (Text)-Objekte lassen sich verstecken Nein über Drucker-Font Ja Ja
Referenzen (Verweise auf Textstellen) Nein Nein Nein Nein Ja Nein
Formelgenerator (Formelsatz) Nein Ja, mit Zusatzprogramm Nein Nein Ja, mit Zusatzmodul Ja, mit Zusatzprogramm

papyrus GOLD

Als papyrus Vorjahren das Licht der ATARI-Welt erblickte, war man geneigt, von 'noch einer Textverarbeitung' zu sprechen. Zu groß schien das gesamte Angebot. Bald war klar, daß papyrus den Brückenschlag von Textverarbeitung zu DTP versucht. Sozusagen als Layout-Programm des kleinen Mannes.

Diese funktionale Verbindung ist geglückt, mit papyrus können Pixel- und Vektorbilder, Spaltensatz etc. bearbeitet werden. Ein besonderem Highlight ist der sehr gute Tabellensatz. Einmalig unter den Textverarbeitungen im ATARI-Markt ist die Zoom-Funktion. Die Benutzerführung ist nicht immer so klar und intuitiv wie bei Script - häufig besitzt papyrus aber auch mehr Fähigkeiten.

Den Bogen zur 'richtigen' Textverarbeitung spannt die GOLD-Version, auf die auch Benutzer der Normalausgabe via Upgrade aufsatteln können. Hier finden sich dann Inhalts- und Indexerstellung, Serienbriefe etc. Und doch bleiben Selbstverständlichkeiten wie der Absatzabstand unerfüllt. Auch das Zeitverhalten ist durchaus kritikwürdig: Einige Funktionen sind schlicht langsam. Dagegen gebührt papyrus das Lob, das Konzept der skalierbaren Speedo-Schriften am konsequentesten umgesetzt zu haben.

IB

Bezugsquelle:
R.O.M. Software Raschdorffstraße 99 13409 Berlin

Preise:
papyrus: 249,- DM
papyrus GOLD: 398,- DM
Speedo GDOS mit 14 Schriften: 50,- DM

Script 3.5

Eigentlich sollte Script vor vielen Jahren nur ein 'kleines Signum!' werden, mittlerweile ist eine große und ernstzunehmende Textverarbeitung daraus erwachsen. Ein Grundgedanke hat sich durch die Jahre in Script gehalten und wird auch in der Version 3.5 konsequent verfolgt: Die einfache Bedienerführung und die geradezu sprichwörtlich intuitive Bedienung.

Tatsächlich funktionieren bei Script alle wesentlichen Funktionen genau so, wie man es erwartet hätte, und der Blick ins Handbuch bleibt dem Anwender häufig erspart. Das macht das Programm gut geeignet für den gelegentlichen Einsatz. Was natürlich nicht heißt, daß nicht auch große Dokumente damit erstellt werden können.

Für umfangreichen Arbeiten allerdings fehlen einige Funktionen wie Inhaltsverzeichniserstellung etc. Herausragend: die UNDO-Funktion sowie der Entwurfsdruck, bei dem die druckerinternen Schriften benutzt werden. Durch die gerade erfolgte Preissenkung kann man bei Script von einem äußerst günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis sprechen. Der Hersteller Purix bietet Script 3.5 nun über eine Vertriebsfirma an.

IB

Bezugsquelle:
Pagedown Hannoversche Straße 144 37077 Göttingen

Preis: 239,- DM
für Studenten: 179,- DM

DIE FORMATE 1st Word Plus 4.0 papyrus GOLD Script3.5 Signum!3 Tempus Word 2.8 pro That’s Write
Tabulatoren li/re/zentr /dezi/mit Füllzeichen Ja/Ja/Ja/Ja/Nein Ja/Ja/Ja/Ja/Nein Ja/Ja/Ja/Ja/Nein Ja/Ja/Ja/Ja/Nein Ja/Ja/Ja/Ja/Ja Ja/Ja/Ja/Ja/Nein
Dokumente als Vorlage speicherbar Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Absatzformate=lineale Ja Ja Ja Ja Ja Ja
- kopierbar Ja Ja Ja Ja Ja Ja
- speicherbar Ja, mit Seitenlayout Nein (nur mit Text gemeinsam) Ja, in Arbeitsumgebung (INF-Datei) Ja Ja Ja, mit Seitenlayout
Absatzabstand / Absatzvorabstand Ja/Ja Ja/Ja Ja/Ja Ja/Nein Ja/Nein Ja/Ja
freier Zeilenabstand Abstand wählbar Nein, nur 6 verschiedene mit 2 mm Abstand wählbar Ja Ja Ja Ja Nein nur 6 verschiedene mit 2 mm
geschützte (Formel-) Bereiche Nein Nein, Microspacing ist automatisch geschützt Nein Ja Ja, mit .Bereich schützen' Nein
Schutz vor Seitenumbruch (Klammern) Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Seitenformate speicherbar Ja, mit Absatzformat Nein Nein Ja Ja Ja, mit Absatzformat
mehrere Seitenformate in einem Text Ja Ja Ja Nein Ja Ja
- verschiedene Kopf-/ Fußzeilen in einem Text Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Fuß-/Kapitel-/Endnoten Ja/Nein/Ja Ja/Nein/Nein Ja/Nein/Ja Ja/ Ja/Ja Ja/Ja/Ja Ja/Nein/Ja
Fuß- und Endnoten gleichzeitig Nein - Nein Ja Ja Nein
Spaltensatz Ja Ja Nein Ja Ja Ja
Seitenvorschau Ja Ja, durch Zoomfunktion Ja Ja Ja Ja
Senkrechtes Lineal / entspricht Position der Druckausgabe Nein/Nein Ja/Ja Ja/Nein Ja/Nein Nein/Nein Nein/Nein
Suchen und Ersetzen von Textattributen Nein Nur Ersetzen (über diskontinuierliche Blocke) Ja Ja Ja Nein
FONTS UND GRAFIK 1st Word Plus 4.0 papyrus GOLD Script3.5 That's Write 2.8 pro That’s Write
Signum2!-Fonts benutzen Ja, mit Zusatzprogramm Ja Ja ja Ja Ja, mit Zusatzprogramm
Signum3!-Fonts benutzen Nein Nein Ja, älteres Format .3 Man Nein
GDOS-Pixelfonts benutzen Nein Ja Nein H>r Nein Nein
SPEEDO-Fonts benutzen Ja, auch ohne SPEEDO Ja Ja Her Ja Ja, auch ohne SPEEDO
Calamus-Fonts benutzen Ja, durch Konvertierung in Pixelfont mit Zusatzprogramm Nein Nein Herr. ja. arettes Laden "-ist Zixsatzmodul Ja, durch Konvertierung in Pixeifont mit Zusatzprogramm
Zeichensatz-Kerning Ja, mit SPEEDO-Fonts Ja, mit SPEEDO-Fonts Ja, mit entsprechenden Fonts Ja Ja, mit SPSDO-fonts Ja, PostScript-Version alle PS-Schriften, sonst mit SPEEDO-Fonts
Formatierung mit Drucker-Proportionalfonts Ja Nein Nein Nein Ja Ja
Pixelbilder im IMG-Format Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Vektorgrafik im GEM-Format Nein Ja Nein Nein Ja Nein
grafische Objekte (Rahmen etc.) Nein Ja Nur Rahmen um Absätze Ja Ja Nein
Farbige Grafiken Nein Nein, Objekte können eingefärbt werden Nein Ja Nein Nein
Farbiger Text Nein Ja Nein Ja Nein Nein
automatischer Textumfluß um Grafiken Nein Ja Nein Nein Nein Nein

Signum!3

Signum!3 ist der Klassiker der ATARI-Textverarbeitungen schlechthin. Viele Fans halten ihm seit Jahren die Stange. Und Signum!3 polarisiert die Schar der potentiellen Anwender: Die einen werden nie eine andere Textverarbeitung haben wollen, die anderen meinen, damit nicht zurechtzukommen.

Besonders im wissenschaftlichen Bereich hat sich Signum! einen Namen gemacht. Denn lange Zeit galt es als die einzige Alternative zum Satzsystem TeX. Wer viele Formeln zu schreiben hat, der wird mit Signum! nach wie vor am besten bedient sein. Mit seiner herausragenden Geschwindigkeit und Druckqualität hingegen halten mittlerweile auch andere Programme mit.

Was noch vor Jahren als schick galt, wird Signum! heute zum Handicap: Die eigenwillige Oberfläche, die viele GEM-Konventionen und Betriebssystemfunktionen hinter sich läßt. Das Programm läuft brav unter MagiX! und MultiTOS -jedoch kann der Zugriff auf parallel arbeitende Applikationen nur erfolgen, wenn Signum! sich zur Untätigkeit in ein Fenster verbannt hat. Zwar sind die Bemühungen, die Menüs in GEM-Nähe zu bringen, erkennbar (z.B. die Blockfunktionen via Klemmbrett), dennoch ist eine kurze Phase der Umgewöhnung notwendig.

Die Funktionen von Signum3! sind durchdacht und vielseitig, klassische Büroanwendungen wie Rechnen im Text oder z.B. einen Formularmodus sucht man allerdings vergeblich. Die Zielsetzung ist der wissenschaftliche Sektor, den ein integriertes Zeichenprogramm, der gute Tabellensatz und die freie Gestaltbarkeit von Formeln sowie die zeitsparende Entwurfsdruckfunktion erfreut.

IB

Bezugsquelle:
Application Systems Heidelberg En gierStraße 3 69126 Heidelberg

Preis: 398,- DM

Tempus Word 2.8

Über die insgesamt drei verschiedenen Versionen von Tempus Word lesen Sie mehr an anderer Stelle dieser ST-Compu-ter in unserem Update-Bericht über das Programm aus Eltville.

Das beeindruckendste an T_WORD, wie es bei CCD heißt, ist seine Geschwindigkeit. Jede Funktion läuft mit minimalem Zeitaufwand ab. Daneben ist der Funktionsumfang ebenfalls sehr mächtig, was wiederum eine gewisse Einarbeitungszeit in das Programm notwendig macht. Das gilt besonders für die pro-Version, die mit Funktionen wie den Referenzen einzigartig im ATARI-Markt ist.

Die beiden anderen Ausgaben von Tempus Word (student undjunior) sind jeweils um einige Fähigkeiten erleichtert, aber nichtsdestotrotz vollständige Programme. Wer klein anfangen möchte, kann bei CCD auch gegen Zahlung der Differenzsumme aufstocken.

Im Fahrwasser der Textverarbeitungen hält CCD mehrere Module im Angebot, die das Laden von Calamus-Fonts, die Gestaltung von Überschriften und besonderen "Eye-Catcher"" sowie das Erstellen von Formeln ermöglichen.

IB

Bezugsquelle:

CCD Creative-Computer-Design Hochheimer Straße 5 65343 Eltville

Preise:

Tempus Word junior: 199,- DM
Tempus Word Student: 454,- DM
Tempus Word pro: 654,- DM
Formel Pi-Modul: 89,- DM
Write and Flip-Modul: 59,- DM
Calamus-Fontloader für unserialisierte hzw. alle Schriften: 59,- bzw. 99,- DM

That’s Write 3

Auch Tha's Write ist ein alter Bekannter im ATARI-Markt. Die Textverarbeitung, die einst aus dem StarWriter hervorging, wird nun von Compo in der dritten Generation angeboten. Betrachtet man ausschließlich die Funktionalität, die That's Write zu bieten hat, und setzt diese in Bezug zum Preis - das Programm müßte alles schlagen.

Daß dem nicht so ist, liegt an der eigenwilligen Oberfläche, die das Aachener Softwarehaus ihrem Produkt nach wie vor mitgibt. Die Dialoge wirken hausbacken und entsprechen nicht dem 'Look and Feel' anderer, GEM-Programme. Im Lieferumfang befindet sich das No-System, eine Auto-Ordner-Anwendung, die den Compo-Programmen zu einer Oberfläche im 3D-Look verhilft. Die That’s Write-Fenster stehen unter eigener Verwaltung, was MagiX!-Funktionen wie das Verbergen des Programms unmöglich macht.

Zudem wird dadurch keine Zeit gewonnen - im Gegenteil. Für den Aufbau von Fenstern und Dialogen benötigt That’s Write auffällig mehr Zeit als andere Anwendungen. Das gilt ebenso für viele andere Funktionen wie z.B. das gesamte Umformatieren des Textes, das erst in Schreibpausen erfolgt. Insgesamt ist das Programm also kein Geschwindigkeitsmeister.

Schnell hingegen ist der Ausdruck, wenn man auf Speedo-Schriften verzichtet (von denen allerdings erfreulicherweise 14 mitgeliefert werden). Denn That’s Write beherrscht virtuos die Vermengung druckereigener Schriften mit grafischen Fonts. Das hat zwar den Nachteil, daß beim Wechsel des Druckertreibers der Text neu umgebrochen wird - die meisten Anwender werden das aber verschmerzen können.

Weitreichende Möglichkeiten stehen dem offen, der sich mit der internen Programmiersprache, den sogenannten Anweisungen, befaßt. Mit ihnen lassen sich Abläufe sehr gut automatisieren - besser als mit jedem anderen der hier besprochenen Programme.

IB

Bezugsquelle:

Compo-Software Vaalser Str. 540c 52074 Aachen

Preis: 399,- DM
Paket mit 40 Schriften: 99,- DM

DIE SONDERFUNKTIONEN 1st Word Plus 4.0 papyrus GOLD Script 3.5 Signum!3 Tempus Word 2.8 pro That's Write
Rechnen im Text Nein Ja Ja Nein Ja Ja
Formularmodus Nein Ja Nein Nein Ja Nein
Tabellensatz Nein Ja Ja Ja Ja Nein
Serienbriefe Ja Ja Ja Ja Ja Ja
- Übernahme der Daten direkt aus IST-Base Ja Ja Ja Nein Ja Ja
DIE KORREKTUR
Wörterbuchfunktion Ja Ja* Ja Ja, mit Zusatzprogramm Ja Ja
On-Line-Prüfung/-Korrektur Ja/Ja Ja/Ja Ja/Nein Nein/Ja Ja/Ja Ja/Ja
Benutzer-Wörterbuch Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Korrekturvorschläge Ja Ja Ja Ja Ja Ja
fremdsprachige Wörterbücher optional erhältlich Nein Nein optional erhältlich optional erhältlich optional erhältlich
Synonymlexikon (Thesaurus) Nein Nein Nein Nein Nein Nein
Silbentrennfunktion Ja Ja Ja Ja Ja Ja
- mit Ausnahmen/ nach Wörterbuch Ja/Ja Ja/Nein Ja/Nein Ja/Nein Ja/Nein Ja/Ja
DIE VERARBEITUNG DER TEXTE
Inhaltsverzeichnis Ja Ja Nein Ja Ja Ja
Index (Stichwortregister) Nein Ja Ja Ja Ja Ja
automatische Numerierung (von Überschriften) Nein Nein Nein Nein Ja Ja, mit Anweisungen
Gliederung Ja Nein Nein Ja Ja Ja
Textinformationen: Kommentare, Autorenvermerk Ja Nein Nein Nein Ja Ja
- Dokumentverwaltung anhand der Informationen Nein - Ja Ja
Textbausteine/ mit Kürzelautomatik Ja/Nein Nein/Nein Ja/Nein Ja/Nein Ja/Ja Ja/Nein
Textaufteilung auf mehrere Dateien Ja Nein Nein Nein Nein Ja
DER DATENTRANSFER 1st Word Plus 4.0 papyrus GOLD Script 3.5 Signum!3 Tempus Word 2.8 pro That’s Write
ASCII-Import zu Fließtext Ja Ja Ja Ja Ja Ja
ASCII-Export Ja Ja Ja Ja Ja Ja
ASCII Zeilen-, Absatzkennung parametrierbar Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Calamus CTX-Format lesen/schreiben Nein/Nein Nein/Nein Nein/Nein Nein/Nein Nein/Ja Nein/Nein
1st Word 1.x, 2.x, 3.x-Format lesen/schreiben Ja/Nein Ja/Nein Nein/Nein Nein/Nein Ja, mit Zusatz-programm/Nein Ja/Nein
Signum!2-Format lesen Nein Ja Nein Ja Ja, mit Zusatzprogramm Nein
RTF-Format lesen/schreiben Nein/Nein Ja/Ja Ja/Ja Nein/Nein Ja/Ja Nein/Nein
Text als GEM-Image 'drucken' Nein Ja Ja Ja Ja Nein
Text faxen Ja, mit QFax und TeleOffice Ja, mit QFax und TeleOffice Ja, mit QFax und TeleOffice Ja, mit QFax und TeleOffice Ja, mit QFax und TeleOffice Ja, mit QFax und TeleOffice
Sichern mit Backup Ja Ja Ja Ja Ja Ja
automatisches Sichern nach bestimmter Zeit Ja Ja Ja Nein Ja Ja
Paßwortsperre und Verschlüsselung der Texte Nein Nein Nein Ja Ja ja
Job (Arbeitsumgebung) sichern Ja Ja Ja Nein Ja Ja
verschiedene Arbeitsumgebungen laden Nein Nein Ja Nein Ja Ja
DAS PROGRAMM IN DER ATARI-WELT
Accessories direkt zugänglich Ja Ja Ja Ja, eingeschränkt ** Ja Ja
Parallelverarbeitung unter MultiTOS, MagiX! Ja, bei MagiX! eingeschränkt Ja Ja Ja, eingeschränkt ** Ja Ja, bei MagiX! eingeschränkt
GEM-Clipboard-Unterstützung Ja Ja Ja Ja Ja Ja
läuft in Farbauflösungen über 640 x 400 Ja Ja Ja Nur mit Treibern für Grafikkarten (Z.B. NVDI) bis 256 Farben Ja Ja

** Beim Zugriff auf ACCs und andere Programme wird Signum! in ein Fenster gelegt und ist funktionslos.

DER DRUCK 1st Word Plus 4.0 papyrus GOLD Script 3.5 Signum!3 Tempus Word 2.8 pro That’s Write
Drucken direkt auf par. Schnittstelle (schnell) Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Drucken über BIOS (Spooler, Netzwerk) Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Warteschlange mit Hintergrunddruck Nein Ja Nein Ja Ja Nein
Drucken in Druckerdatei Ja Ja Ja Ja Ja Ja
Drucken mit Drucker-Fonts (Entwurfsmodus) Ja Nein Ja Ja Ja Ja
Drucken im Querformat Mit HP LaserJet 3 und 4 Ja Ja Ja Ja Mit HP LaserJet 3 und 4
Verkleinert drucken Nein Ja Ja Ja Ja Nur PS-Version
Druckzeilen-Numerierung Nein Nein Nein Nein Ja Nein
Direktausgabe auf Atari-SLM-Laser Ja Ja Ja Ja ja Ja
Druckertreiber editierbar Ja, mit Zusatzprogramm Ja Ja Ja Ja Ja, mit Zusatzprogramm
Treiber für 9-/24-Nadler/HP-Laser Ja Ja Ja Ja Ja Ja
600 DPI-Druck Ja Ja Nein Ja, nicht für Schriften Ja Ja
Datenkomprimierung für HP-kompatible Drucker Ja Ja Nein Ja Ja Ja
HANDBUCH UND ANDERE HELFER 1st Word Plus 4.0 papyrus GOLD Script 3.5 Signum!3 Tempus Word 2.8 pro That’s Write
Hilfefunktion im Programm Ja Nein, aber Bedienfehler-Erklärung Nein Ja Ja Ja
Installationsprogramm Ja Ja Nein Ja Ja Ja
Fonteditor Ja Nein Nein Ja Ja Ja
Handbuch mit Stichwortverzeichnis ja Ja Ja Ja Ja Ja


Aus: ST-Computer 05 / 1994, Seite 44

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